Papst Benedikt XVI. und Bischof Kurt Koch im Mai 2009 in Bethlehem
Heidi Bendel-Zgraggen und ihr Nachfolger Robert Süess
Die 26 neuen Pastoralräume
Synoden-Sitzung
Synodalrat berät über die Konsequenzen
Surah Al-Shawk
Luzern
Sexuelle Ausbeutung in der Seelsorge
Kirchen haben Hilfe geregelt
Die katholische Kirche im Kanton Luzern steht dafür ein, dass geschehenes Unrecht öffentlich festgestellt wird, Opfer Hilfe erhalten und Täter juristisch belangt werden.
Die Luzerner Landeskirchen haben im Herbst 2002 gemeinsam die Broschüre «Sexuelle Belästigung und sexuelle Ausbeutung am Arbeitsplatz Kirche» herausgegeben, die gemeinsam mit unabhängigen Fachpersonen und Beratungsstellen erarbeitet wurde. 2007 wurde die Broschüre mit einem aktualisierten Merkblatt ergänzt. Die Broschüre und das Merkblatt erklären die Formen sexueller Belästigung und Ausbeutung; sie zeigen auf, wie Mitarbeitende sich selbst sowie Kolleginnen und Kollegen schützen können und gehen darauf ein, wie seelsorgerliche Beziehungen verantwortungsbewusst zu gestalten sind. Für Personen, die von einem sexuellen Übergriff betroffen sind, listet sie auf, welches ihre rechtlichen Möglichkeiten sind und wo sie Hilfe erhalten. Die Landeskirchen haben ausserdem eine Ansprech- und Vertrauensperson bezeichnet; ebenso wie das Bistum Basel, zu dem der Kanton Luzern gehört. Broschüre und Merkblatt können heruntergeladen werden unter www.lukath.ch. Und das Bistum Basel informiert laufend zum Thema sexuelle Übergriffe: www.bistum-basel.ch
Wird Bischof Koch nach Rom befördert?
Wird der Basler Bischof Kurt Koch schon bald nach Rom übersiedeln und zum Nachfolger ernannt von Kurienkardinal Walter Kasper? Kasper ist Präsident des päpstlichen Rates für die Einheit der Christen. Der ehemalige Tübinger Theologieprofessor und Erzbischof von Rottenburg-Stuttgart hat die Alterslimite von 75 Jahren bereits vor zwei Jahren erreicht. Kurt Koch, der Mitte März 60 jährig wird, ist am 6. Februar von Papst Benedikt XVI. zur Audienz im Vatikan empfangen worden.
Neben Koch gilt der konservative Regensburger Bischof Müller als Kronfavorit für Kaspers Nachfolge. In der römischen Kurie haben noch weitere Spitzenleute die Altersgrenze erreicht und werden in nächster Zeit ersetzt: die Kardinäle Raffaele Farina, Giovanni Battista Re, Claudio Hummes, Joseph Cordes und Franc Rodé.
In eigener Sache
Präsidium wechselt
Der Verein Kantonales Pfarreiblatt, bei dem die Mehrheit der Kirchgemeinden und Pfarreien des Kantons Luzern Mitglied sind, tagte am 9. März in der Pfarrei Meggen. Nach acht Jahren durfte Heidi Bendel-Zgraggen den Stab als Präsidentin weitergeben an den Noch-Kirchgemeindepräsidenten von Root, Robert Süess. Heidi Bendel-Zgraggen hat mit viel Kompetenz, Herzblut und Klarheit die Geschicke des Vereins geleitet und garantierte, dass die Leserinnen und Leser des Pfarreiblatts alle 14 Tage religiöse und kirchliche, theologische und spirituelle Impulse und Informationen aus der Lokal-, Bistums- und Weltkirche erhielten. Im Namen der Leserinnen und Leser danke ich ihr herzlichst und wünsche ihr Gottes Segen für die Zukunft. Gleichzeitig freue ich mich sehr über die einstimmige Wahl des neuen Präsidenten. Als ehemaliger Personalchef bei Tamedia und Ringier leitete Robert Süess jeweils Hunderte aus der Schreiberzunft. Als Zentralredaktor des Kantonalen Pfarreiblatts fühle ich mich höchst privilegiert, nun als Einzelkind die volle Aufmerksamkeit meines neuen Chefs zu geniessen.
Erneuerungswahlen von Landeskirche und Kirchgemeinden
Die Behörden der römisch-katholischen Landeskirche des Kantons Luzern für die Amtsdauer 2010 bis 2014 sind bestellt. Die 100 Synodemitglieder sind alle still gewählt worden.
In 9 der 85 Kirchgemeinden finden am 18. April Urnenwahlen statt, weil es mehr Bewerbungen als Sitze gibt oder weil Sitze nicht besetzt werden konnten: Ballwil, Emmen, Grossdietwil, Malters, Neudorf, Ruswil, Schwarzenbach und Willisau. In Dagmersellen muss die Rechnungskommission an der Urne gewählt werden. Am 16. Juni hält die Synode ihre konstituierende Sitzung ab und wählt den Synodalrat, die Exekutive der Landeskirche.
Zangengeburten gibt es nicht nur in der Maternité und bei Harmos, sondern auch wenn Pfarreien und Kirchgemeinden zusammen gelegt werden sollen. Nach jahrelangen Gesprächen hatte das Bistum Basel vor einem Jahr einen Richtplan-Entwurf für die Bistumsregion St. Viktor (Kanton Luzern) präsentiert. Die 101 Pfarreien waren bisher in 85 politischen Kirchgemeinden organisiert. Vorgesehen war neu eine Reduktion auf 25 Pastoralräume. Die Gründe für diesen Pastoralen Entwicklungsplan (PEP) liegen in grösseren Möglichkeiten zu überpfarreilichen Diensten und Angeboten sowie in Sparmassnahmen. Nicht zu leugnen ist aber auch die Tatsache, dass das Kirchenrecht verlangt, dass einer pastoralen Einheit jeweils ein Priester vorzustehen hat. Folglich müssen diese Räume grösser werden, wenn die Zahl der Priester kleiner wird. Der Pastoralraum Stadt Luzern existiert bereits und beginnt die stärkere Kooperation der Pfarreien.
In den ländlichen Gegenden erfolgte das Zusammenlegen von Pfarreien und Kirchgemeinden nicht gemäss PEP-Entwurf. Vor allem in drei Regionen leistete die Basis dem bischöflichen Plan nicht Folge. Die Pfarrei und Kirchgemeinde Hildisrieden wollte nicht zusammen mit Rain und Rothenburg einen Pastoralraum bilden. Hildisrieden und Rain schliessen sich neu dem Pastoralraum "Oberer Sempachersee" (Eich, Hellbühl, Neuenkirch und Sempach) an. Rothenburg kommt neu zum Pastoralraum Emmen/Emmenbrücke. Auch die geplante Fusion der Kirchgemeinden Horw und Kriens kam nicht zu Stande. Weitere Änderungen ergaben sich im Seeland: Nottwil fühlte sich nicht dem Pastoralraum mit Sempach, Eich, Hellbühl und Neunkirch verbunden und schliesst sich in einem Pastoralraum mit Sursee, Geuensee und Oberkirch zusammen. Auch Knutwil, das mit Büron, Triengen und Winikon hätte fusionieren sollen, schliesst sich dem Pastoralraum Sursee an. Schliesslich wollten auch Dagmersellen und Uffikon-Buchs nicht mit Altishofen, Egolzwil-Wauwil, Nebikon und Schötz-Ohmstal fusionieren, sondern bilden neu einen separaten Pastoralraum.
Und so sehen die künftigen 26 Pastoralräume definitiv wie folgt aus:
1 Bramboden, Doppleschwand, Entlebuch, Finsterwald, Hasle, Romoos
2 Escholzmatt, Marbach, Wiggen
3 Flühli, Schüpfheim, Sörenberg
4 Werthenstein, Wolhusen, Ruswil
5 Ballwil, Eschenbach, Inwil
6 Beromünster (St. Michael und St. Stephan), Neudorf, Rickenbach,
Schwarzenbach
7 Aesch, Hitzkirch, Müswangen, Schongau
8 Hochdorf, Hohenrain, Kleinwangen, Römerswil
9 Adligenswil, Meggen, Udligenswil
10 Buchrain, Ebikon, Perlen, Root
11 Greppen, Vitznau, Weggis, (Rigi-Kaltbad)
12 Horw
13 Kriens (Br. Klaus, St. Franziskus, St. Gallus)
14 Littau, Reussbühl
15 Emmen (St. Mauritius, Br. Klaus), Emmenbrücke, Emmenbrücke
St. Maria, Gerliswil, Rothenburg
16 Malters, Schwarzenberg
17 Luzern (St. Anton, St. Karl, St. Johannes, St. Josef, St. Leodegar,
St. Maria, St. Michael, St. Paul)
18 Buttisholz, Grosswangen, Ettiswil
19 Eich, Hellbühl, Hildisrieden, Neuenkirch, Rain, Sempach
20 Büron, Triengen, Winikon
21 Sursee, Geuensee, Knutwil, Nottwil, Oberkirch
22 Dagmersellen, Uffikon-Buchs
23 Altishofen, Egolzwil-Wauwil, Nebikon, Schötz-Ohmstal
24 Langnau, Pfaffnau, St. Urban, Reiden-Wikon, Richenthal
25 Gettnau, Hergiswil, Willisau, Geiss, Menzberg, Menznau
26 Grossdietwil, Luthern, Ufhusen, Zell
Herbert Haag-Preis für Kuschel, Hürlimann und Eichmann-Leutenegger
Der Tübinger Theologe und Vize-Präsident der Stiftung Weltethos Karl-Josef Kuschel erhält den Preis der Herbert-Haag-Stiftung für Freiheit in der Kirche 2010. Zudem werden der Schriftsteller Thomas Hürlimann und die Publizistin Beatrice Eichmann-Leutenegger ausgezeichnet. Die Preisverleihung findet am 21. März um 16.30 Uhr im Luzerner Hotel Schweizerhof mit einer Einführung von Hans Küng statt. Die drei Preisträger bezeugten „auf je eigene Weise, dass die Freiheit des Wortes auch dort gelten muss, wo es um Glaube und Kirche geht und wo entscheidende Fragen der Moderne zur Debatte stehen, um die keine Religion herumkommt“. Die Stiftung besteht seit 1985 und hat ihren Sitz in Luzern. Sie trägt den Namen ihres Gründers, des 2001 verstorbenen Bibelwissenschaftlers Herbert Haag.
Basketball oder Allah
Der Nordostschweizer Basketballverband ProBasket verbot der 19-jährigen Muslimin Sura Al-Shawk aus Ebikon beim Basketballspiel STV Luzern das Tragen des Kopftuchs und würde ihrem Team automatisch Forfait geben, falls Al-Shawk mit ihrer Kopftuch antreten wollte. SVP-Nationalrat Hans Fehr äusserte gegenüber dem Tages-Anzeiger, dass die junge Frau das Kopftuch nicht freiwillig, sondern aus familiärem Zwang trage. Doch die gebürtige Irakerin, die seit neun Jahren in der Schweiz lebt, perfekt Luzerner Mundart spricht, die Kantonsschule besucht und vor kurzer Zeit eingebürgert wurde, trägt das Kopftuch erst seit zwei Jahren - gegen den Rat ihrer Eltern. Die Entscheidung des Sportverbands wirft Fragen auf, gerade weil der Sport sich stark als Mittel zur Integration von Menschen verschiedener Kulturen versteht und darum mit öffentlichen Geldern unterstützt wird. Nun wehrt sich Sura Al-Shawk gegen das Kopftuch-Verbot des Basketball-Verbands. Ihr Anwalt, Nationalrat Daniel Vischer, strebt einen Musterprozess an. Laut Vischer ist das Kopftuchverbot «ein übermässiger Eingriff in die Persönlichkeitsrechte. Eine Verletzungsgefahr durch das Kopftuch kann man kaum ernsthaft behaupten.»
Das Amtsgericht Luzern-Land hat die Klage von Daniel Vischer Ende Januar abgelehnt. Dieser zieht den Fall an die nächste Instanz weiter.
Norbert Brunner, der neue Präsident der Schweizerischen Bischofskonferenz
Stiftungspräsident Hans Küng verliest die Widmung an Thomas Hürlimann
Beat Christen und seine Frommen im Bundeshaus
Volketswiler Pfarrer Marcel Frossard
Pfarrer Jansjürg Stückelberger
Schweiz
Sexueller Missbrauch in der Kirche
Schweizer Bischöfe bitten um Entschuldigung
Während sich die Kirchenleitung in Rom und in vielen Ländern schwer tut mit der kollektiven Bitte um Entschuldigung an die Opfer des sexuellen Missbrauchs durch Seelsorger, haben die Schweizer Bischöfe am 31. März eine klare und wegweisende Erklärung mit folgenden acht Punkten abgegeben:
- Die Mitglieder der Schweizer Bischofskonferenz sind beschämt und tief bestürzt über die Fälle von sexuellen Übergriffen in der Seelsorge.
- Wir müssen eingestehen, dass wir das Ausmass der Situation unterschätzt haben. Die Verantwortlichen in den Diözesen und Ordensgemeinschaften haben Fehler gemacht. Für diese Fehler bitten wir um Entschuldigung.
- Wir ermutigen alle, die Übergriffe erlitten haben, sich bei den Opferberatungsstellen oder den diözesanen Ansprechstellen zu melden und gegebenenfalls Anzeige zu erstatten. Es ist uns wichtig, dass vorbehaltlose Transparenz in die Vergangenheit gebracht wird.
- bitten alle Seelsorger und Seelsorgerinnen, Ordensleute, Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in Pfarreien, in Schulen und in anderen Einrichtungen in kirchlicher Verantwortung, die Übergriffe begangen haben, sich vor Gott und den Menschen ihrer Schuld zu stellen und sich beim zuständigen Verantwortlichen zu melden.
- Wir danken allen, die ihre Berufung in Treue leben und ermutigen sie gerade in dieser Krisenzeit in ihrem Dienst.
- Bereits im Jahre 2002 erliess die Bischofskonferenz spezielle Richtlinien. Sie stellen die Interessen der Opfer, die Prävention von Missbrauch und das konsequente Vorgehen gegenüber den Tätern in den Mittelpunkt. Wir werden diese Richtlinien, welche 2009 ergänzt wurden, mit Nachdruck anwenden.
- Darüber hinaus ist die Zusammenarbeit zwischen den Diözesen und Ordensgemeinschaften, auch international, zu verbessern. Die zuständigen Verantwortlichen müssen Gewissheit haben, dass ihre Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen integer sind. Diese und weitere Fragen werden an der Juni-Sitzung der Bischofskonferenz erörtert.
- Die österliche Busszeit lädt dazu ein, Schuld anzuerkennen, Fehlverhalten aufzuarbeiten, Wege der Besserung zu finden und Gott und die Menschen um Vergebung zu bitten. Wir danken allen Gläubigen, die jetzt dazu beitragen, dass unsere Kirche den Weg zu immer grösserer Glaubwürdigkeit findet.
Schweizer Bischöfe für freiwilligen Zölibat
Die Schweizer Bischöfe sind mehrheitlich für die Abschaffung des Pflichtzölibats für Priester beziehungsweise wünschen sich die Priesterweihe auch für "viri probati", also bewährte verheiratete Männer. Der Präsident der Schweizer Bischofskonferenz, hat dies seit seinem Antritt im November mehrmals betont. Auch der Bischof von St. Gallen, Markus Büchel, sprach sich öffentlich für neue Zulassungskriterien zum Priesteramt aus: „Für uns in der Schweiz, wo ein starker Priestermangel herrscht, wäre es schon eine Hilfe, wenn verheiratete Männer zu Priestern geweiht werden könnten.“
Schweiz soll christliches Erbe verankern
Die Evangelische Volkspartei (EVP) will die christlichen Grundwerte der Schweiz in der Verfassung verankern und lanciert dafür eine Volksinitiative. Das Christentum sei in der Schweiz mittlerweile bloss noch «eine unter vielen Religionen». Dieser Bedeutungsverlust löse Angstreaktionen aus und münde in Verboten, zuletzt geschehen beim Minarettverbot. Dieser Angstkultur will die EVP durch eine Volksinitiative entgegentreten. Der blosse Hinweis auf die «christliche Vergangenheit» der Schweiz genüge nicht mehr. Deshalb solle in der Bundesverfassung «verewigt werden», welcher Religion die Schweiz ihre historischen Errungenschaften zu verdanken habe. Das Christentum beeinflusse bis heute die Geschicke des Landes. Bei der Erweiterung von Artikel 72 (Kirche und Staat) der Bundesverfassung könnte es neben dem Hinweis auf das «christliche Erbe» auch darum gehen, Kirchen und Religionsgemeinschaften zur Respektierung der Menschenrechte, Demokratie und Rechtsstaat zu verpflichten. Sowie ihren wichtigen Beitrag zum toleranten Zusammenleben verschiedener Gruppierungen zu leisten. Die Diskussion um den definitiven Text ist aber noch nicht abgeschlossen. Ob die Volksinitiative tatsächlich kommt, wird die EVP-Delegiertenversammlung entscheiden.
Katholische Kirche startet Image-Kampagne
Mitten im Missbrauchs-Skandal, wo auch die Schweizer Bischöfe und renommierte Klosterschulen eine Wegschau- und Vertuschungskultur eingestehen müssen, startet die lang geplante Image-Kampagne der Katholischen Kirche unter dem Motto: «Mehr Good News». Plakate mit diesem Slogan sollen an Kirchen in der ganzen Schweiz aufgehängt werden. Die Bischofskonferenz hatte die Kampagne bereits im November beschlossen. «Natürlich haben wir uns die Frage gestellt, ob der Moment richtig ist», sagte der Sprecher der Schweizer Bischofskonferenz, Walter Müller, zu einem Bericht der Zeitung «Sonntag». Doch die Bischöfe hätten entschieden, die Kampagne durchzuführen. Die 5000 Plakate werden nach Ostern an die 2000 katholischen Pfarreien in der Schweiz verschickt. «Wir werden sehen, wie die Pfarreien reagieren. Aber wir denken, dass sie die Plakate aufhängen werden», sagte Müller weiter. Neben den Plakaten lässt die Bischofskonferenz ab Mitte April die Internetseite http://www.mehr-good-news.ch/ aufschalten. Dort können Kirchenmitglieder ihre guten Nachrichten eintragen.
Abzocker wirbt um Kirchen-Austreter
Gläubigen, die aus Spargründen auf die Kirchensteuer verzichten wollen, offeriert die Internet-Seite http://www.kirchen-austritt.ch/ "rechtlich geprüfte Austrittsunterlagen" für 99 Franken. Und wer an diesem «unkomplizierten Kirchenaustritt» noch Zweifel und Fragen hat, kann sich via Kontaktformular informieren. Hinter diesem Dienst steht Stefan Amrein von der Firma simple-net ag in Sursee. Der Webseiten-Betreiber nimmt sich gar das Recht, Fragen von Interessierten samt e-mail-Adresse im Internet zu veröffentlichen. Dieser Dienst ist höchst fragwürdig, zumal ein Austritt aus der Landeskirche an sich völlig unbürokratisch und gratis erfolgt, wenn man der Kirchgemeindeleitung seinen Entscheid schriftlich mitteilt. Und auch fixfertige Austrittsvorlagen kann man im Internet reihenweise gratis beziehen.
Herbert-Haag-Preis vergeben
Der Autor Thomas Hürlimann, die Literaturkritikerin Beatrice Eichmann-Leutenegger und der Theologe Karl-Josef Kuschel haben in Luzern den Preis der Herbert-Haag-Stiftung für Freiheit in der Kirche erhalten. Mit den Preisen werden «Zeugen des freien und kritischen Wortes» ausgezeichnet, die dafür einstehen, «dass die Freiheit des Wortes auch dort gelten muss, wo es um Glaube und Kirche geht und wo entscheidende Fragen der Moderne, um die keine Religion herumkommt, zur Debatte stehen». Die Stiftung feiert dieses Jahr ihr 25-jähriges Bestehen. Die Preisträger des nächsten Jahres, die im März 2011 in Wien geehrt werden, sind der Luzerner Bibelwissenschafter Walter Kirchschläger sowie die tschechische Untergrundkirche. Zu dieser gehören illegal zu Priestern und Bischöfen geweihte, zum Teil verheirate Frauen und Männer, die sich unter dem kommunistischen Regime sehr autonom entwickelten und nach dem Fall der Mauer in grosse Spannungen gerieten mit dem Vatikan.
Neue Synagoge in Genf
Seit dem Jahre 1972 war in der Schweiz keine neue Synagoge mehr eingeweiht worden. Im neuen Haus Gil der „Liberalen Israelitischen Gemeinde Genf“ sind im Gegensatz zum orthodoxen Zweig des Judentums Männer und Frauen vollkommen gleichgestellt. Sie teilen sich den Gebetsraum an der Route de Chênes und dürfen beide die Thora vor den Gläubigen lesen.
Islamische Friedhöfe gefordert
Der islamische Dachverband „Koordination Islamischer Organisationen Schweiz“ fordert für jeden Kanton der Schweiz einen muslimischen Friedhof. „Beim nächsten Mal, wenn einem Muslim die Bestattung auf einem muslimischen Friedhof verweigert wird, werden wir vor Gericht klagen“, sagte der Präsident des Verbandes, Farhad Afshar. Den Hintergrund der Forderung bildet die Ablehnung eines muslimischen Grabfeldes durch die Gemeinde Köniz im Kanton Bern. Die Gemeinde hatte argumentiert, bereits heute bestünde die Möglichkeit, in sogenannten Haingräbern den Leichnam nach Mekka auszurichten. Muslimische Grabfelder bestehen derzeit in den Städten Genf, Bern, Basel, Zürich und Lugano.
Erste Solarkirche der Schweiz
Das Stadtparlament St. Gallen hat einstimmig einen Kredit von 410 000 Franken gesprochen für eine Solaranlage auf der ökumenischen Kirche Halden. Das Süddach der Kirche soll im Rahmen der Dachsanierung vollständig mit Solarpanels eingedeckt werden. Betrieben wird die Photovoltaikanlage von den Sankt Galler Stadtwerken, das Dach stellen die Kirchgemeinden kostenlos zur Verfügung. "Die vorgesehene Anlage mit einer Leistung von 46,4 kWp wird einen mittleren Energieertrag von rund 44 200 kWh pro Jahr produzieren", heisst es in der Vorlage, "was den Jahresverbrauch von zwölf Haushaltungen decken kann."
Kirche gegen NEE-Bestimmungen
und für humane Einbürgerungspraxis
Die bischöfliche Nationalkommission "Justitia et Pax" unterstützt das Anliegen, die Bestimmungen für einen Nichteintretensenscheid (NEE) im Asylverfahren aufzuheben. In ihrer Vernehmlassungsantwort spricht sich Justitia et Pax aber gegen die Verkürzung der Beschwerdefrist von 30 auf 15 Tage aus. Wenn man Fristen in Verfahren verkürzt, die oft komplex sind und Informationen aus dem Ausland erfordern, besteht die Gefahr, dass der rechtliche Schutz der Asylsuchenden verletzt wird.
"Justitia et Pax" unterstützt zudem die Totalrevision des Bürgerrechtsgesetzes, das in der Vernehmlassung ist und heutige Diskriminierungen verhindern soll. "Justitia et Pax" begrüsst die Herabsetzung der minimalen Aufenthaltsdauer von zwölf auf acht Jahre, wie es auch in EU-Staaten üblich ist. "Justitia et Pax" stellt sich aber gegen die geplante Bestimmung, dass einen Antrag zur Einbürgerung nur stellen kann, wer einen C-Ausweis besitzt. Eine solche Anforderung würde neue Diskriminierungen schaffen. Infos: http://www.juspax.ch/
SEK fordert Rechtsschutz für Asylsuchende
Der Schweizerische Evangelische Kirchenbund (SEK) unterstützt die Absicht des Gesetzgebers, den Rechtsschutz von Asylsuchenden zu erweitern, wendet sich aber gegen die Abschaffung der Hilfswerksvertretung bei Anhörungen sowie gegen die Verkürzung der Beschwerdefristen. In rund 80% der Anhörungen von Asylbewerbern bei Migrationsämtern wird von der Möglichkeit Gebrauch gemacht, die Hilfswerksvertretung Zusatzfragen stellen zu lassen. Ohne die Hilfswerksvertretung können Verfahrensprobleme nur noch im Nachhinein festgestellt werden. Dies belastet die Rechtsberatungsstellen und die Beschwerdeebene finanziell und zeitlich. Mit dem Wegfall läge die Qualitätssicherung alleine bei den zuständigen Behörden. Der SEK fordert zudem den unentgeltlichen Zugang zur Verfahrens- und Rechtsberatung für alle Asylsuchenden. Derzeit wird die Finanzierung der Rechtsberatungsstellen ausschliesslich durch die Kirchen und deren Hilfswerke sichergestellt. Die Verkürzung der Beschwerdefristen von 30 auf 15 Tage lehnt der Rat SEK ab. Die Verkürzung führe zu einem noch höheren Arbeitsdruck der Beratungsstellen und schränke die Möglichkeiten der Gesuchstellenden ein. Der Rechtsschutz der Asylsuchenden würde damit markant geschwächt.
Kirche engagiert sich in Klimapolitik
Die Bischöfliche Kommission "Justitia et Pax" und die Kommission "oeku - Kirche und Umwelt" treten in einem Brief an den Nationalrat für eine gerechte und zukunftsfähige Klimapolitik der Schweiz ein. Sie fordern die Nationalrätinnen und Nationalräte auf, bei den anstehenden Beratungen für eine fortschrittliche Klimapolitik einzutreten und die dafür notwendigen Weichenstellungen vorzunehmen. Ziel soll sein, die globale mittlere Temperaturerhöhung nicht über 2°C ansteigen zu lassen. Als Industrieland steht die Schweiz in besonderer Verantwortung. Notwendig und gerecht sind ein CO2-Reduk¬tionsziel von 40% im Inland bis 2020 sowie zusätzliche Anstrengungen im Ausland in vergleichbarem Umfang. Klimagerecht ist eine Politik, die alle Emissionsbereiche einbezieht. In der Schweiz sind dies Gebäude und Verkehr. An der CO2-Lenkungs¬abgabe auf Treibstoffe muss deshalb festgehalten werden. Eine fortschrittliche Klimapolitik ist nicht nur gerecht, sondern im ureigenen Interesse der Schweiz, weil sie sich auch wirtschaftlich lohnt.
Bischof Theurillat gibt ab und nimmt an
Weihbischof Denis Theurillat verlässt nach 10 Jahren seine Aufgabe als Jugendbischof sowohl im Bistum Basel als auch in der Schweiz. Ab 15. August übernimmt er neu die Leitung des Bischofsvikariates Personal und Bildung. Er tritt die Nachfolge von Bischofsvikar Kurt Grüter an. Weiterhin wird Theurillat auch seine bischöflichen Aufgaben wahrnehmen. Neuer Schweizer Jugendbischof wird der Churer Weihbischof Marian Eleganti.
Exit und Dignitas verbieten
Keine organisierte Suizidhilfe und ein Verbot von Suizidhilfeorganisationen: Diese Position vertritt die Bioethikkommission der Schweizer Bischofskonferenz in der Vernehmlassung des Bundesamtes für Justiz zu einer allfälligen Änderung des Strafgesetzbuches hinsichtlich der organisierten Suizidhilfe. Die Bioethikkommission unterstreicht die grundsätzliche Ablehnung der Beihilfe zum Suizid durch die Schweizer Bischöfe, die bereits im Pastoralschreiben "Die Würde des Menschen" (2002) zum Ausdruck gekommen ist. Beihilfe zum Suizid widerspreche nicht nur dem christlichen Menschenbild, sondern auch dem Menschenbild der Bundesverfassung. Auf allen Ebenen müsse die Palliativmedizin gefördert werden. Da helfe auch die Kirche mit ihrer Krankenseelsorge und der Begleitung von Sterbenden mit.
Minarett-Verbot: Verurteilung durch Uno-Menschenrechtsrat?
Wegen des Minarett-Verbots droht der Schweiz eine Verurteilung durch den Uno-Menschenrechtsrat. Dies berichtete die Schweizerische Depeschenagentur (SDA). Das Gremium verurteile das Minarett-Verbot als «Ausdruck der Islamophobie», heisst es laut SDA in einem Resolutionsentwurf.
Das Minarett-Verbot wird im Text ausserdem als Verstoss gegen «internationale Verpflichtungen im Bereich der Menschenrechte und Religionsfreiheit» bezeichnet. Es nähre «Diskriminierung, Extremismus und Vorurteile, die zu Polarisierungen und Spaltungen mit gefährlichen Folgen führen», so der Entwurf.
Bis zum Ende seiner Sitzungsperiode am 26. März soll der Uno-Menschenrechtsrat über den Text abstimmen.
Trauffer tritt zurück und wünscht sich Kardinalinnen
Dominikanerpater Roland-Bernard Trauffer wird nach neun Jahren per Ende 2010 als Generalvikar des Bistums Basel zurücktreten. Sein Gesundheitszustand (Spastische Spinalparalyse, eine fortschreitende Lähmung der Beine) habe nichts mit der Demission zu tun. Vielmehr sei es sein Wunsch, sich für ein neues Projekt zu engagieren und ein neues Kapitel aufschlagen: als Seelsorger im Ausland, und zwar nicht im Vatikan. Auf die Frage der SonntagsZeitung, was Trauffer tun würde, wenn er Papst wäre, erklärte er, er würde Kardinalinnen ernennen. "Das wäre schon heute möglich, dafür benötigt eine Frau keine Priesterweihe."
Neues "Wort zum Sonntag"-Team
Ab April geht beim "Wort zum Sonntag" vom Schweizer Fernsehen ein neues Sprecherteam auf Sendung. Rebekka Grogg ist reformierte Pfarrerin am ökumenischen Zentrum in Kehrsatz bei Bern. Die katholische Theologin Madeleine Kronig, ursprünglich diplomierte Wirtschaftsprüferin, arbeitet als Pastoralassistentin in Ried-Brig und Termen VS. Lars Simpson wirkt seit einigen Wochen als christkatholischer Pfarrer an der Augustinerkirche in Zürich. Der katholische Theologe Christoph Schmitt unterrichtet Religionskunde, Ethik und Fachdidaktik an der Universität Luzern und Andreas Peter ist reformierter Pfarrer im zürcherischen Bülach.
Hilfswerke kritisieren National- und Bundesrat
Die Entwicklungshilfe des Bundes wird bis im Jahr 2015 nicht auf 0,5 Prozent des Bruttonationaleinkommens erhöht. Anders als der Ständerat hat der Nationalrat wie auch der Bundesrat eine Erhöhung des Beitrags sehr deutlich abgelehnt. Die Schweiz manövriert sich so international weiter ins Abseits. Demnach soll es vor 2013 keine zusätzlichen Mittel geben. Die Hilfswerke Swissaid, Fastenopfer, Brot für alle, Helvetas, Caritas und Heks, kritisieren den Entscheid als „verpasste Chance“.
Freikirchen mischen sich in Politik
Seit 30 Jahren setzt sich Beat Christen von den freikirchlich-evangelikalen "Vereinigten Bibelgruppen" (VBG) dafür ein, dass die Politik auch für bekennende Christen ein Thema sei. Zunächst betete er für die Bundesräte, dann auch für die Mitglieder des National- und Ständerats. Einen festen Zutritt ins Bundeshaus als «Lobbyist des lieben Gottes» erhielt er 1995. Rund 60 Parlamentarier konnte Beat Christen schon dafür gewinnen, mit ihm Vorträge über Glauben und Politik zu halten, unter ihnen Freikirchlicher wie Werner Messmer (fdp.), Eric Nussbaumer (sp.) oder Walter Donzé (evp.). Auf http://www.bundeshaus.jesus.ch/ können Mitglieder des Bundesrats und des Parlaments sogar ihre Gebetsanliegen eintragen.
Bistum Chur eine Sekte?
Der Volketswiler Pfarrer Marcel Frossard kritisiert, dass die offiziellen Vertreter der Zürcher Staatskirche im Zusammenhang mit der Ernennung von Weihbischof Eleganti kuschen würden. Die jüngeren Priester seien heute viel konservativer als früher. Auch die vielen ausländischen Priester aus Polen oder Indien seien sehr hierarchiebewusst und konservativ. Und unter den Laientheologen gäbe es viele Deutsche, die zwar nicht unbedingt konservativ seien, aber sehr vorsichtig. Denn sie hätten Angst, dass ihnen bei zu viel Kritik gekündigt würde. Die Kirche im Bistum Chur werde zur Sekte, so Frossard.
Kommentar der Redaktion:
Es wäre erstaunlich, wenn die Churer Bischöfe diese offene Kritik folgenlos akzeptierten und nicht bald ein zweites Röschenz provozierten.
Retten Deutsche unsere Kirche?
Die katholische Kirche im Kanton Zürich verzeichnet im Jahr 2009 52 Prozent mehr Austritte als im Vorjahr. 3864 Menschen sind im letzten Jahr aus der katholischen Kirche des Kantons Zürich ausgetreten. Hauptgründe für den Massenaustritt war die Rehabilitierung der vier Bischöfe der Pius-Bruderschaft durch den Papst und die vielen Fettnäpfchen und der fehlende Dialog des Churer Bischofs. Insgesamt hat aber die Zahl der Katholiken im Kanton Zürich im vergangenen Jahr dank der Zuwanderung von Deutschen zugenommen.
Spenden für Haiti
Haiti, eines der ärmsten Länder der Welt, erlebt mit der schweren Erdbebenkatastrophe extremes Leid und ist dringend auf Hilfe angewiesen. Die Schweizer Bischöfe rufen alle Menschen auf, nach ihren Möglichkeiten zu helfen - mit dem Gebet und mit Spenden für die notleidende haitianische Bevölkerung.
Caritas erreicht rund 200 000 Personen oder 40 000 Familien im Katastrophengebiet. Der grösste Teil dieser Menschen lebt in 20 provisorischen Not-Camps, die von Caritas betreut werden. Im Durchschnitt kostet die Nothilfe pro Person 115 Franken pro Monat. Caritas verteilt Lebensmittel und baut in den Not-Camps Verteilstellen für täglich 400 000 Liter Wasser. In den Camps stellen Gesundheitszentren die medizinische Basisversorgung sicher. Schwerverletzte werden an das von Caritas instand gesetzte Spital Saint François de Sale überwiesen. Für Kinder organisiert Caritas in den Camps in Grosszelten erste schulische Aktivitäten, in denen Gewicht auf die Traumabewältigung gelegt wird.
Spendenkonto: Caritas Schweiz, PC 60-7000-4, Vermerk: Haiti (Informationen unter www.caritas.ch).
Anti-Minarett-Initiative ausgewertet
Das am 27. November 2009 mit 57,5% befürwortete Verbot von Minarett-Bauten in der Schweiz wurde in einer VOX-Umfrage der Universität Bern analysiert. Viele Befürworter der Initiative wollten offenbar ein symbolisches Zeichen setzen gegen die Ausbreitung des Islam in der Schweiz. Die Linke lehnte das Minarett-Verbot mit über 80% Nein-Stimmen ab, nur 16% der linken Frauen stimmten für das Verbot. Die Rechte stimmte dem Verbot ebenso klar zu, bei den Frauen waren es gar 87%. Die Sympathisanten der FDP und der CVP entschieden sich mehrheitlich gegen die Nein-Parole ihrer eigenen Partei. Wer als Bildungsabschluss eine Berufslehre vorweisen kann, stimmte zu 76% mit Ja. Wer eine höhere Berufsschule oder eine Hochschule besuchte, war nur zu 48% respektive 34% für das Minarettverbot. Religionslose Personen lehnten die Initiative mehrheitlich ab. 64% aller Stimmenden haben in der VOX-Umfrage voll oder ziemlich davon überzeugt erklärt, dass sich die schweizerische und die islamische Lebensweise gut vertragen würden.
Evangelikale mobilisieren
Der evangelische Pfarrer Hansjürg Stückelberger, der "Christian Solidarity International" (CSI) und den Verein «Zukunft CH» gegründet hat, lancierte in den Medien einen ganzseitigen Offenen Brief mit seinem anti-islamischen Gedankengut und unterstellt der 68-er-Bewegung, der rechtlichen Anerkennung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften und den Frauenrechten eine antichristliche Zielsetzung. Dem Islam unterstellt Stückelberger, er wolle die Scharia in der Schweiz einführen. Sein Islambild ist einzig von Selbstmord-Attentaten, Zwangsheiraten, Ehrenmorden, Massakern an Christen und Verfolgung von Dissidenten geprägt.
Grüne gegen Beschneidung von Knaben
Der Vorstand der Grünen des Kantons Bern fordert eine offene Diskussion über ein Verbot der Beschneidung von Knaben. Mit diesem Profilierungsversuch befremdeten die Grünen nicht nur die Juden und Muslimen, sondern auch Länder wie die USA, wo die Beschneidung aus rein hygienischen Gründen unabhängig von religiösen Traditionen vollzogen wird.
Radio DRS 2 wieder mit Religions-Redaktion
Bei Radio DRS 2 gibt es ab April wieder ein Ressort "Religion". Vor fünf Jahren wurde die religiöse Fachredaktionen im Ressort "Gesellschaft & Religion" integriert. Nun will man damit gesteigerten Interesse an Religion Rechnung tragen. Die Nachfrage an religiösen Sendungen nehme deutlich zu, sagte der künftige Leiter des Ressorts, Hansjörg Schultz. Bei einer neuen Messmethode hat sich laut Schultz die Zuhörerquote als viel höher herausgestellt als bisher angenommen. Demnach hören zehn Prozent (rund 140.000 Personen) des Publikums von DRS 2 die Sendung "Perspektiven", in der jeweils am Sonntagmorgen zwischen 8.30 und 9 Uhr ein aktuelles religiöses Thema mit Hintergrund beleuchtet wird. Damit ist "Perspektiven" die erfolgreichste Wort-Sendung von Radio DRS 2. Das Interesse zeige sich auch daran, "dass uns ungewöhnlich vielen Zuschriften auf religiöse Sendungen hin erhalten."
Dem Papst bläst ein rauher Wind entgegen...
Attacke in Jos, Nigeria
International
Sexueller Missbrauch in der Kirche und die Unfähigkeit zur Versöhnung
Der päpstliche Hirtenbrief an die Iren
Entschuldigung !?
Am 19. März 2010 veröffentlichte der Papst seinen Hirtenbrief an die Gläubigen in Irland. Er will nach Jahrzehnten des sexuellen Missbrauchs durch Priester und Nonnen an 35‘000 Kindern einen Neuanfang in der irischen Kirche setzen. Dieses Ziel scheint das Dokument aber ohne die explizite päpstliche Bitte um Entschuldigung im Namen der Kirche sträflich zu verfehlen.
Die folgenden PDF-Dokumente können durch Anklicken geöffnet werden.
Päpstlicher Hirtenbrief an die Iren
Kommentar zum sexuellen Missbrauch an Minderjährigen
(von Lukas Niederberger)
Missbrauchs-Skandal und Kirchenkrise in Deutschland
Das Vertrauen der Deutschen in die katholische Kirche ist im Zuge der Missbrauchsfälle stark gesunken. Eine Umfrage des Magazins "Stern" hat ergeben, dass 17 Prozent der Deutschen kein Vertrauen zur katholischen Kirche hätten. Unter den Katholiken sank das Vertrauen in den Papst von Januar bis Mitte März dieses Jahres von 62 auf 39 Prozent, das in die katholische Kirche von 56 auf 34 Prozent. Für rund 80 Prozent der Befragten komme ein Kirchenaustritt nicht in Frage. Jeder Fünfte habe jedoch schon über den Austritt nachgedacht.
Seit Ende März betreibt die Katholische Kirche eine Beratungshotline für Opfer des sexuellen Missbrauchs in katholischen Einrichtungen. Die kostenlose Hotline ist dienstags, mittwochs und donnerstags von 13.00 Uhr bis 20.30 Uhr unter 0800-120 1000 erreichbar. Bereits am ersten Tag hätten sich 162 Opfer oder deren Angehörige gemeldet. Und täglich kontaktieren Tausende die Internetseite www.hilfe-missbrauch.de.
Heiliger Oscar Romero
Zehntausende Menschen haben an Gedenkveranstaltungen für den vor 30 Jahren ermordeten Erzbischof Oscar Romero in El Salvador wie auch in anderen Ländern teilgenommen. Der Präsident von El Salvador, Mauricio Funes, entschuldigte sich offiziell für die damalige unrühmliche Rolle des Staates beim Mordkomplott. Funes hatte erst im vergangenen Jahr mit seiner linksgerichteten Partei FMLN die rechte Arena-Partei an der Spitze des Staates abgelöst. In deren Regierungszeit fiel die Ermordung Romeros. Damit nahm erstmals eine Regierung des mittelamerikanischen Landes an einer Gedenkveranstaltung für Romero teil. Der emeritierte Erzbischof von Washington und langjährige Freund Romeros, Kardinal Theodore McCarrick, feierte eine Messe in der Kathedrale von San Salvador. Ausserdem weihte Staatspräsident Funes am Internationalen Flughafen des Landes eine offizielle Gedenkstätte für den Ermordeten ein. In der Hauptstadt zogen Tausende Menschen mit überlebensgroßen Porträtbildern Romeros durch die Strassen. Der 1917 geborene Romero wurde 1980 während eines Gottesdienstes ermordet. Die Hintergründe des Attentats sind bis heute nicht vollständig aufgeklärt.
Dem "seligen" Johannes Paul II. fehlt ein Wunder
Der Postulator der Seligsprechung von Johannes Paul II. weist Behauptungen zurück, dass es Schwierigkeiten beim Verfahren gebe. Das Büro von Slawomir Oder weist darauf hin, dass „nicht bekannt“ sei, ob die Ordensschwester Marie-Simon-Pierre wieder an Parkinson leide. Eine polnische Zeitung berichtet, dass die auf Fürsprache des verstorbenen Papstes geheilte Ordensfrau erneut an Parkinson erkrankt sei. Nach der Zuerkennung des „heroischen Tugendgrades“ durch Benedikt XVI. im Dezember 2009 ist nur noch der Nachweis eines Heilungswunders auf Fürsprache des „Dieners Gottes“ notwendig.
Verfolgung von katholischen Bischöfen in Indien
Die indische Polizei hat mehrere katholische Bischöfe festgenommen. Die Verhaftung fand während eines Friedensmarsches im Bundesstaat Tamil Nadu statt. Nach vier Stunden habe man die Oberhirten aber wieder freigelassen. Die mehreren Tausend Teilnehmer des einmonatigen Friedensmarsches hatten auf die anhaltende Diskriminierung von christlichen Dalits in der Region aufmerksam machen wollen. Die schätzungsweise 240 Millionen Dalits, Nachfahren der indischen Urbevölkerung, leben als sogenannte „Unberührbare“ am äussersten Rand der indischen Kastengesellschaft zumeist in bitterer Armut und ohne Chance auf sozialen Aufstieg.
EU-Parlament verhandelt nicht über das italienische Kruzifix-Urteil
Das Europaparlament wird nicht zum umstrittenen Kruzifix-Urteil des Europäischen Menschenrechtsgerichtshofs Position beziehen. Versuche, Beschlüsse zu dem Urteil herbeizuführen, sind gescheitert. Für eine Annahme hätte die Hälfte der 736 Europaabgeordneten eine der beiden Erklärungen unterzeichnen müssen. Im November 2009 hatten die Richter des Europäischen Menschenrechtsgerichtshofs in Strassburg gegen christliche Kreuze in italienischen Klassenzimmern entschieden und damit eine breite Diskussion ausgelöst. Mit dem Streit befasst sich jetzt eine Grosse Kammer des Gerichts, nachdem Italien Berufung einlegte.
"Besorgnis und Entsetzen" über Blutbad in Nigeria
Vatikansprecher Federico Lombardi hat "Besorgnis und Entsetzen" über die Unruhen in Nigeria geäussert. Nach Erkenntnissen des Heiligen Stuhls gehe es jedoch "nicht um religiöse, sondern um soziale Auseinandersetzungen", sagte Lombardi am 8. März vor Journalisten. Der Leiter des Hauptstadtbistums Abuja nannte den blutigen Überfall muslimischer Nomaden des Fulani-Volkes auf drei Dörfer nahe der zentralnigerianischen Stadt Jos einen "klassischen Konflikt zwischen Hirten und Bauern, nur dass die Fulani alle Muslime sind und die Berom alle Christen". Laut Onaiyekan entzündeten sich die jüngsten Ausschreitungen an einem Streit über die territoriale Vorherrschaft. Die Fulani seien zwar in weiten Teilen Nigerias als wandernde Viehhirten unterwegs, erhöben aber in der Region um Jos Ansprüche auf das Land. Dabei gehe es um "soziale, wirtschaftliche, stammesmässige und kulturelle Forderungen". Der Regierung in Abuja warf der Erzbischof Schwäche vor. Sie habe offenbar nicht die Fähigkeit, ihrer Pflicht zu entsprechen und Sicherheit für alle zu garantieren. Die Kirche wolle sich weiterhin für gute Beziehungen zum Islam einsetzen. Dabei suche sie auch den Schulterschluss mit Muslimen, um die Gewalt zu beenden und sich gemeinsam zur Lösung der ethnischen und politischen Probleme einzusetzen, so Onaiyekan. In dem bevölkerungsreichsten afrikanischen Staat mit 149 Millionen Einwohnern gehören 50 Prozent - mehrheitlich im Norden - dem Islam an, 40 Prozent christlichen Konfessionen. Zehn Prozent sind Anhänger von Naturreligionen.
"Die Zeit" bekommt neues Ressort "Glaube und Zweifel"
"Zeit"-Chef Giovanni di Lorenzo"Die Zeit" bekommt zu Ostern neue Ressorts: Ab 31. März wird die Wochenzeitung die Ressorts "Geschichte", "Glauben und Zweifel" und "Die Zeit der Leser" beinhalten. Chefredakteur Giovanni di Lorenzo begründet die Änderungen gegenüber dem "Spiegel" gegenüber mit den "neuen Bedürfnissen" der Gesellschaft.
Das Geschichtsressort ersetzt die Rubrik "Zeitläufte" ersetzen, bisher auf der letzten Seite der Zeitung. Leiter wird Benedikt Erenz, der bislang für "Zeitläufte" zuständig war. Die zwei Seiten "Geschichten" finden die Leser künftig am Ende des Dossiers.
In "Glauben und Zweifel" beschäftigt sich die Redaktion mit Religion, Sinnfragen und Wertdebatten. Leiterin ist Evelyn Finger, bisher Redakteurin im "Zeit"-Feuilleton. Zu Ostern erscheint das Glaubensressort als eigenes Buch, danach füllt es nur eine Seite.
Den Abschluss der Zeitung bildet dann ein Ressort, das ausschließlich mit Einsendungen von Lesern gefüllt wird. Verantwortlich ist hier Wolfgang Lechner, der bislang als Redakteur für das "Zeit Magazin" schrieb.
Der Fall Kässmann, die Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche, das Schlagwort von "Frauen als Gebärmaschinen" oder der Umgang mit den Piusbrüdern: Wenn Religion in den Medien zum Thema wird, sind es meist die Skandale oder polarisierende Äusserungen hoher Kirchenrepräsentanten, die in die Schlagzeilen gelangen. Doch Artikel über Gott, Bibel, Sünde? "Sogar den meisten Christen fällt es leichter, über Sex zu reden als über das Beten", hat Patrik Schwarz, stellvertretender Ressortleiter Politik der Hamburger Wochenzeitung "Die Zeit" beobachtet. Das gilt erst recht für viele Medien. Und es gelingt auch katholischen und evangelischen Medien nur begrenzt, wie eine am Wochenende zu Ende gegangene Tagung der "Gesellschaft katholischer Publizisten Deutschlands" (GKP) in Paderborn zeigte.
Aldi verkauft Bibeln
Der Discounter Aldi verkauft seit Mitte März Bibeln. Es ist bereits das zweite Mal, dass die Kette in Zusammenarbeit mit der Deutschen Bibelgesellschaft das "Buch der Bücher" anbietet. So sollen auch Kirchenferne mit der Guten Nachricht erreicht werden, sagt die Geschäftsführung der Bibelgesellschaft. Es ist besser, es wird eine Bibel bei Aldi gekauft als keine", sagte die ehemalige hannoversche Landesbischöfin Margot Kässmann im Jahr 2003. Damals nahm Aldi Bibeln erstmals ins Angebot auf. Nun können Millionen Deutsche wieder zwei Wochen lang Gottes Wort bei Aldi erstehen. Obwohl die Übersetzung modern ist, wirkt das Layout eher traditionell: goldene Schrift auf rotem Einband.
Katholische Kirche wächst
Die Zahl der Katholiken ist in den Jahren 2007 bis 2008 weltweit um 1,7 Prozent auf 1,166 Milliarden Gläubige angestiegen. In Bezug auf das globale Bevölkerungswachstum bedeutet das einen Anstieg von 17,33 auf 17,4 Prozent der Weltbevölkerung. Zwischen 2000 und 2008 habe es auch eine positive Entwicklung hinsichtlich der Priesterzahlen gegeben. Diese seien weltweit um 1 Prozent angestiegen. In Australien seien die Zahlen beständig gleich geblieben, während sie in Afrika, Asien und Amerika angewachsen seien. In Europa seien die Zahlen hingegen gesunken. Auch die Anzahl der Priesteramtsanwärter sei in Europa von 2007 bis 2008 abgefallen, um 4,3 Prozent. In Amerika sei die Zahl gleich geblieben, während sie auf den übrigen Kontinenten angestiegen sei.
Greenpeace kooperiert mit Kirche
„Beim Klimawandel erkennt der Vatikan an, dass es notwendig ist, die Erde zu beschützen. Und der Vatikan weiss unsere Arbeit zu schätzen“, sagte der neue Direktor der Umweltschutzorganisation "Grenpeace", Kumi Naidoo. Und ergänzte: "Religiöse Gruppen müssen ihre Stimmen für Klimagerechtigkeit erheben. Es gibt viele spirituelle Gründe, aktiv gegen Umweltzerstörung vorzugehen. Die Glaubensgemeinschaften erreichen zahlreiche Menschen, zu denen wir Umweltschützer keinen Zugang haben. Wir brauchen diese Menschen, um etwas zu bewirken.“
Papst weiht Gaudí-Kirche ein
Benedikt XVI. wird im November an der Weihe der berühmten „Sagrada Familia“ in Barcelona teilnehmen. Der Bau der Basilika, die zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt, wurde vom Architekten und Bildhauer Antoni Gaudì entworfen und begonnen. Für Gaudì ist ein Seligsprechungsverfahren im Gang.
Vatikan-Archiv online
Der Vatikan will Archivbestände aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs ins Internet stellen. Eine entsprechende Initiative kündigte die Vatikanzeitung „Osservatore Romano“ an. Digitalisiert werden 5125 Dokumente vom März 1939 bis Mai 1945, die bereits in der zwölfbändigen Edition „Actes et documents du Saint-Siège relatifs a la Seconde guerre mondiale“ veröffentlicht sind. Der Zugang zur Datenbank soll kostenlos sein. Mit der Online-Publikation folgt der Vatikan einer Anregung der US-Stiftung „Pave the Way“. Die vom jüdischen Unternehmer Gary Krupp geleitete Organisation setzt sich für eine positive Bewertung des Pontifikats von Pius XII. (1939-58) ein. Nach dem Urteil der Stiftung hatte sich der Papst auf die beste ihm mögliche Weise für die Rettung verfolgter Juden eingesetzt.
Hindu darf in England traditionell eingeäschert werden
Ein in England lebender Hindu hat gerichtlich durchgesetzt, dass er nach seinem Tod auf einem traditionellen hinduistischen Scheiterhaufen verbrannt wird. Der 71-jährige Davender Ghai war mit der Anfechtung eines 2006 ergangenen Urteils erfolgreich. Damals hatte ein Gericht eine Leichenverbrennung unter freiem Himmel für unzulässig erklärt. Es stützte sich dabei auf ein Kremationsgesetz von 1902. Das Berufungsgericht befand hingegen, eine solche Einäscherung sei unter bestimmten Voraussetzungen erlaubt. So müsse der Scheiterhaufen von Mauern umgeben sein und ein Dach mit einer Öffnung haben. Auf diese Weise sei es möglich, den persönlichen Glaubensüberzeugungen des Klagenden innerhalb der geltenden Gesetze gerecht zu werden, so das Berufungsgericht.
Fliegt Papst mit Easyjet von England nach Rom?
Die Fluggesellschaft „EasyJet“ hat dem Papst ein ungewöhnliches Angebot unterbreitet. Die Billig-Airline bietet Benedikt XVI. kostenlose Flüge für seine geplante Reise nach Grossbritannien im September an. Easyjet wolle mit der Aktion die erwarteten Kosten der Reise von 33 Millionen Franken senken helfen. EasyJet warte noch auf eine Antwort aus dem Vatikan. Normalerweise wählt der Papst bei Auslandsreisen auf dem Hinflug die Fluggesellschaft Alitalia und legt den Rückweg mit der Fluglinie des Gastlandes zurück.
Der Besuch von Papst Benedikt XVI. in England soll vom 16. bis 19. September dauern und mit der Seligsprechung von Kardinal John Henry Newman (1801-1890) in Coventry abschliessen. Eventuell wird der Papst auch eine Rede vor Abgeordneten in der Westminster Hall in London halten. An der gleichen Stätte war 1535 Thomas Morus zum Tode verurteilt worden, weil er sich weigerte, den kirchlichen Hoheitsanspruch von König Heinrich VIII. anzuerkennen. Wenn Benedikt XVI. persönlich den Vorsitz bei einer Seligsprechung von Kardinal Newman führte, wäre dies ungewöhnlich. Der Papst hatte zur Regel gemacht, dass solche Feiern in der Heimatdiözese des Seligsprechungskandidaten durch einen päpstlichen Gesandten vorgenommen werden. Allerdings hege Benedikt XVI. eine besondere Wertschätzung für den Intellektuellen und Kirchenmann Newman, der als anglikanischer Geistlicher zur katholischen Kirche übergetreten war.
Religiöse Gebote in Palästina und Israel ignoriert
In Palästina trinken Muslime Bier trinken und manche Juden in Israel essen Schweinefleisch. Bei beiden Völkern scheinen sich die Gewohnheiten zu ändern. Schweinfleisch ist in Israel nachhaltig gefragt. Mehr als eine Million Menschen wanderten seit 1990 aus der einstigen Sowjetunion nach Israel ein - und vermissten Salami, Shrimps und Muscheln aus der Heimat. Auf der anderen Seite der grünen Linie stellen Palästinenser sogar ihr eigenes Bier her, das sogenannte «Taybeh-Bier». Nicht nur Christen, auch viele Muslime geniessen es. Als 1995 Nadeem Khoury seine eigene Mikro-Brauerei in dem alten palästinensischen Dorf Taybeh gründete, erhielt er keinen Kredit von seiner Bank. Denn niemand glaubte, dass in einer Gesellschaft mit einer muslimischen Mehrheit Menschen Bier kaufen und trinken. Die Brauerei produziert heute etwa 600 000 Liter Bier im Jahr.
Gotteslästerung in Irland unter Strafe
Seit Neujahr gelten in Irland neue Gotteslästerungsparagrafen. Mit 25 000 Euro Strafe kann belegt werden, wer Material veröffentlicht, das stark beleidigend ist gegenüber Glaubenssätzen, die von jeder Religion heilig gehalten werden. In der alten Verfassung von 1937 galt der Blasphemie-Paragraf nur in Bezug aufs Christentum. Gegner werfen der Regierung nun vor, sie hätten den alten Paragrafen gleich ganz streichen sollen, anstatt ihn auch noch auf "jede Religion" auszuweiten. Das würde selbsternannten Glaubenswächtern Tür und Tor öffnen, um das fundamentale Recht auf Meinungsäusserung untergraben zu können, indem man eingebildete oder tatsächliche Beleidigungen aufspürt und vor Gericht verhandeln will. Einige Stimmen sagen, dass nach irischem Gesetz heute sogar Jesus mit seinen Aussagen zur Kasse gebeten würde.
Besichtigung des Turiner Grabtuchs
Vom 10. April bis 23. Mai wird im Dom von Turin das „Grabtuch Jesu“ öffentlich ausgestellt. Schon jetzt haben per Internet 600.000 Besucher auf der Seite http://www.sindone.org/ einen Besuch an der Reliquie reserviert. Auch der Papst wird aus diesem Anlass nach Turin kommen.