Kanton Luzern / Bistum Basel
Kirche sucht Asylunterkünfte
Im Kanton Luzern helfen die Kirchen aktiv bei der Suche nach Unterkünften für Asylsuchende mit. Die Leitung der katholischen und die reformierten Landeskirche sowie die Leitung der katholischen Bistumsregion riefen die Kirchenräte, Kirchenpflegen, Pfarrämter und Seelsorgenden in einem Schreiben dazu auf, sich dafür einzusetzen, dass Asylsuchende "menschenwürdig" untergebracht werden. Den Kantonsbehörden sollen kircheneigene Gebäude und Grundstücke gemeldet werden, die sich für etwa fünf Jahre als Unterkünfte eignen könnten. Mit Sorge beobachten die Kirchen die negative Stimmung in der Bevölkerung gegenüber Fremden.
Kapuzinerkloster Luzern wird umgebaut
Für über 10 Millionen Franken will der Kapuzinerorden sein Kloster Wesemlin in Luzern umbauen und in ein Seelsorgezentrum zur "Oase-W" umfunktionieren. In einem Teil des Klosters wollen die 35 vorwiegend pensionierten und teils pflegebedürftigen Mönche "Klosternahes Wohnen" anbieten. Das Projekt "Oase-W" sieht vor, dass künftig noch etwa 15 Kapuziner einen Teil der Klosteranlage bewohnen werden. Daneben sollen neue Wohnstudios "Klosternahes Wohnen" ermöglichen. Die wertvolle Bibliothek soll ebenfalls renoviert werden. Der Bettelorden sucht nun nach Sponsoren.
Kanton Luzern Ehrengast im Vatikan
Der Kanton Luzern ist am 6. Mai offizieller Gastkanton am "Sacco di Roma", dem Gedenktag der päpstlichen Schweizergarde. An diesem Tag werden jeweils die neuen Garde-Rekruten vereidigt. Seit 2008 wählt die Schweizergarde jedes Jahr einen Gastkanton für diese Feierlichkeiten. Ein Ensemble der Bläsermannschaft des Luzerner Polizeikorps wird zusammen mit dem Chor "Santa Maria" am 4. Mai um 17.00 Uhr im Petersdom die Festmesse musikalisch gestalten. Die Schweizergarde stellt dem jeweiligen Gastkanton eine Anzahl Eintrittskarten für die Vereidigung zur Verfügung. Die Zeremonie findet am Sonntag, 6. Mai, um 10.30 Uhr im Vatikan statt. Pro Person werden maximal zwei Karten abgegeben. Interessenten melden sich bei: justiz(a)lu.ch
Kirchen leiden unter Steuerwettbewerb
Es sind nicht primär die Kirchenaustritte, die den Landeskirchen unsichere Finanzperspektiven bescheren. Vielmehr führen die immer tieferen Steuern für juristische Personen für ernsthafte Sorgen bei den Kirchen. Die Finanzsituation der drei Luzerner Landeskirchen ist ungewisser denn je. 2010 wurden die allgemeinen und die kirchlichen Steuern juristischer Personen im Kanton Luzern von 4 auf 3 Prozent gesenkt. Nun sind sie nochmals von 3 auf 1,5 Prozent reduziert worden. «Die Gewinnsteuer juristischer Personen macht rund 15 Prozent der gesamten Steuererträge aus. Diese Halbierung ergibt ab diesem Jahr bei grober Schätzung allein für die evangelisch-reformierten Kirchgemeinden Mindersteuereinnahmen von 1,2 bis 1,4 Millionen, für die Kantonalkirche 100000 Franken», sagt der reformierte Synodalkassier Hans-Rudolf Jost.
Luzerner Kirchenfrau geht
Teres Steiger-Graf gibt per 31. Juli 2012 ihr Präsidium im Kirchenrat der Katholischen Kirchgemeinde Luzern ab. Ihre berufliche Herausforderung als Geschäftsleiterin der Bethlehem Mission Immensee (BMI) lässt eine längerfristige Amtsführung nicht mehr zu. Zudem will sie mögliche Interessenkollisionen vorbeugen, weil das BMI nach Luzern ins RomeroHaus umzieht. Teres Steiger hat die Neuausrichtung der städtischen Kirche in den letzten Jahren wesentlich mitgestaltet und hat sich auch in kantonalen Verbänden und in landeskirchlichen Gremien engagiert.
Regionalverantwortlicher geht
Urs Corradini beendet Ende Juli sein Amt als Regionalverantwortlicher der Bistumsregion St. Viktor (Kantone Luzern, Zug, Thurgau und Schaffhausen) und wird in der Nähe seines Wohnorts Cham eine neue Aufgabe in einer Pfarrei übernehmen.
Kirchen unterstützen neue Kontaktstelle für Papierlose
In Luzern bietet seit 13. Januar neu eine Kontakt- und Beratungsstelle für die rund 7000 Sans-Papiers im Kanton Luzern ihre Dienste an. Finanziert wird die Stelle durch Beiträge der Landeskirchen, durch Stiftungen, Spenden und Mitgliederbeiträge. Die Stelle informiert und unterstützt Menschen ohne geregelten Aufenthalt über ihre Rechte, vertritt deren Interessen und sucht eine Lösung für den Aufenthaltsstatus. Die Stelle orientiert sich laut Mitteilung an den Grund- und Menschenrechten und bewegt sich im Rahmen der Schweizer Rechtsordnung. Dem Trägerverein gehören über 60 Privatpersonen aus Wirtschaft, Politik und Kirchen sowie elf Organisationen an, darunter die Katholische Kirche Luzern, Amnesty International, Caritas und Gewerkschaftsbund. Die reformierte Luzerner Kirche ist nicht Mitglied des Vereins, unterstützt die Kontaktstelle aber finanziell. Geleitet wird sie in einem 50-Prozent-Pensum von der Sozialarbeiterin Regula Erazo. Und freiwillig wirken Juristen und zwei pensionierte Hausärzte mit. Die Beratungsstelle ist jeweils dienstags und freitags geöffnet von 15.00 bis 20.00 Uhr. Adresse: St. Karlistrasse 23, 041 240 24 10, luzern@sans-papiers.ch, www.sans-papiers.ch
Sektenberatung hört auf
Die Ökumenische Sektenberatungsstelle in der Zentralschweiz beendet Ende Juni ihre 22-jährige Aufgabe. Die Nachfrage nach persönlicher Beratung nahm in den letzten Jahren deutlich ab, die Zugriffe auf die Website www.sektenberatung.ch blieben allerdings stabil. Die katholische Kirche im Kanton Luzern will sich nicht für eine Nachfolgeorganisation einsetzen. Infosekta, die konfessionell unabhängige Sektenberatungsstelle von Zürich, bedauert den Entscheid, weil die katholische Kirche damit landesweit über keine Anlaufstelle mehr verfügt für Fragen rund um Sekten und religiöse Sondergruppen. Auch die bischöfliche Arbeitsgruppe «Neue religiöse Bewegungen und Organisationen» ist seit einiger Zeit inaktiv.
Oberammergau auf Lozärner Art
Schon im Mittelalter gab es in Luzern Passionsspiele. Die Tradition, die vor 75 Jahren in Luzern zu Ende ging, soll nun wiederbelebt werden. Im September 2013 sollen 100 Mitwirkende auf der Lidowiese am See unter freiem Himmel das Leiden und Sterben Jesu aufführen. Die Musik soll von Konstantin Wecker komponiert werden, der auch für die Aufführungen am Klavier sitzen werde. Das Budget betrage 1 Million Franken. Der Anlass wird von allen acht städtischen Pfarreien getragen.
Judentum-Forscher gestorben
Der Der Schweizer Spezialist für das Judentum, der Steyler Missionar Clemens Thoma, ist tot. 1971 wurde der Forscher auf den Lehrstuhl für Judaistik und Bibelwissenschaft der Theologischen Hochschule Luzern berufen. 1981 gründete er das Institut für Jüdisch-Christliche Forschung (IJCF), das er bis zu seiner Emeritierung im Jahr 2000 leitete. Thoma war ein Brückenbauer und Förderer in der Begegnung von Juden und Christen sowie Kämpfer gegen den Antisemitismus. Als Fachmann für den interreligiösen Dialog wurde er 1976 Konsultor der Vatikanischen Kommission für die religiösen Beziehungen zum Judentum. Zudem beriet er die Schweizer Bischofskonferenz in Fragen des christlich-jüdischen Dialogs. Der Dreissigste wird gefeiert am Samstag, 21. Januar, um 17.30 Uhr in der Don Bosco-Kirche Steinhausen.
Kirchschläger kritisiert Heiligsprechungen
Die heutige Praxis der Heiligsprechung in der katholischen Kirche sei zu überdenken, findet Walter Kirchschläger, Professor für Exegese des Neuen Testamens in Luzern. Er plädiert für breiter abgestützte und aktuellere Verfahren. Das Kriterium für eine Selig- oder Heiligsprechung soll vor allem die lokale Verehrung sein. Und es bringe wenig, wenn jemand erst mehrere Generationen nach dem Tod auf die Altäre erhoben würde. Kirchschläger findet in einem Gespräch mit der Zeitschrift "Wendekreis" auch, dass der Vatikan Kritik an Selig- und Heiligsprechungsprozessen ernst nehmen sollte, wie etwa im Fall vom Opus-Dei-Gründer Josemarìa Escrivá de Balaguer oder von den Päpsten Pius IX. und Pius XII.
Integrations-Vorbild Reiden
In der luzernischen Gemeinde Reiden mit ihren rund 6700 Einwohnern leben Menschen aus 55 verschiedenen Nationen. Die Nicht-Schweizer machen knapp 22 Prozent der Bevölkerung aus. Die Förderung der kulturellen Vielfalt hat sich die seit zehn Jahren freiwillig wirkende Integrationsgruppe Reiden mit zahlreichen Aktivitäten zum Ziel gesetzt. Nachdem die Bedürfnisse der Migranten im Jahr 200 ausfindig gemacht wurden, starteten im Jahr 2001 bereits erste Deutsch- und Integrationskurse sowie erste Begegnungsabende. Bei gemeinsamen Aktivitäten lernten sich die Menschen besser kennen, bauten Vorurteile und Ängste ab und fanden Verständnis für andere Lebensweisen.
Kirchen rufen zu Sachlichkeit in Asyldiskussion auf
Die aktuellen Diskussionen und Widerstandsaktionen in Bezug auf dringend benötigte Unterkünfte für Asylsuchende hat die Luzerner Kirchen zu bewogen, zu mehr Sachlichkeit in der Diskussion über Asyl- und Flüchtlingsfragen aufzurufen. Sie fordern Gemeinden, kirchliche Institutionen und Private auf, Unterkünfte für Asylsuchende zur Verfügung zu stellen und somit bei der Überwindung von Engpässen mitzuhelfen. Die Kommission der Kirchen unterstützt die Regierung des Kantons Luzern in ihren Bemühungen, Unterkünfte zu finden und die Beschäftigung der Asylsuchenden zu fördern. Nötig sei eine gemeinsame Anstrengung der ganzen Gesellschaft, damit auch in der aktuell schwierigen Situation die humanitäre Tradition der Schweiz fortgesetzt werde.
Pfarrei Maihof wird Quartierzentrum
Die Luzerner Pfarrei St. Josef-Maihof wird eine neue Rolle als Quartierzentrum übernehmen. Dazu wird der Kirchenraum in einen Saal umgestaltet, der für verschiedene Veranstaltungen und Aktivitäten offen steht. Ausserdem wird das bestehende Pfarreiheim saniert. Unter anderem sollen ein städtischer Kindergarten und Spielgruppen darin untergebracht werden. Das Pfarrhaus, welches bisher schon zur Hälfte dem Verein Kirchliche Gassenarbeit vermietet war, wird ganz abgegeben. Als Raum für Stille und Liturgie bleibt die bisherige Kapelle unter der Kirche bestehen. Die Kosten belaufen sich auf fast 8 Millionen Franken.
Neuer Look für die St. Anna Stiftung
Die St. Anna Stiftung, welche die Verantwortung für den Betrieb der von den St. Anna-Schwestern gegründeten Werke trägt, hat sich ein neues Erscheinungsbild gegeben und tritt mit einer neu gestalteten Website an die Öffentlichkeit. Die neue Website (www.annastiftung.ch) erläutert die zentralen Werte der Stiftung und informiert über die vier Werke der Stiftung: das Pflegeheim St. Rafael, die Kindertagesstätte KiTa St. Anna, das Frauen-Haus Hagar und das Haus Rosenhalde.
Sterbehilfe darf ins Heim
In städtischen Pflegeheimen und Pflegewohnungen in Luzern sind künftig Sterbehilfeorganisation zugelassen. Luzerns Grosser Stadtrat ist Anfang Dezember der Stadtregierung gefolgt. Die neue Regelung soll im Juli 2012 in Kraft treten. Stadtrat Ruedi Meier rechnet mit zwei Fällen pro Jahr. Eine Volksmotion aus Lebensschutzkreisen will die Sterbehilfe verbieten.
Horw wurde Pastoralraum
Die Pfarrei St. Katharina in Horw wurde zum Pastoralraum. Entsprechend hat Bischof Felix Gmür das Seelsorgeteam im kirchlichen Dienste offiziell beauftragt: Diakon Romeo Zanini-Schubnell als Gemeindeleiter der; Willi Hofstetter als Leitender Priester; Pater August Brändle als Mitarbeitender Priester; Franz Inauen-Wehrmüller als Heimseelsorger; Gabriele Berz-Albert als Pastoralassistentin und Denise Häfliger-Meichtry als Katechetin.
Italiener vereint
Die Italienischsprachigen Gemeinden von Luzern und Emmen haben sich zusammen geschlossen. Don Domenico Basile erhielt von Bischof Gmür die kirchliche Beauftragung als Missionar und Padre Salvatore Maria Ruiu OSM als Mitarbeitender Priester der Italienischsprachigen Mission im Bistumskanton Luzern.
Bethlehem Mission Immensee zieht nach Luzern
Im Sommer 2013 wird die BMI ihre Geschäftsstelle von Immensee nach Luzern ins RomeroHaus verlegen. Die Missionsgesellschaft Bethlehem (SMB) wird noch in Immensee verbleiben und die leer werdenden Gebäulichkeiten neu nutzen. Ab Januar 2013 kooperiert die BMI neu mit E-Changer, einer Westschweizer Organisation der Entwicklungszusammenarbeit.
Der langjährige Leiter im RomeroHaus Luzern, Toni Bernet-Strahm, geht Ende Februar 2012 in Pension. Die Geschäftsleitung der Bethlehem Mission Immensee (BMI) hat den Theologen und Philosophen Josef Estermann als seinen Nachfolger im Ressort Bildung berufen. Bernet hat das Haus seit 2001 hat geleitet. Estermann ist in Sursee geboren, war 1990-1998 als Fachperson der BMI in Peru tätig. 1998 bis 2004 arbeitete er als Direktor des Missionswissenschaftlichen Instituts Missio e.V. in Aachen und seit 2004 als nationaler Koordinator der BMI in Bolivien.
Reformierte mit neuer Leitung und definitiver Uni-Seelsorge
Florian Fischer wurde von der Synode der evangelisch-reformierten Kirche des Kantons Luzern am 23. November einstimmig als Mitglied im Synodalrat (Exekutive) gewählt. Neuer Präsident der Synode (Legislative) wurde Pfarrer Ulrich Walther. Die Synode hat zudem der definitiven Schaffung der Hochschulseelsorge an der Uni Luzern zugestimmt.
Neue Generaloberin in Baldegg
Schwester Zita Estermann wurde Mitte November zur 20. Generaloberin der Baldegger Schwestern gewählt. Zwölf Jahre lang leitete Schwester Marie-Ruth Ziegler die Geschicke der global tätigen Gemeinschaft. Die neue Leiterin hat 33 Jahre lang in St. Gallen ein Kurhaus mitgeführt und wirkte in den letzten sechs Jahren als Stellvertreterin ihrer Vorgängerin. Die Gemeinschaft zählte einmal 1000 Schwestern. Heute sind es noch 280, davon 200 in Baldegg.
Pfarreien beschäftigen Arbeitslose
Die Stadtluzerner Pfarreien St. Leodegar im Hof und St. Josef-Maihof wollen mit dem Projekt „Cool“ („d‘Chile oeffnet Optione für Langzeitarbeitslose“) sinnvolle Tätigkeiten für Langzeitarbeitslose in den Pfarreien ermöglichen.
Info: 041 418 20 30
christopher.decarli(a)kathluzern.ch
Berner Öko-Kirchen
In den Kirchen und anderen Gebäuden der katholischen Kirche der Region Bern wird nächstes Jahr ausschliesslich ökologisch produzierter Strom verwendet. Dafür werden zusätzliche 41 000 Franken zur Verfügung gestellt. Und um fällige Sofortmassnahmen zur Energie-Effizienz und Ökologie in den Liegenschaften der Kirche an die Hand nehmen zu können, hat die Synode zusätzlich 300 000 Franken genehmigt.
Bischof fördert Kirche lokal
Trotz Förderung grösserer Pastoralräume wünscht sich Bischof Felix Gmür, dass sich der Glaube auch in kleinen Ortschaften und Quartieren ins Spiel bringt. Netzwerkgruppen von je 3-5 gefirmten Ehrenamtlichen sollen im Nahraum die Pastoral mitgestalten, indem sie auf Menschen vor Ort hören, sie unterstützen und so das kirchliche Leben im Auftrag der Leitung der Pfarrei mitgestalten.
Neue Präsidien in der Landeskirche
Am 9. November hat die Synode (Parlament der Katholischen Landeskirche im Kanton Luzern) für die zwei kommenden Jahre Stefan Strässler (43, Aesch) als Nachfolger von Josef Durrer zum Präsidenten der Synode gewählt. Und Armin Betschart (69, Dagmersellen) folgt Maria Graf-Huber als Präsident des Synodalrats (Exekutive) nach. Neue Vizepräsidentin der Synode ist die Entlebucher Kirchgemeindepräsidentin Annegreth Bienz (46), neuer Vizepräsident des Synodalrats ist Thomas Trüeb (48). Der Synodalrat hat mit Hans Burri (54, Malters) zudem ein neues Mitglied erhalten. Er ersetzt Georg Fellmann (Kriens), der Ende Jahr nach 17-jähriger Tätigkeit zurücktritt.
Die Synode wird künftig mit einem Pilotprojekt die seelsorgliche Begleitung von Menschen in ihrer letzten Lebenszeit und ihrer Angehöriger vermehrt fördern. Den Voranschlag 2012 genehmigte die Synode trotz der roten Zahlen ohne Einwände. Der Synodalrat rechnet bei Einnahmen von rund 8.9 Millionen und Ausgaben von 9.5 Millionen Franken mit einem Minus von 0,6 Millionen Franken.
Kirchen fördern Ausländerstimmrecht
16% der Erwachsenen, die im Kanton Luzern leben und nicht das Schweizer Bürgerrecht besitzen, können seit 1993 in den Katholischen Kirchgemeinden mitbestimmen. Mit der kantonalen Volksinitiative „Mit(be)stimmen!“ vom 27. November sollen nun auch die Politischen Gemeinden ermächtigt werden, das kommunale Stimmrecht an niedergelassene Ausländerinnen und Ausländer mit einem C-Ausweis zu erteilen. Die Gemeinden behalten dabei das letzte Wort. Fast alle westschweizer Kantone sowie Graubünden und Appenzell Ausserrhoden kennen bereits das Ausländerstimmrecht auf kommunaler oder kantonaler Ebene. Ihre Erfahrungen zeigen, dass die Gewährung von politischen Rechten die Integration von Ausländern positiv beeinflusst.
Schweiz
Jesus statt Darwin
Der Solothurner SP-Nationalrat und Gewerkschafter Philipp Hadorn möchte die biblische Schöpfungsgeschichte in den Lehrplänen der Schulen verankern: «Ich würde mir wünschen, dass in der Schulbildung nicht nur der Darwinismus Platz findet, sondern auch die biblische Erklärung für die Entstehung der Welt und der Arten.» Der evangelikale Neu-Parlamentarier ist überzeugt, dass ein intelligenter Urheber – also Gott –Tiere und Pflanzen geformt habe, nicht die natürliche Selektion. Diese Kreationismus-Theorie wird vor allem in den USA von Freikirchen propagiert.
Umstrittene Neujahrsansprache
Der Walliser Bischof und Präsident der Schweizer Bischofskonferenz, Norbert Brunner, löste mit seiner Neujahrsansprache teils heftige Reaktionen aus. Der bald 70-jährige Bischof äusserte sich vor allem über die heutige Jugend. Er sprach u.a. von den "Horden von Schülern, die sich betrinken und die dann auf dem Heimweg schlimmer aussehen als die Walliser beim Rückzug von Marignano." Für Kritik sorgte aber vor allem ein gewagter Vergleich des Bischofs: "Einerseits werden Priester, Erzieher oder Jugendtrainer wegen sexueller Handlungen an Jugendlichen verurteilt. Andererseits ist unsere Gesellschaft bis hinein in den Sexualkundeunterricht an Schulen in einer unwürdigen Art und Weise «ver-sexualisiert». Opferorganisationen verurteilten diese Relativierung von sexuellen Verbrechen durch den höchsten Schweizer Kirchenmann.
Fest des Glaubens
In Muri werden vom 11.-13. Mai gegen 800 Jugendliche zum Deutschschweizer Weltjugendtag erwartet. Der Weltjugendtag (WJT) ist ein Anlass der katholischen Kirche, der seit 1986 jedes Jahr stattfindet. Eingeladen sind junge Menschen im Alter von 16 bis 35 Jahren. Noch unsicher ist, ob Abt Martin Werlen dort wie geplant als Gastprediger auftreten wird. Die Pfarrei Muri sucht nun eifrig nach Gastfamilien, die bereit sind, die Jugendlichen für zwei Nächte aufzunehmen. Info: www.weltjugendtag.ch.
US-Hindu-Chef fordert Entschuldigung der Schweiz
Durch den Film «Der Verdingbub» von Markus Imboden inspiriert, fordert Rajan Zed, Präsident der "Universal Society of Hinduism" in den USA, eine offizielle Entschuldigung der Schweiz sowie eine Entschädigung für die Opfer. Das Thema Verdingkinder beschäftigt nicht nur Schweizerinnen und Schweizer. «Kinder armer städtischer Familien» seien bis Mitte der 1950-er Jahre gewaltsam ihren Eltern weggenommen und gezwungen worden, auf Bauernhöfen schwere Arbeit zu verrichten, erklärte Rajan Zed. Viele der Kinder hätten häufig Schläge erhalten und seien gar sexuell missbraucht worden.
"Klagemauer" in der Spitalkirche des Universitätsspitals Zürich
Eine "Klagemauer" gibt es in der Fastenzeit in der Spitalkirche des Universitätsspital Zürich. Klagen, Bitten, Sorgen, aber auch Dank und Freude könnten auf kleine Zettel geschrieben und den Ritzen der Mauer übergeben werden. Die Aktion lehnt sich an die Tradition der Menschen, die in Jerusalem vor der westlichen Mauer, bekannt als Klagemauer, beten und ihre Bitten in die Ritzen der Mauer stecken.
Erfolgreicher «Alpsegen»
Bruno Molls Dokumentarfilm «Alpsegen» feierte an den Solothurner Filmtagen Weltpremiere. Moll portraitiert fünf Senninnen und Sennen, die bis heute die Tradition des Alpsegens pflegen. Dabei geht es nicht um Klischees und Postkartenschweiz, sondern um die ganz grundsätzlichen Fragen wie Liebe, Glaube und die Beziehung des Menschen zur Natur. Der Film ist für den Prix du Public nominiert worden.
Nationalratskommission berät über Berufs- und Beichtgeheimnis Geistlicher
Die Rechtskommission des Nationalrats hat über das Seelsorgegeheimnis beraten. Der Genfer S-Nationalrat Carlo Sommaruga hatte die Aufhebung des Berufsgeheimnisses für Geistliche gefordert, falls diese Kenntnis von sexuellen Übergriffen auf Minderjährige erhalten. Sowohl das kanonische Recht der Kirche als auch das Schweizerische Strafgesetzbuch verpflichten Geistliche zu Stillschweigen. Sommaruga schlägt vor, das Strafgesetzbuch dahin gehend zu ändern, dass "Angriffe auf die sexuelle Freiheit Unmündiger nicht länger durch das Berufsgeheimnis von Geistlichen geschützt sind". Der Luzerner Kirchenrechtler Adrian Loretan findet es sinnvoll, wenn die Schweiz ähnlich wie Frankreich und die angelsächsischen Länder die Geistlichen gesetzlich verpflichtet, sexuelle Übergriffe auf Minderjährige den Behörden zu melden. Das Beichtgeheimnis will die Kirche aber nicht relativieren.
Positive Integrations-Bilanz der Jubla
Mit dem Projekt "Jubla Plus" wurden in den vergangenen Monaten verschiedene Formen von Integrationsprojekten gesamtschweizerisch von Scharen der Jungwacht Blauring (Jubla) ausprobiert. Der katholische Kinder- und Jugendverband hat sein Integrationsprojekt "Jubla Plus" abgeschlossen und zieht eine positive Bilanz. Die Jungwacht Blauring St. Margrethen (SG) verlagerte beispielsweise ihr Freizeitangebot in den öffentlichen Raum. Der Park, die Badi, das Dorffest wurden als niederschwellige Zugangsmöglichkeit für alle Kinder gewählt. Der Blauring Horw öffnet nun im zweiten Winter die Turnhalle am Sonntagnachmittag zu Spiel und Sport. Und die Jubla Seebach (ZH) und die Jubla Ostermundigen (BE) widmeten sich einem Radioprojekt und setzten sich mit ihrem Gemeinwesen auseinander.
Landeskirche verteidigt Meinungsfreiheit in der Kirche
Die Römisch-Katholische Zentralkonferenz der Schweiz (RKZ) äusserte sich in einem Positionspapier vom 3. Dezember zum Thema "Äusserungen und Interventionen staatskirchenrechtlicher Gremien zu pastoralen Fragen". Die RKZ nimmt Bezug auf verschiedene Spannungen, die in den letzten Jahren zwischen kirchlichen und staatskirchenrechtlichen Gremien entstanden sind. Etwa wenn sich kantonale Synoden zum Thema Zölibat oder Frauenordination äusserten oder Kleriker über das Verhältnis von Kirche und Staat sprachen. Die RKZ zitiert einerseits das letzte Konzil, wo den Gläubigen, Klerikern wie Laien in allen Bereichen ihrer Zuständigkeit die Freiheit des Forschens, des Denkens sowie demütiger und entschiedener Meinungsäusserung zuerkannt werden muss. Und andererseits beruft sich die RKZ auf die Schweizerische Bundesverfassung, nach der jede Person das Recht hat, ihre Meinung frei zu bilden und sie ungehindert zu äussern und zu verbreiten. Das Papier hält fest, dass es zulässig sei, wenn staatskirchenrechtliche Gremien sich im Rahmen ihrer Tätigkeit mit pastoralen Fragen auseinandersetzen und diese auch zur Sprache bringen, zumal es sich bei den Mitgliedern dieser Gremien um engagierte Glieder der Kirche handelt, die kraft ihrer Taufe und Firmung «zu Zeugen bestimmt und mit dem Glaubenssinn und der Gnade des Wortes ausgerüstet sind» (Vatikanum II, LG 35).
SEK-Ratspräsident kritisiert "klerikale Politneurose"
Bern, 26.1.12 (Kipa) Die Kirche soll nur zu aktuellen politischen Sachfragen Stellung beziehen, "wenn sie ihre Position aus dem Evangelium heraus entwickeln kann". Dies sagte Gottfried Locher, Ratspräsident des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes (SEK), im Gespräch mit der Zeitschrift "Reformiert." (aktuelle Ausgabe Bern-Jura-Solothurn).
Im Zentrum stehe deshalb die Frage: "Was glauben wir eigentlich?", so Locher. Einspruch ohne Einkehr rieche nach "klerikaler Politneurose", findet der 45-jährige Theologe, der seit Anfang 2011 an der Spitze des SEK steht. Einkehr ohne Einspruch führe dagegen zu "Weltflucht und Verantwortungsverweigerung", umschreibt Locher eine Haltung, die gleichermassen zu vermeiden ist.
Zürichs Pfarrer unterrichten "Religion und Kultur"
In den meisten Zürcher Gemeinden hat das neue Fach "Religion und Kultur" den früheren schulischen Bibelunterricht ersetzt. Das konfessionsungebundene neue Fach wird offenbar auch von Pfarrerinnen und Pfarrern und konfessionell gebundenen Katecheten unterrichtet - ganz zum Ärger von Freidenkern und gegen den ursprünglichen Plan von Kantonsrat und Regierungsrat.
Genfer Katholiken wehren sich für Bettler
Mit einer Petition will die Drittwelt-Kommission von Genfs katholischer Kirche zusammen mit anderen Organisationen gegen das Bettelverbot in der Rhone-Stadt angehen. Dieses ist dort seit 2007 in Kraft. "Betteln ist keine Wahl, sondern eine Frage des Überlebens", heisst es im Text der Petition, die dem Kantonsparlament übergeben werden soll. Das Bettelverbot sei nichts anderes als die Kriminalisierung von Menschen in prekären Lebensverhältnissen und verschlimmere deren Situation, betont das Begehren. Auch ermögliche das Bettelverbot Behörden-Missbräuche verschiedener Art; so werde etwa das gesammelte Geld der Bettelnden und deren Besitz beschlagnahmt und würden deren behelfsmässige Unterkünfte zerstört. Der Genfer Weihbischof Pierre Farine unterstützt die Petition und schreibt: "Offiziell wird geltend gemacht, dass die Bettler die öffentliche Ordnung stören. Stören sie aber in Wirklichkeit nicht unsere moralische Ordnung, unseren ästhetischen Sinn, der verlangt, dass die Armut zu verstecken ist? Zerbrechliche soziale Gruppen isolieren und an den Rand drängen führt dazu, dass alle Bemühungen um Solidarität, die mehr und mehr nötig sind, letztlich aussichtslos bleiben."
Reformierter Pfarrer will Zivildienst abschaffen
In einem Weltwoche-Artikel plädiert der reformierte Pfarrer in Küssnacht am Rigi, Peter Ruch, für die Abschaffung des Zivildiensts in der Schweiz. Die allgemeine Wehrpflicht entspreche einer christlichen Ethik. Eine christliche Ethik könne niemals absolut pazifistisch sein. Die Kirche dürfe nicht verschweigen, dass in Extremsituationen «das Töten erlaubt oder geboten sein kann».
Bischof Huonder contra Churer Professoren
Bischof Vitus Huonder will zwei ehemaligen Priesteramtskandidaten, die an der Theologischen Hochschule in Chur studieren, eine künftige Mitarbeit im Bistum verbieten. Die Professoren wehren sich jedoch für die beiden jungen Theologen. Die Rektorin Eva-Maria Faber und die Professoren fordern den Bischof in einem Brief auf, seine Meinung zu überdenken.
Boris Becker muss Hochzeits-Pfarrer bezahlen
Zwei Jahre nach der Hochzeit des deutschen Ex-Tennisstars Boris Becker muss dieser den Pfarrer Brent Fisher für Zusatzaufwand an seiner Hochzeit in St. Moritz entschädigen, aber nicht im geforderten Umfang von 9600 Franken. Ursprünglich wurde für die Hochzeit ein Betrag von 2100 Franken vereinbart. Der Pfarrer begründete die Differenz mit dem «erheblichen Zusatzaufwand», der durch die Promi-Hochzeit entstanden sei. Das Zuger Kantonsgericht hat nun entschieden, dass Becker 3400 Franken zahlen muss. Weil der Pfarrer nun einen Teil von Beckers Anwaltskosten übernehmen muss (konkret 2935 Franken), bleiben ihm unter dem Strich als Honorar für die Traumhochzeit noch 465 Franken.
Kommentar der Redaktion:
Bisher profitierten Anwälte vor allem bei einer Scheidung, neu sind sie die lachenden Dritten also schon bei der Hochzeit...
Kirchliche Gleichstellung vors Basler Kirchenvolk
Die Gleichstellungsinitiative kommt zustande. Die gültigen Unterschriften wurden an die Präsidentin und den Präsidenten der Basler beziehungsweise Baselbieter Synode übergeben. Konkret werden in der Initiative die Abschaffung des Pflichtzölibats und die Zulassung der Frauen zum Priesteramt gefordert.
HSG-Professor für neue Kirchensteuerpflicht
Weil in der Bevölkerung der Anteil an Mitgliedern von Landeskirchen stetig schwindet und die Kirchensteuer juristischer Personen nach 130 Jahren immer öfters angefochten wird, will der St. Galler Professor für öffentliches Recht, Ulrich Cavelti, die Beitragspflicht - und für alle Kantone gleich - auf eine neue Basis stellen. In Italien und Spanien können natürliche und juristische Personen bestimmen, wer die Kultussteuer erhalten soll, ob Kirchen oder Organisationen wie Greenpeace oder die Krebsliga. Cavelti befürchtet bei dieser Lösung die Schaffung eines unverhältnismässigen Kontrollsystems und plädiert für konkrete Leistungsvereinbarungen der Kirchen zu Gunsten der Gesamtgesellschaft. Im neuen System sollten die anderen Konfessionen und Religionen den Landeskirchen gleichgestellt sein.
Stadt Bülach lädt Islamischen Zentralrat aus
Die Stadt Bülach hat den Islamischen Zentralrat Schweiz (IZRS) für die geplante Veranstaltung vom 25. Februar in der Stadthalle von Bülach ausgeladen. Der bereits abgeschlossene Mietvertrag wurde gekündigt. Der Zentralrat kritisiert das Vorgehen des Stadtrats, zumal er bereits eine Anzahlung geleistet und eine hohe fünfstellige Summe für Werbung, Bühnendekor, Honorare, Reisetickets und Hotelreservationen ausgegeben habe. Der Stadtrat begründete die Absage mit der Befürchtung, dass es zu Demonstrationen oder Störaktionen gekommen und die Stadtpolizei nicht in der Lage gewesen wäre, die Sicherheit der Veranstaltung zu gewährleisten.
Haus der Religion wird definitiv gebaut
Der Grosse Rat des Kantons Bern hat mit Stimmen über 80 Prozent Ja-Stimmen entschieden, 2,2 Millionen Franken aus dem Lotterie-Fonds ans geplante interreligiöse Zentrum "Haus der Religionen" am Berner Europaplatz zu vergeben. Damit ist die Finanzierung von 10 Millionen Franken bis auf einen Rest von 123‘400 Franken geschafft. Die Arbeiten am Berner Europaplatz beginnen im Frühjahr 2012. Im "Haus der Religionen" sind fünf Religionen mit eigenen Gebetsräumen präsent, neben Christen und Muslimen auch Aleviten, Hindus und Buddhisten. Die Juden, die Sikhs und die Bahai beteiligen sich ohne eigene Kultusräume ebenfalls am interreligiösen Dialog. Der Hindutempel beansprucht mit 800 Quadratmetern die grösste Fläche, vor der Moschee mit 500 Quadratmetern. Buddhisten, Aleviten und Christen stehen für ihre Gottesdienste je 150 Quadratmeter zur Verfügung. Zwischen den Gebetsräumen der einzelnen Religionen liegt ein verbindender Gemeinschaftsraum für Diskussionen oder gemeinsame Feiern. Im 80-Millionen-Gebäudekomplex werden ein Schweizer Grossverteiler, ein Dreisternehotel, weitere Geschäfte sowie Büros und Wohnungen untergebracht. Das Kultur- und Bildungszentrum will ab 2014 den Betrieb aufnehmen. Der "Verein Haus der Religionen" musste 2010 sein Lokal an der Berner Schwarztorstrasse verlassen und fand vorübergehend an der Laubeggstrasse Unterkunft.
Hilfswerke unter Beschuss
Alle Jahre wieder verlangen die Schweizer Hilfswerke von der SRG eine engere Zusammenarbeit bei der Aktion «Jeder Rappen zählt», die dieses Mal vor dem KKL in Luzern stattfand. Die Themenwahl seitens SRF sei willkürlich, der Medienanlass verschlinge öffentliche Gelder, wie sie sich die Hilfswerke für ihr Marketing nie würden leisten können. Und zudem sei die Kostenstruktur von «Jeder Rappen zählt» zu wenig transparent. Rund 200 000 Franken der Spendengelder würden zur eigenen Defizitdeckung abgezweigt. Die SRG entgegnet aber wie jedes Jahr, dass diese Kritik ungerechtfertigt sei und dass die Hilfswerke von der Aktion stark profitieren würden. Die Hilfswerke ihrerseits standen in den letzten Wochen ebenfalls in der Kritik. Der Tages-Anzeiger warf ihnen im Spendenmonat Dezember vor, sie würden Millionen als stille Reserven horten, statt sie für Projekte auszugeben. Die Hilfswerke reagierten prompt und heftig. Denn ihre Projekte für Wiederaufbau und Rehabilitation seien langfristig und nachhaltig angelegt. Das Fastenopfer wies beispielsweise Ende 2010 Reserven in der Höhe von rund 12 Millionen Franken aus. Dies entspricht dem Umsatz für ein halbes Jahr. Es gehe vor allem darum, die Finanzierung der Arbeit der Projektpartner in den Entwicklungsländern zu sichern. Von den aktuell 425 Projekten in 16 Ländern seien die meisten Projekte auf zwei oder drei Jahre ausgerichtet.
Multikulti fördern
Die Eidgenössische Kommission für Migrationsfragen (EKM) und das Migros-Kulturprozent lancierten mit "contakt-citoyenneté" ein gemeinsames Förderprogramm und wollen damit der Integrationskultur in der Schweiz neue Impulse geben. Es stehen Fördergelder in der Höhe von 320 000 Franken für eine Laufzeit von zwei Jahren zur Verfügung. Bis zum 15. März können Interessierte Projektideen einreichen. Nicht nur finanziell unterstützt, sondern auch fachlich beraten und begleitet werden ausgewählte Projektideen, die die Qualität im interkulturellen Zusammenleben fördern und von Engagierten in Freiwilligenarbeit umgesetzt werden. Die Gewinnerprojekte werden im Juni 2012 vorgestellt. Info: www.contakt-citoyennete.ch, Luzia Kurmann, Josefstrasse 214, Postfach, 8031 Zürich
Theologie boomt
Das Studienfach Theologie hat wieder mehr Zulauf - speziell bei Frauen. Im Jahr 2011 haben 761 Frauen Theologie studiert - 84 Studentinnen oder 12 Prozent mehr als noch vor fünf Jahren. Insgesamt haben 1579 Studierende das Theologie-Studium gewählt, vor fünf Jahren sind es noch 10 Prozent weniger gewesen. Als Gründe wird das öffentliche Interesse am Islam genannt, das auch vermehrt nach der eigenen Religion fragen lasse, die Interdisziplinarität des Studiums und die guten Zukunftsaussichten angesichts des Mangels an katholischen Priestern und PastoralassistentInnen sowie an reformierten PfarrerInnen.
Endgültiges Aus für Gymnasium Marienburg
Das von den Steyler Missionaren seit dem Jahr 1930 geführte christliche Gymnasium Marienburg im sanktgallischen Rheineck schliesst endgültig. Als Grund für die Schliessung waren im Oktober sinkende Schülerzahlen und die Kürzung von Beiträgen des Kantons St. Gallen genannt worden. Eltern hatten versucht, die Schule durch die Gründung einer AG zu retten. Doch die Zeit für die Regelung der Eigentumsrechte an den Liegenschaften reichte nicht, sodass sich ein Grossinvestor wieder zurückgezogen hat. Die verbleibenden 45 Schüler werden ab Sommer 2012 ans katholische Gymnasium Untere Waid bei St. Gallen wechseln. Info: www.marienburg.ch
Haag-Preis an Pfarrer-Initiative
Die Herbert-Haag-Stiftung für Freiheit in der Kirche zeichnet die österreichische Pfarrer-Initiative mit dem Preis 2012 aus. Die Pfarrer-Initiative setzt sich für mehrere Reformen in der katholischen Kirche ein: die Kommunion für wiederverheiratete Geschiedene sowie für Mitglieder anderer Kirchen und Ausgetretene; weiter wollen die rund 400 Pfarrer einen Wortgottesdienst mit Kommunionspendung künftig als "priesterlose Eucharistiefeier" ansehen und auch so nennen. Zudem will die Initiative "das Predigtverbot für kompetent ausgebildete Laien und Religionslehrerinnen missachten". Man werde sich für PfarrgemeindeleiterInnen unabhängig von Geschlecht, Familienstand oder kirchlicher Anstellung sowie für die Zulassung von Frauen und Verheirateten zum Priesteramt einsetzen. Die Herbert-Haag-Stiftung zeichnet ausserdem drei Schweizer Kirchenleute für ihr ausserordentliches Engagement in der Seelsorge aus: Monika Hungerbühler wirkt in Basel als Leiterin der kirchlichen Frauenstelle, Seelsorgerin an der ökumenischen Offenen City-Kirche Elisabethen und als Mitinitiantin der Gleichstellungsinitiative für die katholische Kirche. Monika Schmid wirkt als Gemeindeleiterin in Effretikon, ist präsent in öffentlichen Debatten und bekannt als ehemalige engagierte "Wort zum Sonntag"-Sprecherin im Schweizer Fernsehen. Charlie Wenk ist Gemeindeleiter in der Pfarrei Halden in St. Gallen, wo er mit seinem protestantischen Kollegen eine ökumenische Seelsorge betreibt und Menschen anderer Religionen Raum gibt. Die Herbert-Haag-Stiftung zeichnet seit 1985 Personen und Institutionen aus, die sich durch freie Meinungsäusserung oder mutiges Handeln in der Christenheit exponiert haben. Info: www.pfarrer-initiative.at; www.herberthaag-stiftung.ch
Schweinekadaver auf Bauland für Moschee
Auf dem Gelände der geplanten Moschee in Grenchen haben Unbekannte Mitte November ein totes Schwein und vier Schweineköpfe vergraben. Die Unbekannten wollten mit der Aktion bewusst die Erde entweihen und damit den Bau der Mosche verunmöglichen. Der örtliche Verein Albanisch-Islamische Glaubensgemeinschaft (AIG) werde nun die Angelegenheit von einem islamischen Gelehrten prüfen lassen. Der Bau der Moschee sei aber wahrscheinlich doch möglich.
Reformierte wenden sich an drei Milieus
Die Evangelisch-reformierte Landeskirche des Kantons Zürich stellte in einer Studie des deutschen Sinus-Instituts fest, dass die Kirche nur noch in zwei bis drei von zehn Milieus oder Lebenswelten fester Bestandteil des Lebens ist. Die reformierte Kirche soll deshalb sensibel werden für die weiteren Lebenswelten. Die Studie sollte detaillierte Einblicke in das Welt- und Gottesbild von reformierten Kirchenmitgliedern und "affinen Nicht-Mitglieder" geben. Das Forschungsmodell umfasst zehn Milieu-Typen, beispielsweise "Postmaterielle", "traditionelle Milieus", "moderne Performer", "Konsumorientierte Arbeiter", "Eskapisten" und "Experimentalisten". Die reformierte Kirche Zürichs ist nur bei den Traditionell-Bürgerlichen, den Genügsamen Traditionellen und den Arrivierten fester Bestandteil des Lebens. Die Kirche soll darum in sieben bis acht Milieus versuchen, Beteiligungsformen zu entwickeln.
Religionstourismus
Auf der Suche nach einem neuen Gästesegment (vor allem aus den USA) propagiert Schweiz Tourismus seit neustem Reisen durch die Religionslandschaft Schweiz. Das Projekt «Religionslandschaft Schweiz» wurde 2007 von der reformierten Kommission Kirche und Tourismus des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes (SEK) und der katholischen Kommission für Tourismus-, Freizeit- und Pilgerseelsorge lanciert. Die helvetische Religionslandschaft enthält Informationen zu bedeutenden religiös-historischen Orten, Wallfahrtsorten, Gemeinschaften, Bräuchen und zur Religionsgeschichte der Schweiz. In- und ausländische Gäste finden hier Näheres zu den religiösen Verhältnissen an ihrem Aufenthaltsort, zu religiösen Bräuchen und Ausflugszielen. Die allgemeine Übersicht über die Religionslandschaft Schweiz ist auf www.myswitzerland.com sowie auf www.religionslandschaft.ch zu erreichen. Links führen ausserdem zu detaillierten Porträts der evangelisch-reformierten und der römisch-katholischen Kirche in der Schweiz. Zudem hat Schweiz Tourismus speziell für Touristen aus den USA einen Flyer mit den religiös bedeutsamen Orten zwischen Genf (Calvin) und Wildhaus (Zwingli) kreiert.
C-Mission erfüllt
Urs Altermatt, emeritierter Professor für Zeitgeschichte an der Universität Freiburg, sieht die Mission seiner CVP erfüllt. In einem Interview mit der Wochenzeitung "Weltwoche" meinte Altermatt wörtlich: "Obwohl die frühere Katholikenpartei bei den Parteireformen von 1970 vom K gleich «katholisch» Abschied nahm, gelang es der CVP nicht, in den protestantischen Gebieten der Schweiz Fuss zu fassen. In der weitgehend entkonfessionalisierten Gesellschaft von 2011 steht einer engeren Zusammenarbeit von CVP und BDP eigentlich nichts im Weg.
Bund jagt (noch) keine Schwarzprediger
Das Bundesamt für Kommunikation (Bakom) dementiert die Behauptung der Zeitung «Sonntag» vom 6. November, es gebe bereits eine Jagd auf Schwarzprediger, die in Kirchen Funkmikrophone benutzen, ohne dem Bakom eine Konzession zu bezahlen. Weil das Bakom nächstes Jahr Umstellungen im bisherigen Frequenzbereich vornehmen wird, prüft sie erst einmal, wie viele drahtlose Mikrofone es überhaupt gibt im Land. Danach wird das Bakom entscheiden, ob die Kirchen für ihre Funkmikrophonanlagen ab Januar 2013 pro Jahr 120 Franken Konzession bezahlen müssen.
Keine Privilegien für christliche Symbole
Eine Sonderstellung für christliche Symbole soll in der Bundesverfassung nicht festgeschrieben werden. Das hat die Staatspolitische Kommission des Ständerates mit 8 zu 3 Stimmen beschlossen. Und auch die Staatspolitische Kommission des Nationalrates beantragt ihrem Rat mit 13 zu 9 Stimmen, der parlamentarischen Initiative von Nationalrätin Ida Glanzmann (CVP/LU) keine Folge zu geben. Glanzmann verlangte, dass Symbole der christlich-abendländischen Kultur im öffentlichen Raum zulässig sind und somit eine Sonderstellung einnehmen sollten. Die Staatspolitische Kommission begründet ihren Beschluss mit der religiösen Neutralität des Staates. Gerade die Geschichte der Schweiz habe gezeigt, dass dies eine Voraussetzung für das friedliche Zusammenleben der Religionen sei, schreibt die Kommission. Die Privilegierung einer bestimmten Religion in der Bundesverfassung und bereits die Diskussion darüber könnten den Religionsfrieden in der Schweiz gefährden, meint die Kommission. Ausserdem seien die christlichen Symbole nicht ernsthaft bedroht. Als Nächstes wird sich nun der Nationalrat mit dem Anliegen befassen. Mitte Dezember 2010 wurde zudem in Luzern eine Petition eingereicht, die verlangt, dass Kruzifixe und Kreuze in öffentlichen Gebäuden und Schulen ohne Vorbehalte hängen bleiben und neu platziert werden dürfen.
Ökologische Entwicklungshilfe
Das evangelische Hilfswerk "Brot für alle" setzt sich für die Verminderung der Treibhausgase in der Landwirtschaft ein. "Brot für alle" will mit einer Studie erreichen, dass in den rund 400 Projekten von Partnerorganisationen in 60 Ländern Afrikas, Asiens und Lateinamerikas klimabelastende Entwicklungen vermieden werden können. Zudem müssten in den Statistiken nicht nur die ökologischen Belastungen des Landes berechnet werden, sondern auch der Ausstoss an Klimagas bei Anbau im Ausland und Import von Nahrungsmitteln sowie Kraftfutter und Zusatzstoffen für Tierhaltung und Ackerbau. Die Studie zaigt auch auf, dass durch unsachgemässe Lagerung im Weltsüden 30 bis 40 Prozent aller hergestellten Lebensmittel verloren gehen. Und noch skandalöser sei, dass in den Überflussgesellschaften des Nordens ein ähnlich hoher Anteil Esswaren in den Haushaltungen und Läden weggeworfen werde. Das sei nicht nur in Bezug auf den Hunger in der Welt zu beklagen, sondern auch eine unnötige Klimabelastung. Vor allem der Fleischkonsum führe weltweit zu einer gewaltigen Klimabelastung. Info: www.brotfueralle.ch/klima
Verbot geistlicher Gerichtsbarkeit in der Bundesverfassung?
Die FDP will die geistliche Gerichtsbarkeit in der Schweiz verbieten. In mehreren Kantonen würden Standesinitiativen angestrebt, die die Verankerung eines Verbots in der Bundesverfassung anstreben sollen.
Die Initiativen zielen vor allem auf die islamische Scharia, betroffen wäre aber auch die katholische Kirche mit ihrem eigenen kanonischen Kirchenrecht sowie die jüdischen Gemeinden mit ihren religiösen Gesetzen. In den Kantonen Zürich und St. Gallen reichte die FDP entsprechende Vorstösse im Kantonsparlament ein, in den Kantonen Luzern, Aargau und Basel-Landschaft werde dies geprüft.
Initiative der Basler Landeskirchen kommt zustande
Die in der römisch-katholischen Kirchen Basel-Stadt und Baselland lancierten Initiativen zur Förderung der gleichberechtigten Zulassung zum Priesteramt haben bereits drei Monate vor Ende die eingereichten Unterschriften erreicht. Dennoch werden weitere Unterschriften gesammelt, um das Anliegen möglichst breit abzustützen. Die Träger und Trägerinnen der Initiative verstehen sich als engagierte Katholiken und Katholikinnen, die sich als Mitglieder von Kirchenräten und Synoden oder als kirchlich Interessierte und Bewegte für eine Erneuerung der Kirche einsetzen und dazu die rechtlich gegebenen Möglichkeiten ausnützen wollen. Info: www.kirchliche-gleichstellung.ch
Bischöfe gegen PID
Die Schweizer Bischofskonferenz lehnt die Zulassung der Präimplantationsdiagnostik (PID) ab. Diese Position hat sie in ihrer Stellungnahme zur vorgeschlagenen Änderung der Bundesverfassung und des Fortpflanzungsmedizingesetzes an den Bundesrat deutlich gemacht. PID hat das Eliminieren von „kranken“ Embryonen zum Ziel und ist gemäss der Bischöfe nicht mit der in der Bundesverfassung verankerten Würde des Menschen vereinbar. – PID meint genetische Untersuchungen, mit denen entschieden wird, ob ein durch Befruchtung im Reagenzglas erzeugter Embryo in die Gebärmutter eingepflanzt wird oder nicht. Jene Länder, die PID nur für stark eingeschränkte Indikationen zuliessen, erweiterten früher oder später die Indikationen, bis hin zur Auswahl bestimmter Eigenschaften des Kindes ("Designer Baby"). Darum votieren die Bischöfe gemäss der Devise "Wehret den Anfängen". Text online: www.bischoefe.ch/content/view/full/7409
Hilfswerke gegen US-Todesstrafe
Mehrere Organisationen (ACAT, lifespark, Weltweite Koalition gegen die Todesstrafe) rufen Bürgerinnen und Bürger sowie die Schweizer Behörden auf, die Bewegung für die Abschaffung der Todesstrafe in den USA und anderswo zu unterstützen. Die Hinrichtung von Troy Anthony Davis am 21. September ist zu einem weiteren Sinnbild der Unmenschlichkeit des amerikanischen Justizsystems geworden. Trotz ernsthafter Zweifel an seiner Schuld und einer Flut von Reaktionen der internationalen Gemeinschaft haben der Begnadigungsausschuss sowie das Oberste Gericht am Urteil festgehalten. Andere Hinrichtungen und unerkannte Ungerechtigkeiten stehen unmittelbar bevor. So jene von Debra Milke, die des Mordes an ihrem Sohn für schuldig befunden wurde und seit 1989 in Arizona im Todestrakt sitzt. Der Schweizer Journalist Jacques Secretan verfolgt ihren Fall vor Ort mit und sensibilisiert die Öffentlichkeit für die Verfahrensfehler. Die Petition wird den Vereinten Nationen im Hinblick auf die Abstimmung über die 4. Resolution zur Todesstrafe Ende 2012 überreicht werden. Info: www.acat.ch
Finanztransaktionssteuer in der Schweiz
Die EU-Kommission hat ihren Vorschlag für eine internationale Finanztransaktionssteuer vorgestellt. Alliance Sud – die entwicklungspolitische Arbeitsgemeinschaft der Schweizer Hilfswerke Swissaid, Fastenopfer, Brot für alle, Helvetas, Caritas und Heks – fordert den Schweizer Bundesrat auf, seinen Widerstand gegen eine solche Steuer aufzugeben und sich am europäischen Projekt zu beteiligen. Die Erträge sollen in die Armutsbekämpfung und den Klimaschutz fliessen. Bisher hat der Bundesrat parlamentarische Vorstösse zugunsten einer solchen Steuer mit dem Argument abgeschmettert, dafür fehle der nötige internationale Konsens.
Reformierte Kirche Baselland wirbt um Ausgetretene
"Wir wollen für einen Wiedereintritt möglichst alle Hürden aus dem Weg räumen", sagte Paul Dalcher, Kommunikationsleiter der Baselbieter Kirche. Taufe und vorgängiges Aufnahmegespräch seien keine zwingenden Voraussetzungen mehr für einen Beitritt. Es genüge die Erklärung, dass man einmal Mitglied der evangelisch-reformierten Landeskirche gewesen sei. Die gesuchstellende Person müsse auch nicht mehr begründen, weshalb sie ausgetreten sei - beziehungsweise, warum sie nun wieder eintreten möchte. Die reformierte Kirche gehe davon aus, dass ein Austrittsgrund vor 20 oder 30 Jahren heute vielleicht nicht mehr aktuell sei. Einschneidende Erlebnisse wie ein Todesfall oder eine Krankheit könnten heute das Bedürfnis nach Spiritualität durchaus wieder hervorrufen. Deshalb richte sich die Kampagne primär an über 50-jährige Menschen. Info: www.kircheneintritt.ch
Wo sind die Professorinnen?
Die Interessengemeinschaft "Feministische Theologinnen" halten in einem Positionspapier fest, dass an den evangelischen theologischen Fakultäten die Lehrstühle zu einseitig verteilt sind. In Basel und Zürich sind alle ordentlichen Professuren in männlicher Hand. Nur in Bern haben Frauen Lehrstühle inne. Darum waren es in den vergangenen Jahrzehnten vor allem kirchliche Bildungszentren wie Gwatt, Leuenberg oder Boldern, die neue theologische Bewegungen vorangetrieben haben.
Burka-Verbot in öV und Amtsstuben
Der Nationalrat will das Tragen der Burka in öffentlichen Verkehrsmitteln und vor Behörden verbieten. Die grosse Kammer des Parlaments hat Ende September eine Motion für ein Vermummungsverbot mit 101 zu 77 Stimmen bei 9 Enthaltungen gutgeheissen. Das Begehren des Walliser Nationalrats Oskar Freysinger will, dass Personen, deren Gesicht verhüllt ist, die Benützung von öffentlichen Verkehrsmitteln, der Zutritt zu öffentlichen Gebäuden sowie die Teilnahme an Veranstaltungen auf öffentlichem Grund verboten wird. Das Verbot soll ins Bundesgesetz zur Wahrung der inneren Sicherheit aufgenommen werden. Der Bundesrat hatte die Motion im Mai 2010 zur Ablehnung empfohlen.
Kommentar der Zentralredaktion:
Ganz abgesehen davon, dass man die paar Touristinnen aus Saudiarabien oder Pakistan an wenigen Händen abzählen kann und die Verhältnismässigkeit eines Gesetzes überhaupt nicht gegeben ist, würde man mit diesem eher symbolischen Gesetz ein völlig verfehltes Signal aussenden. Gerade wir Schweizer geisseln islamische Staaten für ihre Intoleranz. Statt mit gutem Beispiel zu zeigen, dass wir verschiedene religiöse und kulturelle Traditionen im Land akzeptieren und dass dies kein Schaden für die Mehrheitskultur bedeutet, reagieren wir noch schlimmer als die Staaten, die wir als mittelalterlich und funamentalistisch verurteilen.
Zudem haben die Beispiele von Frankreich und Belgien bereits gezeigt, dass das Burkaverbot den Tourismus aus dem arabischen Raum einbrechen liess und dass viele betuchte Touristen in die Region vom Genfersee ausgewichen sind. Wenn das Burkaverbot in der Schweiz tatsächlich kommt, wird jeder investierte Werbe-Franken von Schweiz Tourismus in arabischen Ländern überflüssig. Und Herr Freysinger darf auch niemals mehr über schwindenden Tourismus im Wallis jammern.
Europas Bischofskonferenzen tagen 2012 in St. Gallen
2012 findet die Vollversammlung des Rates der Europäischen Bischofskonferenzen (CCEE) voraussichtlich in St. Gallen statt, wo der CCEE seit der Zeit des früheren Sekretärs Ivo Fürer seinen Sitz hat. Der CCEE zählt 37 Mitglieder. Zu diesen gehören die 33 Bischofskonferenzen Europas, die Erzbistümer Luxemburg und die Diözese Monaco sowie der Bischof von Chisinau in Moldawien und der Erzbischof der Maroniten auf Zypern. Grund für die Ortswahl ist das Gallus-Jubiläum im Bistum St. Gallen im kommenden Jahr. Im Jahr 2012 jährt sich die Ankunft des heiligen Gallus in der Ostschweiz zum 1400. Mal. Er gab der Stadt und dem Kanton St. Gallen den Namen und steht für den Ursprung der christlichen Gemeinde in der Region.
Datenschutz contra Seelsorge
Die Zeiten, in denen die Kirchgemeinden automatisch von der Schulgemeinde die Namen der katholischen Schüler erhalten haben und die Pfarreien von den Spitälern und Heimen automatisch informiert wurden, dass Mitglieder der Gemeinde dort liegen, scheinen immer mehr vorbei zu sein. Das jüngste Beispiel kommt aus dem Aargauer Gesundheitswesen. Dort erhalten Pfarrer von einigen Spitälern nur noch beschränkt Auskunft, ob ein Patient aus ihrer Gemeinde stammen. Im neuen kantonalen Gesundheitsgesetz gibt es keine Grundlage mehr für die Datenweitergabe an die Landeskirchen. Wer per Notfall ins Spital kommt, wird nicht gefragt, bekommt automatisch keine Krankenbesuche von SeelsorgerInnen. Auch in anderen Kantonen erschwert der Datenschutz zunehmend die Krankenseelsorge. Im Kanton Zürich hat es der Regierungsrat sogar ausdrücklich abgelehnt, den Gemeindepfarrern Zugang zu Informationen über Spital-Patienten zu geben.
Kommentar der Zentralredaktion:
Vielleicht muss man von Glück reden, wenn die Pfarreien heute noch erfahren, wenn ihre Gemeindemitglieder sterben. Vielleicht sollten die Landeskirchen mal zu einem Seelsorgestreik aufrufen in Gefängnissen, Armee und Spitälern, damit staatliche Behörden wieder verstehen, dass es sich um eine verfassungsmässige Pflicht handelt, den Bürgern Zugang zur Seelsorge zu gewähren. Auf der anderen Seite müssen Pfarreien tatsächlich sensibler werden mit der Publikation von persönlichen Mitteilungen. Die Bekanntgabe von Taufen, Hochzeiten, runden Geburtstagen und Beerdigungen im Pfarreiblatt und auf der Website der Pfarrei sollte nur mit Einverständnis der Betroffenen geschehen.
Kampf gegen Kirchensteuern
Die FDP Kanton Zürich unterstützt die Kirchensteuerinitiative der Jungfreisinnigen und sammelt Unterschriften zur Abschaffung der Kirchensteuerpflicht für juristische Personen. Dies würde eine Entlastung des Gewerbes um jährlich 100 Millionen Franken bedeuten. Die Forderung nach einer Abschaffung der Kirchsteuerpflicht für juristische Personen ist im Kanton Zürich bereits mehrfach thematisiert und jedes Mal abgelehnt worden: 2001 lehnte der Kantonsrat eine Einzelinitiative und 2005 eine SVP-Motion mit dem gleichen Ziel ab. Auch in den Kantonen Bern, Uri, Zug und Thurgau scheiterten Vorstösse aus den Reihen von SVP und FDP. Im September 2010 erklärte zudem das Bundesgericht in einem Fall aus dem Kanton Schwyz die Kirchensteuerpflicht für juristische Personen als zulässig.
Ökumene-Preis für Ausschaffungs-Film
Der Dokumentarfilm "Vol spécial" von Fernand Melgar erhielt den diesjährigen Preis der Ökumenischen Jury der christlichen Kirchen am 64. Filmfestival von Locarno. Der Film zeigt die Hoffnungen und Ängste der Menschen im Genfer Ausschaffungszentrum Frambois. Der Film zeigt auf der einen Seite die Wärter, die humanistische Werte vertreten, auf der anderen Seite Menschen, die jeden Tag mit ihrer Ausschaffung rechnen müssen. Der Kontakt mündet meist in Hilflosigkeit und Demütigung. Und die Verzweiflung in dieser Ausnahmesituation hat einen Namen: Sonderflug.
Bischöfliche Kommission für Mutterschutz von Erwerbstätigen
Die Schweizerische Nationalkommission "Justitia et Pax" unterstützt die bundesrätliche Ratifikation des Übereinkommens Nr. 183 der Internationalen Arbeitsorganisation (IAO) über den Mutterschutz und die Anpassung des Artikels 35a im Schweizer Arbeitsgesetz. Die Anpassung verbessert die Rechtssicherheit erwerbstätiger, stillender Mütter, fördert das Stillen während der Arbeitszeit und trägt zur Lohngleichheit zwischen Frau und Mann bei. Volltext und Info: www.juspax.ch
Kirche soll Menschen helfen
Im Anschluss an die 1.-August-Rede von Abt Martin Werlen, in der er die politische Bedeutung der Kirchen betonte, gaben in den folgenden Tagen zwei Drittel der über 4000 Befragten in einer Umfrage von «20 Minuten» an, die Kirche soll sich nicht in die Politik einmischen, sondern in erster Linie den Menschen helfen. Die meisten Befragten waren zwischen 25 und 50 Jahre alt, 80% waren männlich, ein Drittel reformiert, ein Drittel oder konfessionslos, ein Viertel katholisch und 8 % gehören einer anderen Religion an. In manchen politischen Fragen erwarten die Befragten aber durchaus Orientierung durch die Kirchen. Nur 81 % wollen, dass sich die Kirche zur Asylpolitik äussert. Und auch im Bereich Sterbehilfe finden 73.7 % der Befragten die Botschaft der Kirchen glaubwürdig. Die Kernaufgabe der Kirche sei laut Umfrageresultaten «Menschen in schwierigen Situationen unterstützen und begleiten» (62.6 %). Die Vermittlung des Glaubens ist mit 27.1 % eher zweitrangig.
Jüdische Kreise kritisieren CVP
Der Redaktor der jüdischen Wochenzeitschrift "Tachles", Yves Kugelmann, kritisiert den Vorschlag der CVP, Entwicklungszusammenarbeit in Ländern aufzuheben, in denen Christen diskriminiert und verfolgt werden. Kugelmann schreibt: "Denkt man die Forderung der CVP weiter, so ist Entwicklungszusammenarbeit in jenen Ländern, in denen etwa Muslime oder Juden getötet werden, vertretbar, darf auch geholfen werden, wo christlicher Kolonialismus oder evangelikal motivierte Hegemonialpolitik vorherrschen. Die CVP fordert eine Zweiklassenentwicklungshilfe und führt einen Kreuzzug unter anderen Vorzeichen in jenem Bereich, in dem gerade das Christentum einen zivilisatorischen Schritt vollführt hat: in der Nächstenliebe."
Fastenopferdirektor gegen Sparen im Asylbereich
Rund 53 Prozent der Schweizer Bevölkerung will im Asylwesen sparen. Dies geht aus einer gfs-Umfrage hervor. Das katholische Hilfswerk "Fastenopfer" reagierte auf dieses Ergebnis und plädiert für eine bessere Aufklärung der Bevölkerung und für mehr internationale Solidarität. Die Schweizer Bevölkerung müsse darüber genauer aufgeklärt werden, was eine allfällige Sparreform in der Entwicklungshilfe bedeutete, sagte Antonio Hautle vom katholischen Hilfswerk "Fastenopfer". Als eines der reichsten Länder der Welt, könne sich die Schweiz nicht aus der internationalen Solidarität ausklinken. Denn dies hätte einen Bumerang-Effekt zur Folge: Der Migrationsdruck würde ansteigen und der Klimawandel voranschreiten, so Hautle.
62% Gewohnheits-Christen
Eine Umfrage des Instituts GFS Zürich hat ergeben, dass 62 % der Kirchenmitglieder in der Kirche bleiben, weil sie "einfach immer dabei waren". 43 % gaben an, Mitglied zu sein, weil die Kirche Gutes tue, 28 % sind dabei, weil sie gerne den Gottesdienst besuchen, 23 % wollen, dass eines Tages ein Pfarrer ihre Beerdigung leite, 15 % sind Mitglied, weil sie selbst kirchlich engagiert sind, 14 % gaben an, ihren Austritt bloss hinauszuzögern, und 7 % bleiben Mitglied aus Angst, es könnte doch ein Jenseits geben. Und in diesem Fall sei man als Kirchenmitglied wohl besser gewappnet. Nur 5 % sind laut Umfrage ausdrücklich wegen des Glaubens Mitglied in einer Kirche. Zu jenen 62 %, die keinen genauen Grund angeben für ihre Mitgliedschaft, gehören besonders viele mit tiefem Bildungsstand (70 %) und einem Einkommen unter 4000 Franken monatlich (70 %) sowie mehr Menschen aus der Agglomeration (66 %) als von Stadt (59 %) oder Land (61 %). Ausserdem sind mehr Frauen (67 %) als Männer aus Gewohnheit Kirchenmitglieder. 12 % der Frauen und 16 % der Männer haben sich bereits einen Kirchenaustritt überlegt. Die Unterschiede zwischen Katholiken und Protestanten sind gering. So gaben mehr Reformierte (65 %) als Katholiken (60 %) an, Mitglied zu sein, weil sie schon immer dabei seien. Dasselbe gilt für die Begründung, dass die Kirche Gutes tue: 39 % der Katholiken und 48 % der Reformierten stimmten dem zu. Grosse Unterschiede existieren bezüglich Alter. 18 % der 18- bis 39-Jährigen zögern ihren Austritt nur hinaus, bei den über 65-Jährigen sind es nur 8 %. Fasst man alles zusammen, so sind am ehesten ältere, gebildete reformierte Frauen aus der urbanen oder ländlichen Oberschicht überzeugte Kirchenmitglieder. Info: www.ref.ch/index.php?id=21#c3100
Studie zu Frauen in religiösen Führungsämtern
Der Interreligiöse Think-Tank, der sich aus Exponentinnen des interreligiösen Dialogs in der Schweiz zusammensetzt, befasst sich in seiner jüngsten Studie mit den Leitungsfunktionen von Frauen im Judentum, Christentum und Islam. Insbesondere im Judentum und in der römisch-katholischen Kirche gehöre die Mitwirkung von Frauen an der religiösen und politischen Leitung ihrer Religionsgemeinschaften zu den brennenden Themen. Die Begründungen für die Nicht-Beteiligung von Frauen an Leitungsfunktionen werden theologisch untersucht. Unterschiede bezüglich Frauen in den religiösen Leitungsämtern liegen nicht nur zwischen, sondern auch innerhalb der jeweiligen Religionsgemeinschaften. Die Studie kann als pdf-Datei kostenlos heruntergeladen werden: www.interrelthinktank.ch
Bund überlegt Imam-Ausbildung
Um religiösen Extremismus zu vermeiden, überlegt sich der Bund ähnlich wie Deutschland und Österreich die Einführung einer Imam-Ausbildung in der Schweiz. Ende März trifft sich erstmals eine Arbeitsgruppe, in der Imame, Professoren und Vertreter des Bundes das Thema angehen. Imame sollen das Leben der Muslime in der Schweiz gut kennen, um ihnen einen authentischen und zugleich mit der Schweiz kompatiblen Islam vermitteln zu können. Die Ausbildung von Imamen in der Schweiz könnte ein Beitrag zur Integration von Muslimen sein. Bis heute kommen die meisten Imame aus muslimischen Ländern. Die Frage ist noch offen, welche Universität eine Imam-Ausbildung anbieten kann.
Staatliche Anerkennung für fusionierte Muslime?
Die beiden nationalen Muslim-Verbände KIOS (Koordination Islamischer Organisationen Schweiz) und FIDS (Föderation Islamischer Dachverbände der Schweiz) planen die Schaffung einer nationalen, demokratisch organisierten Muslimorganisation: die "Umma Schweiz". Diese soll die öffentlich-rechtliche Anerkennung erlangen und staatskirchenrechtliche Organe schaffen. Rund 400 000 Muslime aus den verschiedensten Herkunftsländern leben in der Schweiz. Bisher gab es keine Stimme, die legitimiert ist, alle islamischen Gemeinschaften zu vertreten. Eine Kommission aus drei Staatsrechtlern und zwei muslimischen Juristen will nun ein Statut ausarbeiten, das den 300 Schweizer Vereinigungen der Muslime zur Vernehmlassung zugestellt werde. Bereits Ende Jahr sollen die ersten Wahlen in ein «religiöses Parlament» stattfinden. Die Basler Muslimkommission hat sich bereit erklärt, eine «Testwahl» durchzuführen.
Ethikkommission warnt vor aktiver Sterbehilfe
Die bischöfliche Bioethikkommission warnt davor, dass aktive Sterbehilfe straffrei wird. Die Kommission reagiert auf das Urteil eines Gerichts im Kanton Neuenburg. Es ging um eine Ärztin, die zunächst einem kranken Menschen bei der Selbsttötung helfen wollte, aber schliesslich ihm das tödliche Gift selbst injizierte. Obwohl diese Tat nach dem Schweizerischen Strafgesetzbuches als „Tötung auf Verlangen“ strafbar ist, rechtfertigte das Gericht die Handlung, indem es der Angeklagten zubilligte, sie habe „das in der Lage Notwendige“ getan. Ein solcher Freispruch führe die Gefahr vor Augen, dass die „Tötung auf Verlangen“ als „aktive Sterbehilfe“ akzeptiert werde. Die Gesetze seien nicht nur der Spiegel der öffentlichen Meinung zu einem bestimmten Zeitabschnitt, sondern einige unter ihnen sorgten für die Fundamente des Zusammenlebens, so die Bioethikkommission.
Leitlinien für Sterbebegleitung
Bund und Kantone haben sich auf nationale Leitlinien für die Sterbebegleitung geeinigt. Sie erzielten einen Konsens darüber, welche Ziele die Begleitung von Schwerstkranken in der letzten Lebensphase verfolgen soll, wann sie einsetzt und wer sie erbringt.
Kirchenschliessungen in Basel
Drastische Sparmassnahmen zwingen die Basler Katholiken, neue Einnahmequellen für ihre Kirchen zu finden. Selbst der Abbruch von Kirchen ist möglich. Der Kirchenrat der römisch-katholischen Kirche Basel-Stadt will künftig nur noch vier der zwölf Kirchen für Gottesdienste nutzen.
International
Kardinal Koch befürwortet alte Messe
Die Wiederzulassung der alten lateinischen Messe ist nach Ansicht von Kurienkardinal Kurt Koch „nur ein erster Schritt“. Die Zeit für weitere Schritte sei jedoch „derzeit wohl nicht reif“. Gerade in Deutschland seien liturgische Fragen ideologisch behaftet. Rom könne erst weiter tätig werden, wenn es unter den Katholiken die Bereitschaft gebe, über neue Liturgieformen „im Dienst der Kirche“ nachzudenken. Im Juli 2007 hatte der Papst verfügt, dass weltweit wieder Messen nach dem tridentinischen Ritus gemäss dem Messbuch von 1962 gefeiert werden dürfen. Das Messbuch von 1970 bleibe aber „die normale Form“ der Eucharistiefeier der römischen Kirche. Koch erwähnte, dass in den Konzilstexten nirgends die Rede davon sei, dass der Priester die Eucharistie den Gottesdienstteilnehmern zugewandt leite. Eine Weiterentwicklung von Gottesdienstformen sei für eine innere Erneuerung der Kirche nötig: „Wenn nämlich die Krise des kirchlichen Lebens heute in erster Linie eine Krise der Liturgie ist, dann muss auch eine Erneuerung der Kirche heute mit der Erneuerung der Liturgie ansetzen.“
Vatikan verstärkt Uno-Engagement
Der Heilige Stuhl hat – auch im Namen des Staates der Vatikanstadt – mehrere Konventionen der Vereinten Nationen ratifiziert. Der Ständige Vatikanbeobachter bei der UNO, Erzbischof Francis Assis Chullikat, hinterlegte bei der UNO in New York die Ratifikations-Urkunde des Heiligen Stuhls für die UNO-Konvention gegen Drogenhandel; sie stammt aus dem Jahr 1988. Ausserdem trat der Heilige Stuhl offiziell zwei weiteren internationalen Konventionen bei: jener gegen Terrorfinanzierung (1999) sowie jener gegen das organisierte Verbrechen (2000). Damit erhöht der Vatikan, der erst kürzlich der UNO-Weltmigrantenbehörde als Vollmitglied beitrat, seine internationale Vernetzung. Es gehe dem Vatikan um eine moralische Unterstützung für diese Konventionen. Gleichzeitig bekräftige Chullikat den vatikanischen Einsatz für Solidarität, Gerechtigkeit und Frieden unter Personen und Völkern.
Vatikan für Finanztransaktionssteuer
Kurienkardinal Peter Kodwo Appiah Turkson hat sich für die Einführung der Finanztransaktionssteuer ausgesprochen. Das wäre ein Weg, Wirtschaft und Finanzen wieder zu ihrer eigentlichen gesellschaftlichen Funktion zurückzuführen, sagte der Präsident des Päpstlichen Rates für Gerechtigkeit und Frieden nach Angaben des katholischen Entwicklungs-Dachverbandes CIDSE vom Donnerstag. Globale Entwicklung und Nachhaltigkeit könnten durch eine solche Steuer gefördert werden, zitierte der Dachverband den Kardinal weiter. Der Vatikan hatte sich jüngst in einem Papier zur Wirtschaft- und Finanzkrise unter anderem für eine solche Steuer ausgesprochen. Der Vatikan schlägt darin eine radikale Reform der weltweiten Finanzmärkte vor, u.a. die Einrichtung einer Weltnotenbank, um die Finanzströme unter der Kontrolle der Uno zu regulieren.
Christenverfolgung in Nigeria
Christen im Norden Nigerias sind von den Attentaten „traumatisiert“, die durch die islamistische Boko-Haram-Sekte verübt wurden. Viele trauen sich nicht mehr aus ihren Häusern, geschweige denn in eine Kirche zu gehen, betont der Caritasdirektor und langjährige Generalvikar der südnigerianischen Diözese Enugu. Aus Angst vor weiteren Anschlägen würden viele Christen in ihre ursprünglichen Heimatdörfer im christlichen Süden des Landes zurückkehren. Schon jetzt kämpften dort rund 10 000 Flüchtlinge um ihr Überleben. Seit Weihnachten sind nach Angaben der Gesellschaft für bedrohte Völker mindestens 270 Menschen bei Anschlägen von Boko Haram getötet worden. Die islamistische Sekte Boko Haram steht mit der Terrororganisation Al Kaida in Kontakt. Boko Haram-Mitglieder aus Nigeria und dem Tschad seien zum Beispiel in Al-Kaida-Camps in Mali ausgebildet worden.
Noch keine Entscheidung zu Piusbrüdern
Der Vatikan hat noch keine abschliessende Entscheidung zum Einigungsdialog mit der traditionalistischen Priesterbruderschaft St. Pius X. getroffen. Der Präfekt der Glaubenskongregation, Kardinal William Levada, hat dem Papst Anfang Februar über die Vollversammlung seiner Behörde berichtet, die die Antworten der Priesterbruderschaft erörtert hatte. Mitte Januar hatte die Leitung der Piusbrüder dem Vatikan eine zweite Antwort auf die "Lehrmässige Präambel" vom 14. September 2011 zugeleitet. In dieser Erklärung hatte die Glaubenskongregation einige Prinzipien für eine Kircheneinigung formuliert. Dem Vernehmen nach soll diese Antwort - ähnlich wie bereits die vom vergangenen Dezember - keine klare Positionierung der Traditionalisten zum kirchlichen Lehramt und zum Zweiten Vatikanischen Konzil beinhalten. Beobachter gehen davon aus, dass der Vatikan den Traditionalisten in den nächsten Wochen eine erneute Antwort zuleiten wird. Ob darin bereits eine Entscheidung mitgeteilt oder noch einmal eine kurze Frist für eine klare Stellungnahme zur "Präambel" eingeräumt wird, darüber gibt es in Rom derzeit nur Spekulationen.
Papstbesuch in Kuba spaltet Regimekritiker
Der Tod des hungerstreikenden Dissidenten Wilman Villar in Kuba hat wenige Wochen vor dem Besuch des Papstes eine Welle des Protestes bei Regimekritikern ausgelöst. Die Menschenrechtsorganisation „Frauen in Weiss“ warf der sozialistischen Regierung von Staatspräsident Raul Castro vor, Villar durch die Verweigerung eines Gesprächs „ermordet“ zu haben. Die ehemalige politische Gefangene Martha Beatriz Roque forderte Papst Benedikt XVI.) auf, seine für Ende März geplante Reise in den Karibikstaat abzusagen, zumal das Programm der Papstreise keine Gespräche mit der kubanischen Opposition vorsähe. Die Menschenrechtsorganisation „Frauen in Weiss“ begrüsst hingegen den Besuch des Papstes.
Atheisten fordern einen Tempel in London
Der gebürtige Schweizer Philosoph und Atheist Alain de Botton will im Londoner Finanzdistrikt einen Tempel für nichtgläubige Menschen errichten lassen. Auch wenn Atheisten in Kirchen oder Synagogen willkommen seien, seien diese Gebäude immer noch Orte des Glaubens und damit nicht der richtige Platz für Leute, die nicht an Gott glaubten, so Alain de Botton. Atheisten hätten aber unter Umständen die gleichen Gefühle und Bedürfnisse wie religiöse Menschen. Deshalb sei es wichtig, dass sie einen Ort hätten, wohin sie gehen könnten. Wie "The Guardian" berichtet, soll der Tempel umgerechnet rund 1,2 Millionen Franken kosten und im Finanzdistrikt Londons gebaut werden. Etwa die Hälfte des Geldes kommt von anonymen Spendern.
Universität Gregoriana veranstaltet Kongress über sexuellen Missbrauch
Über 200 Bischöfe, Ordensobere, Theologen und Psychologen aus aller Welt nahmen in Rom vom 6.-9. Februar an der internationalen Konferenz über sexuellen Missbrauch von Minderjährigen in der katholischen Kirche teil. Veranstalter war die von Jesuiten geführte Universität Gregoriana. Unterstützt wird die Tagung vom Erzbistum München, anderen Diözesen und einigen deutschen Hilfswerken. Das Ziel der Tagung war es, mehr Aufmerksamkeit für das Thema in der weltweiten Kirche zu schaffen. Nahezu alle nationalen Bischofskonferenzen entsandten einen bischöflichen Vertreter zur Tagung. Nicht alle Bischofskonferenzen haben bisher eigene Richtlinien für die Ahndung und Vorbeugung sexuellen Missbrauchs erlassen, wie das beispielsweise die Bischöfe in der Schweiz oder in Deutschland getan haben. Bis im Mai müssen alle Bischofskonferenzen eigene Richtlinien für den Umgang mit sexuellem Missbrauch veröffentlicht haben. Die Ergebnisse der Tagung sowie weltkirche Informationen über den Umgang mit Missbrauchsfällen stellt die Gregoriana auf die Webseite www.elearning-childprotection.com.
Massnahmen gegen Missbrauch
Die Deutsche Bischofskonferenz hat eine Dokumentensammlung zum Thema sexueller Missbrauch herausgegeben. Die 83-seitige Arbeitshilfe trägt den Titel "Aufklärung und Vorbeugung" und umfasst alle wichtigen Dokumente der Bischöfe seit Bekanntwerden des Missbrauchsskandals im Januar 2010. Wie die Bischofskonferenz am Donnerstag in Bonn mitteilte, steht das Papier ab sofort als Download im Internet zur Verfügung oder kann per Mail bestellt werden. In seinem Vorwort schreibt der Konferenzvorsitzende, Erzbischof Robert Zollitsch, die Kirche werde weiter vor allem im Bereich der Prävention von sexuellem Missbrauch arbeiten. "Dabei wissen wir, dass das geschehene Leid niemals gutgemacht, schon gar nicht ungeschehen gemacht werden kann. Uns bleibt, um Verzeihung und Entschuldigung zu bitten."
Hinweis: Weitere Informationen im Internet unter www.dbk.de
Glaubenskongregation publiziert pastorale Hinweise zum Jahr des Glaubens
Zum 50-jährigen Konzilsjubiläum hat Papst Benedikt XVI. ein "Jahr des Glaubens" ausgerufen. Die Glaubenskongregation hat nun für die globale, nationale, diözesane und pfarreiliche Ebene je zehn pastorale Hinweise formuliert. Von der Bischofssynode in Rom im Oktober sowie vom Weltjugendtag in Rio im Juli 2013 erwarte man wichtige Impulse für die globale Neu-Evangelisierung. Die Bischfskonferenzen werden ermutigt, u.a. die Dokumente des II. Vatikanischen Konzils und des Katechismus in erschwinglichen Taschenbuchausgaben neu aufzulegen. Die Bistümer sollen u.a. Tagungen zur liturgischen Tradition und zum Katechismus sowie Bussgottesdienste abhalten. Und in den Pfarreien sollen alle Gläubigen eingeladen werden, bewusst, tätig und fruchtbar an der Eucharistie teilzunehmen, um authentische Zeugen des Herrn zu sein.
Sizilianischer Bischof unterstützt Homo-Paare
Der Bischof des sizilianischen Bistums Ragusa, Paolo Urso, hat sich für eine staatliche Anerkennung gleichgeschlechtlicher Lebensgemeinschaften in Italien ausgesprochen. Auch wenn es sich um zwei Menschen gleichen Geschlechts handele, die sich für ein Zusammenleben entschieden, sei es "wichtig, dass der Staat diese Tatsache anerkennt", sagte Urso in einem Interview mit dem italienischen Internetportal "Quotidiano.net". Ein laizistischer Staat wie Italien könne das Phänomen gleichgeschlechtlicher Lebensgemeinschaften nicht ignorieren. Die katholische Kirche hatte sich bisher stets gegen die gesetzliche Gleichbehandlung von homosexuellen Lebensgemeinschaften ausgesprochen.
Katholische Kirche fällt im Stresstest durch
Die veröffentlicht Sinus-Studie zeigt, dass selbst der Papstbesuch im September des vergangenen Jahres die dramatische Kirchenaustrittswelle mit über 181.000 Austritten in Deutschland anno 2011 nicht stoppen konnte. Die Repräsentativuntersuchung des Sinus-Instituts kurz nach dem Papstbesuch ergab zudem, dass eine Million Mitglieder die Kirchen verlassen wollen und sogar fünfeinhalb Millionen Menschen darüber nachdenken. Als wichtigste Ursachen für die gegenwärtige Austrittswelle werden die Zusammenlegung von Kirchengemeinden sowie die Missbrauchskrise genannt. Die Zahl der Austrittsentschlossenen bei den evangelischen Christen liegt ähnlich hoch. Beide grossen Kirchen müssen sich überlegen, wie sie wieder Kontakt erhalten zu den Menschen in ihren sehr unterschiedlichen Lebenssituationen und mit ihren differenzierten sozialen wie religiösen Bedürfnissen. www.vision-glauben-2020.de
Neue Bibel-App enthält Altes und Neues Testament
Die Heilige Schrift in der Einheitsübersetzung gibt es jetzt auch als App. Die digitale Bibel-Variante für iPod und iPhone enthält den vollständigen Text der Heiligen Schrift des Alten und Neuen Testaments. Eine eigens für das iPad optimierte Version sei bereits in Planung.
US-Bischöfe schützen Immigranten
33 lateinamerikanisch-stämmige Bischöfe zeigen sich solidarisch mit illegalen Immigranten. Sie bieten den Einwanderern die Teilnahme an Gottesdiensten und für Kinder auch Katechismusunterricht an. In einem Brief, der am Tag Unserer Lieben Frau von Guadalupe am Montag veröffentlicht wurde, wenden sich die Bischöfe an die überwiegend lateinamerikanischen Einwanderer. Sie kündigten an, sich weiterhin für Reformen der strengen US-Migrationspolitik einzusetzen. Die Immigranten verdienen Dank für ihren Beitrag zum Wohlergehen des Landes, heißt es in dem Brief. Stattdessen würden sie wie Kriminelle behandelt, da sie gegen Einwanderungsgesetze verstoßen haben. Gleichzeitig fordern die Bischöfe die Immigranten auf, Akte von Gewalt und Unterdrückung gegen sie anzuzeigen. (reuters)
Vatikan will stärker für Migranten eintreten
Papst Benedikt XVI. hatte in den letzten Wochen mehrmals zu mehr Solidarität mit Migranten und Staatenlosen aufgerufen. Im Dezember trat der Heilige Stuhl zudem der Internationalen Migrationsorganisation in Genf bei: ein Zeichen, wie wichtig man das Thema im Vatikan nimmt, zumal der Heilige Stuhl nur in sehr wenigen internationalen Organisationen Vollmitglied ist. Der Ständige Beobachter des Heiligen Stuhls bei den UNO-Einrichtungen in Genf ist der italienische Erzbischof Silvano Tomasi. Dieser betont, der Heilige Stuhl wolle „etwas Spezifisches einbringen: die ethische Stimme“. Und er wolle darauf aufmerksam machen, „dass das Phänomen Migration auch in Zeiten der Wirtschaftskrise nicht unbeachtet bleiben darf und dass es weiter anwachsen wird“.
Deutsche Pfarrerin wegen muslimischem Mann vom Dienst entlassen
Die evangelische Vikarin Carmen Häcker aus Württemberg ist zum Jahresende entlassen worden, weil sie einen Muslim geheiratet hat. Der Entscheid hat in Deutschland innerkirchlich für grosse Aufregung gesorgt. Während eines Praktikums in Bangladesch lernte die Vikarin ihren Mann kennen, der als Übersetzer arbeitete. Sie habe zwar mit Schwierigkeiten gerechnet, sei jedoch überrascht gewesen, dass sie nach der Heirat nicht einmal ihre Ausbildung habe abschliessen können. Sie habe auf eine Ausnahmeregelung gehofft. In Württemberg fordert das Dienstrecht, dass Ehepartner von Pfarrern evangelisch, zumindest aber christlich sein müssen. Glücklicherweise kann die Vikarin ihre Ausbildung nun in der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz fortsetzen. Die angehende Pfarrerin wird ab 1. Februar in den Vorbereitungsdienst in Berlin übernommen. Für die meisten reformierten Kantonalkirchen in der Schweiz kommen Vorschriften für die Partnerwahl ihrer Pfarrer nicht in Frage.
Katholiken wachsen in Norwegen
Die Zahl der Katholiken im Land hat sich im Vergleich zu 2005 nahezu verdoppelt. Die römisch-katholische Gemeinschaft wuchs von rund 43 000 auf rund 83 000 Gläubige. Gründe für den Zuwachs sieht der Osloer Erzbischof in der Zuwanderung des Landes. Laut Markus Eidsvig immigrieren viele Katholiken aus Vietnam, Chile, Sri Lanka oder Vietnam nach Norwegen. Ausserdem verzeichne die katholische Kirche zahlreiche Eintritte. Dies begründete Eidsvig damit, dass die katholische Kirche „etwas anderes“ biete als die lutherische Staatskirche. So sprächen vor allem die vielfältigen Formen liturgischer Feiern die Menschen an. Von den rund vier Millionen Norwegern gehören 86 Prozent der lutherischen Staatskirche an.
Mit den Kirchen gegen moralischen Kollaps
Angesichts der Randalen in England sollen die Religionen helfen, Lösungen auf den „langsamen moralischen Kollaps“ im Land zu finden. Das sagte der britische Premierminister David Cameron. Nach Ansicht Camerons seien religiöse Würdenträger für das Wiederherstellen von Werten wie Verantwortung, Nächstenliebe und Mitgefühl besonders wichtig. Religion sei stark mit Politik verbunden, da viele politische mit moralischen Fragen zusammenhingen, so der Premier bei einer Ansprache in Oxford. Im August des vergangenen Jahres sind bei Krawallen in London mehrere Häuser in Flammen aufgegangen.
Kommentar der Zentralredaktion:
Diese Reduktion der Kirche als Hilfsrad in ethischen Belangen ist symptomatisch. Wenn hingegen die Kirchen etwas zu Asyl-, Entwicklungs- oder Rüstungspolitik sagen, vertreten dieselben Personen in der Regel die Meinung, dass sich die Kirchen auf ihr seelsorgliches Kerngeschäft konzentrieren und nicht in politische Fragen einmischen sollten.
Papst wegen verletzter Anschnallpflicht angezeigt
Weil Papst Benedikt XVI. bei seiner Visite in Freiburg im Breisgau im Papamobil wiederholt nicht angeschnallt war, ist er bei der Stadt wegen einer Ordnungswidrigkeit angezeigt worden. Als Zeugen seien der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Freiburgs Erzbischof Robert Zollitsch, und Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) benannt worden. Sowohl der Beschwerdeführer als auch sein Anwalt gehören nicht mehr der Kirche an.
Papst unterstützt Initiativen für die Abschaffung der Todesstrafe
Benedikt XVI. unterstützt alle politischen und gesetzlichen Initiativen zur weltweiten Abschaffung der Todesstrafe. Dies bekräftigte der Papst an diesem Mittwoch bei der Generalaudienz in der Halle „Paolo VI“. Er begrüßte unter den 6.000 Besuchern und Pilgern eine Delegation der Gemeinschaft Sant’Egidio, die in diesen Tagen eine Konferenz zu dem Thema veranstaltet. Wörtlich sagte der Papst: „Ich hoffe, dass die Projekte zur Abschaffung der Todesstrafe von immer mehr Ländern wahrgenommen werden, damit diese Strafe beseitigt wird und gleichzeitig die Würde eines jeden Gefängnisinsassen gewährleistet bleibt. Selbstverständlich soll dabei auch die öffentliche Sicherheit immer garantiert sein.“
Päpstliches Recycling
Zwei Monate nach dem Besuch von Benedikt XVI. in Freiburg im Breisgau bietet das Erzbistum Freiburg eine weisse Umhängetasche aus dem recycelten Stoff der Altarüberdachung vom Gottesdienst auf dem Flugplatz an. Aus rund 1.000 Quadratmetern Plane werden 2.400 Papsttaschen genäht, wie das Bistum am Donnerstag mitteilte. Die Taschen - wahlweise mit aufgedrucktem Foto des Papstgottesdienstes oder ohne - kosten 95 Euro (116 Franken) und sind unter www.papsttasche.de zu bestellen. Umgerechnet gut 12 Franken pro verkaufte Tasche gehen an einen Hilfsfonds für Ostafrika.
Kardinal Koch verärgert Juden in USA
Viele Juden würden eine Heiligsprechung des Weltkriegspapstes Pius XII. begrüssen. Mit dieser Aussage hat der Leiter des päpstlichen Einheitsrates, Kardinal Kurt Koch, seine Zuhörer anlässlich seines ersten öffentlichen Auftritts in den USA an der Seton Hall University in New Jersey Anfang November verärgert. Pius XII., Papst von 1939 bis 1958, wird insbesondere von jüdischer Seite vorgeworfen, zum Holocaust, dem millionenfachen Mord an Juden durch Nazi-Deutschland und seine Verbündeten, nicht deutlich Stellung bezogen zu haben. Für Eugenio Pacelli, wie Papst Pius XII. mit bürgerlichem Namen hiess, läuft ein Seligsprechungsverfahren. 2009 wurde ihm von Papst Benedikt XVI. der "heroische Tugendgrad" zuerkannt, der für eine Seligsprechung nötig ist. Koch vertrat auch die Meinung, dass die Öffnung der Vatikan-Archive jener Zeit kein weiteres Licht in die Aktionen von Pius XII. werfen würden und dass alles Wichtige gesagt sei und auf dem Tisch liege. Verständnislos und ungehalten reagierten Rabbiner, Priester, Theologen und Spezialisten in interreligiösen Fragen, als Koch behauptete, die Juden sollten das Kreuz als endgültigen Jom Kippur (Versöhnungstag bzw. Versöhnungsakt) betrachten. Der oberste Verbindungsmann des Vatikans zum Judentum wurde von jüdischer Seite als unqualifiziert und beunruhigend bezeichnet, weil Koch nicht die Mehrheit namhafter jüdischer und katholischer Wissenschaftler zitiert habe, sondern vereinzelte Stimmen vom Rand des Judentums genannt habe.
Luthers dunkle Seite
Der Theologe Martin Stöhr sprach an einer Veranstaltung in Wiesbaden über Antisemitismus in der DDR im Luthersaal der Lutherkirche über die Gedanken- und Gefühlswelt des späten Martin Luther. Der Reformator liess 1543, drei Jahre vor seinem Tod, schreckliche Hasstiraden gegen die Juden los. Luther formulierte so genannte „treue Ratschläge“ an die Regierenden, in denen er dazu aufrief, die Häuser der Juden zu zerstören und ihre Synagogen niederzubrennen. Auf diese antijüdischen Pamphlete berief sich sogar im Jahre 1945 noch Julius Streicher, der Chefredakteur des antisemitischen NS-Hetzblattes „Der Stürmer“ bei den Nürnberger Prozessen.
Sterbehilfe an demenzkranker Frau in Holland
In den Niederlanden ist erstmals eine schwer demenzkranke Frau nach aktiver Sterbehilfe ums Leben kommen. Die 64-Jährige habe zwar früh schriftlich angegeben, aktive Sterbehilfe einer Unterbringung in einem Pflegeheim vorzuziehen. Allerdings habe sie vor ihrem Tod ihren Wunsch nicht mehr zum Ausdruck bringen können. Aufsichtskommissionen billigten die aktive Sterbehilfe. Bislang sind in den Niederlanden Fälle von aktiver Sterbehilfe bei Demenz nur in der Anfangsphase der Krankheit gebilligt worden, wenn die Betroffenen ihren Willen noch klar vermitteln konnten. Im Fall der 64-Jährigen sind die Ärzte aber zum Ergebnis gekommen, dass die Frau schwer leide und ihr Todeswunsch fortbestehe.
Verfolgte Kirche in China
Der frühere Bischof von Hongkong, Joseph Zen, hat einen mehrtägigen Hungerstreik durchgeführt. Der einzige Kardinal in Festlandchina protestierte damit gegen eine Entscheidung des Obersten Gerichts, das die katholischen Schulen der Kontrolle des Regimes unterstellt. Der ungerechte Richterspruch drohe das katholische Schulwesen der Region zu zerstören. Die chinesische Regierung hat in den vergangenen Monaten zahlreiche Priester der so genannten „Untergrundkirche“ verhaftet, vor allem Geistliche in der östlichen Provinz Shandong. Das Verhältnis zwischen dem Vatikan und den chinesischen Behörden ist nach einer Reihe von Bischofsweihen, die von Rom nicht anerkannt sind, sehr gespannt.
Katholische Kirche begrüsst Thronfolge-Änderung in Grossbritannien
Die katholische Kirche in England begrüsst es, dass britische Thronerben künftig einen Katholiken bzw. eine Katholikin heiraten dürfen, ohne ihren Erbanspruch zu verlieren. Diese Entscheidung beseitige "einen Punkt ungerechter Diskriminierung", erklärte der Vorsitzende der Bischofskonferenz von England und Wales, Erzbischof Vincent Nichols. Die 16 Commonwealth-Staaten hatten im australischen Perth ein Gesetz aus dem Jahre 1701 aufgehoben, das die Heirat eines katholischen Partners zum Ausschlusskriterium für die Thronfolge machte.
Deutsche Bischöfe zensurieren
Die Deutsche Bischofskonferenz (DBK), die seit Monaten ihr Bemühen an einem Dialog mit der Kirchenbasis betont, hat dem Deutschland-Korrespondent der Zeitschrift "Kirche in", Christian Weisner, die Zulassung zu ihrer Herbstvollversammlung vom 4. bis 7. Oktober 2011 in Fulda verweigert. Das internationale, christlich-ökumenische Nachrichtenmagazin "Kirche in" entstand 1987 und erscheint in Wien. Diese Einschränkung der Pressefreiheit überrascht, zumal Weisner noch vor wenigen Wochen vom Bundespresseamt anlässlich des jüngsten Deutschlandbesuches von Papst Benedikt XVI. ohne Probleme als Deutschlandkorrespondent von "Kirche in" akkreditiert wurde. Der Redaktor ist Mitglied der Gesellschaft katholischer Publizisten und ist in der katholischen KirchenVolksBewegung "Wir sind Kirche" engagiert.
Ethisch Geld anlegen
Ein neuer Leitfaden der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) gibt Tipps für ethisch nachhaltige Geldanlagen. Die EKD wirbt darin für Investitionen in regenerative Energien und rät vom Fördern der Rüstungsindustrie ab. Die drei Kriterien Sicherheit, Wirtschaftlichkeit und Ethik sollten die Investitionen bestimmen. Der Leitfaden richtet sich an kirchliche Verwaltungen sowie an Menschen, die mehr über den Umgang mit Geld wissen wollen. Für die Kirche selbst legt die EKD fest: Geldanlagen sollten nicht im Widerspruch zu Gottes Geboten und dem kirchlichen Auftrag stehen. "Der kirchliche Auftrag besteht in der Verkündigung des Evangeliums, im diakonischen Handeln und im Engagement für Gerechtigkeit, Frieden und Verantwortung für die Bewahrung der Schöpfung in dieser Welt". Ethisch nicht vertretbar seien Investitionen in Betriebe, die Rüstungsgüter, harte Spirituosen oder Tabakwaren herstellen oder vertreiben, kontroverse Formen des Glücksspiels betreiben, mit ihrer Arbeit die Menschenwürde verletzen oder gentechnisch verändertes Saatgut herstellen. Geld soll zudem nach Möglichkeit nicht in Staaten fliessen, die die Todesstrafe praktizieren oder das Kyoto-Protokoll nicht ratifiziert haben, besonders korrupt sind oder die biologische Vielfalt zu wenig achten und schützen.
Nahrungs- und Boden-Spekulanten produzieren Hunger
Spekulationsgeschäfte sind nach Ansicht des katholischen Entwicklungshilfswerks Misereor hauptverantwortlich für den Hunger auf der Welt. Für schwankende und stark steigende Preise für Mais und Weizen ist der Börsenhandel hauptverantwortlich. Laut Misereor gebe es keinen einzigen volkswirtschaftlichen oder gar humanitären Grund dafür, dass sich private Investoren virtuell Weizensäcke in ihr Depot legen und so eine künstliche Nachfrage schaffen. So sei etwa im Mai 2011 mit 350 Millionen Tonnen Weizen allein am Handelsplatz Chicago mehr als die Hälfte der globalen Weizenproduktion dieses Jahres virtuell bewegt worden. Auch die weltweite Spekulation mit Land nehme zu. Misereor betont, dass steigende Nahrungsmittelpreise den kommerziellen Druck auf die weltweiten Landflächen erhöhten. Kleinbäuerliche Betriebe ohne Kaufkraft und Eigentumstitel würden so immer häufiger verdrängt.
Trennung von Religion und Staat in Israel?
Ein 81-jährige Schriftsteller hat vor Gericht durchgesetzt, dass er künftig im Zivilregister als „religionslos“ und nicht mehr als „jüdischen Bekenntnis“ geführt wird. Die Richter befanden in Tel Aviv, jeder Bürger habe das Recht, sich als religionslos zu bezeichnen. Viele Intellektuelle fordern seit langem, im Zivilregister als „Israeli“ eingetragen zu werden und nicht wie bislang als „jüdisch“. Das Innenministerium, das traditionell in der Hand religiöser Parteien ist, wehrt sich gegen die Bezeichnung „israelisches Volk“, weil es Juden und Nicht-Juden einschliesst. Das schadet aus jüdisch-orthodoxer Sicht dem jüdischen Charakter des Staates. Eine zweite Änderung in Israel fordert die Einführung der Zivilehe. Der Zusammenschluss "Forum for free choice in marriage" hat beim Obersten Gerichtshof Klage eingereicht, um die israelische Regierung zur Schaffung eines rechtlichen Rahmens zu zwingen. Zivile Eheschliessungen sind in Israel seit langem ein Streitpunkt. Betroffen sind nach Zeitungsangaben mehr als 300'000 Bürger ohne Religionszugehörigkeit, die derzeit nicht legal im Land heiraten können. Bürger, die keiner Religion angehören, können bislang nur im Ausland legal heiraten. Betroffen von dieser Regelung sind unter anderem Einwanderer aus den Staaten der ehemaligen Sowjetunion, deren Zugehörigkeit zum Judentum nicht anerkannt wird, sowie jüdische Konvertiten, die bei Reformrabbinern zum Judentum übergetreten sind.
Deeskalation mit ungehorsamen Pfarrern
Gespräche zwischen der Leitung der Erzdiözese Wien und den Wiener Mitgliedern des Vorstands der "Pfarrer-Initiative" haben die Kluft etwas entschärft. Kardinal Christoph Schönborn betonte wiederholt, dass auch Pfarrer Wünsche nach Änderungen in der Kirche öffentlich äussern dürften. Er wehrt sich aber weiterhin gegen der Begriff "ungehorsam" der 400 Priester von der "Pfarrerinitiative", weil der Begriff "Ungehorsam" einen Riss in die kirchliche Gemeinschaft bringe und daher einer Klärung bedürfe. Die Pfarrer-Initiative vom Juni trug den Titel "Aufruf zum Ungehorsam". In diesem Aufruf fordert die Pfarrer-Initiative die Kommunion für wiederverheiratete Geschiedene sowie für Mitglieder anderer Kirchen und Ausgetretene; weiter wolle man einen Wortgottesdienst mit Kommunionspendung künftig als "priesterlose Eucharistiefeier" ansehen und auch so nennen. Zudem will die Initiative "das Predigtverbot für kompetent ausgebildete Laien und Religionslehrerinnen missachten". Man werde sich für Pfarrgemeindeleiter unabhängig von Geschlecht, Familienstand oder kirchlicher Anstellung sowie für die Zulassung von Frauen und Verheirateten zum Priesteramt einsetzen. Kardinal Schönborn informierte, dass sich die Österreichische Bischofskonferenz auf ihrer Sitzung vom 7. bis 12. November mit der Thematik befassen werde.
Eine breit angelegte Studie in Österreich belegt, dass eine wachsende Kluft zwischen Seelsorgern und Bischöfen entsteht. 79 Prozent der 500 befragten Pfarrer sind für die Abschaffung des Pflichtzölibats. Eine stärkere Öffnung der katholischen Kirche für die moderne Welt wollen auch 64 Prozent der befragten Pfarrer.
Romero-Mörder gefunden
Die katholische Kirche in El Salvador erhofft sich vom mutmasslichen Mörder von Erzbischof Oscar Arnulfo Romero eine aktive Mitarbeit bei der Aufklärung des Attentats von 1980. "Wenn er lebt, würden wir seinen Beitrag sehr schätzen", zitiert die Tageszeitung "Colatino" den Weihbischof in San Salvador, Gregorio Rosa Chavez. Die Kirche empfinde "keinen Hass und keine Rache". Es gehe schlicht um die Wahrheit, "die sehr wichtig ist für die Zukunft der Nation", so der Bischof. Im September hatte "Colatino" den Namen des mutmasslichen Attentäters veröffentlicht. Demnach handelt es sich um einen damaligen Unteroffizier der Nationalgarde, Marino Samayoa Acosta. Er soll Romero am 24. März 1980 während einer Messe mit einem Präzisionsgewehr erschossen haben. Der damals 62-jährige Romero zählte zu den wichtigsten Verteidigern sozialer Gerechtigkeit und galt als "Stimme der Armen Südamerikas". Seine Ermordung markierte den Beginn des Bürgerkriegs in El Salvador. Ein Seligsprechungsverfahren für Romero ist in Gang.
Terrorismusbekämpfung - nicht um jeden Preis
Anlässlich des 10. Jahrestags von 9/11 und infolge der der Weiterführung von Guantanamo, der Waterboarding-Folter und der Erschiessung von Usama bin Laden, haben die Deutsche Bischofskonferenz die Terrorismusbekämpfung westlicher Staaten kritisiert. „Es kann keine legitime Abwehr terroristischer Bedrohung ohne die Wahrung der Menschenwürde und der Menschenrechte geben“, sagte der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick anlässlich der Präsentation der Schrift „Terrorismus als ethische Herausforderung“. Kritisch betrachten die deutschen Bischöfe vor allem die neuen Sicherheitsgesetze, die nach den Anschlägen vom 11. September 2001 verabschiedet wurden. Auch im Kampf gegen den Terror dürfe der Staat keine Sondervollmachten erhalten und sich auf einen „Wettlauf der Barbarei einlassen“. Gerade das Folterverbot gehöre zu den „absoluten Normen, die auch in Notstandssituationen unbedingt eingehalten werden müssen“.
US-Kirchenführer und Rabbiner gegen Sparen bei Ärmsten
Im US-amerikanischen Haushaltsstreit appellieren mehr als 5000 katholische, protestantische und jüdische Geistliche an US-Präsident Barack Obama und den US-Kongress. Diese sollen im Konflikt um die Anhebung der zulässigen Staatsverschuldungsgrenze von US$ 135 000 000 000 keine Kompromisse zu Lasten der Ärmsten eingehen. Konkret geht es um die für die Armen überlebenswichtigen Sozialprogramme wie SNAP (Essensmarken), WIC (Kinderhilfe), Medicaid (Gesundheit) und Head Start (Familienförderung). Der Solidaritäts-Appell wird von den US-Bischöfen getragen und fordert die Politiker auch auf, minimale Löhne zu garantieren sowie die tiefen Steuern der Reichen und die hohen Militärausgaben kritisch zu prüfen. Unterzeichnen kann man den Aufruf unter: www.circleofprotection.us
Arabische Touristen meiden Frankreich
Wegen des Burka-Verbots in Frankreich haben zahlreiche Familien aus den Vereinigten Arabischen Emiraten ihre Sommerferien nach London und Genf verlegt. In Frankreich ist das Verbot von Ganzkörperschleiern seit April in Kraft. Weil der Ramadan in diesem Jahr aber auf den Monat August fiel, sind allgemein etwas weniger Touristen nach Europa gekommen. Den Ramadan verbringen Muslime wenn möglich mit der Familie und in gewohnter Umgebung.
Olympia versus Ramadan
Die Olympischen Spiele in London werden im kommenden Jahr gänzlich in den muslimischen Fastenmonat Ramadan fallen. Dies werde die rund 3000 muslimischen Athleten benachteiligen, weil sie von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang während der gesamten Dauer der Spiele fasten müssen. Massoud Shadjareh, Vorsitzender der Londoner «Islamic Human Rights Commission» meinte: «Die Durchführung während des Ramadan ist etwa wie über die Weihnachtstage. Es zeigt bei den Verantwortlichen einen völligen Mangel an Bewusstsein und Sensibilität.» Es gehe nicht nur um rund einen Viertel der Athleten, sondern auch um die unzähligen muslimischen Zuschauer. Wie in der christlichen Fastenzeit wird auch im Ramadan ein reduzierten TV-Konsum empfohlen. Und es würden kaum Muslime nach London reisen, um die Sportler ihrer Länder anzufeuern.
Kommentar der Redaktion:
Der Koran erlaubt Personen, die reisen und Sport treiben, die Fastentage zu verschieben und nach dem Ramadan nachzuholen. Die muslimischen Sportler werden also persönlich entscheiden müssen, wie wichtig ihnen der Sport bzw. der Ramadan ist. Es sei denn, London mache wie die Arabische Welt die Nacht zum Tag und führt die Wettkämpfe zwischen Sonnenuntergang und Sonnenaufgang durch. Das wäre auch für hiesige Zuschauer ganz angenehm.
Mercedes baut Hybrid-Papamobil
Der Autohersteller Mercedes entwickelt im Auftrag des Vatikans ein Papamobil mit umweltfreundlichem Hybridantrieb. Das berichtet das Magazin „Wirtschaftswoche“ unter Berufung auf Unternehmenskreise. Der Wagen soll beim viertägigen Besuch Papst Benedikts in Deutschland im September einsatzbereit sein. Eine an der Steckdose wiederaufladbare Lithium-Ionen-Batterie und ein 60 PS starkes Hybrid-Modul erlaubten es dem Papst, bis zu 30 Kilometer weit emissionsfrei zu fahren.
Vatikan fordert Richtlinien gegen sexuellen Missbrauch
Der Vatikan verschärft und beschleunigt das innerkirchliche Verfahren bei Missbrauchsfällen. Und in Deutschland und Österreich laufen Kontroversen bezüglich der Höhe von finanziellen "Entschädigungen" an Missbrauchsopfer.
Neu verpflichtet der Vatikan die Bischofskonferenzen weltweit bis im Mai 2012 zur Ausarbeitung von Richtlinien im Umgang mit sexuellem Missbrauch Minderjähriger durch Priester und Kirchenmitarbeiter. Oberste Priorität sollen in den Richtlinien Opferschutz, Prävention sowie eine bessere Aus- und Fortbildung von Priestern erhalten. Und die Bischöfe müssten mit den zivilen Strafverfolgungsbehörden zusammenarbeiten. Wichtig sei, dass bei Verdacht auf sexuellen Missbrauch in katholischen Einrichtungen grundsätzlich die Staatsanwaltschaft informiert werden soll - es sei denn, dass Opfer wünsche das nicht.
Internet-Selbsttest für künftige TheologInnen
Eigne ich mich zum Pfarrer bzw. Pfarrerin? Mit einem Selbsttest im Internet können Schulabgänger künftig herausfinden, ob sie für ein Theologiestudium geeignet sind. Die Abteilung für Evangelische Theologie an der Leibniz Universität Hannover stellt Interessierten darin Fragen zum Selbsttest: www.selbsttest.zsb.uni-hannover.de
Australischer Bischof vom Vatikan suspendiert
Der australische Bischof William M. Morris hat sich wie sein St. Galler Amtskollege Markus Büchel in den letzten Monaten und Jahren für die Zulassung verheirateter Männer zum Priesteramt ausgesprochen und zur Debatte über die Ordination von Frauen aufgefordert - allerdings mit unterschiedlichen Konsequenzen. Während Markus Büchel lediglich von seinem Churer Kollegen Huonder kritisiert wurde, suspendierte der Vatikan den 67-jährigen Australier von seinem Hirtenamt in der australischen Diözese Toowoomba. Das Bistum zählt bei einer Flächenausdehnung von der Grösse Deutschlands 76 000 Katholiken und 35 Priester. Morris hatte 2006 prognostiziert, im Jahr 2014 stünden für die seelsorgliche Betreuung nur noch 19 arbeitsfähige Priester einschliesslich seiner selbst zur Verfügung. Angesichts dessen verlangte er dringend Lösungen für den pastoralen Notstand. Mehrere Priester aus dem Bistum Toowoomba haben sich hinter ihren Hirten Morris gestellt. Und die kirchliche Basisbewegung „Wir sind Kirche“, die in der Abberufung des australischen Bischofs eine Verletzung der Menschenrechte sieht, ermutigt die Gläubigen weltweit, bei ihren nationalen Nuntiaturen zu intervenieren. Auch lädt sie ein, sich mit dem suspendierten Bischof zu solidarisieren: bishsec(a)twb.catholic.org.au
Parlament der Weltreligionen tagt 2014 in Brüssel
Am siebentägigen Treffen sollen mehr als 10.000 Menschen unterschiedlicher religiöser Überzeugungen an rund 500 Veranstaltungen, Workshops und Diskussionen über zentrale Fragen des multireligiösen Zusammenlebens auf Erden austauschen. Das Parlament der Weltreligionen existiert seit 1893 und trat seitdem an verschiedenen Orten zusammen. Seit 1993 tagt das Parlament in regelmässigen Abständen in verschiedenen Städten.
Memorandum von 250 Theologen - Kirche 2011: Ein notwendiger Aufbruch
Ein Jahr nach Ausbruch der Kirchenkrise rund um den sexuellen Missbrauch und ein halbes Jahr vor dem Papstbesuch in Deutschland fordern über 250 Theologieprofessoren und -professorinnen in einem Dokument Reformen in der Kirche. Die Inhalte sind nicht neu, allerdings ist die Not der Kirche in den priesterlosen Pfarreien und durch die zahlreichen Austritte alarmierender als vor 22 Jahren, als 220 TheologInnen die inhaltlich verwandte «Kölner Erklärung» unterzeichneten. Das Dokument fordert eine stärkere Beteiligung der Gläubigen auf allen Ebenen der Kirche, verheiratete Priester und Frauen im kirchlichen Amt, eine kirchliche Verwaltungsgerichtsbarkeit, die Anerkennung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften, eine offene Haltung gegenüber wiederverheirateten Geschiedenen sowie eine grössere Vielfalt an Gottesdienstformen. In der Schweiz unterzeichneten Theologieprofessoren aus Chur (Franz Annen, Manfred Belok), Luzern (Edmund Arens, Hans Halter, Walter Kirchschläger, Stephanie Klein und Adrian Loretan), Fribourg (Michael Felder, Adrian Holderegger, Leo Karrer, Othmar Keel, Max Küchler und Hermann-Josef Venetz), Basel (Helen Schüngel-Straumann) und Genf (Alberto Bondolfi).
Infos und Möglichkeit zur Online-Unterzeichnung: www.memorandum-freiheit.de