Kirchen-News
Tapezieren Schweizer Städte: Agentur C
Atheistische Ur-Version
Christliche Gegen-Reaktion
Calvin
Luzern
Nationale Demonstration für eine offene Kirche
Die geplante Demonstration versteht sich als öffentliches Gebet und ist eine Reaktion auf die Rehabilitierung der Lefebvreisten durch den Vatikan. Die kirchenpolitische Prozession steht unter dem Motto "auftreten statt austreten" und setzt sich für folgende Ziele ein:
- eine Kirche, die sich auf der Basis des II. Vatikanischen Konzils und der
Synode 72 weiterentwickelt;
- die uneingeschränkte Geltung der Menschenrechte innerhalb der Kirche;
- die Mitbestimmung aller Kirchenmitglieder auf allen kirchlichen Ebenen;
- die Gleichberechtigung der Frauen in allen Bereichen;
- die Ökumene und das interreligiöse Gespräch in echter Partnerschaft;
- Meinungsvielfalt und Dialog innerhalb der Kirche.
Sonntag, 8. März, 14.00 bis 16.00 Uhr
Besammlung: 14.00 Uhr vor der Jesuitenkirche Luzern
Schlusskundgebung: 15.15 Uhr vor der Hofkirche
Mit Statements von Rosemarie Zapfl, Anton Rotzetter u.a.
Neuer Leiter im Luzerner Priesterseminar
Bischof Kurt Koch hat den Theologen Thomas Ruckstuhl zum Regens der Diözese Basel ernannt. Die Einsetzungsfeier des neuen Leiters des Priesterseminars oberhalb der Luzerner Hofkirche fand am 15. Februar in der Kapelle des Seminars St. Beat statt.
Das Seminar leidet seit vielen Jahren an einem ständigen Rückgang an Seminaristen. Auch künftige Pastoralassistentinnen und -assistenten, die während eines Teils des Theologie-Studiums im Seminar St. Beat leben, ist in Luzern wie auch in den anderen Schweizer Priesterseminaren (Chur, Fribourg, Givisiez) rückgängig.
Thomas Ruckstuhl ist Nachfolger von Christoph Sterkman. der das Luzerner Seminar seit 1999 leitete.
Schweiz
Maria statt Scharia !
Die Kirche des Kantons Aarau reagiert empört auf eine Plakatkampagne der SVP. Das Plakat, mit dem die Schweizerische Volkspartei in den kantonalen Wahlkampf eintritt, schüre „fremdenfeindliche Emotionen“, schreibt die Landeskirche. Das Plakat zeigt links eine lächelnde Frau mit langem, offenem Haar; rechts ist eine Frau mit Kopf- und Gesichtsschleier abgebildet, deren Sicht durch Gitterstäbe behindert wird. Dazwischen wirbt die Partei mit dem Slogan „Maria statt Scharia!“.
Ob die SVP das katholische Kirchenrecht zum Staatsrecht erheben will, geht aus der Kampagne nicht hervor. In den letzten Jahren hat die SVP jeweils eher zu einer Trennung von Kirche und Staat geneigt.
Novartis-Chef Vasella bei Radio Vatikan abgeblitzt
Daniel Vasella, Präsident und VR-Delegierter von Novartis, sollte im Monat Februar jeweils samstags bei Radio Vatikan aus ethischer Perspektive einen Kommentar zu einem aktuellen Ereignis abgeben. Nun wurde er aber wieder ausgeladen. Dies überrascht und befremdet doppelt. Zunächst war die Wahl von Vasella erstaunlich. Denn ethische Kommentare können kaum glaubwürdig wirken, wenn der Referent als höchst bezahlter Manager Europas 40 Millionen Franken im Jahr kassiert. Doch Vasella wurde nicht aus wirtschaftsethischen Gründen wieder ausgeladen. Sondern vatikanische Kreise haben interveniert, dass Novartis auch Verhütungsmittel produziere. Die fast operettenhafte Geschichte könnte ja zum Schmunzeln anregen, würde sie nicht ein Grunddilemma der katholischen Ethik zum Ausdruck bringen: einen Mangel an wirtschaftsethischer Sensibilität und eine Fixierung auf die Sexualmoral. Die Absage durch den Vatikan bringt nun vermutlich den Abt von Einsiedeln, Martin Werlen, unter Druck. Denn Daniel Vasella berät ihn und das Kloster zusammen mit 12 anderen Schweizer Managern (u.a. Franz B. Humer und Rainer E. Gut) seit Jahren in finanziellen Fragen. Vasella finanzierte u.a. eine Studie für den Klosterbetrieb durch McKinsey. Für diese Beratungstätigkeit scheinen die Verhütungsmittel von Novartis offenbar kein Hindernis darzustellen.
Schweizer Atheisten hinken Engländern hinterher
Seit über einem Monat hängen atheistische Plakate an Bussen und U-Bahnstationen von London und Barcelona. Nun scheint der Plakatkrieg auch auf die Schweiz überzuschwappen. Laut «20 Minuten» hat die Freidenker-Vereinigung der Schweiz (FVS) beschlossen, eine entsprechende Kampagne zu starten. «Wir wollen damit zeigen, wie absurd religiös gefärbte Botschaften sind, beispielsweise die omnipräsenten Bibelzitate der Agentur C», wird die Leiterin der FVS-Geschäftsstelle, Reta Caspar, zitiert. Im Moment werden allerdings noch Spender gesucht, wie auf der Kampagnen-Webseite www.geniess-das-leben.ch zu lesen ist. Das Spendenziel ist laut FVS klar: «Fr. 50‘000.- für religiöse Abrüstung!»
Seit einem Monat werben auf 800 roten Bussen in England und an 1000 U-Bahn-Wänden Londons Plakate einer Kampagne der Britischen Humanisten für religiösen Unglauben. Die Atheisten reagierten damit auf die Inflation von fundamentalistischen Plakaten freikirchlicher Gruppen auf Bussen und Bahnhöfen. Auf den Plakaten stehen die Worte: «Es gibt wahrscheinlich keinen Gott. Also hört auf, euch zu sorgen, und geniesst euer Leben.» Die Kampagne beschäftigte auch die britische Werbeaufsichtsbehörde. Nach deren Vorgaben müssen Aussagen in Reklame-Anzeigen beweisbar oder dokumentiert sein. Dies sei bei dem atheistischen Slogan nicht der Fall. Es gäbe eine Menge Beweise für die Existenz Gottes.
Die englische Aktion griff Mitte Januar auf Spanien über, wo die Plakate auf Bussen in Barcelona prangern und für einen Streit zwischen Christen und Atheisten sorgt. Eine evangelische Gemeinde im Madrider Vorort Fuenlabarada hat bereits darauf reagiert mit eigenen Bus-Plakaten: «Gott existiert. Geniesse das Leben in Christus». Gegen die atheistische Kampagne gehen nun auch christliche Organisationen in England mit eigenen Slogans auf Plakaten und Bussen in die Offensive. Die Trinitarische Bibelgesellschaft platzierte Poster in 100 Londoner Bussen mit Worten aus Psalm 53: "Die Toren sagen in ihrem Herzen: Es gibt keinen Gott". Auch die Christliche Partei von Pfarrer George Hargreaves platziert ab kommender Woche Anzeigen in 50 Bussen der britischen Hauptstadt. Darauf heisst es: "Gott gibt es definitiv. Deshalb schliesse dich der Christlichen Partei an und geniesse Dein Leben". Eine dritte Aktivistengruppe um den Produzenten eines russischsprachigen TV-Senders in London soll es immerhin auf 25 Busse bringen. Diese bekommen den Slogan: "Es gibt Gott. Sorge dich nicht. Geniesse dein Leben".
Graubünden muss über Religionsunterricht abstimmen
Im Kanton Graubünden muss das Volk über ein Volksbegehren zur Einführung von Ethikunterricht an Volksschulen abstimmen. Die Jungsozialisten Graubündens haben an ihrer ausserordentlichen Generalversammlung am Samstag, 14. Februar, entschieden, die entsprechende Initiative nicht zurückzuziehen. Mit ihrer Initiative wollen die Jungsozialisten den Religionsunterricht vom 1.-9. Schuljahr durch einen Ethik-Unterricht ersetzen. Als Argument führen sie an, Religionsunterricht sei nicht mehr zeitgemäss und ethische Bildung dürfe nicht den Kirchen überlassen werden. Offenbar haben die Bündner Jungsozialisten nichts von den globalen Diskussionen seit dem 11. September 2001 mitbekommen, aber die Berge sind ja auch ziemlich hoch im Bündnerland. Das Bündner Parlament hatte die Initiative am 10. Februar mit grosser Mehrheit abgelehnt. Ein Kompromissvorschlag des Grossen Rats sieht pro Woche eine obligatorische Lektion Ethik-Unterricht vor und eine weitere Stunde freiwilligen konfessionellen Unterricht für Angehörige der Landeskirchen.
Für diesen Kompromiss hatten sich sowohl die Bündner Regierung als auch die beiden Landeskirchen stark gemacht. Initiative und Gegenvorschlag kommen voraussichtlich im Mai vor das Volk.
Erste Verleihung eines Ökumene-Labels
Am 17. Februar hat das Präsidium der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in der Schweiz (AGCK) zum ersten Mal zwei Projekten das Oecumenica-Label verliehen. Ausgezeichnet werden die Ökumenische Kampagne der Hilfswerke Fastenopfer/Brot für alle/Partner sein sowie der Ökumenische Kreuzweg Zürich.
Der Ökumenische Zürcher Kreuzweg findet in diesem Jahr bereits zum 15. Mal statt. Der schlicht gestaltete Weggottesdienst führt jeweils durch das Zürcher Stadtzentrum zu symbolträchtigen Orten wie dem Rathaus, dem Paradeplatz, dem Sitz der Fremdenpolizei und dem Obergericht.
Am Gottesdienst nehmen jeweils um die 1’000 Personen mit unterschiedlichem konfessionellem, politischem und nationalem Hintergrund teil. Der Ökumenische Arbeitskreis, welcher den Kreuzweg jeweils organisiert, ist offen und besteht aus Mitgliedern unterschiedlicher Konfessionen.
Infos: www.agck.ch/de-ch/projekte/oecumenica-label.html
Who is Calvin?
Die evangelisch-reformierte Kir-che der Schweiz feiert in diesem Jahr 500 Jahre Calvin. In Genf findet am 14. Juni der nationale Festakt zum Calvin-Jahr statt. Anfang Jahr publizierte die «SonntagsZeitung» eine Umfrage zu den bedeutendsten Schweizern aller Zeiten. Calvin belegt darin den 22. Platz Über die Hälfte der unter 34-Jährigen ha-ben noch nie von Calvin gehört.
Sehnt sich der Evangelische Kirchenbund nach Katholischem Zentralismus?
Im Schweizerischen Evangelischen Kirchenbund (SEK) sind die kantonalen Evangelisch-Reformierten Kirchen und die Methodistenkirche verbunden – zu lose, wie manche finden. Mehr Wirkung würde der SEK entfalten, wenn die Kirchenpräsidenten namentlich von Zürich und Bern im SEK-Rat mitwirkten. Die Zürcher und die Berner Kirche, die für die Hälfte der SEK-Mittel aufkommen, sollten durch ihre Präsidenten im SEK-Rat mitwirken und einer der beiden den Vorsitz führen. Der Engelberger Pfarrer Fritz Gloor plädiert nicht für eine Evangelische oder Reformierte Kirche Schweiz, sondern für eine verbindliche Zusammenarbeit der Kirchen. Denn diese wären – staatskirchenrechtlich verfasst – meistens gar nicht in der Lage, weitergehende Kompetenzen an den Kirchenbund abzugeben. Die Mitgliedkirchen haben sich in der SEK-Verfassung auf eine „Stärkung der Einheit des schweizerischen Protestantismus“ geeinigt. Als Vertreter des SEK-Rats wünscht sich Peter Schmid mehr Absprachen zwischen den Kantonalkirchen in liturgischen und kirchenrechtlichen Fragen: Die kantonalen Kirchen sollten „gemeinsam geklärte Aussagen zum Beispiel über Kirchenmitgliedschaft, Taufe, Abendmahl, Ordination, unverzichtbare Teile der Liturgie und Ämterverständnis“ machen. So würden die Schweizer Reformierten mehr Verbindlichkeit schaffen und als Kirche erkennbarer werden.
Bischof Richard Williamson
Weihbischof Wagner
Der trauernde Vater von Eluana
John Henry Newman
P. Marcial Maciel L.C.
International
Papst stürzt die Kirche in eine Krise - tritt er zurück?
Benedikt XVI. hat die Exkommunikation gegen vier traditionalistische Bischöfe, die vom schismatischen Erzbischof Marcel Lefebvre im Juni 1988 geweiht worden waren, aufgehoben. Einer von ihnen, der Brite Richard Williamson, leugnet den Holocaust, was heftige Kritik gegen den Papst und den Antisemitismus der Kirche auslöste.
Der Vatikan versucht die Krise als Kommunikationspanne darzustellen und beschuldigt den kolumbianischen Kardinal Dario Castrillon Hoyos, sich als Verantwortlicher der Verhandlungen mit den Lefebvreisten über Bischof Richard Williamson kein zutreffendes Bild gemacht zu haben.
Mehr darüber...
Umstrittener ernannter Weihbischof in Linz verzichtet Papst Benedikt XVI. hat Ende Januar den bisherigen Pfarrer von Windischgarten, Gerhard Maria Wagner, zum Weihbischof in Linz ernannt. Mitte Februar verzichtete Wagner auf diese Ernennung. Die Wahl des Papstes stiess bei der Mehrheit der Österreichischen Bischöfe und der Gläubigen auf Unbehagen und Widerstand. Der Linzer Priestersprecher Hans Padinger kritisierte im ORF, mit dem Bistum sei zu wenig gesprochen worden. Landeshauptmann Josef Pühringer meinte, Rom habe offenbar “eine Vorstellung vom Bistum”, die “weit von der Realität entfernt” sei. Die kritische Bewegung „Wir sind Kirche“ sprach von „Spaltungstendenzen“; Wagner sei nicht dazu imstande, Brücken zu bauen – dabei sei dies die Hauptaufgabe eines Bischofs. Wagner gilt als Rom-treu und konservativ. In seiner Gemeinde dürfen nur Jungen ministrieren. Vor allem seine Äusserungen über Umweltkatastrophen wie den Hurrican "Katrina" in New Orleans, die er als „Strafe Gottes“ bezeichnete, sowie die Verdammung der Harry-Potter-Bücher als satanische Werke sorgten für Diskussionen. Wagner sagte in einem Interview mit der Zeitschrift „profil“: „Homosexualität ist in der Bibel als Sünde festgeschrieben – daran kann man nicht vorbei.“ Wagner äusserte die Überzeugung, Homosexualität sei „heilbar“: „Dafür gibt es genügend Beispiele, nur davon spricht man nicht.“ Er selbst kenne „geheilte“ Betroffene, und es gebe viele, die auch darunter leiden. Und beim Thema Fristenregelung meinte er, diese sei keine Lösung. Man sollte „das Mörderische der Fristenlösung sehen, man muss das einmal klar so sagen“. Über sich selbst sagte Wagner: „Ich bin einer, der den Konflikt sucht. Wenn es ihn nicht gibt, bin ich eher beunruhigt und mir ist mulmig.“ Viele Österreicher befürchten eine Spaltung der Kirche. Auf Grund der hohen Austrittswelle aus der Kirche ruft die Plattform „Wir sind Kirche“ rief zu einem Kirchenbeitragsboykott auf. „Es ist besser, den Beitrag auf Eis zu legen als aus der Kirche auszutreten. Mit gemeinsamen finanziellen Aktionen sind Veränderungen in der Kirche eher herbeizuführen als mit einem Austritt“, meinte der Vorsitzende Hans Peter Hurka gegenüber der Österreichischen Presseagentur APA. Ein „Solidaritätskonto“, auf das der Kirchenbeitrag vorübergehend eingezahlt werden kann, sei in Vorbereitung. „Wenn sich die Lage gebessert hat, kann das Geld wieder an die Kirche überwiesen werden“, sagte Hurka. Rechtliche Fragen würden derzeit abgeklärt. Interessenten könnten sich bei der Plattform über Details zu dem Konto informieren. Die offizielle Kirchenzeitung der Diözese Linz mühte sich Anfang Januar in Optimismus: "Geben wir ihm eine Chance." Offenbar ist es nun Wagner doch etwas mulmig geworden... Während der Druck der Kirchenbasis vor Jahren weder den pädophilen Erzbischof Groër aus Wien, den Polterer Krenn aus St. Pölten und den homphoben Ökumene- und EU-Gegner Eder in Salzburg vertreiben noch den Opus-Dei-Mann Küng im Vorarlberg verhindern konnten, scheint nun das Mass der Österreicher endgültig voll zu sein. Und ganz ohne Kirchensteuern lassen sich der Stephansdom und andere schöne Kirchen im alten Kaiserreich eben doch nicht renovieren. Drei Regensburger TheologInnen vom Bischof mit Lehrverbot bedroht Die Kirchenrechts-Professorin Sabine Demel und ihre beiden Kollegen Prof. Burkard Porzelt und Heinz-Günther Schöttler von der Theologischen Fakultät Regensburg haben im Zuge der Rehabilitation der Lefebvreisten die Petition „Uneingeschränkte Anerkennung der Beschlüsse des II. Vatikanischen Konzils gefordert“ unterschrieben. Diese wurde inzwischen von über 20‘000 Personen unterzeichnet. Der umstrittene Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller wirft den drei Lehrpersonen vor, Papst Benedikt beleidigt zu haben und fordert eine Entschuldigung beim Papst sowie eine schriftliche Distanzierung von der Petition. Ausserdem müssten die drei Theologen vor ihm erscheinen und das Glaubensbekenntnis sowie einen Treue-Eid auf die Lehre der Kirche ablegen. Andernfalls drohten weitere Schritte, beispielsweise der Ent-zug der Lehrerlaubnis. Die drei Theologen wollen der Forderung von Bischof Müller nicht nachkommen. Sabine Demel sagte, sie und ihre beiden Kollegen sähen dazu keinen Anlass. Sie hätten den Papst nicht beleidigt, weshalb sie sich auch nicht entschuldigen müssten. Auch für die Wie-derholung von Treue-Eid und Glaubensbekenntnis bestehe kein Grund. Sabine Demel spricht an der Preisverleihung der Herbert-Haag-Stiftung am 8. März um 16.30 h im Hotel Schweizerhof in Luzern. Die Petition kann online unter-zeichnet werden: http://www.petition-vaticanum2.org/ Nonnen wehren sich gegen Nackt-Scanner an Mainzer Fasnacht Die Ordensschwestern der Diözese Mainz haben gegen die Darstellung einer von einem Nacktscanner durchleuchteten Nonne beim Mainzer Rosenmontagsumzug protestiert. Der kritisierte Motivwagen zeigt zwei feixende Polizisten, die die von einem sogenannten Nacktscanner entblössten Brüste und Strapse einer Nonne betrachten. In einem öffentlichen Brief schreiben die Nonnen: «Die beabsichtigte Satire ist den Gestaltern des Wagens völlig misslungen. Der Motivwagen ist im hohen Masse verunglimpfend. Es ist respektlos und persönlichkeitsverletzend, Menschen, die sich seit Jahrhunderten für die Rechte der Würde der Person - gerade bei Randgruppen und Minderheiten in unserer Gesellschaft - einsetzen, so obszön in den Dreck zu ziehen.» Den Mainzer Carneval Verein forderten die Ordensschwestern auf, den Wagen nicht am Rosenmontag mitfahren zu lassen. Die Provinz der Jesuiten in Oregon ist pleite Der Jesuitenorden zieht die juristische Notbremse: Als Reaktion auf Dutzende Klagen gegen Priester wegen sexuellen Missbrauchs haben die Jesuiten in den USA Gläubigerschutz beantragt. Entsprechende Unterlagen wurden beim US-Insolvenzgericht in Portland eingereicht. Die Je-suitenprovinz von Oregon, zu der 235 Patres und Brüder aus den US-Staaten Oregon, Washington, Alaska, Idaho und Montana gehören, führt darin ein Vermögen von weniger als fünf Millionen Dollar und Verbindlichkeiten von fast 62 Millionen Dollar auf. Die Entscheidung, Gläubigerschutz nach "Chapter 11" zu beantragen, sei nicht leicht gewesen, erklärte Jesuiten-Provinzial Patrick Lee. Angesichts von 200 weiteren Klagen, die anhängig seien oder drohten, sei dies aber der einzige Weg, wie allen Klägern eine faire finanzielle Regelung angeboten werden könne. Die rund 200 Klagen stammen vor allem von Kindern in Alaska. Ken Roosa, einer der Anwälte der Opfer, kritisiert, dass die Jesuiten während Jahrzehnten ihre Problemfälle jeweils nach Alaska abgeschoben hätten. Und Roosa kritisiert zudem, der Orden bewerte sein Vermögen bei weitem zu niedrig. In den USA können insolvente Unternehmen Gläubigerschutz nach "Chapter 11" beantragen. Auf diese Weise können Firmen ihre Sanierung unbehelligt von Forderungen der Geldgeber in Angriff nehmen. Sterbehilfe bewegt Italien Die 38-jährige Eluana Englaro lag seit ihrem einem Unfall vor 17 Jahren im Koma; ihr Vater und Bruder wollten sie seit einiger Zeit sterben lassen und kämpften mit Anwälten für das Recht auf passive Sterbehilfe. Eluana Englaro ist Anfang Februar auf Initiative ihres Vaters aus einem kirchlichen Krankenhaus in eine Privatklinik verlegt worden. Dort sollten nach dem Wunsch der Familie die lebenserhaltenden Schläuche in Kürze entfernt werden. Ein Urteil des Verfassungsgerichts und das Fehlen einer gesetzlichen Vorschrift machten ihnen dies an sich möglich. Der Fall bewegte ganz Italien wochenlang. Befürworter wie Gegner der Sterbehilfe sind in den letzten Wochen auf die Strasse gegangen. Auch die Kirche schaltete sich in den Konflikt ein. Der vatikanische Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone telefonierte in dieser Sache mit Italiens Staatspräsident Giorgio Napolitano; Ministerpräsident Silvio Berlusconi plante ein Eildekret, das die Ärzte zwingen würde, die Patientin weiterhin künstlich zu ernähren. Der Staatspräsident weigerte sich, dieses Dekret zu unterzeichnen. Kardinal Angelo Bagnasco, Vorsitzender der italienischen Bischofskonferenz und Erzbischof von Genua, erklärte, wenn man Eluana Englaro Nahrung und Wasser verweigere, dann komme dies einer Tötung gleich. Mitten in diesen Wirren starb Eluana Englaro am Abend des 9. Februar. Die Senatoren hielten bei Bekanntwerden von Englaros Tod eine Schweigeminute. Die verantwortlichen Regierungsmitglieder bekräftigten aber sogleich ihre Intention, das Anti-Euthanasie-Dekret im Parlament einzubringen, wo Berlusconi über eine solide Mehrheit verfügt. Der Senat hatte geplant, am Tag nach Englaros Tod über das Dekret abzustimmen. Williamson.pdf
Anglikaner wollen Bischöfinnen
Die anglikanische Kirche von England setzt ihre Bewegung in Richtung Bischofsamt für Frauen fort. Bei ihrer Generalsynode in London stimmten 281 Delegierte für eine entsprechende Vorlage und 114 dagegen; 13 enthielten sich. Damit geht die Vorlage zurück in einen voraussichtlich mehrjährigen Überarbeitungsprozess. Am Ende muss jeweils eine Zwei-Drittel-Mehrheit aller drei Häuser der Synode – Bischöfe, Kleriker und Laien – dem abschließenden Entwurf zustimmen. Beobachter halten dies allerdings angesichts der derzeitigen Mehrheitsverhältnisse für unwahrscheinlich. Die nun verabschiedete Vorlage sieht umfangreiche Ausweichmechanismen für konservative Anglikaner vor, die nicht unter der Leitung einer Bischöfin sein wollen. Solche möglichen kirchlichen Parallelstrukturen führten nach Angaben von Beobachtern der Abstimmung dazu, dass auch Vertreter des liberalen Flügels die Vorlage ablehnten. Sie befürchteten, dass das komplizierte Konzept sogenannter Fliegender Bischöfe für Konservative in der Praxis nicht bestehen könne.
Papst zur Seligsprechung von John Henry Newman nach Grossbritannien eingeladen
Der britische Premierminister Gordon Brown hat Papst Benedikt XVI. nach England eingeladen, um die Seligsprechung von Kardinal John Henry Newman vorzunehmen. Das gab Brown nach einer Privataudienz beim Papst bekannt. Bei dem Gespräch im Apostolischen Palast ging es um die aktuelle Weltwirtschaftskrise und um die Pflicht, die weniger entwickelten Ländern nicht aus dem Blick zu verlieren, heisst es in einer Mitteilung aus dem Vatikan. Gordon Brown und Papst Benedikt haben auch mehr Zusammenarbeit bei Entwicklungs- und Umweltprojekten vereinbart. Auch die Lage im Nahen Osten war Thema: Ein „erneuertes Engagement der Staatengemeinschaft“ sei da vonnöten. Schon im Vorfeld des Treffens hatte sich Brown in der Frage der globalen Armutsbekämpfung an die Seite des Vatikans gestellt. In einem Artikel für die Vatikanzeitung „Osservatore Romano“ schreibt der britische Premier, die aktuelle Wirtschaftskrise habe besondere Auswirkungen auf die ärmsten Länder Afrikas und Asiens und bedeute Hunger für viele Millionen Menschen. Die katholische Kirche und der Papst sähen diese Wechselwirkungen der globalen Herausforderung und teilten die Sorge, betonte Brown. Es sei an der Zeit, die Entwicklungsländer in die dringend erforderlichen internationalen Lösungen einzubinden. Benedikt XVI. habe mit Nachdruck wirksame Antworten auf die globale Wirtschaftskrise gefordert.
Ein Termin für Kardinal John Henry Newmans Seligsprechung, die aus Browns Sicht ein guter Termin für eine Papstreise nach England sein könnte, steht noch nicht fest. Das Verfahren für den zum Katholizismus konvertierten Briten ist aber bereits in der Zielgeraden.
Obama unterstützt kirchliche Hilfswerke
Religiöse und kirchliche Hilfswerke, die sich im sozialen Bereich engagieren, werden von US-Präsident Barack Obama, weiterhin unterstützt. Im Weissen Haus bleibt das von George W. Bush gegründete Büro für den Kontakt mit religiösen Gruppen bestehen. Der 26-jährige Pfingstler Joshua DuBois, der während Obamas Wahlkampf die Kontakte zu den Religionen pflegte, leitet dieses Büro. Das Büro soll helfen, dass kirchliche Organisationen ihre Programme mit ehemaligen Gefangenen, Stellenlosen, Armutsbetroffenen, Obdachlosen und AIDS-Kranken wahrnehmen können. Obama betont, dass dieses Büro die klare Trennung von Kirche und Staat wahren würde. Daneben hat Obama ein 25-köpfiges Beratungsgremium geschaffen, zu dem auch Pater Larry Snyder, der Präsident von „Catholic Charities“ (US-Caritas) zählt.
Lehrverbot für US-Jesuit
Der Vatikan erteilt dem 72-jährigen US-Theologen und Jesuiten Roger Haight ein Lehrver-bot und untersagt dem ehemaligen Präsidenten der amerikanischen Katholischen Theologischen Gesellschaft weitere Publi-kationen. Haights Buch „Jesus: Symbol of God“ aus dem Jahr 1999 unterminiere die Katholische Lehre bezüglich der Gottheit Chrsti, der Dreifaltigkeit Gottes, der Bedeutung der Kirche sowie Themen der Erlösungslehre.
US-Pater exkommuniziert
Der US-amerikanische Priester Ray Bourgeois vom Maryknoll-Orden wird durch den Vatikan aus der katholischen Kirche ausgeschlossen, weil er an einer Frauen-“Priesterweihe” teilgenommen hatte und diese in einer Predigt unterstützt hatte. Bourgeois bezeichnete die Haltung der Kirche gegenüber Frauen als ungerecht und sexistisch. Er organisierte auch Menschenrechts-Proteste an amerikanischen Militärakademien.
Reliquien im Internet
Der Handel mit Heiligen-Reliquien im Internet blüht. Ab 35 Euro sind Teile des Sarges der in Lourdes verehrten Heiligen Bernadette Soubirous zu haben. Der Online-Anbieter „eBay“ vermittelt auf dem Bildschirm nicht nur Kelche und Hostienschalen, sondern bot sogar für 1980 US-Dollar ein Stück Holz vom Kreuz Jesu an. 572 religiöse Objekte lassen sich im eBay finden. Der vatikanische Vertreter, Kardinal Saraiva Martins, verwies auf das Kirchenrecht, welches den Handel mit Reliquien verbiete. Er be-fürchtet vor allem, dass sich sa-tanische Sekten für die religiösen Objekte im Internet interessieren.
Fromme Fussballer von FIFA zurück gepfiffen
Im Netzwerk "Saints of Football" haben sich bekennende Fussballspieler, -trainer und -manager wie Andreas Müller, Ze Roberto, Marcello Bordon, Jürgen Klopp und andere zusammengeschlos-sen, um öffentlich ihre Liebe zu Gott zu demonstrieren. In acht deutschen Bundesligavereinen wurden Gebets- und Bibelkreise gegründet. Schalke 04-Star Marcello Bordon und andere hatten nach gewonnenen Spielen Glaubensbotschaften unter dem Trikot hervorblitzen lassen, etwa ein T-Shirt mit der Aufschrift: "Jesus ist der Herr". Dies hat nun der internationale Fussballverband FIFA verboten. Bordon reagierte unverzüglich und liess sich den Text "Jesus ist meine Kraft" auf den Rücken tätowieren.
Film „Camino“ geehrt
Der Opus-Dei-kritische spanische Kinofilm „Camino“ ist bei der Verleihung des spanischen Filmpreises mit sechs Goyas ausgezeichnet worden. Der Film des spanischen Regisseurs Javier Fesser setzte sich unter anderem in den Kategorien bester Film, Regisseur, Schauspielerin und bester Nebendarsteller durch. „Camino“ erzählt die Geschichte einer wahren Begebenheit. 1985 war die 14-jährige Alexia Gonzalez-Barros, Tochter einer Opus Dei-Anhängerin, an den Folgen eines Tumors in der Nackenwirbelsäule gestorben. Seelsorgerlich betreut wurde sie in den letzten sechs Wochen ihres Lebens durch Miguel Angel Monge, seinerzeit Seelsorger der Universitätsklinik von Navarra und Priester der Prälatur Opus Dei. Verehrt für ihr ausgeprägtes Verhältnis zur Mutter Gottes setzte sich die katholische Kirche für die Seligsprechung des Mädchens ein. Im Jahr 1994 wurde das Seligsprechungsverfahren eröffnet. In der Verfilmung wirft Regisseur Fesser dem Opus Dei vor, die Krankheit des Mädchens als Willen Gottes instrumentalisiert zu haben, um sie als „Lokalheilige“ verehren zu können.
Werden traditionalistische Anglikaner katholisch?
Marc Langham, ein hoher Bamter der Päpstlichen Rats für die Einheit der Christen, hält die Indiskretionen für unwahrscheinlich, dass Hunderttausende von konservativen Anglikanern der “Traditional Anglican Communion” (TAC) in die Katholische Kirche aufgenommen wird. Die TAC hat sich von der Anglikansichen Kirche in Canterbury abgespalten. Auch hält Langham die Zahl der TAC-Anhänger von 500‘000 Gläubigen für übertrieben. Zudem seien einige der TAC-Bischöfe verheiratet, deren oberster Bischof sogar zum zweiten Mal, was die Eingliederung in die römische Kirche als Bischöfe verunmögliche. Frühere Berichte der vatikanischen Glaubenskongregation empfahlen, der TAC den Status einer Personalprälatur zu geben – ähnlich wie dem Opus Dei.
Legionäre Christi-Gründer führte Doppelleben
Vor einem Jahr starb in den USA der umstrittene Gründer der rechtskatholischen Ordensgesellschaft „Legionäre Christi“, Marcial Maciel, im Alter von 87 Jahren. Als 20-Jähriger gründete Maciel 1941 in Mexiko-Stadt die „Legionäre Christi“ und war bis 2005 ihr Generaloberer. 1949 gründete er zudem die Laienbewegung „Regnum Christi“. Maciel, der Papst Johannes Paul II. sehr nahe gestanden hatte, stand viele Jahre unter dem Verdacht, in den 80-er Jahren 20 Seminaristen sexuell missbraucht zu haben. Nach einer langen innerkirchlichen Untersuchung forderte ihn 2006 die Glaubenskongregation auf, sich aus der Öffentlichkeit zurückzuziehen. Vor ein paar Wochen berichtete Pater Scott Reilly, der regionale Leiter der Legionäre im US-amerikanischen Atlanta, dass Maciel auch eine Geliebte hatte, mit ihr ein Kind gezeugt hatte und stets ein Doppelleben führte. Der Vatikan leitet vorerst keine Massnahmen ein, sondern erst, falls es zu einer Spaltung innerhalb des Ordens käme.
Israelischer TV-Sender verhöhnt Jesus und Maria
Der Vatikan hat die herabwürdigende Darstellung von Jesus und Maria in einer israelischen TV-Satiresendung als vulgär und „offensiven Akt der Intoleranz gegenüber religiösen Gefühlen“ bezeichnet. In einer vatikanischen Presseerklärung bekundete der Vatikan den Christen im Heiligen Land seine Solidarität. Es sei traurig, dass ausgerechnet „Kinder Israels - das waren Jesus und Maria von Nazareth - auf so schwere Weise beleidigt werden“. Die katholischen Bischöfe hätten bereits öffentlich Protest gegen die Sendung des Privatsenders Kanal 10 erhoben, erinnert das Vatikan-Communiqué. Die Regierungsbehörden hätten dem Nuntius im Heiligen Land versichert, sich dafür einzusetzen, dass derartige Übertragungen sich nicht wiederholten. In der Nachtsendung des israelischen TV-Kanals Arutz 10 waren Mitte Februar in zwei Beiträgen die christlichen Glaubenslehren von der Gottessohnschaft Jesu und der Jungfräulichkeit Mariens lächerlich gemacht worden. Dabei posierte unter anderem eine hochschwangere Maria-Darstellerin mit nacktem Bauch vor der Kamera. Der Moderator Leor Schlein hatte die Filme als Antwort auf den angeblichen Antisemitismus katholischer Kleriker angekündigt. Nach heftigen Protesten christlicher Vertreter im Heiligen Land entschuldigte sich Schlein dann in seiner Sendung für die Verletzung religiöser Gefühle.
Bei einer Kabinettssitzung distanzierte sich der scheidende israelische Ministerpräsident Ehud Olmert von der Fernsehsatire. Er sei „verbittert angesichts der Beleidigungen der christlichen Religion“, sagte Olmert vor seinen Ministern. Zwar wolle er keine Detailkritik an Fernseh-Inhalten äussern: „Aber ich glaube, wenn in einem anderen Land Ähnliches gegen die jüdische Religion gesagt worden wäre, dann hätte die jüdische Gemeinschaft sicher mit einem Alarmschrei reagiert.“ Auch Satire-Sendungen bräuchten „Verantwortung und ein bisschen Selbstkontrolle“. Olmert wandte sich auch an die Christen in Israel, die vehement gegen die Sendungen protestiert hatten, und lobte ihre „Koexistenz mit unserem Volk“. Israel habe „sehr gute Beziehungen zum Vatikan und zur christlichen Welt“; es gebe „keinen Grund, ihnen mutwillig Schaden zuzufügen“.
Männer sind lüstern, Frauen hochmütig
Einer Studie der katholischen Kirche zufolge sind die Sünden der beiden Geschlechter unterschiedlich. "Männer und Frauen sündigen anders", schreibt der Theologe Wojcieh Giertych in der vatikanischen Zeitung „L'Osservatore Romano“. Die schwersten Sünden der Männer seien neben Lust und Gefrässigkeit die Faulheit, der Zorn, der Neid und die Habgier. Die schwersten Sünden der Frauen seien Stolz, Hochmut, Neid und Zorn. Nach der katholischen Lehre müssen Katholiken einmal jährlich zur Beichte, um die Sünden zu bekennen. Nach der katholische Lehre gelten Hochmut (Übermut, Eitelkeit, Ruhmsucht), Geiz (Habgier, Habsucht), Genusssucht, Ausschweifung (Wollust), Zorn (Wut, Vergeltung, Rachsucht), Völlerei (Gefrässigkeit, Unmässigkeit, Masslosigkeit, Selbstsucht), Neid (Missgunst, Eifersucht) und Trägheit des Herzens und des Geistes (Faulheit, Feigheit) als die sieben Hauptsünden.
«Religiöser Nobelpreis» geht an AIDS-kranken Priester in Uganda
Für seinen Einsatz im Kampf gegen Aids erhält der 50-jährige ugandische Geistliche Canon Gideon Bahuma Byamugisha den japanischen Niwano-Friedenspreis 2009, der auch "religiöser Nobelpreis" genannt wird. Der anglikanische Priester sei der erste Geistliche Afrikas gewesen, der sich öffentlich zu seiner Aids-Infektion bekannte, teilte die Niwano-Friedensstiftung am Freitag in Tokio mit. Damit habe er wesentlich zur öffentlichen Diskussion über die Krankheit in Uganda, Afrika und der Welt beigetragen. Mit dem Niwano-Friedenspreis werden religiöse Initiativen und Persönlichkeiten gewürdigt, die sich für den Frieden einsetzen. Frühere Preisträger waren unter anderen der brasilianische Erzbischof Dom Helder Camara, der Theologe Hans Küng und Prinz Hassan von Jordanien. Der Niwano-Preis erinnert an den ersten Präsidenten der buddhistischen Laienorganisation «Rissho Kosei-kai», Nikkyo Niwano. Die Jury besteht aus Buddhisten, Christen und Muslimen.
60 Christen in China verhaftet
In Nanyang in der zentralchinesischen Provinz Henan sind mehr als 60 Besucher eines nicht genehmigten Gottesdienstes vorübergehend festgenommen worden. Über 30 Polizisten waren am 11. Februar bei einer Razzia in einer theologischen Ausbildungsstätte der Hauskirchen im Einsatz. Die Christen seien abgeführt, registriert und mit Geldbussen in unbekannter Höhe bestraft worden. Vier Festgenommene hätten sich noch eine Woche später im Gewahrsam befunden, berichtet ein christliches China-Hilfswerk aus den USA. Bei dem Gottesdienst sollten zwei Pastoren aus Südkorea predigen. Sie seien wegen „illegaler religiöser Aktivitäten“ ausgewiesen und mit einem fünfjährigen Einreiseverbot belegt worden. In der kommunistisch regierten Volksrepublik sind die nicht anerkannten Hauskirchen staatlichen Repressionen ausgesetzt. Dort versammelt sich die Mehrheit der chinesischen Christen. Sie lehnen eine Kontrolle durch das Regime ab. Schätzungen über die Gesamtzahl der Christen schwanken zwischen 40 Millionen und 130 Millionen. Die anerkannten protestantischen Dachorganisationen - die Drei-Selbst-Bewegung und der Chinesische Christenrat - repräsentieren 18 Millionen Mitglieder. Von den etwa 20 Millionen Katholiken gehören rund sechs Millionen regimetreuen Kirchen an.
Diplomatische Beziehungen zwischen Vatikan und Vietnam
Der Vatikan und Vietnam verhandeln über die Wiederaufnahme diplomatischer Beziehungen, die nach der kommunistischen Übernahme im Jahr 1975 abgebrochen wurden. Ein erstes Treffen der dazu eingerichteten gemeinsamen Arbeitsgruppe fand Mitte Februar in Hanoi in einer „Atmosphäre der Offenheit, der Freimütigkeit und des gegenseitigen Respekts“ statt. Der Vatikan respektiere die Unabhängigkeit Vietnams, die katholische Kirche unternehme keinerlei politische Aktivitäten, sagte der Vatikan-Diplomat Parolin. Er würdigte die „positiven Entwicklungen“ im Bereich Religionsfreiheit in Vietnam; „noch offene Fragen in den bilateralen Beziehungen“ liessen sich „mit gutem Willen und einem ehrlichen Dialog“ klären. Der vietnamesische Vize-Aussenminister Nguyen Quoc Cuong erläuterte die Linie Vietnams zur Religionsfreiheit. Er habe den Wunsch geäussert, der Vatikan möge zur Solidarität zwischen den Religionen und der Bevölkerung des Landes beitragen. Auf dem Programm der vatikanischen Delegationsreise standen ausserdem Gespräche mit Regierungsvertretern und Bischöfen.