Papst Benedikt XVI. und Bischof Kurt Koch im Mai 2009 in Bethlehem
Kommentiert Kochs Ära als Bischof und die Wahl seines Nachfolgers: Lukas Niederberger
Kapuzinerbruder Anton Rotzetter
Die 26 neuen Pastoralräume
Synoden-Sitzung
Synodalrat berät über die Konsequenzen
Kanton Luzern / Bistum Basel
Erzbischof Kurt Koch ist neuer vatikanischer Ökumene-Minister
Per 1. Juli hat Papst Benedikt XVI. den 60-jährigen Basler Bischof Kurt Koch zum Präsidenten des Päpstlichen Einheitsrates zur Förderung der Einheit der Christen ernannt. Koch arbeitete bereits als Mitglied im Einheitsrat und widmete sich auch in der Schweizer Bischofskonferenz ökumenischen Fragestellungen. Der zum Erzbischof und wohl bald zum Kardinal avancierende Theologe Kurt Koch folgte im vatikanischen Ökumene-Departement dem deutschen Kardinal Walter Kasper nach, der den Rat seit 2001 leitete und mit 77 Jahren in Pension gehen durfte. Neben Koch galt der konservative Regensburger Bischof Müller als Kronfavorit für Kaspers Nachfolge. Doch Müllers Bemerkungen über die Judenmission sowie sein Verhalten rund um die jüngsten Missbrauchs-Skandale sprachen letztlich für die Ernennung von Koch. Hinzu kam, dass sich manche Vaticanisti nicht gleich zwei Deutsche an der Kirchenspitze wünschten.
Basler Bischofswahl - ein Unikum
Mit Kochs Beförderung nach Rom ist im grössten Schweizer Bistum mit über einer Million Katholiken der Bischofsstuhl vakant. Bis Ende September muss der Nachfolger bestellt sein. Am 8. September wird die Wahl stattfinden. Bis dann hat der Papst Kurt Koch als Apostolischen Administrator des Bistums bestimmt, obwohl bisher jeweils das Domkapitel den Administrator bestimmte. Vor Ort wirkt Weihbischof Denis Theurillat als Stellvertreter des Administrators, der bereits nach Rom umgezogen ist. Die Kür des Basler Bischofs erfolgt auf Grund eines völkerrechtlichen Vertrags aus dem Jahre 1828 weltweit einzigartig: Das 18-köpfige Domkapitel erstellt eine Liste mit sechs Kandidaten. Die Diözesankonferenz, die aus Vertretern der Regierungen der Bistumskantone und aus einigen Vertretern der Landeskirchen besteht, darf von dieser Liste höchstens drei Namen streichen. Anschliessend wählen die Domherren den neuen Bischof. Im Vorfeld der Wahl von Bischof Hansjörg Vogel im Jahr 1994 strich die Diözesankonferenz den Luzerner Regionaldekan Rudolf Schmid von der Liste, weil er sich in den Augen der bürgerlichen Politiker sozialpolitisch zu sehr engagiert hatte.
Nachfolger-Karussell dreht
Bereits am Tag der offiziellen Ernennung Kochs zum Ökumene-Chef wurden in den Medien Namen von möglichen Nachfolgern auf dem Basler Bischofsstuhl herum gereicht: Weihbischof Denis Theurillat (69), Bischofsvikar Ruedi Heim (43), der Seminar-Regens Thomas Ruckstuhl (42), der Sekretär der Bischofskonferenz, Felix Gmür (44) und sein Vorgänger Agnell Rickenmann (47). Auf Grund der Erfahrungen mit den Luzerner Bischöfen Vogel und Koch dürfte die Wahl eher auf einen Diözesanpriester im Alter von 50 bis 60 Jahren fallen, der in einer deutschsprachigen Pfarrei wirkt und weder Luzerner ist noch zu Workahol- und anderen -ismen neigt. Die personelle Decke im Bistum Basel ist aber hauchdünn. Sechs mögliche Kandidaten haben bereits Erfahrungen in der Bistumsleitung gesammelt: Arno Stadelmann (56), René Hügin (54), Kurt Grüter (56), Peter Schmid (56), Beat Jung (60) sowie der frühere Seminarregens Christoph Sterkmann (55). Weitere mögliche Kandidaten sind folgende 22 Pfarrer aus dem Bistum: Peter Friedli, Josef Stübi, Thomas Sidler, Markus Thürig, Walter Bochsler, Roger Schmidlin, Felix Terrier, Rolf Stöcklin, Thomas Müller, Raimund Obrist, Toni Bucher, Jürg Schmid, Karl Abbt, Markus Vogel, Eduard Birrer, Roman Grüter, Kurt Schweiss, Markus Gurtner, Marcel Ruepp, Walter Rieser, Simon Vogel sowie Urs Steiner.
Abschiedsbrief von Bischof Koch
In einem Brief vom 29. Juni schrieb Kurt Koch an seine MitarbeiterInnen in der Seelsorge sowie an alle Gläubigen. Darin stellt Koch eine Frage, die auch bei der Wahl seines Nachfolgers Thema sein wird: "Da Bischöfe erst mit dem 75. Lebensjahr ihre Demission einreichen können, verbleiben mir noch fünfzehn Jahre. Angesichts der Bedingungen, unter denen der Bischof von Basel seine Aufgabe wahrnehmen muss, habe ich mir die Frage stellen müssen, ob mir dies noch weitere fünfzehn Jahre ohne Ermüdungserscheinungen möglich wäre. Ich erachte es deshalb als einen günstigen Augenblick, dass ein neuer Bischof mit noch frischen Kräften diese grosse Verantwortung übernehmen kann."
Denkt man Kochs Worte weiter, stellt sich wie bei den Äbten und beim Papst die Frage, ob es heute noch verantwortlich ist, kirchliche Führungsaufgaben bis zum 75. Geburtstag bzw. sogar bis zum Lebensende wahrnehmen zu müssen.
Kurt Koch verteidigt in seinem Abschiedsbrief den theologischen und kirchenpolitischen Kurs von Benedikt XVI., will den Papst dabei unmittelbar unterstützen und hofft, "dass in der Kirche in der Schweiz die wahren Intentionen von Papst Benedikt immer besser und vorurteilsfrei wahrgenommen und in den katholischen Medien vermittelt werden."
Manifest zur Bischofswahl
Luzerner KatholikInnen haben zur bevorstehenden Bischofswahl im Bistum Basel ein Manifest veröffentlicht. Sie rufen das Domkapitel dazu auf, wie in den christlichen Urgemeinden eine breitere, demokratische Form der Teilhabe der Gläubigen in Bezug auf die Bischofswahl in die Wege zu leiten. Der Wunschkandidat fürs Bischofsamt sei ein „lebensbejahender und zugänglicher“ Bischof, der das Basisleben des Bistums kennt und unterstützt, ökumenisch orientiert und kommunikationsfähig sei, zuhören kann und will, team- und konfliktfähig sei und offen für soziale Themen wie Gerechtigkeit, Frieden und Umwelt. Zu den Erstunterzeichnenden gehören u.a. Nationalrätin Ida Glanzmann-Hunkeler, Leo Karrer sowie der Luzerner Theologieprofessor Walter Kirchschläger. Dem Manifest kann man sich online anschliessen unter: http://www.bischofswahl2010.ch/.
Kommentar der Redaktion
Bischof bzw. Erzbischof Koch muss und darf man zur Ernennung als Leiter des katholischen Dialogs mit den Protestanten, den Orthodoxen und den Juden zweifellos gratulieren und viel Mut und Kraft für das anspruchsvolle Amt wünschen! In diesem Amt kann man bekanntlich sehr leicht in Fettnäpfchen treten.
Ebenso ist ein herzliches "Vergelt's Gott" angebracht für Kurt Kochs Sorge um das Basler Bistum seit 1996. Und auch als Präsident der Bischofskonferenz hat Kurt Koch hohe Verdienste, indem er sich zu gesellschaftspolitischen Fragen (z.B. Minarettverbot, Asylpolitik) engagiert in den Diskurs einbrachte und Rückgrat bewies.
Zu hoffen ist, dass Erzbischof Koch in Rom auch eine Art Botschafter oder Lobbyist für die Schweizer Kirche ist, die in manchen Bereichen einen "Sonderfall" darstellt, vor allem was die staatskirchenrechtlichen Strukturen sowie die Rolle der Frau in der Pastoral betrifft.
Kurt Koch freut sich auf seine neue Aufgabe in Rom, beklagt aber gegenüber den Medien, dass im Bistum Basel und in der Schweizer Kirche generell die innerkirchlichen Auseinandersetzungen und Polarisierungen stark zugenommen hätten. Dieses Faktum beklagen wohl alle Seiten. Im Sinn einer nötigen Selbstkritik müsste Kurt Koch aber auch dazu stehen, dass er zu dieser Polarisierung persönlich wesentlich beigetragen hat. Erwähnt sei hier nur der "Fall Röschenz" sowie Kochs Kommentare zu den Pius-Brüdern und zum Opus-Dei-Gründer, zur eucharistischen Gastfreundschaft sowie zum Verbot der Generalabsolution bei Versöhnungsfeiern. In seinem Abschiedsbrief ermahnt Koch speziell die katholischen Medien zur Romtreue. Koch hat in den letzten Jahren auf Kritik an der Institution Kirche in Pfarreiblättern wiederholt empfindlich reagiert. Die Kantonalen RedaktorInnen haben sich darum vor bald einem Jahr mit Koch getroffen und sind sich einig, dass kirchliche Medien nicht die Funktion unkritischer Hofberichterstattung einnehmen dürfen, sondern dass die LeserInnen möglichst objektive Informationen verdienen und sich ihre eigene Meinung selbst bilden können, wollen und sollen.
Die Kür von Kochs Nachfolger wird nicht einfach sein. Darum bat das Domkapitel in einem Brief Anfang Juli die Mitglieder der kirchlichen Gremien um ein Anforderungsprofil des neuen Bischofs. Und die Gläubigen sollen Namen von Priestern nennen, die dem Bistum angehören und für das Amt als geeignet erscheinen.
Das Anforderungsprofil sollte eigentlich klar sein:
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Christus- und Menschenliebe (à la Dom Helder Camara)
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Führungs- und Sozialkompetenz (à la Heliane Canepa)
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Charisma sowie Mut und Fähigkeit zu Visionen und Reformen (à la Gorbatchow und Johannes XXIII.)
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theologische und spirituelle Weite sowie sozialpolitische Sensibilität (à la Dorothee Sölle)
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intellektuelle Klarheit und Kommunikationstalent (à la Roger de Weck).
Kombiniert man diese Kriterien mit den weiteren wahrscheinlichen Kriterien (gesund, 50-60 Jahre alt, reiche Pfarrei-Erfahrung, Deutschschweizer mit guten Französisch-Kenntnissen, eher kein Luzerner Hintergrund, ohne transparente oder versteckte Partnerschaft), so bleiben unter den 28 möglichen Kandidaten wohl kaum mehr als die für die Liste nötigen sechs übrig.
Auch Generalvikar Trauffer verlässt das Bistum
Nach dem Weggang von Bischof Kurt Koch erfährt das Bistum Basel einen weiteren prominenten Abgang. Pater Roland-Bernard Trauffer (65), unter Koch Generalvikar im Bistum Basel, geht diesen Herbst nach Guatemala. Als Dominikaner sei er ein Wanderprediger, stets in Bewegung und hoffentlich beweglich. Seit einigen Jahren ist der Pater von einer unaufhaltbaren lähmenden Krankheit getroffen, die ihn zunehmend am Gehen hindert. Gegen alle Ratschläge will er nach Santa Maria Cahabon, um den Menschen in der Verlassenheit Solidarität zu zeigen. Die Dominikaner unterhalten dort ein Zentrum mit einer Bauernschule, wenige Brüder und Schwestern leisten in dem 142 Dörfer umfassenden Sprengel die Seelsorge.
Spirituelles Zentrum Mensch und Tier
Der Geist des heiligen Franziskus nimmt im Kanton Luzern bald spezielle Formen an. Die "Aktion Kirche und Tiere" (Akut), deren Präsident der Kapuzinerpater Anton Rotzetter ist, plant ein "Spirituelles Zentrum Mensch und Tier". Bereits habe man im Luzerner Hinterland eine geeignete Liegenschaft dafür gefunden, zu der ein Bauernhof, ein Gästehaus und eine Kapelle gehörten. Laut Akut soll der Ort die spirituellen und ökologischen Zusammenhänge zwischen Mensch, Tier und Umwelt begreifbar machen. Rotzetter ist ausserdem Mitbegründer des kürzlich eröffneten Instituts für Theologische Zoologie im deutschen Münster.
Kommentar:
Alle paar Jahre schliesst der Kapuzinerorden ein Kloster. In der Zentralschweiz waren es in den letzten Jahren Zug, Arth, Stans und Altdorf. Schwyz ist in Diskussion. Die Schliessungen der Klöster verursachen jeweils jahrelange Umnutzungs-Arbeiten in Millionenhöhe für Kantone, Gemeinden und Stiftungen. Warum man das Mensch-Tier-Projekt nicht in einem serbelnden Kapuzinerkloster unterbringen kann, leuchtet darum einem Aussenstehenden nicht ganz ein. Die Oberen des Bettelordens äusserten bisher nicht zum Projekt.
Luzerner Pastoralräume werden geschaffen -
bis 2014 nur Anstellungen ad interim
Die 101 Pfarreien waren bisher in 85 politischen Kirchgemeinden organisiert. Die Bistumsleitung plante eine Reduktion auf 25 Pastoralräume. Die Gründe für den Pastoralen Entwicklungsplan (PEP) liegen in grösseren Möglichkeiten zu überpfarreilichen Diensten und Angeboten sowie in Sparmassnahmen. Nicht zu leugnen ist auch die Tatsache, dass das Kirchenrecht verlangt, dass einer pastoralen Einheit jeweils ein Priester vorzustehen hat. Folglich müssen diese Räume grösser werden, wenn die Zahl der Priester kleiner wird. Der Pastoralraum Stadt Luzern existiert bereits und beginnt die stärkere Kooperation der Pfarreien.
In den ländlichen Gegenden erfolgte das Zusammenlegen von Pfarreien und Kirchgemeinden nicht gemäss PEP-Entwurf. Vor allem in drei Regionen leistete die Basis dem bischöflichen Plan nicht Folge. Die Pfarrei und Kirchgemeinde Hildisrieden wollte nicht zusammen mit Rain und Rothenburg einen Pastoralraum bilden. Hildisrieden und Rain schliessen sich neu dem Pastoralraum "Oberer Sempachersee" (Eich, Hellbühl, Neuenkirch und Sempach) an. Rothenburg kommt neu zum Pastoralraum Emmen/Emmenbrücke. Auch die geplante Fusion der Kirchgemeinden Horw und Kriens kam nicht zu Stande. Weitere Änderungen ergaben sich im Seeland: Nottwil fühlte sich nicht dem Pastoralraum mit Sempach, Eich, Hellbühl und Neunkirch verbunden und schliesst sich in einem Pastoralraum mit Sursee, Geuensee und Oberkirch zusammen. Auch Knutwil, das mit Büron, Triengen und Winikon hätte fusionieren sollen, schliesst sich dem Pastoralraum Sursee an. Schliesslich wollten auch Dagmersellen und Uffikon-Buchs nicht mit Altishofen, Egolzwil-Wauwil, Nebikon und Schötz-Ohmstal fusionieren, sondern bilden neu einen separaten Pastoralraum.
Und so sehen die künftigen 26 Pastoralräume definitiv wie folgt aus:
1 Bramboden, Doppleschwand, Entlebuch, Finsterwald, Hasle, Romoos
2 Escholzmatt, Marbach, Wiggen
3 Flühli, Schüpfheim, Sörenberg
4 Werthenstein, Wolhusen, Ruswil
5 Ballwil, Eschenbach, Inwil
6 Beromünster (St. Michael und St. Stephan), Neudorf, Rickenbach,
Schwarzenbach
7 Aesch, Hitzkirch, Müswangen, Schongau
8 Hochdorf, Hohenrain, Kleinwangen, Römerswil
9 Adligenswil, Meggen, Udligenswil
10 Buchrain, Ebikon, Perlen, Root
11 Greppen, Vitznau, Weggis, (Rigi-Kaltbad)
12 Horw
13 Kriens (Br. Klaus, St. Franziskus, St. Gallus)
14 Littau, Reussbühl
15 Emmen (St. Mauritius, Br. Klaus), Emmenbrücke, Emmenbrücke
St. Maria, Gerliswil, Rothenburg
16 Malters, Schwarzenberg
17 Luzern (St. Anton, St. Karl, St. Johannes, St. Josef, St. Leodegar,
St. Maria, St. Michael, St. Paul)
18 Buttisholz, Grosswangen, Ettiswil
19 Eich, Hellbühl, Hildisrieden, Neuenkirch, Rain, Sempach
20 Büron, Triengen, Winikon
21 Sursee, Geuensee, Knutwil, Nottwil, Oberkirch
22 Dagmersellen, Uffikon-Buchs
23 Altishofen, Egolzwil-Wauwil, Nebikon, Schötz-Ohmstal
24 Langnau, Pfaffnau, St. Urban, Reiden-Wikon, Richenthal
25 Gettnau, Hergiswil, Willisau, Geiss, Menzberg, Menznau
26 Grossdietwil, Luthern, Ufhusen, Zell
Damit während der Zeit der Errichtung der Pastoralräume keine definitiven Entscheidungen in der Besetzung von Leitungsstellen gefällt werden, die gegebenenfalls eine vernünftige Zukunftsplanung im personellen und organisatorischen Bereich erschweren würden, hat Bischof Kurt Koch entschieden, dass Besetzungen von Leitungsstellen von Pfarreien bis zur jeweiligen Errichtung des Pastoralraumes nur "ad interim" erfolgen werden. Deshalb werden ab sofort sämtliche vakanten Pfarrstellen nur noch interimistisch für Pfarradministratoren und/oder GemeindeleiterInnen ausgeschrieben werden und erhalten nach Errichtung des jeweiligen Pastoralraumes eine definitive Anstellung.
Martin Grichting, das Bistum Chur verfügt leider über kein besseres Bild (!)
Weihbischof Eleganti
Norman Foster
Yannick Escher
Don-Bosco-Kirche in Basel
Geplantes "Haus der Religionen" am Berner Europaplatz
Kollegium Appenzell
SEK-Präsident Dr. Gottfried Locher
Bischöfe im Chatroom
Imame bald auch auf SF1 ?
Grund zur Attacke: Kopftuch
Wenn Frauenrechtlerinnen bestimmen wie weit die Selbstbestimmung der Frau geht...
Norbert Brunner, Präsident SBK
Stiftungspräsident Hans Küng und Preisträger Thomas Hürlimann
Der Lausanner Religionssoziologe Jörg Stolz prognostiziert weiteren Schwund der Reformierten.
SEK - Dachverband oder Kirche?
Schweiz
Rücktritt des Churer Bischofs gefordert - ein zweiter Fall Haas?
Der 43-jährige Zürcher Martin Grichting ist seit zwei Jahren Generalvikar im Bistum Chur und soll Bischof Huonder in Rom darum gebeten haben, Grichting zum Weibischof zu ernennen. Dies könnte zu einer Spaltung des Bistums führen. Grichting schrieb an der Opus-Dei-Universität von Rom eine Habilitation über das Staatskirchenrecht. Von der helvetischen Struktur mit den Landeskirchen und Kirchgemeinden hält Grichting herzlich wenig. Schon vor sieben Jahren gab Grichting seiner Hoffnung Ausdruck, dass die katholische Kirche dereinst das «Joch des Staatskirchentums» abschütteln und sich aus der «babylonischen Gefangenschaft» des demokratischen Gedankenguts befreien könne. Die sieben Kantonalkirchen haben bereits an Bischof Huonder appelliert, die Anfrage im Vatikan rückgängig zu machen. Am 21. Juli haben auch die Dekane der Urschweizer Kantone eine Stellungnahme veröffentlicht, in der sie ihre Sorge um einen zweiten Fall Haas" ausdrücken: "Es ist uns völlig unverständlich, dass ein solcher Schritt wiederum erwogen wird. Martin Grichting gilt als eine Person, die spaltet. Wir benötigen aber dringend Bischöfe, die fähig und willens sind, Brücken zu bauen. Wir sind überzeugt, dass eine solche Ernennung die Diözese Chur in eine neue, tiefe Krise führen würde. Darum appellieren wir an Bischof Vitus Huonder, alle Bemühungen in diesem Sinn einzustellen und diesen verhängnisvollen Schritt zu verhindern."
Der Dekan Zürcher Oberland, Vitus Schmid, forderte Mitte August Bischof Huonder zum Rücktritt auf. Schmid wirft dem Bischof von Chur Naivität und Unfähigkeit vor. Huonder, der Grichtings Haltung gegenüber staatskirchenrechtlichen Gremien wiederholt verteidigte, halte ein «Feigenblatt» vor Grichting - und erst noch ein zu kleines. Huonder solle seine Demission einreichen und fähigeren Kräften den Weg frei machen.
Massive Kritik am Churer Bischof Vitus Huonder erfolgte Ende August auch vom ehemaligen Rektor der Theologischen Hochschule Chur, Albert Gasser (72). Gasser wirft dem Bischof Provokationen, Schikanen und unmögliche Personalentscheidungen vor. Gasser bezeichnete bereits Huonders Wahl zum Bischof von Chur als eine "Wahlfarce". Und in den drei Jahren, seit Huonder als Bischof in Amt ist, habe sich an der Kirchenbasis einiges angestaut, was jetzt platze. Die Resignation im ganzen Bistum sei gross mit Ausnahme der kleinen Anhängerschaft von Huonder. Diese bestehe aus jungen Priestern, die sich vor allem in Graubünden breit machten.
Churer Bischöfe diskriminieren Homosexuelle
Am 6. Juni fand am Christopher Street Day (CSD) das «Zürich Pride»-Festival statt. Seit den Anfängen wird jeweils auch ein ökumenischer Gottesdienst für Schwule und Lesben gefeiert. Die Katholische Landeskirche unterstützt das Festival jeweils finanziell. Und Vikar Martin Stewen von der Zürcher Pfarrei Peter und Paul gestaltet den Gottesdienst jeweils mit. Kurz vor dem diesjährigen Anlass gelangte der neue Zürcher Weihbischof Marian Eleganti an Stewen. Er habe vom Churer Bischofsrat den Auftrag erhalten, mit ihm zu sprechen. Das Gespräch fand erst nach dem Gottesdienst statt. Und einen Monat später erhielt Stewen einen Brief von Eleganti im Namen des Bischofsrats. Darin heisst es, der Bischof von Chur halte den ökumenischen Gottesdienst «im Kontext eines solchen, doch eher propagandistisch gemeinten Festivals» für unerwünscht. Er sei auch der Ansicht, dass «ein katholischer Priester nicht im Organisationskomitee Mitglied sein sollte». Eleganti verteidigte das Verbot mit dem Argument, dass die Kirche darauf achten müsse, welche Botschaft sie verkünde. Der Tages-Anzeiger reagierte prompt und spielte Elegantis Intoleranz bei Schwulen gegenüber seiner Toleranz gegenüber Kinderschändern aus. Redaktor Michael Meier berichtete wiederholt, dass der Zürcher Weihbischof fast 15 Jahre lang mit einem Priester unter einem Dach lebte, der wegen Unzucht mit minderjährigen Burschen mehrfach im Gefängnis sass.
Kommt der Papst ins Wallis?
Zum 1500-Jahre-Jubiläum des Klosters Saint-Maurice im Jahr 2015 wurde Papst Benedikt XVI. eingeladen. Das älteste durchgehend von Mönchen bewohnte Kloster des Abendlandes steht im Kanton Wallis. Der Abt des Klosters hat den Papst bei zwei Gelegenheiten persönlich gebeten, an der Feier anwesend zu sein. Beim zweiten Mal habe der 83-jährige Papst gelächelt.
Jude wird Vorsitzender des Religions-Rats
Der Schweizerische Rat der Religionen SCR hat Herbert Winter, Präsident des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebundes SIG, zum neuen Vorsitzenden des SCR für die Amtsdauer 2011-2013 gewählt. Er folgt auf Thomas Wipf, der per Ende 2010 auch als Präsident des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes SEK zurück tritt. Der 2006 gegründete SCR dient als Ort des Dialogs zwischen leitenden Persönlichkeiten der verschiedenen Kirchen und Religionsgemeinschaften in der Schweiz sowie von weiteren drei Expertinnen. Der SCR ist Ansprechpartner für die Bundesbehörden in nationalen religionspolitischen Fragen und will zum religiösen Frieden in der Schweiz beizutragen.
Päpstlicher Orden für Basler Anwalt
Als Verteidiger des Finanzspekulanten Werner K. Rey geriet Stefan Suter 1998 ins nationale Rampenlicht. Und nun erhielt der 46-jährige Basler Anwalt für seinen Einsatz in Afrika den renommierten päpstlichen Gregorius-Orden. In den letzten Jahren kämpfte Suter an der Seite des Basler Bischofs Kurt Koch im Streit gegen den Pfarrer Franz Sabo. Den Orden erhielt Suter aber für das im Jahr 2003 entstandene «Hilfswerk Madagaskar», das auf dem vielfältigen Wirken des aus Riehen stammenden und in Madagaskar verstorbenen Paters Bruno Hägler basiert und von Spendengeldern lebt, die durch den Verein Madagaskar eingenommen werden. Mit seinem Hilfswerk hat Suter bisher über 40 Bauprojekte in Madagaskar und teilweise in Uganda verwirklicht – Schulhäuser, Krankenstationen, Heime für verstossene schwangere Frauen, Wohnstätten für körperlich Behinderte.
Ordinarienkonferenz wird von Abt Martin Werlen geleitet
Mit der Berufung von Erzbischof Kurt Koch nach Rom ist Pater Roland Bernhard Trauffer nicht mehr Generalvikar des Bistums Basel und damit auch nicht mehr Mitglied der Deutschschweizerischen Ordinarienkonferenz (DOK). Der bisherige DOK-Präsident Trauffer wird ad interim durch Vizepräsident Abt Martin Werlen ersetzt.
Der bisherige Ausschuss der Deutschschweizerischen Ordinarienkonferenz hat sich laut Mitteilung von Donnerstag, 19. August, im Juli zur Besprechung der Situation getroffen und den weiteren Weg festgelegt. Ab sofort bis zur Neuwahl des Ausschusses nimmt DOK-Vizepräsident Abt Martin Werlen das Amt des Präsidenten ad interim wahr und bildet zusammen mit Bischof Markus Büchel den Ausschuss. Die Neuwahlen finden statt, sobald die DOK auch wieder durch das Bistum Basel vollständig vertreten ist.
Haus Bethanien sucht Geld für Renovierung
Das kaum 40-jährige Kloster und das Bildungszentrum der 22 Dominikanerinnen von Bethanien in St. Niklausen OW müssen dringend renoviert werden. Ein Patronatskomitee und eine Fundraising-Kommission wollen die nötigen 4 Millionen Franken für den Bau des Luzerner Architekten Otto Schärli beschaffen. In einer ersten Bauetappe werden die Fassade gegen Wärmeverluste isoliert und die Gästezimmer erweitert.
Caritas hilft Überschwemmungs-Opfern in Pakistan
In Pakistan handelt es sich um die schlimmsten Überschwemmungen seit Menschschengedenken. 15 Millionen Menschen sind von den sintflutartigen Regenfällen betroffen. Mehr als 1600 Menschen haben bereits ihr Leben verloren. Die Wassermassen haben Häuser, Brücken und Strassen sowie sanitäre und elektrische Installationen weggeschwemmt.
Caritas Schweiz leistet zusammen mit der amerikanischen Caritas (CRS) Nothilfe im stark betroffenen Nordwesten Pakistans im Umfang von 250 000 Franken. Die Caritas stellt 1800 Familien provisorische Unterkünfte, Plastikplanen, Decken und Matten sowie Kochutensilien, sauberes Trinkwasser und Medikamente zur Verfügung. Caritas bedankt sich für Spenden auf das Postkonto 60-7000-4, Vermerk "Überschwemmungen Asien", oder online auf www.caritas.ch.
Widmer-Schlumpf für Suizidbeihilfe an Chronischkranken
Die Schweizer Justizministerin möchte die Suizidbeihilfe insbesondere für Chronischkranke gesetzlich erlauben. Widmer-Schlumpf prüfe zudem ein eigentliches Suizidhilfegesetz, das die Kontrolle der Suizidhilfeorganisationen möglich machen würde. Das bedeutet, dass die Suizidbeihilfe nicht mehr nur im Strafgesetz geregelt würde. Bisher ist Beihilfe zum Suizid nur verboten, wenn selbstsüchtige Motive im Spiel sind. Die Schweizer Bischofskonferenz hat sich klar für ein Verbot der organisierten Suizidbeihilfe ausgesprochen. Man wolle die Tätigkeit der Organisationen nicht durch die Festlegung von Sorgfaltspflichten legitimieren.
Ministranten beim Papst
53 000 Minstranten pilgerten Anfang August nach Rom. Das Treffen, das alle fünf Jahre organisiert wird, fand zum zehnten Mal statt. Aus der Schweiz reisten rund 750 Ministrantinnen und Ministranten nach Rom. Höhepunkt und offizieller Abschluss der Ministrantenwallfahrt war eine Generalaudienz mit Papst Benedikt XVI., der seine Freude darüber ausdrückte, dass so viele junge Menschen nach Rom gekommen sind. Den Jugendlichen, die ihn an seine eigene Zeit als Ministrant erinnerten, erzählte der Papst die Legende des Ministranten-Patrons Tarzisius. Dem Papst wurde auf dem Petersplatz die grosse und umstrittene Bronze-Figur des heiligen Tarzisius überreicht, die für das Minifest 2008 in Aarau vom Basler Künstler Bernhard Lang angefertigt wurde. Die Statue bekam am Tag danach ihren Platz bei den Calixtus-Katakomben, wo der Überlieferung nach der heilige Tarzisius im 3. Jahrhundert begraben wurde.
Religion am TV oberflächlich
Das Schweizer Fernsehen strahlt alle zwei Minuten ein religiöses Symbol aus, doch die Informationen darüber seien «oberflächlich». Das hat eine Untersuchung des Departements für Medien- und Kommunikationswissenschaft der Universität Fribourg ergeben. Religiöse Symbole oder Gebäude, Ausrufe wie «mein Gott» oder Musik mit religiösem Hintergrund tauchen in 70 bis 80 Prozent der Sendezeit und in allen Sendeformen auf: in Dokumentationen, Nachrichten sowie fiktionalen Sendungen wie Krimis oder Talkshows. Am stärksten präsent ist das Christentum mit 52,7 Prozent Anteil am religiösen Gesamtinhalt. Es folgt der Islam mit 11,6 Prozent Anteil. An dritter Stelle findet sich die Esoterik in all ihrer Vielfalt: Tai Chi, Wahrsager, Meditationspraktiken, Ufoglauben und diverse Gurus. Eine Feinanalyse der Daten ergab jedoch eine ernüchternde Bilanz für das erstplatzierte Christentum. Auch wenn alle zwei bis drei Minuten ein christliches Symbol oder Element auf dem Bildschirm erscheint, werde das Christentum häufig «alltäglich, lebensweltlich, privat und oberflächlich» dargestellt. Dargestellt werde «die durchsäkularisierte Allgegenwart mit christlichen Artefakten». Vor allem die ethische Bedeutung der Religionen werde am Fernsehen kaum je thematisiert. Bei der Darstellung des Islam hingegen finde am Bildschirm eine gesellschaftliche Auseinandersetzung statt.
Jude leitet reformierte Fakultät in Basel
Der 45-jährige Alfred Bodenheimer leitet seit dem 1. August als Dekan die evangelisch-theologische Fakultät der Universität Basel. Bodenheimer ist Professor für Religionsgeschichte und Literatur des Judentums. „Revolutionär“ war bereits, dass er 2003 in Basel zum ordentlichen Professor gewählt wurde. Über Jahrhunderte hatte jüdisches Lehren generell nur außerhalb der staatlichen Universitäten stattfinden dürfen.
Schleierhafte Empfehlungen in St. Gallen
In einem Empfehlungsschreiben empfiehlt der St. Galler Bildungsdirektor Stefan Kölliker (SVP) den Schulen, ein Kopftuchverbot für Schülerinnen zu verbieten. Die Gemeinden erhielten die Empfehlung, «ein Kopfbedeckungsverbot in einem Reglement, welches dem fakultativen Referendum unterstellt ist, zu verankern». Im Januar dieses Jahres lehnte der Zürcher Kantonsrat einen ähnlichen SVP-Vorstoss ab. Kölliker ist der Ansicht, dass die Religionsfreiheit der Musliminnen durch das Kopftuchverbot nicht eingeschränkt sei, das Kopftuch sei kein religiöses Symbol. Das sehen die muslimischen Dachorganisationen anders. Kritik kommt auch vom Schweizer Lehrerverband. Präsident Anton Strittmatter verteidigt die Möglichkeit einzelner Schulen, Bekleidungsvorschriften zu erlassen. Den St. Galler Ratschlag, sämtliche Kopfbedeckungen generell und überall zu untersagen, kann er dagegen «nicht nachvollziehen». Ein solches Verbot sei mit Blick auf die Religionsfreiheit «wohl kaum gerichtsfähig». Der Entscheid dient der Integration von Muslimen sicherlich nicht. Eine muslimische Familie ist bereits in einen anderen Kanton gezogen.
Reformierter Pastor zahlt Bussen von Muslimen
Der Kanton Basel-Stadt büsst Eltern von Kinder unter zehn Jahren, die aus religiösen Gründen nicht zum Schwimmunterricht erscheinen, mit einer Busse von 350 Franken. Bereits hat er fünf Kinder und deren Elternteile zu je einer Busse verurteilt. Der evangelische Pastor und Unternehmensberater Johannes Czwalina (58) aus Riehen war ob dieser Regel skandalisiert und will nun muslimischen Familien helfen, die finanziell nicht in der Lage sind, die Busse zu zahlen. Czwalina argumentiert, dass „soziale Integration“ auch bedeute, Muslimen beim Besuch eines Schwimmbades die Achtung ihrer religiösen Lebensweise nicht zu versagen und sie nicht zu zwingen, im Schwimmbad nackte Haut zu zeigen. Czwalina hat in der Basler Zeitung ein Kleininserat geschaltet, in welchem er die gebüssten Eltern bat, sich bei ihm zu melden. Bei diesen handle es sich um Menschen, die bereits mit dem Existenzminimum auskommen müssten. Czwalina hält die Bussen für "peinlich", unverhältnismässig und für die Integration kontraproduktiv.
Caritas warnt vor SVP-«Volksbefragung»
Die Schweizerische Volkspartei (SVP) plant eine «Volksbefragung» zu Asyl- und Ausländerfragen. Das Hilfswerk Caritas Schweiz protestiert gegen diese Broschüre. Die Broschüre bleibe in Suggestion und Repression stecken. Die in der Broschüre gestellten Fragen seien suggestiv und würden der Breite der Thematik nicht gerecht. Vielmehr widme sich die Broschüre dem Thema Asyl- und Ausländerpolitik einmal mehr in «tendenziöser Weise». Die Broschüre wurde - in patriotischer Aufmachung - an alle Schweizer Haushalte verschickt, damit die Bevölkerung die Möglichkeit erhalte, «sich frei zur Ausländerthematik zu äussern». Die SVP will damit Ängste der Bevölkerung zur Sprache bringen. Für die Caritas dient diese Broschüre rein propagandistischen Zielen. Schon der Titel «Volksbefragung» sei eine «Anmassung», weil er an die offiziellen Befragungen des Bundesamtes für Statistik anzuknüpfen versucht. Damit werde eine Ernsthaftigkeit und Wissenschaftlichkeit vorgetäuscht, die dem ganzen Projekt entschieden abgesprochen werden müsse.
Reformierte suchen ein Credo
Da in den reformierten Kirchen offenbar Tendenzen zum Traditionsverlust und zur Beliebigkeit herrschen, tauschen sie nun landesweit über gemeinsame Bekenntnistexte aus.
Dadurch soll die kirchliche Identität bei den Reformierten gestärkt werden. Für die Verwendung in der Liturgie wird ein Credo gesucht beziehungsweise in Form eines leicht modifizierten Gedichts von Kurt Marti aus dem Jahr 1985 vorgeschlagen. Und schliesslich soll für Glaubenskurse ein «diskursfähiger Katechismus» zur Verfügung stehen. Alle 2500 Kirchgemeinden haben Ende 2009 das "Werkbuch Bekenntnis" erhalten, eine Sammlung von christlichen Bekenntnistexten. Dieses Buch soll eine landesweite Diskussion um das Bekennen des Glaubens in den reformierten Kirchen anstossen. Viele reformierte Kirchen in der Schweiz besitzen seit dem 19. Jahrhundert kein eigentliches Glaubensbekenntnis. Es ist ihnen freigestellt, ob bei der Taufe ein Bekenntnis gesprochen wird, und welches dies ist. Die Gemeinden reagieren mit Fragebogen auf den Suchprozess. Diese werden ab Juli 2011 durch das Institut für Theologie und Ethik des SEK ausgewertet. Im Sommer 2012 soll der Abgeordnetenversammlung des SEK ein Bericht mit Optionen zur Weiterarbeit vorgelegt werden. Die Angst eines zu stark dogmatischen Credo im Sinn der katholischen Kirche ist im Werkbuch offensichtlich. Dort finden 21 Bekenntnisse, aber keines aus der katholischen Traditionen der letzten 500 Jahre. Info: www.ref-credo.ch
Klosterumbau in Stans durch Norman Foster
Der Londoner Architekt Norman Foster wird das ehemalige Kapuzinerkloster Stans im Auftrag des Pharmaunternehmens Mondobiotech, dem der Kanton Nidwalden ein Baurecht von sechzig Jahren gewährt hat, umbauen. Für den Nidwaldner Denkmalpfleger Gerold Kunz ist Fosters Projekt beispielhaft hinsichtlich des Umgangs mit einem alten Gebäude. Foster will viele Strukturen übernehmen, so die Bibliothek, das Refektorium und die Klosterzellen. Einen der beiden Innenhöfe des Klosters wird er überdachen. Eine Möglichkeit, das von den Kapuzinern verlassene Kloster zu besichtigen und sich über Fosters Projekt zu informieren, besteht für die Öffentlichkeit am Europäischen Tag des Denkmals, am 11. September.
Zürich will eigenes Bistum
Die seit Jahren schwelenden Auseinandersetzungen zwischen den Landeskirchen des Bistums Chur mit Bischof Vitus Huonder verstärken den Wunsch nach einem eigenen Bistum Zürich und der Loslösung von Chur. Dieser Wunsch ist nicht neu, sondern schon 30 Jahre alt und kommt in kirchlichen Krisenzeiten immer wieder aufs Tapet. Noch immer besteht auch der Bistumsfonds, der in der Rechnung jeweils separat ausgewiesen wird und sich mittlerweile auf über eine Million Franken beläuft. Bereits während des Konflikts mit Bischof Wolfgang Haas vor 20 Jahren wollten die Zürcher Katholiken los von Chur. Seit der Ernennung des erzkonservativen Churer Bischofs Vitus Huonder und seines Zürcher Vasallen Marian Eleganti flammen die Befreiungspläne wieder neu und noch vehementer auf. Ein Stolperstein bei der Schaffung eines Bistums Zürich könnte aber sein, dass der Vatikan in einem neuen Bistum Zürich bei Bischofsernennungen klar auf die weltweite Praxis beharren würde, die Bischöfe ohne lokale Mitbestimmung zu küren.
Eklat im Kloster St-Maurice
Bei den Augustiner-Chorherren der Abtei St-Maurice im Kanton Wallis gehen die Wellen hoch. Der 36-jährige Chorherr Yannick Escher, vor neun Jahren zum Priester geweiht, hat am 29. Juni die Abtei verlassen, um der Pius-Bruderschaft in Ecône VS beizutreten. Escher war unter anderem als Studentenseelsorger im Kollegium der Abtei St-Maurice tätig. „Sein Weggang hat uns total überrascht“, schreibt Abt Joseph Roduit in einer Medienmitteilung. Er habe bei seinen Mitbrüdern und vor allem im Herzen der vielen jungen Menschen, die er spirituell begleitet habe, ein „schmerzliches Erstaunen“ ausgelöst. Die Abtei werde für die seelsorgerlichen Aufgaben, die Yannick Escher ausgeübt habe, Ersatzlösungen finden, insbesondere für die Studentenseelsorge. Domherr Yannick Escher war neben seiner Seelsorgetätigkeit auch journalistisch für die Kirchenzeitung „Paroisses vivantes“ sowie für die konservative Walliser Tageszeitung „Le Nouvelliste“ (Sitten) tätig.
Kirchenschliessungen in Basel
Drastische Sparmassnahmen zwingen die Basler Katholiken, neue Einnahmequellen für ihre Kirchen zu finden. Selbst der Abbruch von Kirchen ist möglich. Was es im Ausland mit Fitnessstudios, Restaurants oder Kinos in unbenutzten Kirchen bereits gibt, könnte auch in Basel bald Realität werden. Weil ab 2015 den Basler Katholiken jährlich zwei von vier Millionen Franken für den Unterhalt der Liegenschaften fehlen, sollen Kirchen, Pfarreiheime und Pfarrhäuser umgenutzt, vermietet, verkauft oder abgerissen werden. Vor Jahrzehnten wurden die 12 katholischen Kirchen und 36 Pfarreigebäude für 100 000 Katholiken gebaut. Heute leben in Basel noch 30 000 Katholiken. Der Kirchenrat der römisch-katholischen Kirche Basel-Stadt will künftig nur noch vier der zwölf Kirchen für Gottesdienste nutzen. Die anderen Kirchen sollen anders genutzt werden. Ab 2015 garantiert die Kirchenexekutive nur den vier Zentrumskirchen, ihren Unterhalt mit kantona1kirchlichen Geldern zu finanzieren. Der Umnutzung der Kirchen sind allerdings enge Grenzen gesetzt. Laut Alexander Schlatter von der Basler Denkmalpflege sind acht der zwölf Kirchen Denkmäler. Das bedeutet nicht nur ein Abbruchverbot, sondern auch hohe Auflagen bei einer Umgestaltung. Der Einbau von Wohnungen oder einem Restaurant ist kaum möglich. Selbst die vier Kirchen, die nicht unter Schutz stehen, können nicht abgerissen werden. «Die Denkmalpflege muss auch hier prüfen, ob Schutzmassnahmen nötig sind», sagt Schlatter. Grenzen für die Kirchen-Neunutzung setzt auch die Bischofskonferenz. Katholische Gotteshäuser sollen nicht in Moscheen oder Räume für Freikirchen umgewandelt werden. Da Umnutzungen von Kirchen besonders heikel sind, beschränkt sich der Basler Kirchenrat im Raumkonzept auf die Bekanntgabe des Sparziels und überlässt den Pfarreien die Konsequenzen. Bereits läuft eine Machbarkeitsstudie für den Umbau einer Kirche in ein Museum für religiöse Kunst.
Neubau der Paulus-Akademie im dritten Anlauf
Das Bildungszentrum der Zürcher Katholiken, die Paulus-Akademie, bekommt einen neuen Standort. Die Zürcher Synode hat den Neubau im trendigen Zürich-West und den damit verbundenen Kredit von knapp 15 Millionen Franken Ende Juni mit 68 zu 6 Stimmen und 11 Enthaltungen gutgeheissen. Die Eröffnung der Stadtakademie ist für das Frühjahr 2014 vorgesehen. Die Stadtakademie will ein zeitgemässes Forum für Religion, Ethik und Kultur sein. Nach einer 13-jährugen Standortsuche, dem Verlust von einer halben Million Franken an Planungskosten und zwei gescheiterten Projekten im Volkshaus Winterthur und im Zürcher Limmathaus findet die Paulus-Akademie im dritten Anlauf endlich einen neuen Standort: im Projekt "Kulturpark", das von der Hamasil-Stiftung und der Wohngenossenschaft Kraftwerk 1 an der Pfingstweidstrasse geplant ist - an zentraler Lage zwischen Bahnhof Hardbrücke und der Schiffbau-Halle. In der Überbauung soll die Akademie 540 Quadratmeter belegen. Dank der Baugenossenschaft Kraftwerk l, die preiswerten Wohnraum in der Stadt schaffen will, zahlt die Akademie einen günstigen Landpreis: nur 1800 statt 3000 Franken für den Quadratmeter. Anders als in den bisherigen Projekten ist nun kein eigener Hotelbetrieb mehr vorgesehen, da es in direkter Nachbarschalt mehrere Hotels in allen Preisklassen gibt. Die Verantwortlichen rechnen mit jährlichen Folgekosten von einer halben bis zu einer Million Franken.
Kommentar der Redaktion:
Warum ein Bildungszentrum an so optimaler Lage, das auch an Gastgruppen Räumlichkeiten vermieten kann, nicht selbsttragend sein kann, leuchtet dem geneigten Kirchensteuerzahler eigentlich nicht ein. Diesen Luxus kann sich in der heutigen offenbar wirklich nur (noch) die Kirche leisten. Immerhin haben die Verantwortlichen inzwischen eingesehen, dass die Leitung eines professionellen Gastro-Betriebs nicht zu ihren Kernkompetenzen gehört.
"Haus der Religionen" zog ins Provisorium
Der Verein verliess Ende Juni das langjährige Lokal an der Schwarztorstrasse 102 und hat sich provisorisch an der Berner Laubeggstrasse 21 eingenistet. Im Jahr 2013 will der Verein in dem seit 10 Jahren geplanten "Haus der Religionen" am Berner Europaplatz einziehen. Die Religionsgemeinschaften, die Stiftung und die Stadt Bern haben eine zahlkräftige Bauherrschaft gefunden. Die Zürcher Firma Halter AG will das "Haus der Religionen" realisieren als Teil eines Grossprojekts mit Hotel, Wohnungen, Büros und Läden. Als «Ankermieter» wird ein Grossverteiler die Verkaufsflächen mieten und ein Vorvertrag mit einem 3-Sterne-Hotel ist unterzeichnet. Die Wohnungen und Büros werden erst ausgeschrieben. Das "Haus der Religionen" will im Herbst 2013 bezugsbereit sein. Im geplanten Neubau sollen verschiedene Glaubensgemeinschaften ihre Räumlichkeiten sowie einen gemeinsamen Begegnungsbereich erhalten. Die neuesten Pläne für den Komplex mit Läden, Hotel und Wohnungen wurden im April 2011 präsentiert. Sakralräume einrichten wollen unter anderem hinduistische und buddhistische Gemeinschaften, die Aleviten sowie die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen im Kanton Bern (AKB). Unterstützt wird das 50 Millionen Franken teure Projekt von Christen, Buddhisten, Baha´i, Hindus, Juden und Muslimen. Die Planung liegt beim Verein "Haus der Religionen - Dialog der Kulturen" sowie der Planungsgemeinschaft "bauart / urban office" mit Projektleiter Stefan Graf. Investor ist die Zürcher Firma Halter Entwicklungen. Zu dem Projekt liegen eine Machbarkeitsstudie und eine Konzeptstudie vor. Im April 2007 hat die Stadt Bern eine erste Baubewilligung erteilt. Der ursprüngliche Baustart wurde jedoch mehrfach verschoben, da die Anforderungen der einzelnen Glaubensrichtungen nicht einfach zu koordinieren waren. Bis zur Fertigstellung des Neubaus am Europaplatz im Westen Berns organisiert der Verein regelmässige Veranstaltungen und Feste.
Infos: http://www.haus-der-religionen.ch/
Kommentar der Redaktion:
Es bleibt zu hoffen, dass sich die Religionsgemeinschaften ähnlich wie die Paulus-Akademie in Zürich auf ihre Kernkompetenz konzentrieren, lediglich die für sie nötigen Räumlichkeiten kaufen oder mieten und den ganzen Rest externen Profis überlassen.
Mehr Drittwelt-Priester im Kanton Zürich
Fast die Hälfte der katholischen Seelsorger des Kantons Zürich stammt aus dem Ausland. Bei den Gläubigen sind ein Drittel Ausländer. In der Pfarrei Schlieren sind gar 90 Prozent der Katholiken Ausländer. Die 41 Migrantenseelsorger gehören verschiedensten Nationalitäten und Sprachgruppen an. In den Pfarreien sind bereits zehn indische Priester tätig, zwei als leitende Pfarrer, die anderen als mitarbeitende Vikare. Aus Afrika wirken fünf Priester in Zürcher Pfarreien. Von den 120 Pastoralassistenten sind gut die Hälfte deutscher Herkunft, Tendenz steigend. Sie füllen zusammen mit den Priestern aus den früheren Missionsgebieten die Lücke der immer weniger werdenden inländischen Priester. Ende 2009 waren im Kanton Zürich 56 der 96 Pfarreien ohne gewählten Pfarrer, im Vorjahr waren es gar 61.
Altar von Pipilotti Rist in St. Galler Dom?
Der provisorische Volksaltar, der kurz nach dem Konzil im Jahre 1967, unter die Kuppel der St. Galler Kathedarale gestellt wurde, soll nach über 40 Jahren durch einen Altar ersetzt werden, der künstlerisch dem barocken Umfeld Stand hält. Für die Gestaltung einer zeitgemässen Altarlandschaft wurden sieben Fachleute, Architekten und Künstler eingeladen. Bis zum Gallusjubiläum 2012 soll der neue Altar stehen. Das Parlament der St. Galler Katholiken hat im Juni einen Projektierungskredit von 200 000 Franken gesprochen. Unter der Leitung des Architekten Marcel Ferrier von der Schweizerischen St. Lukasgesellschaft für Kirche und Kunst wurde ein Wettbewerb ausgeschrieben, zu dem Architekten und Künstler aus ganz unterschiedlichen Richtungen eingeladen werden: u.a. der Lissabonner Architekt Francisco Aires Mateus und die Künstlerin Pipilotti Rist.
In der beurteilenden Jury sitzen sechs Personen aus den kirchlichen Behörden, die unterstützt werden von Jacqueline Burckhardt (Kunsthistorikerin aus Zürich), den Architekten Heinz Tesar (Wien) und Daniele Marques (Luzern) sowie von den Kunsthistorikern Josef Grünenfelder (Cham) und Pierre Hatz (Leiter Denkmalpflege des Kantons St. Gallen). Für den Wettbewerb haben vier Architekten und drei Künstler ihre Beteiligung zugesagt. Ihnen steht es frei, ein Team mit einer Fachperson aus Kunst und Architektur ihrer Wahl zu bilden.
Mehr Konfessionslose als Reformierte in Zürich
Im vergangenen Jahr betrog die Zahl der Konfessionslosen im protestantischen Kanton Zürich 478.500. Die Zahl der zur reformierten Landeskirche gehörigen Personen sank im letzten Jahr um 3000 Gläubige auf 476.800. Der Anteil der Reformierten an der Gesamtbevölkerung des Kantons von sank von 36,2 auf 35,5 Prozent. Einen leichten Mitgliederzuwachs von 1000 Gläubigen konnte hingegen die katholische Kirche verzeichnen. Aus der reformierten Landeskirche traten im letzten Jahr 3.360 Personen aus, die Austrittszahlen in der katholischen Landeskirche haben eine Steigerung von 52 Prozent auf 3.864 ausgetretene Personen zu verzeichnen. In die Kirche eingetreten sind 112 (katholische Landeskirche) respektive 376 Personen (reformierte Landeskirche). Die relativ stabile Mitgliederzahl der katholischen Landeskirche ist vor allem auf die Zuwanderung aus dem Ausland und auf einen Geburtenüberschuss zurückzuführen, während bei den Reformierten mehr Sterbefälle und Wegzüge als Geburten und Zuzüge zu verzeichnen sind.
Kapuziner verlassen Appenzell
Seit 1587 führen die Kapuziner in Appenzell ein Kloster. Nach 423 Jahren geht diese Ära im kommenden Jahr zu Ende. Seine grösste Entfaltung erreichte das Kapuzinerkloster mit der Übernahme der Lateinschule. Erste politische Schritte dazu unternahm der damalige Landammann Johann Babtist Emil Rusch 1877. In einem späteren Antrag an die Brüder führte Landammann Rusch 1885 die «Verwilderung und Zerfahrenheit unserer Jugend» ins Feld. Die «heilige Religion» und «eine gründliche, kernhafte Bildung» sollten dagegen einen Damm errichten. Erst im Jahre 1906 bauten die Kapuziner das Kollegium St. Antonius auf. Auch aus dem Luzernischen und den Urkantonen erlebten unzählige Zöglinge aus katholischen Familien ihre Kollegi-Jahre in Appenzell. 1999 übernahm der Kanton das Kapuziner-Kollegium und führt es seither als kantonale Mittelschule weiter.
Landeskirche Aargau investiert 1 Million in Öko- und Klimafonds
Wie die römisch-katholische Kirchgemeinde der Stadt Luzern hat nun auch die römisch-katholische Landeskirche des Kantons Aargau einen Öko-Fonds geäufnet und mit einer Million Franken dotiert. Der geschaffene Ökofonds will Anreize schaffen für die einzelnen Kirchgemeinden, bei der Sanierung ihrer Gebäude klimafreundlich vorzugehen. Bisher verbrauchen Kirchen, Pfarreihäuser oder Pfarreizentren allzu oft unnötige Energie. Der Fonds unterstützt auch die Beratung von energietechnischen Fragen in Pfarreien. Daneben sind in armen Ländern Massnahmen gegen den Klimawandel geplant. Ein einmaliger Beitrag in der Höhe von 100 000 Franken wurde für den Spezialfonds „Klima und Entwicklung“ von Fastenopfer und "Brot für alle" gespendet. Dieser Spezialfonds bietet Pfarreien und Privatpersonen die Möglichkeit, Partnerorganisationen im Süden zu den Auswirkungen des Klimawandels zu schulen. Sie werden unterstützt, damit sie sich im Alltag mit entsprechenden Massnahmen besser vor den negativen Folgen schützen können, beispielsweise mit angepassten Anbaumethoden und verbessertem Saatgut. Gespiesen wird der Spezialfonds durch Beiträge von Kirchgemeinden oder Einzelpersonen.
Infos: www.fastenopfer.ch/klimafonds
Religionsunterricht für Konfessionslose kostet
Immer mehr konfessionslose Kinder besuchen den einen kirchlichen Religionsunterricht. Für diese Dienstleistung bezahlen die reformierten Eltern im Kanton Luzern bereits seit drei Jahren einen symbolischen Beitrag. Nun führt auch der Kanton Zug diese Regelung ein. Die Höhe des Solidaritätsbeitrags bestimmen die Eltern selbst. Er sollte aber zwischen 100 und 400 Franken pro Familie und Jahr liegen. Die reformierte Kirche macht den Familie drei Vorschläge, wohin das Geld gehen kann: an eine gemeinnützige Institution, die von der reformierten Kirche unterstützt wird, an die freiwillige Fürsorge der Reformierten oder in die Kirchenkasse. Die reformierte Kirche will damit bewusst machen, dass es die Kirche ist, die den Religionsunterricht finanziert und eine Gleichheit zu den zahlenden Mitgliedern schaffen.
Kommentar der Redaktion:
Das eigentlich Problem ist, dass die Kantone seit x Jahren das Ziel gesetzt haben, gerade für die grosse Zahl von konfessionslosen Kindern sowie Kindern aus nicht-christlichen Religionen ein religiös neutrales Schulfach "Religionen und Kultur" oder "Religion und Ethik" anzubieten. Aber da die Schulung der Lehrpersonen aus diversen Gründen viele Jahre in Anspruch nimmt, ziehen es konfessionslose Eltern noch immer vor, ihre Kinder in einen konfessionellen Unterricht zu senden als sie gänzlich ohne religiöse Kompetenz aufwachsen zu lassen.
Berner High-Church besiegt Luzerner Diaspora
Der Berner Pfarrer Gottfried Locher wurde am 14. Juni in Herisau zum Präsidenten des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbunds (SEK) gewählt. Neben ihm bewarben sich der Sittener Pfarrer Didier Halter und der Luzerner Kirchenmann David Weiss um das Spitzanamt. Locher wird für die Amtsperiode 2011-2014 Nachfolger von Thomas Wipf. Der SEK ist der nationale Dachverband von 2,4 Millionen Protestanten aus 26 Kantonalkirchen. Im ersten Wahlgang erhielt Halter 14, Locher 27 und Weiss 28 Stimmen. Nachdem sich Halter nach dem ersten Wahlgang zurück gezogen hatte und die Reformierten der Romandie eine Stimmempfehlung für Locher abgaben, erhielt Locher 38 und Weiss 31 Stimmen. Gottfried Locher (43), Mitglied des Berner Synodalrats und Leiter des Instituts für ökumenische Studien der Universität Freiburg, erwies sich im Hearing der Kandidaten als pointiert formulierender Theologe. Sechs Jahre lang betreute er als Seelsorger die reformierte Gemeinde in London und ist im Reformierten Weltbund tätig. Seine Ausrichtung bezeichnet der Berner als „reformationstheologisch". Die Aussagen der Reformatoren - übertrage man sie auf heute - ergäben „ein ausgezeichnetes Profil" für die Reformierten im 21. Jahrhundert.
Krebskranker Bischof Genoud im Spital
Der Bischof von Lausanne, Genf und Freiburg, Bernard Genoud, befindet sich seit Ende Mai wieder in Spitalpflege. Die Untersuchungen deuten auf einen Rückfall im Kampf gegen den Krebs hin. Die Behandlung ziele darauf ab, die grösstmögliche Lebensqualität aufrecht zu erhalten. Der 68-jährige Bischof dankt allen Menschen, die ihm treu zur Seite stehen und ihm ihre Unterstützung zugesichert haben. Anfang Oktober 2009 hatten die Ärzte in der rechten Lunge einen bösartigen Tumor entdeckt. Der Bischof, der lange Jahre Kettenraucher war, musste sich Chemo- und Strahlentherapien unterziehen. Ausserdem wurde er an der Lunge operiert. Im März gingen die Ärzte noch davon aus, dass Bischof Genoud sein Amt Anfang Juni wieder ausüben könne.
Mit den Bischöfen chatten
Mitte Juni konnten Internetsurfer mit den Schweizer Oberhirten chatten. Auf der Internetseite von kath.ch konnten sie den Bischöfen Fragen stellen und Kritik anbringen. Der Chat-Room unter www.kath.ch/chat wurde jeweils von Montag bis Freitag über Mittag (11.30-13.00 Uhr) rege genutzt. Bisher nahmen Bischof Markus Büchel von St. Gallen, der Churer Weihbischof Marian Eleganti und Abt Martin Werlen von Einsiedeln am Chat Teil. Weitere Chat-Zeiten sollen folgen. Infos auf www.kath.ch
Jungwacht Blauring aktiv gegen Armut
Die Jungswacht Blauring Schweiz (Jubla) ist überzeugt, dass die Mitwirkung von MigrantInnen in einem Kinder- und Jugendverband armutshemmend und integrationsfördernd
wirkt. Mit dem Integrationsprojekt „Jubla Plus National“ will die Jubla in Kooperation mit Caritas Schweiz bis Ende 2011 den gesamten Verband auf die Öffnung gegenüber MigrantInnen vorbereiten. Die Integration von Kindern aus Migrantenfamilien in eine Schar bedeutet im ersten Schritt immer auch soziale Integration. Kinder können sich in einem kindergerechten Umfeld mit Gleichaltrigen beschäftigen und eine sinnvolle Freizeit verbringen. Nach Jahren als Kind in der Schar können sie ins Leitungsteam wechseln. Dort ergeben sich andere Perspektiven: Als LeiterIn einer Schar kann man sich Netzwerke in der Gemeinde erarbeiten und zeigt sich engagiert. Auf die soziale Integration folgt die wirtschaftliche Integration: Engagierte und soziale gut integrierte Jugendliche haben bei Lehrmeistern und in der Wirtschaft deutlich bessere Chancen. Spätestens an diesem Punkt wirkt die Jubla armutshemmend.
Muslime wollen "Wort zum Freitag"
Muslime fordern im Rahmen des Dialogs mit Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf Sendezeit für ihre Anliegen im Schweizer Fernsehen. Hisham Maizar, dem Präsidenten der "Föderation Islamischer Dachorganisationen in der Schweiz" (Fids) schwebt analog zum christlichen "Wort zum Sonntag" ein "Wort zum Freitag" am Schweizer Fernsehen vor. Ein solches sei "eine konstruktive Idee und der Integration förderlich", zitiert ihn das Boulevardblatt.
Kommentar der Redaktion:
Unabhängig davon, ob religiöse Gemeinschaften Staatsreligionen sind, vom Staat getrennt sind oder öffentlich-rechtlich organisiert sind, betreffen einige Lebensbereiche ("res mixtae") den Menschen als Bürger und Gläubiger zugleich: Seelsorge in Spital, Armee und Gefängnis, Heirats- und Bestattungswesen, Regelung der Sonn- und Feiertage, Entwicklungszusammenarbeit, Medienpräsenz, Religionsunterricht an staatlichen Schulen, theologische Fakultäten, Denkmalwesen, Sozialwesen sowie religiöse Symbole in Räumen staatlicher Institutionen. In diesen Bereichen sollte der Unterschied zwischen öffentlich-rechtlich anerkannten Religionsgemeinschaften und vereinsrechtlich geführten Gemeinschaften nicht zu gross sein, zumal es beispielsweise in der Schweiz fünf Mal mehr Muslime als Christkatholiken gibt, die in den Medien ihren festen Platz haben.
Muslimin mit Kopftuch verprügelt und beschimpft
In Basel ist eine 29-jährige Muslimin wegen ihres Kopftuchs im Beisein ihrer Tochter auf offener Strasse attackiert worden. Eine unbekannte Frau schlug die türkische Staatsangehörige am Basler Barfüesserplatz Ende Mai ins Genick und beschimpfte sie wegen ihres Äusseren.
Einige Kantone wollen Gesichts-Verhüllung verbieten
In Belgien verlangt der Nationalrat ein Verhüllungsverbot in öffentlichen Räumen. Holland hat bereits ein Verbot in bestimmten öffentlichen Räumen. Frankreich und andere europäische Länder erwägen dies ebenfalls. Anfang Mai hat das Aargauer Kantonsparlament eine Standesinitiative zum Verhüllungsverbot beschlossen. Der Vorstoss kam von den Schweizer Demokraten und wurde von SVP, FDP, CVP, BDP und EVP unterstützt. Nur Grüne und SP sprachen sich gegen die Initiative aus. Selbst Frauen wie CVP-Alt-Nationalrätin Rosmarie Zapfl, die jahrzehntelang für die Rechte von Frauen kämpften, setzen sich nun aktiv für ein eingeschränktes Selbstbestimmungsrecht von Musliminnen ein, die sich freiwillig und aus religiöser Überzeugung verhüllen wollen.
Religionen im Staat neu regeln
Religionsartikel in die Bundesverfassung?
Der Bundesrat denkt über einen Religionsartikel in der Bundesverfassung nach. Mit einem Vorstoss verlangt CVP-Nationalrätin Kathrin Amacker-Amann (Baselland), dass das Verhältnis zwischen den christlichen Kirchen und anderen Religionsgemeinschaften in der Verfassung umfassender und verbindlicher geregelt wird. Ihr Ziel sei es, ein friedliches und diskriminierungsfreies Zusammenleben der verschiedenen Religionsgruppen in der Schweiz zu fördern. Der neue Artikel soll etwa die Religionsfreiheit präzisieren und die Religionsgemeinschaften stärker in die Pflicht nehmen. Zudem will Amacker-Amann Bund und Kantone verpflichten, die Toleranz zwischen den Religionen zu fördern und gewaltsamen religiösen Extremismus zu bekämpfen.
EVP verzichtet auf Volksinitiative für Religionsartikel
Der Zentralvorstand der Evangelischen Volkspartei (EVP) verzichtet nach der Vernehmlassung bei Parteigremien und kirchlichen Organisationen auf eine Volksinitiative für einen neuen Religionsartikel in der Verfassung. Gleichzeitig will Nationalrat Walter Donzé die Debatte im Parlament mit einer parlamentarischen Initiative anstossen und die christlichen Werte und den Religionsfrieden sichern.
SEK will Religionsartikel in Bundesverfassung
Der Schweizerische Evangelische Kirchenbund begrüsst die Schaffung eines Religionsartikels in der Bundesverfassung. Der SEK ist der Ansicht, dass die Förderung des Verständnisses und der Achtung unter den verschiedenen Religionen eine staatliche Aufgabe darstelle. Dem Bund solle darum in der Bundesverfassung ausdrücklich eine Dialogaufgabe zugewiesen werden. Bei seinem Handeln solle der Bund den Anliegen der Religionsgemeinschaften Rechnung tragen und sie in ihrem gesellschaftlichen Handeln unterstützen können. Die Kantone sollten den Religionsgemeinschaften schliesslich weiterhin eine besondere rechtliche Stellung zuerkennen dürfen. Bereits 1999 hatte der Kirchenbund entsprechende Vorschläge in die politische Diskussion eingebracht. Eine Expertengruppe des SEK legte 2002 in mehreren Varianten einen ausformulierten Religionsartikel vor, der besonders auch die positive Bedeutung der Religionsgemeinschaften für das Gemeinwesen würdigt.
Nationale Kommission für Religionsfragen sei überflüssig
Nationalrat Josef Zisyadis hatte die Schaffung einer eidgenössischen Kommission für Religionsfragen verlangt. Mit 14 zu 8 Stimmen beantragte die Staatspolitische Kommission (SPK) des Nationalrats jedoch, die von Zisyadis eingereichte parlamentarische Initiative abzulehnen. Die Kommission begrüsste zwar die Absicht des Initianten, den Dialog zwischen den Religionsgemeinschaften und der Politik zu fördern und teilte auch dessen Ansicht, «dass Religionsfragen in der Gesellschaft eine immer grössere Rolle spielen». Dennoch war die Mehrheit der Meinung, dass «die Initiativanliegen mit den bestehenden Strukturen bereits erfüllt» werden könnten. Eine Minderheit befürworte die Initiative, da sich diese «über den interreligiösen Dialog hinaus intensiv und langfristig mit Religionsfragen» befassen könnte. So könnten Probleme früher erkannt und «entsprechende Präventivmassnahmen eingeleitet werden».
Religionsartikel im Kanton Basel
Der Basler Regierungsrat hat sich für einen Religionsartikel in der Bundesverfassung ausgesprochen. Der Religionsartikel bezwecke "eine Neuumschreibung der Religionsfreiheit, die Verpflichtung von Religionsgemeinschaften zur Wahrnehmung gesamtgesellschaftlicher Verantwortung sowie die Verpflichtung von Bund und Kantonen, eine aktivere Rolle bei der Förderung von interreligiöser Toleranz und bei der Bekämpfung von religiösem Extremismus einzunehmen".
Schweizer Asylwesen und die kirchlichen Positionen
Gegen NEE-Bestimmungen und für humane Einbürgerungspraxis
Die bischöfliche Nationalkommission "Justitia et Pax" unterstützt das Anliegen, die Bestimmungen für einen Nichteintretensenscheid (NEE) im Asylverfahren aufzuheben. In ihrer Vernehmlassungsantwort spricht sich Justitia et Pax aber gegen die Verkürzung der Beschwerdefrist von 30 auf 15 Tage aus. Wenn man Fristen in Verfahren verkürzt, die oft komplex sind und Informationen aus dem Ausland erfordern, besteht die Gefahr, dass der rechtliche Schutz der Asylsuchenden verletzt wird.
"Justitia et Pax" unterstützt zudem die Totalrevision des Bürgerrechtsgesetzes, das in der Vernehmlassung ist und heutige Diskriminierungen verhindern soll. "Justitia et Pax" begrüsst die Herabsetzung der minimalen Aufenthaltsdauer von zwölf auf acht Jahre, wie es auch in EU-Staaten üblich ist. "Justitia et Pax" stellt sich aber gegen die geplante Bestimmung, dass einen Antrag zur Einbürgerung nur stellen kann, wer einen C-Ausweis besitzt. Eine solche Anforderung würde neue Diskriminierungen schaffen. Infos: http://www.juspax.ch/
SEK fordert Rechtsschutz für Asylsuchende
Der Schweizerische Evangelische Kirchenbund (SEK) unterstützt die Absicht des Gesetzgebers, den Rechtsschutz von Asylsuchenden zu erweitern, wendet sich aber gegen die Abschaffung der Hilfswerksvertretung bei Anhörungen sowie gegen die Verkürzung der Beschwerdefristen. In rund 80% der Anhörungen von Asylbewerbern bei Migrationsämtern wird von der Möglichkeit Gebrauch gemacht, die Hilfswerksvertretung Zusatzfragen stellen zu lassen. Ohne die Hilfswerksvertretung können Verfahrensprobleme nur noch im Nachhinein festgestellt werden. Dies belastet die Rechtsberatungsstellen und die Beschwerdeebene finanziell und zeitlich. Mit dem Wegfall läge die Qualitätssicherung alleine bei den zuständigen Behörden. Der SEK fordert zudem den unentgeltlichen Zugang zur Verfahrens- und Rechtsberatung für alle Asylsuchenden. Derzeit wird die Finanzierung der Rechtsberatungsstellen ausschliesslich durch die Kirchen und deren Hilfswerke sichergestellt. Die Verkürzung der Beschwerdefristen von 30 auf 15 Tage lehnt der Rat SEK ab. Die Verkürzung führe zu einem noch höheren Arbeitsdruck der Beratungsstellen und schränke die Möglichkeiten der Gesuchstellenden ein. Der Rechtsschutz der Asylsuchenden würde damit markant geschwächt.
Ausschaffungen überwachen
Kirchliche Hilfswerke und Menschenrechtsorganisationen fordern eine Überwachung von Ausschaffungen abgewiesener Asylbewerber durch unabhängige Beobachter. Diese Bedingung müsse erfüllt sein, bevor nach dem Tod eines Nigerianers bei der gewaltsamen Ausschaffung durch die Schweizer Polizei Zwangsausschaffungen wieder vorgenommen werden. Der Schweiz wird von den Organisationen wie auch vom Uno-Menschenrechtsrat eine unverhältnismässige Gewaltanwendung bei Zwangsausschaffungen, eine lückenhafte Umsetzung des Prinzips der Nicht-Zurückweisung in Folterstaaten sowie fehlender Schutz von Frauen vorgeworfen, die Opfer von häuslicher Gewalt oder von Menschenhandel wurden.
Katholische Jugendkirche Zürich mit neuem Szenen-Treffpunkt
"jenseits" im Lettenviadukt 11/12
Die katholische Kirche für junge Leute liegt mitten im Zürcher Ausgehquartier. In den Gewölben aus roh behauenen Steinen, mitten in den 36 Bögen des 400 Meter langen Letten-Viadukts ist "jenseits im Viadukt 11/12" eingezogen. Im Bogen 11 dient ein gemütliches Café mit Sofaatmosphäre als Treffpunkt. In einer Galerie befindet sich ein Seelsorgeraum sowie Büroarbeitsplätze für den Leiter Peter Kubikowski und sein Team. Nebenan in Bogen 12 ist der Sakralraum im Bau, der mit Vorhängen variabel gestaltet werden kann. Für Meditationen, Wort-Gottesdienste, Kerzenatmosphäre à la Taizé, Konzerte und vieles mehr. Das Projekt versteht sich als "Geh-hin-Kirche". Zielpublikum sind vor allem junge Erwachsene zwischen 18 und 25 Jahren. In den Scheiben, die die Bögen des Lettenviadukts im Kreis 5 füllen, spiegelt sich das grosse Graffiti von der Wand gegenüber. Auf der anderen Seite lockt die Josefswiese mit für die Grossstadt überraschender Idylle. Darüber braust alle paar Minuten ein Zug Richtung Flughafen und Winterthur. Infos: http://www.jenseitsimviadukt.ch/; http://www.im-viadukt.ch/
Sexueller Missbrauch in der Kirche
Schweizer Bischöfe bitten um Entschuldigung
Die Schweizer Bischöfe haben am 31. März eine klare und wegweisende Erklärung zu den sexuellen Verbrechen an Kindern und Jugendlichen durch Priester abgegeben:
- Die Mitglieder der Schweizer Bischofskonferenz sind beschämt und tief bestürzt über die Fälle von sexuellen Übergriffen in der Seelsorge.
- Wir müssen eingestehen, dass wir das Ausmass der Situation unterschätzt haben. Die Verantwortlichen in den Diözesen und Ordensgemeinschaften haben Fehler gemacht. Für diese Fehler bitten wir um Entschuldigung.
- Wir ermutigen alle, die Übergriffe erlitten haben, sich bei den Opferberatungsstellen oder den diözesanen Ansprechstellen zu melden und gegebenenfalls Anzeige zu erstatten. Es ist uns wichtig, dass vorbehaltlose Transparenz in die Vergangenheit gebracht wird.
- bitten alle Seelsorger und Seelsorgerinnen, Ordensleute, Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in Pfarreien, in Schulen und in anderen Einrichtungen in kirchlicher Verantwortung, die Übergriffe begangen haben, sich vor Gott und den Menschen ihrer Schuld zu stellen und sich beim zuständigen Verantwortlichen zu melden.
- Wir danken allen, die ihre Berufung in Treue leben und ermutigen sie gerade in dieser Krisenzeit in ihrem Dienst.
- Bereits im Jahre 2002 erliess die Bischofskonferenz spezielle Richtlinien. Sie stellen die Interessen der Opfer, die Prävention von Missbrauch und das konsequente Vorgehen gegenüber den Tätern in den Mittelpunkt. Wir werden diese Richtlinien, welche 2009 ergänzt wurden, mit Nachdruck anwenden.
- Darüber hinaus ist die Zusammenarbeit zwischen den Diözesen und Ordensgemeinschaften, auch international, zu verbessern. Die zuständigen Verantwortlichen müssen Gewissheit haben, dass ihre Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen integer sind. Diese und weitere Fragen werden an der Juni-Sitzung der Bischofskonferenz erörtert.
- Die österliche Busszeit lädt dazu ein, Schuld anzuerkennen, Fehlverhalten aufzuarbeiten, Wege der Besserung zu finden und Gott und die Menschen um Vergebung zu bitten. Wir danken allen Gläubigen, die jetzt dazu beitragen, dass unsere Kirche den Weg zu immer grösserer Glaubwürdigkeit findet.
Konkrete Zahlen
Nach der Sitzung der Schweizer Bischofskonferenz (SBK) Anfang Juni legte die SBK eine Statistik zum sexuellen Missbrauch in den Bistümern des Landes vor. Zwischen Januar und Mai 2010 wurden 104 Opfer und 72 Täter bekannt. Neun der 2010 gemeldeten Missbrauchsfälle seien nach 1990 begangen worden. Bei den in den vergangenen 60 Jahren verzeichneten Fällen waren zum Zeitpunkt der sexuellen Übergriffe 11 Kinder unter 12 Jahren, 15 weibliche und 61 männliche Jugendliche zwischen 12 und 16 Jahren, 12 erwachsene Frauen und 5 erwachsene Männer. Die Meldungen über 101 der 104 Opfer betreffen die Deutschschweiz. In der Westschweiz war das Thema der sexuellen Übergriffe in der Seelsorge bereits 2008 intensiv in die Öffentlichkeit gelangt, so dass damals alleine im Bistum Lausanne-Genf-Freiburg 30 Meldungen verzeichnet wurden.
Klare und verschärfte neue Massnahmen
Die Bischöfe fordern die Opfer auf, sich weiterhin an die kirchlichen Anlaufstellen oder an kantonale Opferhilfestellen zu wenden. Einige der bisherigen Regeln im Umgang mit Missbräuchen haben die Bischöfe verschärft und klarer formuliert, zum Beispiel: "Die Bestimmungen des staatlichen Rechts über die Anzeige bei den Strafverfolgungsbehörden sind einzuhalten. Die Bischöfe arbeiten mit den staatlichen Untersuchungsbehörden, Gerichten, Sozialdienst und Beratungsstellen zusammen." Für die Strafanzeige gilt neu: a) Das Opfer ist in jedem Fall auf die Möglichkeit einer Strafanzeige nach staatlichem Recht hinzuweisen; b) der Täter wird, falls es die Umstände angezeigt erscheinen lassen, zu einer Selbstanzeige aufgefordert; c) die kirchlichen Amtsträger erheben bei einem rechtsgenügenden Verdacht Anzeige bei den staatlichen Strafverfolgungsorganen, ausser wenn das betroffene Opfer oder dessen Vertreter dagegen Einspruch erhebt. Eine Strafanzeige muss in jedem Fall erstattet werden, wenn sich die nahe Gefahr von pädophilen Wiederholungstaten nicht auf andere Weise bekämpfen lässt.“ Und bei Bistumswechsel von pädophilen Seelsorgern gilt neu: "Die Bischöfe verpflichten sich, Anstellungen von Seelsorgern und Seelsorgerinnen aus der Schweiz und dem Ausland nur noch zu akzeptieren, wenn sie bei den bisherigen Vorgesetzten schriftlich und lückenlos über den Leumund des betreffenden Seelsorgers Auskunft erhalten haben." In einem Reuegebt in der Gnadenkapelle der Stiftskirche Einsiedeln haben die Bischöfe um Entschuldigung für die Missbrauchsfälle in der Seelsorge gebeten: "Es ist Schuld geronnen in Strukturen, Verhaltens- und Denkmustern. Es ist Schuld aus unterlassener Hilfe und nicht gewagtem Widerspruch."
Religionen an den Schulen
Das "MigrosMagazin" thematisierte Anfang Mai die zunehmende Veränderung im Bereich des schulischen Religionsunterrichts. Der konfessionell-kirchliche Unterricht weicht in immer mehr Kantonen Fächern wie "Religionskunde und Ethik" oder "Ethik und Kultur". Im Bündnerland steht ab 2012 eine obligatorische Lektion «Religionskunde und Ethik» auf dem Stundenplan, zusätzlich zum konfessionell getrennten Religionsunterricht. In den Kantonen Zürich und Aargau gibt es bereits ein obligatorisches Schulfach, das sich mit Religionen, Kultur und Ethik befasst und von der Lehrperson unterrichtet wird. Im Lehrplan 21, der für die Deutschschweizer Kantone verbindlich sein wird, ist ein ähnliches Fach vorgesehen. Neben ethischen Fragen sollen die Kinder Elemente, Feste und charakteristische Traditionen der grossen Religionen kennenlernen. Ideal sei, wenn neben dem neutralen religionskundlichen Unterricht auch ein Glaubensunterricht durch die Religionen angeboten werde wie in zwei Luzerner Gemeinden, wo seit einigen Jahren neben dem katholischen und reformierten auch ein islamischer Religionsunterricht bestehe.
Ungeschützte "Madonna"
Die Bezeichnung "Madonna" kann nach einem Entscheid des Bundesverwaltungsgerichts nicht ins Schweizer Markenregister eingetragen werden. Die religiösen Gefühle der Katholiken würden verletzt, so das Urteil. 2008 hatte sich das Eidgenössische Institut für geistiges Eigentum (IGE) mit der Begründung der Sittenwidrigkeit geweigert, die Wortbildmarke "Madonna" einer deutschen Firma ins Schweizer Markenregister einzutragen. Nach dem Entscheid des Bundesverwaltungsgerichts bezeichnet "Madonna" die Mutter Gottes und damit eine zentrale Figur des Christentums. Eine Verwendung als Marke könne die religiösen Gefühle von Personen christlich-katholischen Glaubens verletzen.
Die Mutter Gottes werde im täglichen Gebet angerufen und die ihr entgegen gebrachte Ehrerbietung manifestiere sich in der Schweiz auch heute noch in der lebendigen Marienverehrung.
Schweizer Bischöfe für freiwilligen Zölibat
Die Schweizer Bischöfe sind mehrheitlich für die Abschaffung des Pflichtzölibats für Priester beziehungsweise wünschen sich die Priesterweihe auch für "viri probati", also bewährte verheiratete Männer. Der Präsident der Schweizer Bischofskonferenz (SBK), der Walliser Bischof Norbert Brunner, hat dies seit seinem Antritt im November mehrmals betont. Auch der Bischof von St. Gallen, Markus Büchel, sprach sich öffentlich für neue Zulassungskriterien zum Priesteramt aus: „Für uns in der Schweiz, wo ein starker Priestermangel herrscht, wäre es schon eine Hilfe, wenn verheiratete Männer zu Priestern geweiht werden könnten.“ Auch das SBK Abt Martin und der St. Galler Alt-Bischof Ivo Fürer äusserten sich dezidiert für die Abschaffung des Pflichtzölibats bzw. für die Zulassung von verheirateten Männern zum Priesteramt.
Herbert Haag-Preis für Kuschel, Hürlimann und Eichmann-Leutenegger
Der Autor Thomas Hürlimann, die Literaturkritikerin Beatrice Eichmann-Leutenegger und der Theologe Karl-Josef Kuschel haben am 21. März in Luzern den Preis der Herbert-Haag-Stiftung für Freiheit in der Kirche erhalten. Mit den Preisen werden «Zeugen des freien und kritischen Wortes» ausgezeichnet, die dafür einstehen, «dass die Freiheit des Wortes auch dort gelten muss, wo es um Glaube und Kirche geht und wo entscheidende Fragen der Moderne, um die keine Religion herumkommt, zur Debatte stehen». Die Stiftung feiert dieses Jahr ihr 25-jähriges Bestehen. Die Preisträger des nächsten Jahres, die im März 2011 in Wien geehrt werden, sind der Luzerner Bibelwissenschafter Walter Kirchschläger sowie die tschechische Untergrundkirche. Zu dieser gehören illegal zu Priestern und Bischöfen geweihte, zum Teil verheirate Frauen und Männer, die sich unter dem kommunistischen Regime sehr autonom entwickelten und nach dem Fall der Mauer in grosse Spannungen gerieten mit dem Vatikan.
Die Stiftung besteht seit 1985 und hat ihren Sitz in Luzern. Sie trägt den Namen ihres Gründers, des 2001 verstorbenen Bibelwissenschaftlers Herbert Haag.
"Reformierte Kirche Schweiz" wird kleiner, älter und ärmer
Während die Zahl der Protestanten in der Schweiz in den letzten 50 Jahren von fast 60% auf 30% halbiert wurde, blieb der Anteil Katholiken in der Schweizer Bevölkerung mit rund 40% ziemlich stabil. Die Reformierten sollen bis zum Jahr 2050 gar bis auf 20% der Bevölkerung schrumpfen - vor allem zu Gunsten der Freikirchen und Konfessionslosen, die heute schon 10% der Bevölkerung ausmachen. Dass die Katholische Kirche zahlenmässig besser da steht als die Reformierten, hat mit der ethnisch-kulturellen Zusammensetzung zu tun. Die Reformierte Kirche ist eine fast rein helvetische Institution, bereits Lutheraner aus Deutschland fühlen sich der zwinglianischen und calivinistischen Schweizer Kirche nicht automatisch zugehörig, während katholische Einwanderer aus Italien, Spanien, Portugal, Kroatien, Ungarn, der Slowakei oder aus Bayern und Österreich sich in der Katholischen Kirche in der Schweiz zugehörig fühlen. Die Schrumpfung und Alterung der reformierten Landeskirche hat auch harte finanzielle Konsequenzen. Rückläufige Kirchensteuern bedeuten einen Abbau an Pfarrstellen.
Die Reformierten der Schweiz befinden sich auch mitten in einer gross angelegten Suche nach ihrem theologischen Selbstverständnis und rechtlichen Status. Vor wenigen Jahren löste Papst Benedikt XVI. eine weltweite Empörung aus, als er sagte, dass die evangelischen Kirchen nicht im gleichen Sinn Kirche seien wie die Katholische. Jetzt bestätigen die Reformierten der Schweiz mit der gegenwärtigen Diskussion diese Tatsache aber von sich aus klar. Konkret geht es darum, ob sich die Reformierten in der Schweiz nicht nur auf Gemeinde- und Kantonsebene, sondern auch auf Landesebene als eigentliche Kirche verstehen wollen oder weiterhin als Dachverband von Kantonalkirchen. Der Schweizerische Evangelische Kirchenbund (SEK) hat eben einen fünfzigseitigen Bericht zur SEK-Verfassungsrevision an die Kantonalkirchen zur Vernehmlassung geschickt. Darin geht es um die Frage, ob eine Evangelische Kirche Schweiz (mit den beiden Freikirchen, die heute SEK-Mitglieder sind) oder eine Reformierte Kirche Schweiz geschaffen werden soll. Die meisten Kantonalkirchen sind misstrauisch und lehnen es ab, wenn der heutige SEK mehr Kompetenzen erhalten will und sich als eigentliche Kirche versteht und verhält. Kirchturmdenken und Kantönligeist kennt man zwar auch in der katholischen Kirche, aber sie versteht sich doch klar als globale Glaubensgemeinschaft mit einer zentralen Leitung auch in Glaubensfragen, während sich die Kirchlichkeit der Reformierten in der um das Wort und Sakrament versammelte Gemeinde auf lokaler Ebene realisiert. Kantonal- und Landeskirche sowie europäische und globale evangelische Institutionen werden bei Protestanten theologisch lediglich als Dachverbände und Interessengemeinschaften, nicht aber als Kirche verstanden. Darum soll es im Unterschied zur katholischen Kirche den kantonalen, nationalen und internationalen evangelischen Institutionen auch nicht zustehen, über das rechte Verständnis des Evangeliums auf der lokalen Ebene zu entscheiden. Jeder Gemeinde ihre eigene Päpstin!
Abzocker wirbt um Kirchen-Austreter
Gläubigen, die aus Spargründen auf die Kirchensteuer verzichten wollen, offeriert die Internet-Seite http://www.kirchen-austritt.ch/ "rechtlich geprüfte Austrittsunterlagen" für 99 Franken. Und wer an diesem «unkomplizierten Kirchenaustritt» noch Zweifel und Fragen hat, kann sich via Kontaktformular informieren. Hinter diesem Dienst steht Stefan Amrein von der Firma simple-net ag in Sursee. Der Webseiten-Betreiber nimmt sich gar das Recht, Fragen von Interessierten samt e-mail-Adresse im Internet zu veröffentlichen. Dieser Dienst ist höchst fragwürdig, zumal ein Austritt aus der Landeskirche an sich völlig unbürokratisch und gratis erfolgt, wenn man der Kirchgemeindeleitung seinen Entscheid schriftlich mitteilt. Und auch fixfertige Austrittsvorlagen kann man im Internet reihenweise gratis beziehen.
Erste Solarkirche der Schweiz
Das Stadtparlament St. Gallen hat einstimmig einen Kredit von 410 000 Franken gesprochen für eine Solaranlage auf der ökumenischen Kirche Halden. Das Süddach der Kirche wurde im Rahmen der Dachsanierung vollständig mit Solarpanels eingedeckt. Betrieben wird die Photovoltaikanlage von den Sankt Galler Stadtwerken, das Dach stellen die Kirchgemeinden kostenlos zur Verfügung. Die vorgesehene Anlage mit einer Leistung von 46,4 kWp wird einen mittleren Energieertrag von rund 44 200 kWh pro Jahr produzieren, was den Jahresverbrauch von zwölf Haushaltungen decken kann.
Hilfswerke kritisieren National- und Bundesrat
Die Entwicklungshilfe des Bundes wird bis im Jahr 2015 nicht auf 0,5 Prozent des Bruttonationaleinkommens erhöht. Anders als der Ständerat hat der Nationalrat wie auch der Bundesrat eine Erhöhung des Beitrags sehr deutlich abgelehnt. Die Schweiz manövriert sich so international weiter ins Abseits. Demnach soll es vor 2013 keine zusätzlichen Mittel geben. Die Hilfswerke Swissaid, Fastenopfer, Brot für alle, Helvetas, Caritas und Heks, kritisieren den Entscheid als „verpasste Chance“.
Kardinal John Henry Newman
Die Queen beim letzten Papstbesuch von Johannes Paul II.
Susan Boyle
Leonard Swidler
Gestern T-Shirts, morgen Koran
P. Henri Boulad SJ
Bischof Jacques Gaillot
Kontroverse um die Moschee
Härtester und oft bedrohter Gegner des Staudamms:
Dom Erwin Kräutler
Ausschaffung von Roma polarisiert Staat und Kirche in Frankreich
Heiner Bielefeldt
Bischof Munib Junan
Francis Assisi Chullikat
Bischof Giuseppe Fiorini Morosini
Professor Paul Zulehner
Pius-Bruder Williamson
Im Fettnapf vor Amtsbeginn: Aygül Özkan
Priester-Kalender sehr beliebt auf Schwulen-Websites
Opus-Dei-Bischof José Gomez
International
Heikle Papst-Reise auf die britische Insel
Papst Benedikt XVI. besucht vom 16. bis 19. September die britische Insel. Noch nie zuvor gab es im Vorfeld einer Papstreise so viel Widerstand und Polemik.
Seligsprechung von John Henry Newman
Der Hauptrgrund ist die Seligsprechung von Kardinal John Henry Newman (1801-1890) in Coventry. Dass Benedikt XVI. persönlich den Vorsitz bei einer Seligsprechung führt, ist ungewöhnlich. Normalerweise lässt er solche Feiern in der Heimatdiözese des Seligsprechungskandidaten durch einen Gesandten vornehmen. Der Papst drückt dadurch seine besondere Wertschätzung für den Intellektuellen und Kirchenmann Newman aus, der als anglikanischer Geistlicher zur katholischen Kirche übergetreten war. Newman wirkte auch dichterisch und musikalisch. «Denken ist vielleicht wie Musik», hatte er einmal gesagt, der zur Erholung gern Geige und Viola spielte. Sein von Edward Elgar vertonter «Traum des Gerontius», die letzten Momente und Gebete eines Verstorbenen behandelnd, hat inzwischen die Konzertsäle erobert. Und sein Kirchenlied «Lead kindly Light, lead thou me on», eines der schönsten englischen, entspricht seinem verhaltenen Wesen wie auch seiner Musikalität. Ausschlaggebend für seine Konversion war 1834 die Entdeckung eines „Stufenbaus der göttlichen Ordnung in der Welt sowie der Kirche als sakramentaler Verleiblichung des Unsichtbaren». Sein letzter Versuch einer katholischen Interpretation der 39 Glaubensartikel der Church of England misslang um 1841 und bewirkte, dass er seine anglikanische Kirchenzugehörigkeit als «auf dem Sterbebett liegend» empfinden konnte. Schweren Herzens hatte er dann 1843 von seiner Professur zurückzutreten, ebenso als Vikar der Universitätskirche. Das anglikanisch-klerikal dominierte Oxford duldete das Verbleiben eines Abtrünnigen nicht. Seine bewegende Abschiedspredigt, «Am Scheideweg von Freunden» betitelt, verdeutlicht, wie er dieses Opfer empfand. Bleibend war das Problem, für Newman eine passende Verwendung in seiner zweiten, 45 Jahre einnehmenden Lebenshälfte zu finden. Gleich am Anfang stand das Projekt, er könnte die katholische Universität in Irland leiten, deren Gründung er sechs Jahre lang mit großem Eifer und überraschendem Geschick betrieb, was dann aber an der Opposition des ebenso autokratischen wie engstirnigen irischen Primas scheiterte. Immerhin war es seine revolutionäre Idee, den Versuch einer «freien Wissenschaft unter einem Dach mit der Theologie im Dienst der Weitung und Bildung des Geistes der Katholiken» zu wagen, wenngleich das damals noch bigotte Irland eine denkbar ungünstige Umgebung dafür war. Jedenfalls gehören seine nach 1852 gesammelt veröffentlichten Vorträge, betitelt «Die Idee einer Universität», nicht nur zu seinen besten Werken, sondern erhärten auch seinen Anspruch, einer der führenden englischen Stilisten aller Zeiten zu sein. Newmans Tätigkeit in seiner katholischen Lebenshälfte war von erstaunlicher Vielseitigkeit und findet in seinen gesammelten Werken Ausdruck. Die Art, wie sein Geist von Thema zu Thema jagte, mutet rastlos gehetzt an, beruhte aber weitgehend auf äußeren Anlässen; die Themen reichten von der Entwicklung der Glaubenslehre zur Erziehungstheorie, zum Verhältnis von Religion und Wissenschaft, zur Inspiration der Bibel, der Stellung der Kirche gegenüber der modernen Gesellschaft und den entsprechenden Grenzen staatlicher und kirchlicher Macht. Und dennoch wirkt sein Werk einheitlich, weil es stets direkt oder indirekt der Verteidigung der in der katholischen Kirche verkörpertem Glaubensansprüche dient und auf diesem Weg auch zu Kontroversen mit dogmatischen Gegnern oder Gläubigen anderer Konfessionen.
Konversion traditionalistischer anglikanischer Bischöfe
Die Reise nach England ist auch darum von Spannungen begleitet, weil drei Bischöfe der anglikanischen Kirche von England in die katholische Kirche übertreten. Hintergrund des Übertritts der Bischöfe und ihrer Gemeinden sind Pläne der „Church of England“, Frauen zum Bischofsamt zuzulassen. Im vergangenen November 2009 hatte der Papst mit der Konstitution „Anglicanorum coetibus“ die Möglichkeit für anglikanische Christen geschaffen, mit eigenen Kirchenstrukturen und unter Wahrung ihrer liturgischen Tradition in die katholische Kirche zu wechseln.
Freidenker wollen Papst verhaften, Opfer verlangen Treffen
Die Freidenker haben angekündigt, den Papst wegen der sexuellen Missbräuche in der Kirche wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit verhaften zu lassen. Aus dem gleichen Grund sagte die israelische Aussenministerin vor einem Jahr einen Besuch in Engalnd ab. Vertreter von kirchlichen Missbrauchsopfern in Grossbritannien fordern ein Treffen mit dem Papst bei dessen Staatsbesuch. Die Lobbygruppe "Snap" erwartet eine Begegnung mit dem Kirchenoberhaupt. Der Papst werde sich dies noch überlegen, verkündete der Vatikansprecher.
Singt Susan Boyle für den Papst?
Für den Papstbesuch wird ein besonderer Auftritt geplant. Susan Boyle – Gewinnerin einer TV-Talentshow – ist von der Kirchenleitung Schottlands eingeladen worden, für den Papst zu singen. Das bestätigte am Sonntag ein namentlich nicht genannter Kirchensprecher der Nachrichtenagenturen Reuters. Die Schottin ist auf der Insel seit dem Gewinn von „Britains got Talent“ ein Star, ihres Gesanges wegen und auch der sehr unkonventionellen Art, sich zu kleiden. Sie stammt aus Blackburn, wo sie in der katholischen Pfarrei Unsere Liebe Frau von Lourdes regelmäßig singt.
Papst-Segen gegen Geld
Heftige Reaktionen löste im Vorfeld der Reise die Tatsache, dass die Besucher 30 Euro für den Besuch der Seligsprechung bezahlen müssen. Für die Messe unter freiem Himmel am 16. September im Bellahouston Park der schottischen Stadt Glasgow sind 23 Euro fällig. Für eine abendliche Andacht mit dem Papst im Londoner Hyde Park sind Tickets für 12 Euro zu erwerben. Mit dem Geld will die katholische Kirche 8,3 der insgesamt 14 Millionen Euro decken, die der Papstbesuch kosten wird. Nach Angaben von Vatikansprecher Federico Lombardi sind die Gebühren nicht als Eintrittsgelder, sondern als Spenden zu betrachten. Wer das Geld nicht ausgeben könne, müsse auch nicht zahlen.
Werbung für Weihe von Frauen während Papstbesuch in London
Während des Papstbesuchs will eine Interessengruppe für die Weihe von Frauen werben. Der Slogan "Pope Benedict Ordain Women Now" soll ab Ende August für einen Monat auf zehn Bussen in London prangen. Die Kosten für die Plakate in Höhe von umgerechnet knapp 16.000 Franken zahle die Gruppe "Catholic Women´s Ordination". Die Organisation setzt sich für die Weihe von Frauen in der katholischen Kirche ein.
Katholik doziert bei Saudis
Zum ersten Mal überhaupt in der Geschichte konnte in den letzten Wochen ein katholischer Professor im Mutterland des Islam offiziell lehren. Der US-Professor Leonard Swidler von der „Temple University“ in Philadelphia folgte einer Einladung der Islamischen Universität in der Hauptstadt Riad. Dort hielt er etwa vierzig arabischen Wissenschaftlern eine Vortragsreihe über Themen des interreligiösen Gesprächs. Etwa ein Viertel der Zuhörenden waren Frauen. Ein Dozent der Islamischen Universität erklärte: „Vielleicht ist das nicht weltbewegend, aber für Saudi-Arabien ist das doch ein wichtiger Wandel.“ Vierzehn Dozenten der Riader Universität hatten zuvor ein einwöchiges Seminar am von Swidler gegründeten Dialog-Institut der „Temple University“ in Philadelphia besucht. – König Abdullah von Saudi-Arabien hat nach seinem Gespräch mit dem Papst im Jahr 2007 an der Islamischen Universität von Riad ein Institut für den Dialog der Kulturen eingerichtet.
www.vatican.va ist hipp
Etwa drei Millionen Menschen rufen an normalen Tagen die vatikanische Internetseite Vatican.va auf. Die Surfer kämen vor allem aus den USA, Italien, Spanien, Deutschland und Brasilien, gefolgt von Südkorea, Mexiko, Kanada, Frankreich und China. Der Onlineauftritt des Vatikans wird bald auch in arabischer und russischer Sprache verfügbar sein. Bislang ist die Vatikanseite in acht Sprachen, unter anderem auch deutsch, verfügbar, zuletzt war chinesisch hinzugekommen. Der Vatikan setzt verstärkt auf neue Medien, um die Botschaften des Papstes effektiv zu verbreiten und ist u. a. seit 2009 in dem Videoportal http://www.youtube.com/ vertreten, wo er seinen eigenen Kanal hat.
US-Christen verbrennen Koran
Die wichtigste Autorität im sunnitischen Islam ist bestürzt über Pläne von Christen im US-Bundesstaat Florida, den Koran zu verbrennen. In einem Statement wirft die Al-Azhar-Universität im ägyptischen Kairo den Christen in Florida vor, mit der geplanten Aktion „zu Hass und Diskriminierung anzustacheln“. Das christliche „Dove World Outreach Center” plant die demonstrative Verbrennung des Korans am 11. September, dem Jahrestag der Terroranschläge von New York im Jahr 2001. Die „Gainesville Church” wirbt für das Ereignis im Internet; sie hatte schon letztes Jahr von sich reden gemacht, als sie T-Shirts verteilte mit der Aufschrift „Der Islam ist der Teufel“.
Seelenloses Europa?
Nach Überzeugung des ägyptischen Jesuiten und Mystikers Henri Boulad ist Europa „die Seele abhanden gekommen“. Die Europäer hätten seit dem Erlangen von Frieden und Wohlstand nach dem Weltkrieg „kein zentrales Projekt“ und „keine Vision, nichts, wofür es sich zu kämpfen lohnt“. Das sagte der bekannte Buchautor, der bis 1995 Leiter der Caritas Ägypten war, in einem Interview. Es sei bedauerlich, dass sich die Kirche ausgerechnet während dieses Sinnvakuums in der Krise befinde. Der Glaube sei für die Menschen in Europa nicht mehr wichtig: „Das ist die Tragik“. Als Beispiel für eine gelungene Erneuerung der Kirche nannte Boulad eine von ihm kürzlich besuchte Gemeinde, in der ein eigener Ritus eingeführt wurde, um die erste Arbeitsstelle von Jugendlichen zu feiern. Statt sich auf die sieben Sakramente zu beschränken, gelte es neue Riten zu entwickeln, „die den Menschen heute nahe gehen.“ Ohne eine spirituelle Erneuerung werde es nicht gelingen, die Menschen in die Kirche zurückzuholen.
Gaillot offline
Der ehemalige Bischof von Evreux, Jaques Gaillot, hat die Mitarbeit an seiner Webseite http://www.partenia.org/ eingestellt. Gaillot hatte nach seiner Amtsenthebung durch Papst Johannes Paul II. im Jahr 1995 die Webseite ins Leben gerufen. Diese nutzte er als virtuelle „Diözese ohne Grenzen“, um in monatlichen Rubriken seine strittigen Meinungen weiter zu verbreiten. Mit seinem bevorstehenden 75. Geburtstag will Gaillot keine weiteren Internet-Texte mehr verfassen. 800.000 Besucher sollen laut Gaillot die Internetseite pro Monat aufgerufen haben. Der Bischof war vor fünfzehn Jahren wegen allzu fortschrittlichen Aussagen zu Themen wie Aids-Prävention, Homosexualität oder Abtreibung sowie auf Druck seiner neidischen Bischofskollegen von seinem Amt abberufen worden.
Moschee statt Twin Towers?
Um den geplanten Bau eines islamischen Kulturzentrums in der Nähe des ehemaligen World Trade Centers in New York wird rege gestritten. Die Errichtung einer Moschee nahe dem Terrorschauplatz vom 11. September 2001 spaltet die US-Amerikaner. Mit Präsident Obama stehen viele für den Moschee-Bau als Zeichen des Dialogs zwischen Christen und Muslimen. Andere sehen darin eine Provokation angesichts der vielen Toten durch islamistische Extremisten. Der Erzbischof von New York hat sich als Vermittler zwischen den polarisierten Lagern anerboten.
Kommentar: Die Gegner einer Moschee auf "Ground Zero" könnten einiges lernen von den Juden und Muslimen im Nahen Osten. Dort weiss man seit Jahrzehnten, dass Orte, an denen auch religiöse Gebäude der eigenen Religion stehen, als Ziele von Terroranschlägen nicht (mehr) in Frage kommen.
Kirche bekämpft brasilianischen Staudamm
Mit heftiger Kritik reagiert die Kirche weltweit auf die Bewilligung des Mega-Wasserkraftwerkes Belo Monte im brasilianischen Amazonasgebiet. „Wir lehnen das Projekt 'Belo Monte' grundsätzlich ab“, so der Linzer Bischof Ludwig Schwarz. Er leitet die Koordinierungsstelle der Bischofskonferenz für Entwicklung und Mission. „Wir werden die betroffenen Menschen bei ihren legitimen Anliegen in Brasilien unterstützen“, kündigte Bischof Schwarz an. Trotz massiver Proteste von Umweltschützern, Menschenrechtlern und Kirchenvertretern hatte Brasiliens Präsident Luiz Inacio da Silva grünes Licht für das im Amazonas-Gebiet geplante drittgrösste Wasserkraftwerk der Welt gegeben. Er unterzeichnete einen Konzessionsvertrag mit einem Konsortium, das für 35 Jahre die Nutzungsrechte an dem Kraftwerk Belo Monte am Xingu-Fluss im Bundesstaat Pa hat. An der Spitze des Widerstandes am Mega-Staudammprojekt steht seit Jahren der aus Österreich stammende Bischof Dom Erwin Kräutler. Als Bischof der Diözese Xingu und als Präsident des Indianer-Missionsrates (CIMI) Brasiliens hat er immer davor gewarnt, dass das Projekt zu einem „sozialen und ökologischen Chaos“ führen werde.
Streit zwischen französischen Politikern und Bischöfen
Im Streit um die Abschiebung von Roma übte Premierminister François Fillon Ende August schwere Kritik an der katholischen Kirche. Der Vergleich der Abschiebungen mit der Vichy-Regierung und ihrem Umgang mit den Juden im Zweiten Weltkrieg sei ein schwerer Fehler. Vergangene Woche hatte der Erzbischof von Toulouse, Robert Le Gall, die Roma-Abschiebung mit der Judendeportation verglichen. Auch der Bildungsminister Luc Chatel sieht die Aussage von Le Gall als schockierend. Eine Regierung müsse Gesetze anwenden und der Glaube sei kein Gesetz, so Chatel. Die Kirche solle konkrete Vorschläge unterbreiten.
Neuer UN-Sonderberichterstatter befürwortet Religion in der Öffentlichkeit
Der neue UN-Sonderberichterstatter für Religionsfreiheit, Heiner Bielefeldt, ist dagegen, religiöse Ausdrucksformen aus staatlichen Einrichtungen zu verbannen. Es bestehe die Gefahr, „die religiös-weltanschauliche Neutralität des Staates so zu verstehen, dass Religion in öffentlichen Institutionen überhaupt nicht sichtbar wird“ - wie zum Beispiel in Frankreich. Das sagte Bielefeldt heute (Freitag) in einem Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur. Die größte Gefahr für die freie Religionsausübung bestehe in Staaten, die sich mit einer bestimmten Religion identifizieren. Dazu gehören islamische Länder wie Iran, Pakistan oder Saudi-Arabien. Ferner gebe es Staaten wie China, Vietnam oder Laos, in denen die Behörden religiöse Minderheiten teilweise systematisch verfolgten. Religionsfreiheit sei „mehr als Toleranz“, betonte Bielefeldt. Als unveräußerliches Menschenrecht habe es der Staat nicht zu gewähren sondern zu schützen. Scharf kritisierte der neue UN-Sonderberichterstatter, dass in einigen muslimischen Staaten auf den Wechsel der Religion die Todesstrafe steht. - Der 52-Jährige tritt am Sonntag das Amt des Sonderberichterstatters der Vereinten Nationen für Glaubens- und Gewissensfreiheit an. Bielefeldt hat seit einem Jahr den Lehrstuhl für Menschenrechte der Universität Erlangen-Nürnberg inne. Zuvor leitete er mehrere Jahre das Deutsche Institut für Menschenrechte in Berlin.
Touristenschlager Petersdom im Internet
Der Petersdom ist die beliebteste Gratis-Attraktion für Touristen in Europa. Gefolgt wird die vatikanische Basilika vom Museum Auschwitz-Birkenau und dem sizilianischen Vulkan Ätna. Das berichtet die italienische Tageszeitung „Corriere della Sera“ von Freitag unter Berufung auf das Hotelbewertungsportal „Tripadvisor“. Die Liste der zehn Bestplatzierten beschließen zwei weitere italienische Reiseziele: die Ausgrabungen von Ostia Antica bei Rom und der Canale Grande in Venedig. Der römische Vizebürgermeister Marco Cutrufo sieht im Spitzenplatz für Sankt Peter eine weitere Bestätigung für Rom. Die italienische Metropole werde jedes Jahr von zwölf Millionen Touristen besucht.
Der Petersdom ist jetzt auch am heimischen Computer zu besichtigen. Vom Internetportal www.vatican.va aus leitet ein Link zu einer virtuellen Tour durch das größte Gotteshaus der Christenheit. Um den Eindruck einer freien Bewegung im Raum zu ermöglichen, wurden Tausende hochauflösender Fotografien zu einem dreidimensionalen Panoramabild zusammengefügt. Mit der Umsetzung des Projekts waren Studierende der Villanova University im US-amerikanischen Pennsylvania zwei Jahre lang beschäftigt, wie Radio Vatikan am Mittwoch meldete. Die Ausgangspunkte für die 360-Grad-Ansichten befinden sich in der Apsis, beim Hauptaltar, in den beiden Querschiffen, dem Hauptschiff sowie in der Chorkapelle und vor der „Pietá“ Michelangelos.
Jordanier wird Präsident des Lutherischen Weltbunds
Ende Juli fand die elfte Vollversammlung des Lutherischen Weltbundes (LWB) in Stuttgart statt. Der Bund umfasst 70 Millionen Gläubige in 145 Mitgliedskirchen. Im Mittelpunkt des Treffens stand ein Schuldeingeständnis wegen der historischen Verbrechen der Lutheraner an den Täuferbewegung der Mennoniten im 16. Jahrhundert. Zu ihrem neuen Präsidenten bestimmte die Vollversammlung Munib Junan, den 59-jährigen Bischof der evangelisch-lutherischen Kirche in Jordanien.
Matisse-Raum in Vatikan-Museum
Die Vatikanischen Museen widmen Henri Matisse (1869-1954) eine neue ständige Ausstellung. Vom Jahresende an soll ein eigener Raum das religiöse Werk des französischen Künstlers zeigen, wie eine Mitarbeiterin der Sammlungen auf Anfrage bestätigte. Das bisher wenig bekannte Spätwerk von Matisse umfasst Skulpturen, Zeichnungen und Keramiken, aber auch liturgische Gewänder. Die Kunstwerke, die der Vatikan über die vergangenen Jahrzehnte erhalten oder erworben hatte, waren zum Teil bereits im Museum ausgestellt und werden nun als Gesamtensemble präsentiert. Matisse, der sich die meiste Zeit seines Lebens dem profanen abstrakten Expressionismus widmete, entdeckte drei Jahre vor seinem Tod für sich die sakrale Kunst.
Abschaffung des Sargzwangs in Berlin
Der Berliner Senat will den Muslimen Bestattungen ohne Sarg erlauben. Der Sargzwang war bisher für 90% der Muslime ein Anlass, sich nach dem Tod in ihren Heimatländern beerdigen zu lassen. Nach muslimischer Tradition ist eine Bestattung in einem Leichentuch vorgeschrieben. Bestattungsunternehmen meldeten ihre Bedenken an wegen der Gefahr auslaufender Körperflüssigkeiten. Andere vermuten hinter dem Widerstand eher wirtschaftliche Gründe, weil die Unternehmen keine Särge verkaufen können.
Wichtige Ernennungen im Vatikan
Neuer Nuntius bei der UNO
Erzbischof Francis Assissi Chullikatt ist von Papst Benedikt XVI. zum ständigen Vertreter des Heiligen Stuhls bei den Vereinten Nationen in New York ernannt worden. Chullikatt war bisher Apostolischer Nuntius in Irak und Jordanien. Chullikatt wird Nachfolger von Erzbischof Celestino Migliore, der zum Nuntius in Warschau ernannt wurde.
Neuer Leiter im neuen Päpstlichen Rat für Neuevangelisierung
Ende Juni kündigte Papst Benedikt XVI. die Gründung des Rates für die erneute Evangelisierung an. Erster Leiter dieser neuen Vatikanbehörde soll Erzbischof Rino Fisichella werden, bisher Leiter der Päpstlichen Akademie für das Leben. Fisichella war ebenfalls Rektor der Päpstlichen Lateran-Universität.
Neuer oberster Bischof-Macher
Papst Benedikt XVI. hat den altersbedingten Rücktritt von Kardinal Giovanni Battista Re als Leiter der Bischofskongregation angenommen. Damit geht einer der letzten wichtigen Kardinäle aus der Ära Johannes Pauls II. Als Nachfolger für die Bischofskongregation benannte der Papst den bisherigen Erzbischof von Québec, Kardinal Marc Ouellet. Die Bischofskongregation behandelt alles, was die Errichtung und Besetzung der Teilkirchen, sowie die Ausübung des bischöflichen Dienstes angeht. Dazu gehört die Errichtung oder Teilung von Bistümern und besonders auch die Ernennung von Bischöfen. Ouellet war früher am päpstlichen Einheitsrat und an der Lateran-Universität tätig.
Rote Karte für holländischen Pfarrer
Im Vorfeld der Fussball-WM wurde den Pfarreien weltweit empfohlen, von der Fussball-Euphorie zu lernen und zu profitieren, u.a. mit speziellen Fussball-Gottesdiensten. Letzteres hat ein Priester in Holland versucht - nicht unbedingt zur Freude seiner Vorgesetzten. Der Priester Paul Vlaar im nordholländischen Obdam wurde vom Haarlemer Bischof Jozef Marianus beurlaubt, weil er vor dem WM-Finale eine „Oranje-Messe“ abgehalten hatte. Der Priester hat vor der Partie zwischen den Niederlanden und Spanien ein orangefarbenes Messgewand getragen, die Gemeinde sang Fussball-Lieder. Beim Altar stand ein Tor und selbst die Kerzen und das Klavier waren während des Gottesdienstes farblich auf die Nationalmannschaft abgestimmt. Viele der rund 300 Gläubigen waren in Fankleidung erschienen. In sozialen Netzwerken, E-Mails, Briefen und Anrufen bei Redaktionen und der Kirchenleitung wehren sich seit dem bischöflichen Machtwort Tausende von Gläubigen. Die Rückkehr des Pfarrers fordern auch Bewohner des Altersheims der Gemeinde. «Der Bischof soll sich bloss nicht so anstellen wegen eines orangenen Gewandes», sagte der 93-jährige Trien Luken-Neefjes.
Bischof schreibt offenen Brief an die Mafia
Der italienische Bischof Giuseppe Fiorini Morosini hat der kalabresischen Mafiaorganisation 'Ndrangheta vorgeworfen, die Religion für ihre verbrecherischen Ziele zu missbrauchen. In einem offenen Brief an die Clan-Chefs verurteilte er die regelmäßigen Treffen von 'Ndrangheta-Familien in der Kirche Madonna della Montagna di Polsi in den Aspromonte-Bergen, wie die Turiner Tageszeitung «La Stampa» am Montag berichtete. «Warum müsst ihr unseren Glauben und unsere Religion erniedrigen?», schrieb der Bischof von Locri in Süditalien. «Das Evangelium, von dem Ihr sprecht, kann nicht das Evangelium von Jesus Christus sein», kritisierte der Geistliche angesichts der demonstrativen Frömmigkeit der 'Ndrangheta-Bosse. Die Anführer der kalabresischen Mafia nutzen traditionell die Pilgerkirche in den Aspromonte-Bergen, um ihre Religiosität zu zeigen und wichtige Personalentscheidungen zu treffen. Vor wenigen Tagen waren bei einer Razzia gegen die Mafiaorganisation Hunderte Verdächtige festgenommen worden, darunter der 'Ndrangheta-Boss Domenico Oppedisano.
Vertuschende Bischöfin trat zurück
Der Hamburger Bischöfin Maria Jepsen wurde vorgeworfen, bereits 1999 informiert worden zu sein über jahrelange sexuelle Übergriffe an Minderjährigen durch einen Pastor ihrer Diözese. Jepsen habe ungenügend reagiert. Zwar habe sie den heute pensionierten Seelsorger nach ersten Hinweisen 1999 aus der Gemeinde genommen, liess ihn aber in der Jugendstrafanstalt Schleswig als Seelsorger und an einem Ahrensburger Gymnasium als Religionslehrer arbeiten. Die 65-Jährige Jepsen war die erste lutherische Bischöfin weltweit. Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) sowie der katholische Weihbischof im Erzbistum Hamburg, Hans-Jochen Jaschke, bedauern den Rücktritt der Bischöfin.
Kluft zwischen Pfarrern und Kirchenleitung
Im Pfarreiblatt Nr. 13 wurde die Tatsache thematisiert, dass die Luzerner SeelsorgerInnen in der konkreten Patoral mehr nach ihrem Gewissen als nach dem kirchlichen Recht und bischöflichen Weisungen handeln, v.a. bei der Generalabsolution und in der Liturgie. Nun belegt eine breit angelegte Studie in Österreich, dass auch dort eine wachsende Kluft zwischen Seelsorgern und Bischöfen entsteht. 79 Prozent der Pfarrer sind für die Abschaffung des Pflichtzölibats. Dies belegt eine Studie, die im Auftrag der ORF-Sendung "kreuz und quer" vom Institut GfK Austria bei 500 Pfarrern in ganz Österreich durchgeführt wurde. Eine stärkere Öffnung der katholischen Kirche für die moderne Welt wollen auch 64 Prozent der befragten Pfarrer. Geleitet hat die Umfrage der Pastoraltheologe Paul Zulehner. Er bilanzierte beträchtliche Divergenzen zwischen Pfarrern und Kirchenleitung und sieht "extremen Handlungsbedarf". "In Pfarreien mit aufgeschlossenen Seelsorgern finde bereits heute eine faktische Basisreform statt. 52 Prozent der befragten Pfarrer sagen, dass sie in wichtigen Fragen anders denken als die Kirchenleitung (z.B. Zulassung von Wiederverheirateten Geschiedenen zu den Sakramenten). 74 Prozent der Pfarrer beobachten, dass die Vorstellungen der Kirchenleitung und des Kirchenvolks immer weiter auseinanderklaffen. 62 Prozent vertreten die Ansicht, dass Priester heiraten und im Dienst bleiben können. Genauso viele sprechen sich dafür aus, dass die katholische Kirche laisierte Priester wieder in den Dienst nehmen soll. Diese Ausweitung wünschen auch jene Pfarrer, die auch dann weithin ehelos blieben, wenn sie heiraten könnten. 13 Prozent der Pfarrer würden wahrscheinlich und sechs Prozent ganz sicher heiraten, wenn sie das Amt behalten könnten. 51 Prozent der Pfarrer sind für die Priesterweihe für Frauen. Wie Zulehner erläutert, sei die Frauenordination für die Mehrheit der Pfarrer keine dogmatische Frage mehr, sondern nur mehr eine rein kirchenpragmatische. Die Befragungen brachte aber auch weitere interessante Erkenntnisse zu Tage: Über 70% der befragten Pfarrer sagen, die Kirche soll sich der modernen Welt mehr öffnen. Gleichzeitig zeigen sich aber 39 Prozent überzeugt, dass sich die Kirche von der modernen Welt deutlicher unterscheiden müsse. Und je jünger ein befragter Pfarrer ist, desto grösser ist seine Skepsis und Distanz zur modernen Kultur und zu Modernisierungsvorschlägen anderer Pfarrer. Vor allem die sogenannten "Spätberufenen", also diejenigen, die nicht gleich nach der Matura ins Priesterseminar eingetreten sind, zählen zu den Modernitäts-Skeptikern. So lehnen beispielsweise 39 Prozent der bis 40-Jährigen, die befragt wurden, komplett ab, dass Frauen zu Priesterinnen geweiht werden sollen.
Die Studie ist in Buchform erschienen. Paul Zulehner: Wie geht's, Herr Pfarrer?, Verlag Styria, ISBN 3-222-13314-X
Reformierte gründen Weltgemeinschaft
Der Reformierte Weltbund (RWB) und der Reformierte Ökumenische Rat (REC) hielten gemeinsam in der zweiten Junihälfte ihre Generalversammlung im US-amerikanischen Grand Rapids ab und fusionierten zur "Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen" (WRK). Die Delegation des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbunds (SEK) hat bei den 400 Delegierten aus 230 Kirchen u.a. die „Ökumenische Wassererklärung“ eingebracht, die das Wasser bereits vor fünf Jahren als öffentliches Gut erklärte. Mit der Erklärung sollen staatliche Regierungen dazu bewegt werden, den allgemeinen und freien Zugang zu Wasser als Menschenrecht und lebensnotwendige Grundvoraussetzung gesetzlich anzuerkennen. Die Kirchen der WRK haben die Erklärung angenommen. Gottfried W. Locher wurde der bisherige RWB-Vizepräsident und neu SEK-Ratspräsident von den Delegierten als Finanzverantwortlicher in das Präsidium der WRK gewählt. Der WRK wird seinen Sitz im Ökumenischen Zentrum in Genf haben und umfasst 227 Mitgliedskirchen, die 80 Millionen Christen in 108 Ländern vertreten.
Weitere Jesus-Bücher vom Papst
Das zweite Jesus-Buch von Papst Benedikt XVI. wird im März nächsten Jahres rechtzeitig zur Fastenzeit erscheinen. Das Buch handelt von der Passion und der Auferstehung Jesu; es ist schon fertig geschrieben und wird derzeit in zahlreiche Sprachen übersetzt. Der Papst hat in seinen diesjährigen Sommerferien den letzten Teil seiner Jesus-Trilogie begonnen. Darin geht es um die Kindheitsgeschichte Jesu.
EU und UNO kritisieren die Schweiz
Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hat eine Beschwerde gegen das Minarett-Verbot als formal zulässig befunden. Die Schweizer Regierung muss nun bis zum 15. September ihre Einschätzung vorlegen. Dieser erste Entscheid sei eine bedeutende Etappe. Das sagte der Genfer Anwalt Ridha Ajmi der vier muslimischen Organisationen, die sich im Dezember an das Strassburger Gericht gewandt hatten. Mit ihren Beschwerden wollen die vier Verbände die Vereinbarkeit des Minarett-Verbots mit der Europäischen Menschenrechtskonvention überprüfen lassen. Insgesamt sind beim Menschenrechtsgerichtshof sechs Beschwerden zum Minarett-Verbot eingegangen.
Das Schweizer Verbot von Minaretten ist von den Parlamentariern des Europarats als Diskriminierung der muslimischen Gemeinde verurteilt worden. Am 23. Juni forderte der Europarat in Strassburg die Schweiz auf, das Bauverbot aufzuheben und es bis zu seiner Aufhebung auszusetzen. Das Verbot verletze die in der Menschenrechtskonvention verankerte Religionsfreiheit. Der Bau von Minaretten müsse genauso erlaubt sein wie der von Kirchtürmen. Die Abgeordneten aus den 47 Europaratsländern haben sich ausserdem gegen ein generelles Burka-Verbot ausgesprochen. Akzeptabel seien punktuelle gesetzliche Regelungen etwa für die Identifizierung, bei der Ausübung öffentlicher Ämter und in Fällen, in denen eine religiöse Neutralität erforderlich sei. Gemäss Abstimmungsprotokoll stimmten auch alle fünf anwesenden Schweizer Vertreter für die Resolution, darunter auch André Bugnon (SVP/VD). Der Luzerner SVP-Nationalrat Felix Müri sei gegen den EU-Beschluss gewesen, habe aber bei der Abstimmung durch Abwesenheit geglänzt. Die Schweizer Regierung muss bis am 15. September ihre Einschätzungen vorlegen. Insgesamt wurden in Strassburg sechs Beschwerden gegen das Minarettverbot eingereicht. Das Bundesgericht hatte seinerseits bei zwei Beschwerden Nichteintreten beschlossen. Die Urheber der Anti-Minarett-Initiative fordern einen Rücktritt der Schweizer Abgeordneten in der Parlamentarischen Versammlung des Europarates.
Wegen des Minarett-Verbots wurde die Schweiz vom Uno-Menschenrechtsrat verurteilt. Das Gremium verurteilte das Minarett-Verbot als «Ausdruck der Islamophobie». Das Verbot wird ausserdem als Verstoss gegen «internationale Verpflichtungen im Bereich der Menschenrechte und Religionsfreiheit» bezeichnet. Es nähre «Diskriminierung, Extremismus und Vorurteile, die zu Polarisierungen und Spaltungen mit gefährlichen Folgen führen», so der Entwurf.
Sexueller Missbrauch in der Kirche
Papst bittet Missbrauchsopfer um Vergebung
Während Papst Benedikt XVI. bisher stets sein Bedauern und seine Scham über schuldig gewordene Priester zum Ausdruck gebracht hatte, betonte er am 11. Juni erstmals die strukturelle Schuld der Kirche und bat die Opfer um Vergebung. Bei der Messe auf dem Petersplatz zum Ende des „Jahres der Priester“ sagte der Papst ohne Umschweife wörtlich: "Gerade in diesem Jahr der Freude über das Sakrament des Priestertums wurden die Sünden von Priestern bekannt– vor allem der Missbrauch der Kleinen. Das Priestertum als Auftrag der Sorge Gottes um den Menschen wurde dadurch in sein Gegenteil verkehrt. Wir bitten Gott und die betroffenen Menschen inständig um Vergebung und versprechen zugleich, dass wir alles tun wollen, um solchen Missbrauch nicht wieder vorkommen zu lassen; dass wir bei der Zulassung zum priesterlichen Dienst und bei der Formung auf dem Weg dahin alles tun werden, was wir können, um die Rechtheit der Berufung zu prüfen, und dass wir die Priester mehr noch auf ihrem Weg begleiten wollen, damit der Herr sie in Bedrängnissen und Gefahren des Lebens schütze und behüte.“
Vatikan verschärft Missbrauchs-Regeln
Der Vatikan wird das innerkirchliche Verfahren bei Missbrauchsfällen sowie bei Delikten gegen den Glauben, die Eucharistie und die Beichte verschärfen und beschleunigen. Die kirchenrechtliche Verjährungsfrist für Pädophilie, die bis heute 10 Jahre währt, soll verlängert werden. Vergehen an Menschen mit einer geistigen Behinderungen wurden den Verbrechen an Minderjährigen gleichgestellt. Vorgesehen ist offenbar eine Mitteilungspflicht für Sexualdelikte an weltliche Behörden. Ausserdem solle innerhalb der kirchlichen Strafverfolgung die Verjährungsfrist ausgeweitet oder eine Verjährung ganz abgeschafft werden. Auch soll künftig der Besitz von kinderpornographischem Material für Kleriker kirchenrechtlich eine Straftat darstellen.
"Teil-Austritt" in Deutschland nicht möglich
Wer Mitglied einer der beiden grossen Kirchen in Deutschland bleiben will, muss weiter Kirchensteuern zahlen, entschied der baden-württembergische Verwaltungsgerichtshof in Mannheim. Ein Austritt allein aus der Kirche als Körperschaft des öffentlichen Rechts und damit aus der Kirchensteuerpflicht sei nicht statthaft, so das Gericht.
Deutscher Frauenbund fordert Diakoninnen
Der Katholische Deutsche Frauenbund bekräftigt seine Forderung nach Zulassung von Frauen zum Diakonenamt in der Kirche. Zudem sollten Führungspositionen in der Kirche verstärkt durch Frauen besetzt werden. Das forderte der Verband an diesem Montag in Köln. „Wir sehen derzeit keine gleichberechtigte Teilhabe von Frauen in der Kirche“, erklärte KDFB-Präsidentin Ingrid Fischbach. Es sei ein Dilemma, dass qualifizierte Frauen mit theologischen, sozialen, pastoralen oder betriebswirtschaftlichen Kompetenzen in der katholischen Kirche deutlich unterrepräsentiert seien, so Fischbach weiter. 1998 hatte der KDFB den Gedenktag der heiligen Katharina von Siena am 29. April als „Tag der Diakonin“ eingerichtet. Der Bund hat etwa 220.000 Mitglieder. (kipa)
Lefebvre-Bischof Williamson verurteilt
Wegen Volksverhetzung hat das Amtsgericht Regensburg den britischen Traditionalistenbischof Richard Williamson zu einer Geldstrafe von 10 000 Euro verurteilt. Der Bischof der Piusbruderschaft, der nicht persönlich erschienen war, hatte in einem Interview die Zahl der von den Nazis ermordeten Juden auf höchstens 300 000 beziffert und die Existenz von Gaskammern bestritten. Williamsons Anwalt will das Urteil anfechten. Die Verhandlung war nötig geworden, nachdem Williamson im November 2009 über seinen Anwalt Einspruch gegen einen Strafbefehl über 12.000 Euro eingelegt hatte. Papst Benedikt XVI. hatte Williamson und drei weitere exkommunizierte Bischöfe der Piusbruderschaft Anfang 2009 in einem Aufsehen erregenden Akt begnadigt. Von den umstrittenen Äusserungen habe der Papst aber erst später erfahren.
Designierte Ministerin Aygül Özkan entschuldigt sich
Die neue Sozialministerin von Niedersachsen, Aygül Özkan von der CDU, hatte im Vorfeld des Amtsantritts in einem Interview gefordert, Kruzifixe und Kopftücher aus den Klassenräumen zu entfernen. Damit löste die erste muslimische Ministerin einen Sturm des Protests aus. Der neu gewählte Deutsche Bundespräsident Christian Wulff kritisierte die türkischstämmige Özkan harsch. Özkan hat sich kurz darauf vor der CDU-Landtagsfraktion für ihre geäusserte Forderung entschuldigt.
Models werben für Priesternachwuchs in Frankreich
Die Französische Bischofskonferenz wirbt derzeit mit Fotomodellen für geistlichen Nachwuchs. Die in der Kampagne gezeigten vermeintlichen Priester sind keine echten Geistlichen. Die den Fotomodellen in den Mund gelegten Aussagen stammten allerdings von echten Priestern. Mit dieser Werbeaktion will die Bischofskonferenz ihren Mitbürgern das Leben der Priester näher bringen und zeigen, wie normal katholische Priester seien. Es gehe auch darum, ihre Funktion und Bedeutung für die Gesellschaft aufzuzeigen. Der Pressesprecher der Bischofskonferenz, Bischof Podvin, nennt dieses Vorgehen normal. Für Anzeigen von Banken würden auch keine echten Direktoren engagiert. „Es geht ja nicht um die konkrete Gesichter, sondern um die inhaltliche Botschaft dieser Werbekampagne. Wir wollten das so professionell wie möglich machen, deshalb haben wir professionelle Fotomodelle angefragt.“
Kommentar:
Man darf gespannt sein, welche jungen Männer von der Kampagne mit den Fotomodellen angezogen werden. In Italien existiert seit Jahren ein grossformatiger Jahreskalender mit 12 gut aussehenden und klerikal wirkenden Priestern (www.calendarioromano.org). Auf diesen Kalender wird auf fast allen Websites italienischer Schwulen-Organisationen aufmerksam gemacht. In Frankreich ticken die Uhren wohl auch nicht ganz anders...
Dem "seligen" Johannes Paul II. fehlt ein Wunder
Der Postulator der Seligsprechung von Johannes Paul II. weist Behauptungen zurück, dass es Schwierigkeiten beim Verfahren gebe. Das Büro von Slawomir Oder weist darauf hin, dass „nicht bekannt“ sei, ob die Ordensschwester Marie-Simon-Pierre wieder an Parkinson leide. Eine polnische Zeitung berichtet, dass die auf Fürsprache des verstorbenen Papstes geheilte Ordensfrau erneut an Parkinson erkrankt sei. Nach der Zuerkennung des „heroischen Tugendgrades“ durch Benedikt XVI. im Dezember 2009 ist nur noch der Nachweis eines Heilungswunders auf Fürsprache des „Dieners Gottes“ notwendig.
Papst ernennt Opus-Dei-Bischof in Los Angeles
Benedikt XVI. hat ein Mitglied der konservativen Opus-Dei-Bewegung zum nächsten Erzbischof von Los Angeles berufen. Die Entscheidung für Jose Gomez gilt als Beleg für die Absicht des Papstes, in der grössten Diözese der USA einen Verfechter der katholischen Rechtgläubigkeit zu wissen. Gomez ist einer von 22 Bischöfen, die weltweit dem Opus Dei angehören. Mit mehr als fünf Millionen Katholiken zählt das Erzbistum Los Angeles in Kalifornien zu den grössten Bistümern der Welt. Rund 70 Prozent der Katholiken im Erzbistum Los Angeles sind Hispanoamerikaner. Die Ernennung von Msgr. Gomez, der selbst in Mexiko geboren wurde, fand daher großen Zuspruch. Begeistert über die päpstliche Ernennung sind auch Kaliforniens Lebensschützer. Denn Gomez ist für seine klare Haltung im Lebensschutz bekannt. Er weigerte sich im letzten Jahr an der Veranstaltung mit Präsident Barack Obama an der katholischen Universität Notre-Dame teilzunehmen. Gomez schrieb damals: „Präsident Obama hat klar zu verstehen gegeben, dass seine Position zur Abtreibung und allgemein zum Schutz des ungeborenen Lebens in direktem Widerspruch zur Lehre der katholischen Kirche steht.“
Papst in Santiago de Compostela und Barcelona
Benedikt XVI. wird Anfang November einen Besuch in Santiago de Compostela abstatten.
Am Abend des 6. November wird er weiter reisen nach Barcelona. Am Sonntag, den 7. November, wird er in einer Messe in der Sagrada Familia die Kathedrale einweihen. Der Bau der Basilika, die zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt, wurde vom Architekten und Bildhauer Antoni Gaudì entworfen und begonnen. Für Gaudì ist ein Seligsprechungsverfahren im Gang.
Nach der Messe wird er das Angelus-Gebet sprechen. Das Erzbistum geht von bis zu einer halben Million Besuchern aus, auch das spanische Königspaar wird erwartet. Am Nachmittag wird Benedikt XVI. ein Sozialzentrum für Familien besuchen und damit seinen Besuch in Barcelona beenden. Es ist der erste Papstbesuch in der Stadt seit 1982.