Papst Benedikt XVI. und Bischof Kurt Koch im Mai 2009 in Bethlehem
Die 26 neuen Pastoralräume
Synoden-Sitzung
Synodalrat berät über die Konsequenzen
(v.l.n.r.):
Armin Betschart (Vizepräsident Synodalrat), Maria Graf-Huber (Synodalratspräsidentin), Joseph Durrer (Synodepräsident), Stefan Strässler (Vizepräsident Synode).
Joseph Durrer, kath. Synodepräsident / Maria Graf-Huber, kath. Synodalratspräsidentin / Alice Hofer-Keller, evang. Synodepräsidentin / Pierre Abry, Kirchenrat der Christkatholischen Kirchgemeinde Luzern / David A. Weiss, evang. Synodalratspräsident
Surah Al-Shawk
Luzern
Wird Bischof Koch nach Rom befördert?
Wird der Basler Bischof Kurt Koch schon bald nach Rom übersiedeln und zum Nachfolger ernannt von Kurienkardinal Walter Kasper? Kasper ist Präsident des päpstlichen Rates für die Einheit der Christen. Der ehemalige Tübinger Theologieprofessor und Erzbischof von Rottenburg-Stuttgart hat die Alterslimite von 75 Jahren bereits vor zwei Jahren erreicht. Kurt Koch, der Mitte März 60 jährig wird, ist am 6. Februar von Papst Benedikt XVI. zur Audienz im Vatikan empfangen worden.
Neben Koch gilt der konservative Regensburger Bischof Müller als Kronfavorit für Kaspers Nachfolge. In der römischen Kurie haben noch weitere Spitzenleute die Altersgrenze erreicht und werden in nächster Zeit ersetzt: die Kardinäle Raffaele Farina, Giovanni Battista Re, Claudio Hummes, Joseph Cordes und Franc Rodé.
Zangengeburten gibt es nicht nur in der Maternité und bei Harmos, sondern auch wenn Pfarreien und Kirchgemeinden zusammen gelegt werden sollen. Nach jahrelangen Gesprächen hatte das Bistum Basel vor einem Jahr einen Richtplan-Entwurf für die Bistumsregion St. Viktor (Kanton Luzern) präsentiert. Die 101 Pfarreien waren bisher in 85 politischen Kirchgemeinden organisiert. Vorgesehen war neu eine Reduktion auf 25 Pastoralräume. Die Gründe für diesen Pastoralen Entwicklungsplan (PEP) liegen in grösseren Möglichkeiten zu überpfarreilichen Diensten und Angeboten sowie in Sparmassnahmen. Nicht zu leugnen ist aber auch die Tatsache, dass das Kirchenrecht verlangt, dass einer pastoralen Einheit jeweils ein Priester vorzustehen hat. Folglich müssen diese Räume grösser werden, wenn die Zahl der Priester kleiner wird. Der Pastoralraum Stadt Luzern existiert bereits und beginnt die stärkere Kooperation der Pfarreien.
In den ländlichen Gegenden erfolgte das Zusammenlegen von Pfarreien und Kirchgemeinden nicht gemäss PEP-Entwurf. Vor allem in drei Regionen leistete die Basis dem bischöflichen Plan nicht Folge. Die Pfarrei und Kirchgemeinde Hildisrieden wollte nicht zusammen mit Rain und Rothenburg einen Pastoralraum bilden. Hildisrieden und Rain schliessen sich neu dem Pastoralraum "Oberer Sempachersee" (Eich, Hellbühl, Neuenkirch und Sempach) an. Rothenburg kommt neu zum Pastoralraum Emmen/Emmenbrücke. Ebenfalls quer stellte sich die Kirchgemeinde Horw, die nicht mit Kriens zusammen einen Pastoralraum bilden wollte, sondern autonom bleiben will. Weitere Änderungen ergaben sich im Seeland: Nottwil fühlte sich nicht dem Pastoralraum mit Sempach, Eich, Hellbühl und Neunkirch verbunden und schliesst sich in einem Pastoralraum mit Sursee, Geuensee und Oberkirch zusammen. Auch Knutwil, das mit Büron, Triengen und Winikon hätte fusionieren sollen, schliesst sich dem Pastoralraum Sursee an. Schliesslich wollten auch Dagmersellen und Uffikon-Buchs nicht mit Altishofen, Egolzwil-Wauwil, Nebikon und Schötz-Ohmstal fusionieren, sondern bilden neu einen separaten Pastoralraum.
Und so sehen die künftigen 26 Pastoralräume definitiv wie folgt aus:
1 Bramboden, Doppleschwand, Entlebuch, Finsterwald, Hasle, Romoos
2 Escholzmatt, Marbach, Wiggen
3 Flühli, Schüpfheim, Sörenberg
4 Werthenstein, Wolhusen, Ruswil
5 Ballwil, Eschenbach, Inwil
6 Beromünster (St. Michael und St. Stephan), Neudorf, Rickenbach,
Schwarzenbach
7 Aesch, Hitzkirch, Müswangen, Schongau
8 Hochdorf, Hohenrain, Kleinwangen, Römerswil
9 Adligenswil, Meggen, Udligenswil
10 Buchrain, Ebikon, Perlen, Root
11 Greppen, Vitznau, Weggis, (Rigi-Kaltbad)
12 Horw
13 Kriens (Br. Klaus, St. Franziskus, St. Gallus)
14 Littau, Reussbühl
15 Emmen (St. Mauritius, Br. Klaus), Emmenbrücke, Emmenbrücke
St. Maria, Gerliswil, Rothenburg
16 Malters, Schwarzenberg
17 Luzern (St. Anton, St. Karl, St. Johannes, St. Josef, St. Leodegar,
St. Maria, St. Michael, St. Paul)
18 Buttisholz, Grosswangen, Ettiswil
19 Eich, Hellbühl, Hildisrieden, Neuenkirch, Rain, Sempach
20 Büron, Triengen, Winikon
21 Sursee, Geuensee, Knutwil, Nottwil, Oberkirch
22 Dagmersellen, Uffikon-Buchs
23 Altishofen, Egolzwil-Wauwil, Nebikon, Schötz-Ohmstal
24 Langnau, Pfaffnau, St. Urban, Reiden-Wikon, Richenthal
25 Gettnau, Hergiswil, Willisau, Geiss, Menzberg, Menznau
26 Grossdietwil, Luthern, Ufhusen, Zell
Neue Synodenleitung
Die Synode, das Parlament der römisch-katholischen Landeskirche im Kanton Luzern, wählte ihr neues Präsidium und jenes des Synodalrats, behandelte den Voranschlag 2010 und befand über einen Kredit für ein Diakonie-Pilotprojekt.
Als Synodepräsident für die Jahre 2010 und 2011 wurde der 58-jährige Joseph Durrer aus Adligenswil gewählt. Er folgt dem Willisauer Hans Schüpfer nach. Als neuer Vizepräsident wirkt der 41-jährige Stefan Strässler aus Aesch.
Als neue Präsidentin des Synodalrats, der Exekutive der Landeskirche, wurde Maria Graf-Huber aus Oberkirch gewählt. Sie tritt in die Fussstapfen des Krienser Georg Fellmann. Als neuer Vizepräsident wirkt der 67-jährige Armin Betschart aus Dagmersellen.
Der Voranschlag 2010 der Landeskirche, der bei Einnahmen von rund 9,2 Millionen und Ausgaben von rund 9,4 Millionen Franken mit einem Minus von 200‘000 Franken rechnet, wurde angenommen. Schliesslich hat die Synode für das Pilotprojekt «Diakonie in ländlichen Pastoralräumen» einen Kredit von 200‘000 Franken gesprochen. In Zusammenarbeit mit der Caritas Luzern will die Kirche dem Land den sozialen Dienst in den neu zu schaffenden Pastoralräumen stärker wahrnehmen.
Kirchgemeinde Luzern plant Defizit
Das Parlament der Katholischen Kirchgemeinde Luzern, der Grosse Kirchenrat, hat den Voranschlag 2010 mit einem Defizit von 877'000 Franken beschlossen. De Rat reduzierte zudem die Mitgliederzahl des Kirchenrates (Exekutive) von sieben auf fünf Personen. Da Vreni Moser und Urs Manser künftig nicht mehr antreten werden, soll es zu keiner Abwahl bisheriger Mitglieder kommen. Die düsteren Finanzperspektiven zeigten sich auch beim Bericht und Antrag zur Sanierung des Pfarreizentrums St. Johannes. Der Kirchenrat schlug vor, nur die notwendigsten Massnahmen für den Erhalt des markanten Beton-Gebäudes und für die sinnvolle Nutzung des Innenhofs zu planen. Der Grosse Kirchenrat stimmte diesem Vorgehen grossmehrheitlich bei einer Enthaltung zu und bewilligte einen Sonderkredit von 1,1 Millionen Franken.
Luzerner Landeskirchen spannen zusammen
Die drei Luzerner Landeskirchen arbeiten in zahlreichen Einrichtungen und wechselnden Projekten eng und gut zusammen. Am Kontakttreffen der drei Landeskirchen am 13. Januar im reformierten Kirchenzentrum Johannes in Kriens informierten sich die 30 Synodalrätinnen und -räte, Kirchenratsmitglieder, Synodepräsidien und Leitenden der Verwaltungen gegenseitig über ihre Tätigkeit und besprachen gemeinsame Projekte wie die Notfall-, Spital- und Hochschulseelsorge, die Polizei- und Feuerwehrseelsorge, das Ökumenische Institut an der Universität Luzern oder die Kommission für den Religionsunterricht. Die Landeskirchen arbeiten auch projektbezogen: im vergangenen Jahr vor allem für den Bettag und gegen die Minarett-Initiative. Im Kanton Luzern gehören gut 80 Prozent der Bevölkerung einer der drei Landeskirchen an. Die römisch-katholische ist mit einem Anteil von rund 70 Prozent die grösste; die Evangelisch-Reformierte kommt auf etwa 11 Prozent; die Christkatholische Kirchgemeinde zählt rund 500 Mitglieder, deren Zahl stabil bleibt.
Zu viele theologische Fakultäten?
Rudolf Stichweh, Rektor der Universität Luzern, rüttelt an einem alten Tabu: Er findet drei theologische Fakultäten in der deutschsprachigen Schweiz (Luzern, Chur, Fribourg) angesichts der sinkenden Studierendenzahlen zu viel. Die Universität Luzern zählt 2.200 Studierende. Die rund 1100 Studierenden der Rechtswissenschaftlichen Fakultät werden von 20 Vollzeitprofessuren betreut (Verhältnis 1:57), die 800 Studierenden an der Kultur- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät von 18 Vollzeitprofessuren (Verhältnis 1:44)) und die rund 200 Studierenden an der Theologischen Fakultät von 12 Vollzeitprofessuren (Verhältnis 1:17).
Die Theologische Fakultät Luzern müsse laut Rektor Stichweh entweder mehr Studierende haben oder ihre Erträge durch mehr Drittmittel erhöhen. Zudem sollte sich seines Erachtens die katholische Kirche stärker an den Kosten der Theologischen Fakultät beteiligen. Dies könnte aber laut der Dekanin der Theologischen Fakultät, Monika Jakobs, die akademische Unabhängigkeit der Theologie gegenüber den Landeskirchen und Bistumsleitungen schmälern.
Kommentar der Redaktion:
Die Aufgabe des Uni-Rektors bestünde eigentlich darin, integrierend zu wirken und all seine Fakultäten zu fördern. Selbst das Verhältnis von 1:57 zwischen Rechtsprofessoren und Studierenden ist in Luzern immer noch sehr gut im Verhältnis zu den anderen Rechtsfakultäten der Schweiz, wo das Verhältnis bei weit über 1:100 liegt. Dass die Universität Luzern eine optimale Betreuung der Studierenden garantieren kann, gehört zu den Stärken des Standorts, den am wenigsten der Rektor in Frage stellen sollte.
Herbert Haag-Preis für Kuschel, Hürlimann und Eichmann-Leutenegger
Der Tübinger Theologe und Vize-Präsident der Stiftung Weltethos Karl-Josef Kuschel erhält den Preis der Herbert-Haag-Stiftung für Freiheit in der Kirche 2010. Zudem werden der Schriftsteller Thomas Hürlimann und die Publizistin Beatrice Eichmann-Leutenegger ausgezeichnet. Die Preisverleihung findet am 21. März um 16.30 Uhr im Luzerner Hotel Schweizerhof mit einer Einführung von Hans Küng statt. Die drei Preisträger bezeugten „auf je eigene Weise, dass die Freiheit des Wortes auch dort gelten muss, wo es um Glaube und Kirche geht und wo entscheidende Fragen der Moderne zur Debatte stehen, um die keine Religion herumkommt“. Die Stiftung besteht seit 1985 und hat ihren Sitz in Luzern. Sie trägt den Namen ihres Gründers, des 2001 verstorbenen Bibelwissenschaftlers Herbert Haag.
Basketball oder Allah
Der Nordostschweizer Basketballverband ProBasket verbot der 19-jährigen Muslimin Sura Al-Shawk aus Ebikon beim Basketballspiel STV Luzern das Tragen des Kopftuchs und würde ihrem Team automatisch Forfait geben, falls Al-Shawk mit ihrer Kopftuch antreten wollte. SVP-Nationalrat Hans Fehr äusserte gegenüber dem Tages-Anzeiger, dass die junge Frau das Kopftuch nicht freiwillig, sondern aus familiärem Zwang trage. Doch die gebürtige Irakerin, die seit neun Jahren in der Schweiz lebt, perfekt Luzerner Mundart spricht, die Kantonsschule besucht und vor kurzer Zeit eingebürgert wurde, trägt das Kopftuch erst seit zwei Jahren - gegen den Rat ihrer Eltern. Die Entscheidung des Sportverbands wirft Fragen auf, gerade weil der Sport sich stark als Mittel zur Integration von Menschen verschiedener Kulturen versteht und darum mit öffentlichen Geldern unterstützt wird. Nun wehrt sich Sura Al-Shawk gegen das Kopftuch-Verbot des Basketball-Verbands. Ihr Anwalt, Nationalrat Daniel Vischer, strebt einen Musterprozess an. Laut Vischer ist das Kopftuchverbot «ein übermässiger Eingriff in die Persönlichkeitsrechte. Eine Verletzungsgefahr durch das Kopftuch kann man kaum ernsthaft behaupten.»
Das Amtsgericht Luzern-Land hat die Klage von Daniel Vischer Ende Januar abgelehnt. Dieser will den Fall nun aber an die nächste Instanz weiter ziehen.
Zukunftsmusik Feldprediger
Hermann Lübbe
Weihbischof Marian Eleganti
Christoph Darbellay
Pfarrer Jansjürg Stückelberger
SEK-Präsident Thomas Wipf
Kloster Rickenbach
Gesundheit ist der höchste Wert...
... Kirche und Religion weniger
Norbert Brunner, der neue Präsident der Schweizerischen Bischofskonferenz
Schweiz
Retten Deutsche unsere Kirche?
Die katholische Kirche im Kanton Zürich verzeichnet im Jahr 2009 52 Prozent mehr Austritte als im Vorjahr. 3864 Menschen sind im letzten Jahr aus der katholischen Kirche des Kantons Zürich ausgetreten. Hauptgründe für den Massenaustritt war die Rehabilitierung der vier Bischöfe der Pius-Bruderschaft durch den Papst und die vielen Fettnäpfchen und der fehlende Dialog des Churer Bischofs. Insgesamt hat aber die Zahl der Katholiken im Kanton Zürich im vergangenen Jahr dank der Zuwanderung von Deutschen zugenommen.
Feldprediger ohne RS
Nicht nur die Gesamtarmee beklagt schwindende Personenzahlen wegen des für viele sinnvoller scheinenden Zivildienstes. Der Armee fehlt es auch seit Jahren an Feldpredigern. Bereits vor vielen Jahren erlaubte es die Armee darum auch Laientheologen als FeldpredigerInnen im Tenue grün zu wirken. Neu ist, dass die Armee auch Seelsorger aufnimmt, die bisher keinen Militärdienst geleistet haben. Ende 2008 waren noch 247 Armeeseelsorger im Einsatz, womit sich deren Zahl innert zehn Jahren beinahe halbiert habe. 1990 schlossen 48 Pfarrer die Ausbildung zum Armeeseelsorger ab, 2008 waren es noch zwölf. Trotz der Lockerung der Zulassungsbedingungen sowie Inseraten in Kirchenzeitungen haben sich für den nächsten Ausbildungsgang im Frühling auch wieder nur zwölf SeelsorgerInnen angemeldet. In Zukunft wird die Armee auch den Einsatz von muslimischen Geistlichen planen müssen, wie es die Verfassung auch vorschreibt.
Frauenfreundliche Neuenburger Kirche
Als erste religiöse Organisation der Schweiz erhält die Neuenburger Reformierte Kirche die Zertifizierung «equal-salary». Das Label attestiert eine gerechte Lohnpolitik zwischen Mann und Frau. Die "Eglise réformée évangélique du canton de Neuchâtel" ist die sechste Schweizer Organisation und gehört damit zu den Pionieren in diesem Bereich.
Verflechtung von Staat und Kirche
Der 84-jährige Hermann Lübbe, Honorarprofessor an der Universität Zürich, hält die Verflechtung von Staat und Kirchen etwa beim Kirchensteuereinzug oder dem Religionsunterricht für «nicht zukunftsfähig». Die Nähe der Religion zum Staat behindere die Entfaltung der Religionen. Das Staatskirchenrecht werde der unaufhaltsamen Pluralisierung der Religionen nicht gewachsen sein. Lübbe betonte an einer Tagung in Münster, dass sich in den USA die radikale Trennung der Kirchen vom Staat als vorteilhaft für die Religion erwiesen.
Kommentar der Redaktion:
Bezüglich Religionsunterricht sind in den deutschsprachigen Ländern schon lange Veränderungen im Gang, die den konfessionellen Religionsunterricht von den staatlichen Schulen trennen. Den Kirchensteuereinzug durch den Staat kann man aufgeben, ohne dass sich Staat und Kirche trennen müssen. Dies praktiziert der Kanton Basel seit Jahrzehnten. Die öffentlich-rechtliche Anerkennung weiterer Religionen ist eine geeignete Alternative zur Trennung von Staat und Kirche. Dies zeigen die Jüdischen Gemeinschaften in mehreren Schweizer Kantonen. Und die öffentlich-rechtliche Anerkennung des Islam wird offen diskutiert, auch wenn sich der heterogene Islam zunächst intern Strukturen geben muss, die dem Staat als Ansprechpartner dienen können. Schliesslich sind Religion und Kirche auch in den USA und selbst in Frankreich nicht vollständig getrennt. In vielen Bereichen wie Heirats- und Bestattungswesen, kirchliche Privatschulen, Ferien- und Feiertagsregelung, Armee-, Gefängnis- und Spitalseelsorge sowie Restaurierung historischer Kirchen arbeiten Staat und Kirchen eng zusammen.
Vorleben des Zürcher Weihbischofs
Michael Meier vom Tages-Anzeiger recherchierte in einem Bericht die bisher unbekannte Vorgeschichte des neuen Zürcher Weihbischofs Marian Eleganti. Der ehemalige Novize des Klosters Einsiedeln schloss sich mit 23 Jahren den Visionären einer jungen charismatischen Gemeinschaft an, die sich erst Priesterwerk und später Familie Mariens nannte und in Innsbruck und Castelgandolfo bei Rom den Hauptsitz hatte. Das konservative Priesterwerk wurde Ende der 70-er Jahre kirchlich verboten. Eleganti blieb der Gemeinschaft dennoch verbunden. Im Jahr 1990 schlossen sich einige Mitglieder den Lefebvristen an, Eleganti fand bei den Missionsbenediktinern in Uznach Unterschlupf.
Aargauer Zeitung bittet Landeskirchen zur Kasse
Die Aargauer Landeskirchen können in der Aargauer Zeitung ihre Veranstaltungen nicht mehr kostenlos publizieren. Die Zeitung verlangt, dass die Kirchgemeinden kostenpflichtige Inserate schalten. Die Landeskirchen haben sich dagegen gewehrt. Man hat sich nun auf eine pauschale Abgeltung geeinigt. Die neue Regelung soll ab April gelten.
Kommentar der Redaktion:
Die zwei ehemaligen BLICK-Redaktoren, die nun in der Bischöflichen Medienkommission sitzen (siehe nächste Meldung), "not very amused" sein über diese Entscheidung des AZ-Chafredaktors, ebenfalls Ex-BLICK-Redaktor...
BLICK ist dabei - auch bei den Bischöfen
Die Schweizer Bischofskonferenz verstärkt den Bereich Kommunikation und Medien. Nachdem der ehemalige Chefredaktor des BLICK, Werner de Schepper, bereits vor einem Jahr in die Bischöfliche Medienkommission gewählt worden war, wird nun der 47-jährige BLICK-Journalist Simon Spengler Geschäftsführender Sekretär der Bischöflichen Kommission für Kommunikation und Medien.
Bischof Huonder verbot Fasnachts-Messe
Der Churer Bischof Vitus Huonder hat die Fasnachtsmesse mit Guggenmusik und Kostümen in der Schwyzer Kirche St. Martin verboten. Pfarrer Reto Müller, der die Intervention des Bischofs zwar kritisierte, fügte sich zumindest teilweise dem Willen seines Vorgesetzten. Rund 800 Personen nahmen an der Narrenmesse teil, aber ohne Masken. Und Guggenmusikgruppen spielten vor dem Kirchenportal. Laut Huonder und seinem Sprecher, Opus-Dei-Mann Christoph Casetti, eigne sich Guggenmusik nicht zur Begleitung einer Heiligen Handlung. Kostüme und Shows seien kein geeigneter Zugang zum Wesentlichen, zur Gottesbeziehung des Menschen. Huonder und Casetti haben mit diesem Verbot dem Druck der rechtskatholischen Organisation "Pro Ecclesia" nachgegeben. Bei vielen SeelsorgerInnen und Gläubigen löste das Verbot Unverständnis und Empörung aus. "Wäre ich Pfarrer, würde ich auch mit Guggenmusiken in der Kirche feiern", schrieb der Einsiedler Abt Martin Werlen in einem Internetforum. Und selbst der konservative Kölner Erzbischof Joachim Meisner lädt seit einigen Jahren die Karnevalisten kostümiert zur "Sessionseröffnung" in den Kölner Dom ein.
Zürcher Synode soll Miete zahlen
Nachdem die Banken in der Stadt Zürich kaum mehr Steuern abliefern, sucht die Stadt nach neuen Geldquellen und beginnt gleich bei den Raummieten im Rathaus. Wollen die Zürcher Kirchen weiter im Rathaus am Zürcher Limmatquai ihre Synoden abhalten, werden sie künftig dafür zur Kasse gebeten. Der Kanton wolle in Zukunft für die Nutzung des Rathaus-Saales einen höheren Mietzins erheben. Bisher tagten die Synoden der katholischen und reformierten Landeskirche vertragslos und gratis im Rathaus.
Wie ethisch ist der Kauf von Steuersünder-CD's ?
Im Streit um den Kauf der gestohlenen Daten deutscher Steuersünder mit Konten auf Schweizer Banken beurteilen Kirchenvertreter die ethische Dimension kontrovers. Der deutsche Sozialethiker und Dominikanerpater Wolfgang Ockenfels findet: „Ein Rechtsstaat, der Diebstahl sonst strafrechtlich verfolgt, kann sich nicht einfach gegen Honorar eines solchen Diebesgutes bedienen und Hehlerware kaufen. Sollte sich das deutsche Finanzministerium zum Kauf der CD entschliessen, wäre eine rechtliche und moralische Grenze überschritten. Ein plausibles und gerechtes Steuersystem würde die Zahl der Bürger, die ihre Steuern ordentlich zahlen, deutlich erhöhen." Der Hamburger Weihbischof Hans-Jochen Jaschke hingegen hält den Ankauf der Daten für ethisch legitim: «Die Regierung darf die CD's kaufen, sie ist verpflichtet, Schaden von der Gesellschaft abzuwenden.»
Geschiedener zum Priester geweiht
Bischof Kurt Koch weihte am 7. Oktober im aargauischen Zeihen Stephan Schmitt zum Priester. Der 52-Jährige war verheiratet und seine Ehe wurde vor sechs Jahren kirchlich für ungültig erklärt. In der benachbarten Pfarrei Herznach will auch Diakon Rolf Zimmermann-Köhler (50), geschieden und Vater von fünf Kindern, Priester werden. Bei ihm läuft das Ehenichtigkeitsverfahren noch.
Kommentar der Redaktion:
Die Priesterweihe eines Geschiedenen zeugt an sich von der Aufgeschlossenheit des Bischofs. Gleichzeitig stellen sich Fragen: Wie kann jemand zum Priestersein fähig sein, wenn er zum Eingehen einer gültigen Ehe unfähig war? Wäre es nicht sinnvoller, mutig voran zu gehen und rechtschaffene und gültig verheiratete Diakone zu Priestern zu weihen?
Kruzifixe im Ticino
Die Tessiner Gemeinde Cadro hat in der Schule ein Kruzifix aufgehängt. Verschiedene Gruppierungen und Parteien sprechen von einer «Provokation». Schon 1984 stand Cadro im Zentrum der Debatte um Kruzifixe in Schulzimmern. Ein Lehrer hatte das Kreuz vor dem Unterricht aus seinem Wirkungsbereich entfernt. Der Fall kam bis vor das Bundesgericht in Lausanne. 1990 wurde er mit dem schweizweit gültigen Entscheid abgeschlossen, dass Kruzifixe gegen die verfassungsmässig vorgeschriebene Neutralität verstossen. Der Pfarreirat von Cadro hat jetzt erneut das Urteil geprüft und ist zum Schluss gekommen, dass der Entscheid 1990 möglicherweise anders ausgefallen wäre, wenn das Kruzifix nicht im Klassenraum, sondern in einem allgemeinen Raum oder im Korridor gehangen hätte.
CVP-Präsident will «hohes C» inhaltlich füllen
In einem Interview mit der freikirchlich-evangelikalen Zeitschrift "idea Spektrum Schweiz" sprach CVP-Präsident Christophe Darbellay über christliche Politik und seinen Glauben an Gott. Zum berühmten «C» im Parteinamen meint er: «Das 'C' gehört dazu. Wir sind eine christliche Wertepartei. Vielleicht haben wir es zu wenig gut geschafft, das 'C' mit Inhalten zu füllen.»
Kommentar der Redaktion:
Darbellays Vorschläge, Burkas, Kopftücher (ausser bei Nonnen) und jüdische Friedhöfe zu verbieten, sind schon mal sehr mutige und originelle Ansätze für ein christliches Parteiprogramm...
Spenden für Haiti
Haiti, eines der ärmsten Länder der Welt, erlebt mit der schweren Erdbebenkatastrophe extremes Leid und ist dringend auf Hilfe angewiesen. Die Schweizer Bischöfe rufen alle Menschen auf, nach ihren Möglichkeiten zu helfen - mit dem Gebet und mit Spenden für die notleidende haitianische Bevölkerung.
Caritas erreicht rund 200 000 Personen oder 40 000 Familien im Katastrophengebiet. Der grösste Teil dieser Menschen lebt in 20 provisorischen Not-Camps, die von Caritas betreut werden. Im Durchschnitt kostet die Nothilfe pro Person 115 Franken pro Monat. Caritas verteilt Lebensmittel und baut in den Not-Camps Verteilstellen für täglich 400 000 Liter Wasser. In den Camps stellen Gesundheitszentren die medizinische Basisversorgung sicher. Schwerverletzte werden an das von Caritas instand gesetzte Spital Saint François de Sale überwiesen. Für Kinder organisiert Caritas in den Camps in Grosszelten erste schulische Aktivitäten, in denen Gewicht auf die Traumabewältigung gelegt wird.
Spendenkonto: Caritas Schweiz, PC 60-7000-4, Vermerk: Haiti (Informationen unter www.caritas.ch).
Anti-Minarett-Initiative ausgewertet
Das am 27. November 2009 mit 57,5% befürwortete Verbot von Minarett-Bauten in der Schweiz wurde in einer VOX-Umfrage der Universität Bern analysiert. Viele Befürworter der Initiative wollten offenbar ein symbolisches Zeichen setzen gegen die Ausbreitung des Islam in der Schweiz. Die Linke lehnte das Minarett-Verbot mit über 80% Nein-Stimmen ab, nur 16% der linken Frauen stimmten für das Verbot. Die Rechte stimmte dem Verbot ebenso klar zu, bei den Frauen waren es gar 87%. Die Sympathisanten der FDP und der CVP entschieden sich mehrheitlich gegen die Nein-Parole ihrer eigenen Partei. Wer als Bildungsabschluss eine Berufslehre vorweisen kann, stimmte zu 76% mit Ja. Wer eine höhere Berufsschule oder eine Hochschule besuchte, war nur zu 48% respektive 34% für das Minarettverbot. Religionslose Personen lehnten die Initiative mehrheitlich ab. 64% aller Stimmenden haben in der VOX-Umfrage voll oder ziemlich davon überzeugt erklärt, dass sich die schweizerische und die islamische Lebensweise gut vertragen würden.
Evangelikale mobilisieren
Der evangelische Pfarrer Hansjürg Stückelberger, der "Christian Solidarity International" (CSI) und den Verein «Zukunft CH» gegründet hat, lancierte in den Medien einen ganzseitigen Offenen Brief mit seinem anti-islamischen Gedankengut und unterstellt der 68-er-Bewegung, der rechtlichen Anerkennung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften und den Frauenrechten eine antichristliche Zielsetzung. Dem Islam unterstellt Stückelberger, er wolle die Scharia in der Schweiz einführen. Sein Islambild ist einzig von Selbstmord-Attentaten, Zwangsheiraten, Ehrenmorden, Massakern an Christen und Verfolgung von Dissidenten geprägt.
Grüne gegen Beschneidung von Knaben
Der Vorstand der Grünen des Kantons Bern fordert eine offene Diskussion über ein Verbot der Beschneidung von Knaben. Mit diesem Profilierungsversuch befremdeten die Grünen nicht nur die Juden und Muslimen, sondern auch Länder wie die USA, wo die Beschneidung aus rein hygienischen Gründen unabhängig von religiösen Traditionen vollzogen wird.
Radio DRS 2 wieder mit Religions-Redaktion
Bei Radio DRS 2 gibt es ab April wieder ein Ressort "Religion". Vor fünf Jahren wurde die religiöse Fachredaktionen im Ressort "Gesellschaft & Religion" integriert. Nun will man damit gesteigerten Interesse an Religion Rechnung tragen. Die Nachfrage an religiösen Sendungen nehme deutlich zu, sagte der künftige Leiter des Ressorts, Hansjörg Schultz. Bei einer neuen Messmethode hat sich laut Schultz die Zuhörerquote als viel höher herausgestellt als bisher angenommen. Demnach hören zehn Prozent (rund 140.000 Personen) des Publikums von DRS 2 die Sendung "Perspektiven", in der jeweils am Sonntagmorgen zwischen 8.30 und 9 Uhr ein aktuelles religiöses Thema mit Hintergrund beleuchtet wird. Damit ist "Perspektiven" die erfolgreichste Wort-Sendung von Radio DRS 2. Das Interesse zeige sich auch daran, "dass uns ungewöhnlich vielen Zuschriften auf religiöse Sendungen hin erhalten."
SEK-Präsident tritt zurück
Der Ratspräsident des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes (SEK), Pfarrer Thomas Wipf, sowie vier weitere Mitglieder des Rates treten auf Ende der Amtsperiode 2010 zurück. Die Abgeordnetenversammlung vom 13.-15. Juni 2010 in Herisau wird den siebenköpfigen Rat für die Amtszeit 2011-2014 wählen.
Mit manchen seiner Aussagen löste Thomas Wipf bei Katholiken Befremden aus. Vor der Minarett-Abstimmung wurde Wipf zum Beispiel von Radio DRS4 gefragt, warum laut Prognose mehr Protestanten als Katholiken JA zum Minarett-Verbot stimmen würden. Wipf meinte: „Der Islam ist patriarchal und hierarchisch geprägt. Dadurch steht er der Katholischen Kirche näher als der Reformierten Kirche und löst bei den Reformierten die grössere Skepsis aus.“
Win-win zwischen Orden und Pfarreien
Am "Forum Berufungspastoral" der Information Kirchliche Berufe (IKB) vom 18. Januar in Luzern zeigten Frauen-Ordensgemeinschaften auf, wie sie sich in den Dienst der Pfarreien stellen können, indem sie spirituell suchenden Menschen einen neuen Zugang zu Glaube und Lebenssinn eröffnen können. Für Klöster wie für Pfarreien ergeben sich Win-win-Situationen, wenn einerseits Ordensleute in Zeiten des Priestermangels in den Pfarreien Gottesdienste feiern und andererseits Pfarreien die Gläubigen auf Angebote von Ordensgemeinschaften aufmerksam machen. Zu bedenken ist jedoch, dass Pfarraushilfen oder Bischofsernennungen aus Orden nötige Reformen in den Bistümern verzögern können und ein verzweifelter Aktionismus den aussterbenden Klöstern den endgültigen Gnadenstoss verleihen könnten.
SMS-Seelsorge ist sehr gefragt
Seit 10 Jahren nutzen jährlich rund 700 Menschen das Angebot, auf anonyme Weise um seelsorglichen Rat zu fragen. Das Angebot wurde als Ergänzung zur Internet-Seelsorge ins Leben gerufen, mitgetragen und finanziert sowohl von der katholischen wie der reformierten Kirche der Schweiz. Hans Peter Murbach, Leiter der SMS-Seelsorge, sieht in der SMS-Kommunikation grosse Chancen: «Die Hilfesuchenden kommen schnell auf den Punkt. Zudem ist die Kommunikation in der Regel nicht nach einem Frage- und einem Antwort-SMS beendet. Meistens läuft eine Beratung über vier bis zehn SMS.» Für seine SMS bezahlt der Absender nur das, was sein Handy-Abo vorsieht, und für die erhaltenen SMS gar nichts. Die Beratung wird inzwischen von allen Altersstufen genutzt, oft in Beziehungsfragen und familiären Konflikten sowie in Sinnkristen. Die acht Seelsorgerinnen und Seelsorger sind psychologisch geschulte Fachleute. Oft verweisen die SeelsorgInnen die Hilfesuchenden auch an ein Netz von fachspezifischen Beratungsstellen.
Die SMS-Seelsorge ist erreichbar unter der Kurznummer 767. Weitere Infos unter: www.seelsorge.net
Religion und Kirchen verlieren an Bedeutung
Nur 0,8 Prozent der Teilnehmer einer Umfrage des "Schweizerischen Beobachter" gaben an, dass Religion für sie einen "persönlich wichtigen Wert oder Lebensbereich" darstellt. Die Zeitschrift wollte herausfinden, "welche Werte in der Schweiz heute wichtig sind, welche an Bedeutung verloren und welche gewonnen haben". Die Werte, zu denen die 1000 Befragten Stellung nahmen, wurden in die Kategorien "persönlich" und "gesellschaftlich" aufgeteilt. Die Werte Gesundheit, Familie, Sicherheit, Arbeit, Liebe, Freizeit, Bildung, Ernährung und Mobilität gehören zu den persönlichen Werten, während Werte wie Respekt, Freunde, Umwelt, Frieden, Gerechtigkeit, Religion und Moral neben anderen zu gesellschaftlichen Werten gezählt werden. Die Rangliste unter den persönlichen Werten wird von der Gesundheit (16 Prozent) vor Familie (9,8 Prozent) und Sicherheit (7,3 Prozent) und Arbeit (4,6 Prozent) angeführt. Unter den gesellschaftlichen Werten rangierte Respekt (6,5 %) vor Freunde (6,3 %), Vertrauen (4,2 %) und Gerechtigkeit (2,1 %). Als Schlusslichter figurieren Religion (0,8 Prozent) und Moral (0,7 Prozent). Sicherheit wird am häufigsten als Wert betrachtet, der an Bedeutung zugenommen hat, während Respekt bei der Auswahl der bedrohten Werte an erster Stelle steht. Auch Frieden und Tradition gelten als gefährdete Werte.
Der Einfluss der Kirchen auf die politische Meinungsbildung nimmt sukzessive ab. Ob Asylpolitik, Sexualmoral oder Islamdebatte: Die Landeskirchen können mit ihren Argumenten selbst die eigenen Mitglieder nicht mehr überzeugen. Bei der Abstimmung über die Minarett-Initiative gelang es den Kirchenleitungen nicht, ihre Mitglieder von ureigenen Werten wie Toleranz und Offenheit im Umgang mit Muslimen zu überzeugen. Weihbischof Peter Henrici bestreitet, dass der Einfluss der Kirchen auf politische Entscheide einmal bedeutend grösser war als heute. Die Kirchen seien schon seit fünf Jahrzehnten nicht mehr meinungsbildend. Beschönigen will er allerdings nichts: «Wir haben in letzter Zeit alle wichtigen Abstimmungen verloren.» Trotzdem sind diese Niederlagen für Henrici kein Grund zur Klage. Eigentlich sei es gut, dass die Kirchen ihre Positionen vertreten hätten, ohne den Leuten nach dem Maul zu reden. Erschwerend für die Kirchen, sich in die Debatten einzubringen, ist auch die Polarisierung der Politik. Deutlich wird dies im Einsatz der Kirchen für die Rechte der Asylsuchenden. «Hier kommen die Kirchen an ihre Grenzen», sagt Weihbischof Henrici.
Schuldispensationen aus christlichen Kreisen
Christlich-fundamentalistische Gruppen lassen ihre Kinder häufiger von der Schule dispensieren als Angehörige anderer religiöser Gruppen. Sei es der Schwimmunterricht oder die Teilnahme an Klassenlagern: Es sind vor allem Angehörige von christlichen Freikirchen, die ihre Kinder von schulischen Lektionen dispensieren lassen und nicht Angehörige anderer Religionsgruppen. Die besorgten religiösen Eltern befürchteten, dass die Kinder Alkohol oder Drogen konsumieren oder den Kontakt zum anderen Geschlecht suchen könnten. Es gehe teilweise sogar so weit, dass stark evangelikale Kreise ihre Kinder gar nicht in die öffentliche Schule schicken möchten.
Schweizer Bischöfe für freiwilligen Zölibat
Der neu gewählte Präsident der Schweizer Bischofskonferenz, der Walliser Bischof Norbert Brunner, sagte gegenüber der "NZZ am Sonntag" am 29. November: Ich halte es für möglich, den Pflichtzölibat für Priester abzuschaffen. Ich glaube, dass die Bischofskonferenz ziemlich einhellig der Meinung ist, dass es in der Schweiz möglich sein sollte, verheiratete Männer zu Priestern zu weihen." Brunner kritisierte zudem in einem Interview mit der KIPA den Vatikan für die Art und Weise, wie Anfang 2009 die Exkommunikation der vier Bischöfe der Pius-Bruderschaft aufgehoben worden sei. Wörtlich sagte er: "Es wäre schon mein Wunsch gewesen, dass hier die direkt betroffenen Bischöfe oder Bischofskonferenzen ein bisschen stärker konsultiert worden wären", zumal die Pius-Brüder ab 1970 ihren Kreuzzug von Ecône im Wallis aus begonnen hatten. Zudem plädierte Brunner im Sinn des 2. Vatikanischen Konzils für mehr Subsidiarität in der Kirche: Sei eine untergeordnete Instanz in der Lage, Probleme und Aufgaben eigenständig zu lösen, so soll sie das auch tun können. "Es sollte doch möglich sein, dass in der Kirche wieder etwas mehr die Eigenverantwortung der Bischofskonferenz oder der Bischöfe zum Zuge kommt", meint Brunner. Als Beispiel nannte er die Taufspendung oder die Eheassistenz durch Laien. Gemäss Kirchenrecht sei es grundsätzlich möglich, wenn eine Beauftragung durch den zuständigen Bischof nach Absprache mit der betreffenden Bischofskonferenz erfolge. Dass diese Beauftragung dann aber noch von Rom bestätigt werden muss, hält der neue Präsident der Bischofskonferenz für unnötigen Zentralismus. "Wenn ich diese Kompetenz habe, dann soll die Kirchenleitung auch das Vertrauen haben, dass ich diese Verantwortung wirklich im Sinne der Einheit wahrnehmen kann!"
Auch der Bischof von St. Gallen, Markus Büchel, sprach sich öffentlich für neue Zulassungskriterien zum Priesteramt aus: „Für uns in der Schweiz, wo ein starker Priestermangel herrscht, wäre es schon eine Hilfe, wenn verheiratete Männer zu Priestern geweiht werden könnten.“
Bischöfe gegen Suizidhilfe-Regelung
Die Schweizer Bischöfe halten fest an ihrem Nein zu organisierter und gewerblich betriebener Beihilfe zum Selbstmord. Ende Oktober hatte der Bundesrat angekündigt, organisierte Suizidhilfe gesetzlich regeln zu wollen. Der Bundesrat plant zwei Varianten zur Änderung des Strafrechts: Die erste Variante will Sorgfaltspflichten für Mitarbeiter von Suizidhilfeorganisationen einführen; so muss beispielsweise der Suizidhelfer Alternativen zum Selbstmord aufzeigen und mit der betroffenen Person prüfen. Die zweite Variante will die organisierte Suizidhilfe verbieten. Die Schweizer Bischofskonferenz bevorzugt diese zweite Lösung.
Hu Jintao
Tatort Canisius-Kolleg in Berlin
Zitas Sarkophag in der Wiener Kaisergruft
Theophilos III.
Brennende Kirche in Mossul, Irak
Irinej de Nis
International
Katholische Kirche wächst
Die Zahl der Katholiken ist in den Jahren 2007 bis 2008 weltweit um 1,7 Prozent auf 1,166 Milliarden Gläubige angestiegen. In Bezug auf das globale Bevölkerungswachstum bedeutet das einen Anstieg von 17,33 auf 17,4 Prozent der Weltbevölkerung. Zwischen 2000 und 2008 habe es auch eine positive Entwicklung hinsichtlich der Priesterzahlen gegeben. Diese seien weltweit um 1 Prozent angestiegen. In Australien seien die Zahlen beständig gleich geblieben, während sie in Afrika, Asien und Amerika angewachsen seien. In Europa seien die Zahlen hingegen gesunken. Auch die Anzahl der Priesteramtsanwärter sei in Europa von 2007 bis 2008 abgefallen, um 4,3 Prozent. In Amerika sei die Zahl gleich geblieben, während sie auf den übrigen Kontinenten angestiegen sei.
Greenpeace kooperiert mit Kirche
„Beim Klimawandel erkennt der Vatikan an, dass es notwendig ist, die Erde zu beschützen. Und der Vatikan weiss unsere Arbeit zu schätzen“, sagte der neue Direktor der Umweltschutzorganisation "Grenpeace", Kumi Naidoo. Und ergänzte: "Religiöse Gruppen müssen ihre Stimmen für Klimagerechtigkeit erheben. Es gibt viele spirituelle Gründe, aktiv gegen Umweltzerstörung vorzugehen. Die Glaubensgemeinschaften erreichen zahlreiche Menschen, zu denen wir Umweltschützer keinen Zugang haben. Wir brauchen diese Menschen, um etwas zu bewirken.“
Aufstieg und Fall des Kirchenstars
Nach nur drei Monaten im Amt als Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirchen Deutschlands (EKD) trat die hannoversche Landesbischöfin Margot Kässmann von beiden Ämtern zurück. Sie wurde von der Polizei mit 1,54 Promille Alkohol am Steuer erwischt, nachdem sie ein Rotlicht überfahren hatte. Kässmann wetterte früher gegen die Verantwortungslosigkeit von alkoholisierten Autolenkern und predigte noch vor einem Jahr, dass Alkohol für sie in der Fastenzeit tabu sei. Über den raschen Abgang Kässmanns sind vor allem Vertreter der Bundesregierung, die orthodoxe Kirche und die deutschen Bischöfe nicht besonders traurig. Die CDU kritisierte Kässmann scharf, nachdem die Bischöfin in ihrer Neujahrspredigt den Afghanistan-Einsatz der Deutschen gegeisselt hatte. Die russisch-orthodoxe Kirche Russlands brach nach der Wahl Kässmanns an die EKD-Spitze ihre Kontakte zu den Lutheranern ab, weil die Orthodoxen gegen die Weihe von Frauen sind und Kässmann zudem geschieden ist. Und die deutschen Bischöfe distanzierten sich von der Bischöfin, nachdem sie ausgerechnet in der Einheitswoche der Christen Mitte Januar in einer TV-Talkshow verkündet hatte, dass sie sich vom Papst in Sachen Ökumene gar nichts mehr erwarte.
Popularität des Papst in England
Die CD „Alma Mater“, auf der Papst Benedikt singt und spricht, ist für den Musikpreis „Brit Award“ nominiert worden. Die Musik-CD gehört zu den zehn meistverkauften Alben und hat damit eine gute Chance auf einen Preis. Ausserdem will der britische Sender BBC Papst Benedikt XVI. als Sprecher für den geistlichen Impuls „Gedanken zum Tag“ gewinnen. Man habe das Kirchenoberhaupt um einen Beitrag während seines Grossbritannien-Besuchs im September angefragt. Vatikan-Sprecher Federico Lombardi nannte den Vorschlag „interessant und bedenkenswert“. Ob der Papst darauf eingehe, hänge aber von dessen persönlicher Einschätzung ab. Der dreiminütige Beitrag „Thought for the Day“ wird täglich im BBC-Morgenprogramm ausgestrahlt.
Weiht Papst Gaudí-Kirche ein?
Die katalanische Tageszeitung „La Vanguardia“ hofft auf einen Papstbesuch in Barcelona. Benedikt XVI. könnte dort im November an der Weihe der berühmten „Sagrada Familia“ teilnehmen. Der Bau der Basilika, die zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt, wurde vom Architekten und Bildhauer Antoni Gaudì entworfen und begonnen. Für Gaudì ist ein Seligsprechungsverfahren im Gang. Die Zeitung behauptet, dass Gespräche zwischen der katalanischen Kirche und dem Vatikan über einen möglichen Papstbesuch statt fänden.
Vatikan-Archiv online
Der Vatikan will Archivbestände aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs ins Internet stellen. Eine entsprechende Initiative kündigte die Vatikanzeitung „Osservatore Romano“ an. Digitalisiert werden 5125 Dokumente vom März 1939 bis Mai 1945, die bereits in der zwölfbändigen Edition „Actes et documents du Saint-Siège relatifs a la Seconde guerre mondiale“ veröffentlicht sind. Der Zugang zur Datenbank soll kostenlos sein. Mit der Online-Publikation folgt der Vatikan einer Anregung der US-Stiftung „Pave the Way“. Die vom jüdischen Unternehmer Gary Krupp geleitete Organisation setzt sich für eine positive Bewertung des Pontifikats von Pius XII. (1939-58) ein. Nach dem Urteil der Stiftung hatte sich der Papst auf die beste ihm mögliche Weise für die Rettung verfolgter Juden eingesetzt.
Hindu darf in England traditionell eingeäschert werden
Ein in England lebender Hindu hat gerichtlich durchgesetzt, dass er nach seinem Tod auf einem traditionellen hinduistischen Scheiterhaufen verbrannt wird. Der 71-jährige Davender Ghai war mit der Anfechtung eines 2006 ergangenen Urteils erfolgreich. Damals hatte ein Gericht eine Leichenverbrennung unter freiem Himmel für unzulässig erklärt. Es stützte sich dabei auf ein Kremationsgesetz von 1902. Das Berufungsgericht befand hingegen, eine solche Einäscherung sei unter bestimmten Voraussetzungen erlaubt. So müsse der Scheiterhaufen von Mauern umgeben sein und ein Dach mit einer Öffnung haben. Auf diese Weise sei es möglich, den persönlichen Glaubensüberzeugungen des Klagenden innerhalb der geltenden Gesetze gerecht zu werden, so das Berufungsgericht.
Der Europarat will Kruzifix-Urteil revidieren
In einer Erklärung des in Interlaken tagenden Europarats heisst es, dass der europäische Menschenrechtsgerichtshof, der dem Europarat zugeordnet ist, keine Vollmacht habe über Dinge zu entscheiden, die die Bewahrung der kulturellen Traditionen betreffen und somit Sache der einzelnen Staaten sind. Dieser Punkt war von der italienischen, lettischen und maltesischen Regierung eingebracht worden. Die italienische Regierung hatte Einspruch gegen das Urteil des Menschenrechtsgerichtshofs eingelegt, das einer Klage auf Abhängung von Kruzifixen in Schulen stattgegeben hatte. Nun wird die Frage von fünf Richtern bewertet. Sollten diese zu dem Schluss kommen, dass die europäische Menschenrechtskonvention berührt ist, wird die "Grosse Kammer" eingeschaltet, die endgültig entscheiden muss.
Kirchenleitung unter Haitis Erdbebenopfern
Der Erzbischof der haitischen Hauptstadt Port-au-Prince, Joseph Serge Miot (63), befindet sich unter den Erdbebenopfern. Unter den Trümmern lagen ferner die sterblichen Überreste mehrerer hochrangiger Kirchenfunktionäre, darunter der Generalvikar von Port-au-Prince, Hw. Charles Benoit. Unter den Toten war auch Zilda Arns, die Schwester des emeritierten Erzbischofs von Sao Paulo, Paulo Evaristo Kardinal Arns. Papst Benedikt XVI. rief zu Soforthilfe und Spenden für die Opfer des Erdbebens auf.
Schuldenerlass für Haiti
Der Generalsekretär des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK), Olav Fykse Tveit, rief die internationale Gemeinschaft zum Schuldenerlass für Haiti auf. Ein "sofortiger und vollständiger" Schuldenerlass für Haiti wäre "nur ein erster Schritt"; das vom Erbeben heimgesuchte Land brauche einen umfassenderen "Plan für Wiederaufbau, Armutsbeseitigung und nachhaltige Entwicklung", sagte Tveit. Haiti, das ärmste Land der westlichen Hemisphäre, ist stark mit etwa 641 Millionen US-Dollar verschuldet. Mehr als die Hälfte davon geht auf Darlehen der Duvalier-Herrscherfamilie zurück, deren Vermögen bis heute auf Schweizer Banken blockiert liegt. Die G-7 reagierte bereits und erliess Haiti die Schulden.
Papst wollte chinesischen Präsidenten Hu Jintao treffen
Benedikt XVI. wollte im vergangenen Sommer den chinesischen Staatspräsidenten treffen. Der Papst hatte den auf dem G8-Treffen weilenden Hu Jintao zu einer Audienz eingeladen. Auch wenn die Begegnung nicht zustande gekommen sei, habe Hu diese Geste sehr geschätzt. Zwischen dem Vatikan und dem Reich der Mitte gibt es seit Jahrzehnten keine offiziellen diplomatischen Kontakte. Der Papst hatte der Regierung bereits 2007 Gesprächsbereitschaft signalisiert – bislang ohne Erfolg.
Missbrauchs-Fälle an deutschen Schulen
In den 70-er und 80-er Jahren gab es an vielen deutschen Schulen Missbrauch an Schülerinnen und Schülern. In den vergangenen 15 Jahren sind fast 100 kirchliche Mitarbeiter unter Missbrauchsverdacht geraten. Viele der Fälle sind zum Zeitpunkt ihres Bekanntwerdens bereits verjährt gewesen. Betroffen sind auch die Elite-Gymnasien der Jesuiten in Berlin, Hamburg, Bonn und St. Blasien. Einer der Täter aus den 70-er Jahren zeigte sich inzwischen selbst an: der Jesuit und Arzt Bernhard Ehlen (71), der das Hilfswerk "Ärzte für die Dritte Welt" gründete und im Komitee Cap Anamur wirkte. Noch vor zwei Jahren erhielt Ehlen das Ehrenzeichen der deutschen Ärzteschaft. Der CDU-Politiker und Ex-Jesuit Heiner Geissler erhob inzwischen schwere Vorwürfe gegen die Katholische Kirche. Sie habe «mit ihrer Erziehung zu einer verklemmten Sexualität viel Schuld» an den jetzt bekannt gewordenen Missbrauchsfällen. Positiv wertet Geissler, dass die Leitung der Jesuiten aktiv und schnell in die Öffentlichkeit gegangen sei. «Das muss ein Vorbild sein für die Katholische Kirche, die immer eine Vertuschungspolitik betrieben hat.»
Sexueller Missbrauch und Zölibat
Der Schweizer Theologe Hans Küng warf dem Vatikan eine Mitverantwortung vor bei den Missbrauchsskandalen in der katholischen Kirche in USA, Irland und Deutschland zu. Die Glaubenskongregation, die 20 Jahre vom heutigen Papst Benedikt XVI. geleitet worden sei, hätte Missbrauchsfälle in aller Welt zentral bearbeitet und hätte sie bewusst vertuscht. Küng erklärte, die Bischöfe, die solche Verbrechen gedeckt hätten, seien ebenso schuldig wie die Priester, die unter dem Zwang des Zölibats nicht immer auf normale Weise mit der Eigendynamik der Sexualität umgehen könnten.
Fliegt Papst mit Easyjet?
Die Fluggesellschaft „EasyJet“ hat dem Papst ein ungewöhnliches Angebot unterbreitet. Die Billig-Airline bietet Benedikt XVI. kostenlose Flüge für seine geplante Reise nach Grossbritannien im September an. Easyjet wolle mit der Aktion die erwarteten Kosten der Reise von 33 Millionen Franken senken helfen. EasyJet warte noch auf eine Antwort aus dem Vatikan. Normalerweise wählt der Papst bei Auslandsreisen auf dem Hinflug die Fluggesellschaft Alitalia und legt den Rückweg mit der Fluglinie des Gastlandes zurück.
Selige Kaiserin Zita
Die letzte österreichische Kaiserin Zita von Bourbon-Parma (1892–1989) wird vermutlich bald seliggesprochen. Die Kirche sucht nun nach Wundern, die auf das Gebet zur Kaiserin zurück gehen. Gesucht werden auch Materialien zum Leben der Monarchin. Von 1962 bis zu ihrem Tod lebte die "letzte Kaiserin" im St. Johannes-Stift in bündnerischen Zizers. Zitas Mann, Kaiser Karl I., wurde 2004 seliggesprochen worden.
Kirchenräume in England vermieten
Die anglikanische Kirche in England hat Erfolg mit neuen Finanzierungsmodellen für ihre kostspieligen historischen Bauten. Allein im laufenden Jahr müssen die Anglikaner rund 110 Millionen Pfund für die Sanierung von Kirchengebäuden aufbringen. Die Teilnutzung von Gotteshäusern als Postamt, Cafe oder gar Fitnessstudio bringe nicht nur zusätzliche Einnahmen, sondern rücke die Kirche selbst wieder mehr ins Zentrum der Gemeinden. Das steht in einem Bericht der Generalsynode der „Church of England“, die derzeit in London tagt. Inzwischen gebe es beispielsweise 25 Postämter in Kirchen und Pfarrzentren.
Papst besuchte Roms Synagoge
Am 17. Januar besuchten Papst Benedikt XVI. und der Lateinische Patriarch von Jerusalem, Erzbischof Fouad Twal, die Synagoge der jüdischen Gemeinde in Rom. Im Vorfeld des Besuchs verlangte eine Gruppe von Holocaust-Überlebenden und deren Angehörigen deutliche Worte des Papstes zur umstrittenen Seligsprechung von Papst Pius XII. Das historische Schweigen Pius XII. während des Zweiten Weltkriegs sei für jüdische Kreise sei ein Zeichen „moralischen Versagens“. Der Papst hielt in der Synagoge eine programmatische Rede. Mit Nachdruck beschwor der Papst die Gemeinsamkeiten der beiden Religionen und forderte ihre Angehörigen auf, trotz bestehender Differenzen zusammen für eine bessere Welt zu arbeiten. Der Papst bekannte sich zum Wert des interreligiösen Dialogs, der vor 45 Jahren am 2. Vatikanischen Konzil zum festen Bezugspunkt erklärt worden war.
Orthodoxe Christen in Palästina verärgert
Palästinensische orthodoxe Christen boykottierten in Bethlehem am 6. Januar den feierlichen Einzug des griechisch-orthodoxen Patriarchen von Jerusalem, Theophilos III., zum orthodoxen Weihnachtsfest. Als Motiv nannten sie den unter dem Vorgänger von Theophilos III. erfolgten Verkauf von kirchlichem Grundbesitz an jüdische Investoren. Theophilos III. setze sich nicht dafür ein, die Veräusserungen rückgängig zu machen.
Rabbiner feiern Sabbat als Gäste der Hamas in Gaza
Aus Protest gegen die israelische Bombardierung des Gazastreifens vor einem Jahr haben vier ultraorthodoxe Rabbiner den Sabbat in Gaza-Stadt gefeiert. Die Rabbiner, Mitglieder der antizionistischen Organisation "Neturei Karta", verbrachten den jüdischen Wochenfeiertag als offizielle Gäste des Hamas-geführten Palästinensergebiets. Die Menschen in Gaza müssten begreifen, dass "diese schreckliche Tragödie nicht im Namen des Judentums geschehen" sei, sagte Rabbiner Israel David Weiss aus New York. Die ultraorthodoxen Mitglieder der Gruppierung betrachten die Gründung des heutigen israelischen Staats als Widerspruch zum Religionsgesetz.
Christenverfolgungen weltweit
Weltweit werden rund 100 Millionen Christen aus religiösen Gründen verfolgt. In Nordkorea war die Verfolgung der Christen seit acht Jahren in Folge am einschneidendsten. Das kommunistische Nordkorea verfolgt Christen mit Hausdurchsuchungen und Folter, Gefängnis, Arbeitslagern und Hinrichtungen. Auf Platz drei steht Saudi-Arabien. Die Konversion von Muslimen zum Christentum ist bei Todesstrafe verboten. Auf der Liste der Christenverfolgungen folgen auf den weiteren Rängen Somalia, Malediven, Afghanistan, Jemen, Mauretanien, Laos und Usbekistan. In letzter Zeit machten vor allem Anschläge auf Christen im indischen Staat Orissa, in Malaysia und Ägypten von sich reden. In der oberägyptischen Stadt Nag Hamadi sind in der Nacht zum 7. Januar sieben koptische Christen erschossen worden. Die Opfer kamen gerade aus dem Mitternachtsgottesdienst zum orthodoxen Weihnachtsfest. Der Bischof von Nag Hamadi, Kirollos, ist dem Anschlag knapp entgangen. Die Kommission der Bischofskonferenzen in der Europäischen Union begrüsst den Entscheid des Europäischen Parlaments, in der die jüngsten Angriffe auf Christen in Ägypten und Malaysia verurteilt werden. Gleichzeitig verweisen die Bischöfe auf die Tatsache, dass rund 80 Prozent aller weltweit aus religiösen Gründen Verfolgten Christen seien. Jährlich würden 170.000 Christen wegen ihres Glaubens ermordet. Es sei Aufgabe der Europäischen Union, auch weiterhin für die Förderung und den Schutz der Religions- und Weltanschauungsfreiheit einzutreten. Die Hohe Repräsentantin der EU für die Außenpolitik, Catherina Ashton, fordern die Bischöfe auf, diese Priorität im Handeln umzusetzen.
Der Vatikan fordert die internationale Gemeinschaft auf, entschieden die Rechte der Christen im Irak einzufordern. Der vatikanische Pressesprecher Lombardi sieht auch einen Zusammenhang zu Tendenzen, die das Christentum aus der westlichen Welt vertreiben wollen. Verfolgt zu werden sei für Christen zwar seit der ersten Jahrhunderte nichts Neues und Erstaunliches, gleichzeitig müssten aber allgemeine Gerechtigkeit und Recht auch für Christen gelten. Nach vatikanischer Ansicht richten sich die Verfolgungen im Irak nicht gegen den Westen, sondern explizit gegen die Christen.
Religiöse Gebote in Palästina und Israel ignoriert
In Palästina trinken Muslime Bier trinken und manche Juden in Israel essen Schweinefleisch. Bei beiden Völkern scheinen sich die Gewohnheiten zu ändern. Schweinfleisch ist in Israel nachhaltig gefragt. Mehr als eine Million Menschen wanderten seit 1990 aus der einstigen Sowjetunion nach Israel ein - und vermissten Salami, Shrimps und Muscheln aus der Heimat. Auf der anderen Seite der grünen Linie stellen Palästinenser sogar ihr eigenes Bier her, das sogenannte «Taybeh-Bier». Nicht nur Christen, auch viele Muslime geniessen es. Als 1995 Nadeem Khoury seine eigene Mikro-Brauerei in dem alten palästinensischen Dorf Taybeh gründete, erhielt er keinen Kredit von seiner Bank. Denn niemand glaubte, dass in einer Gesellschaft mit einer muslimischen Mehrheit Menschen Bier kaufen und trinken. Die Brauerei produziert heute etwa 600 000 Liter Bier im Jahr.
Gotteslästerung in Irland unter Strafe
Seit Neujahr gelten in Irland neue Gotteslästerungsparagrafen. Mit 25 000 Euro Strafe kann belegt werden, wer Material veröffentlicht, das stark beleidigend ist gegenüber Glaubenssätzen, die von jeder Religion heilig gehalten werden. In der alten Verfassung von 1937 galt der Blasphemie-Paragraf nur in Bezug aufs Christentum. Gegner werfen der Regierung nun vor, sie hätten den alten Paragrafen gleich ganz streichen sollen, anstatt ihn auch noch auf "jede Religion" auszuweiten. Das würde selbsternannten Glaubenswächtern Tür und Tor öffnen, um das fundamentale Recht auf Meinungsäusserung untergraben zu können, indem man eingebildete oder tatsächliche Beleidigungen aufspürt und vor Gericht verhandeln will. Einige Stimmen sagen, dass nach irischem Gesetz heute sogar Jesus mit seinen Aussagen zur Kasse gebeten würde.
Besichtigung des Turiner Grabtuchs
Vom 10. April bis 23. Mai wird im Dom von Turin das „Grabtuch Jesu“ öffentlich ausgestellt. Schon jetzt haben per Internet 600.000 Besucher auf der Seite http://www.sindone.org/ einen Besuch an der Reliquie reserviert. Auch der Papst wird aus diesem Anlass nach Turin kommen.
Enthüllungen um Seligen Johannes Paul II.
Der vatikanische Beamte Slawomir Oder, der für den Seligsprechungsprozess von Johannes Paul II. zuständig ist, hat ein Buch publiziert unter dem Titel "Perché è santo“ – „Warum er heilig ist“. Das Buch bietet Neues und Interessantes. Aber das Interessante ist nicht neu, und das Neue ist nicht interessant. Monsignore Oder behauptet, Johannes Paul II. hätte kurz vor seinem 75. Geburtstag über einen möglichen Rücktritt aus Gesundheitsgründen nachgedacht. Wahrscheinlich lassen sich x Zeugen finden, die klar aufzeigen können, dass Karol Woytjla die Kirche in messianischer Mission bewusst als Papst ins neue Jahrtausend führen wollte. Was weltliche Medien im Buch besonders originell fanden, ist die Tatsache, dass sich der Polen-Papst gelegentlich mit einem Gürtel gegeisselt hat und auf dem Boden schlief. Doch die sogenannte Flagellatio gehörte bei dieser Generation noch zu den ganz normalen asketischen Übungen.
Neuer oberster Pope
Die serbisch-orthodoxe Kirche hat ein neues Oberhaupt, das 45. seit dem hl. Sava. Zum Patriarchen wurde vom Wahlkonzil der 80-jährige Bischof Irinej von Nis gewählt. Die letzte Stimme hatte, einer alten Wahlordnung entsprechend, das Los. Das vorige Oberhaupt der serbischen Orthodoxie, Patriarch Pavle I., war am 15. November letzten Jahres im Alter von 95 Jahren in Belgrad gestorben.
Priester sollen bloggen
Papst Benedikt XVI. rief die Priester auf, in der digitalen Welt das Leben der Kirche bekannt zu machen. Die neuen Medien böten „seelsorgerisch unbegrenzte Perspektiven“, schreibt der Papst. Die Verbreitung und der „beträchtliche Einfluss“ der neuen Kommunikationswege verpflichte die Kirche, diese Möglichkeiten engagierter zu nutzen. Priester müssten deshalb ihre Leitungsfunktion auch in den neuen Gemeinden der digitalen Welt ausüben. Sie werden aufgefordert, auch Blogs und Online-Videos zu Evangelisierung und Katechese zu nutzen. Praktische Medienkenntnis solle sich mit einer soliden theologischen Vorbereitung und Spiritualität verbinden. Benedikt XVI. rief zu besonderer Aufmerksamkeit für Nichtglaubende und Menschen anderer Religionen auf.
Nahost-Bischofssynode
Im Oktober 2010 wird eine Bischofssondersynode zur Lage der Christen im Nahen Osten stattfinden. Mit der geplanten Synode reagiert das katholische Kirchenoberhaupt auf Bitten der Nahost-Bischöfe, sich die Probleme der Christen im Nahen Osten anzunehmen. Die sieben katholischen Patriarchen im Nahen Osten nahmen Benedikts Initiative dankbar auf. Die katholische Kirche könne von den mit Rom unierten Kirchen vor allem im Bereich des Zusammenlebens unterschiedlicher Religionen lernen, so Benedikt zu den Patriarchen: „Ökumene und Interreligiosität sind oftmals miteinander verknüpft. In diesen beiden Bereichen braucht die ganze Kirche das Erfahrungswissen, das eure Kirchen seit dem ersten christlichen Jahrtausend gesammelt haben.“ Im ersten Vorbereitungspapier für die Nahost-Synode werden mangelnde Religionsfreiheit, wachsender islamischer Fundamentalismus und die Abwanderung von Christen aus orientalischen Ländern beklagt. Zugleich bekräftigt das 30-seitige Dokument den Willen ökumenischer und interreligiöser Zusammenarbeit. Notwendig sei etwa eine stärkere Kooperation mit Muslimen im Kampf gegen Extremismus, heisst es in den "Lineamenta", die erstmals auf Arabisch erschienen, ausserdem auf Englisch, Französisch und Italienisch. Für die bedrängte Situation der Christen in Nahost macht das Dokument unter anderem die Konflikte in der Region verantwortlich. Der Irakkrieg habe "die Kräfte des Bösen im Land entfesselt". Dadurch seien vor allem die Christen als schwächste Gruppe der irakischen Gesellschaft zum Opfer geworden. Im Blick auf das Heilige Land beklagt das Papier die israelische Besetzung der Palästinensergebiete, die sowohl die Bewegungsfreiheit der Menschen wie auch das wirtschaftliche und religiöse Leben einschränke. Der Vatikan prüft eine mögliche Beteiligung jüdischer und muslimischer Teilnehmer an der Nahostsynode.
Doping-Hostien
Ein 66-jähriger Bäcker in Niederösterreich witterte einen netten Nebenverdienst, indem er Hostien mit Anabolika anreicherte. Die Hostien bot er im Internet zum Verkauf an und das Geschäft florierte. Vor allem Bodybuilder aus den USA bestellten die Hostien massenweise. Die Doping-Hostien wurden unauffällig in einem Briefumschlag verschickt. Der erwirtschaftete Gewinn war enorm. Die Herstellungskosten der Hostie betrugen zwei Franken pro Stück, verkauft wurden sie für 90 Franken. Nun wurde er von der Polizei verhaftet. Es stellte sich heraus, dass der Bäcker nicht alleine, sondern im Auftrag einer Dopingbande handelte. Diese erzielte durch weltweiten Internethandel mit Hormon-Subtstanzen und gefälschten Viagra-Pillen Millionengewinne.
WWW-Bibel auf Chinesisch
Der Vatikan hat an Neujahr die Bibel in chinesischer Sprache auf seiner Website www.vatican.va veröffentlicht. In den nächsten Monaten sollen an gleicher Stelle auch die Dokumente des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-65), der Weltkatechismus und das katholische Kirchenrecht in chinesischer Übersetzung ins Internet gestellt werden. In der Volksrepublik China leben Schätzungen zufolge 13 Millionen Katholiken. Genaue Zahlen gibt es nicht, weil neben der regimenahen Patriotischen Vereinigung eine breite papsttreue Gruppe besteht, die so genannte Untergrundkirche.
Bischof Donal Brendan Murray
José Ignacio Munilla
Vatikan enttäuscht über Klimagipfel
„Der Berg kreiste und gebar eine Maus“, fasste der Leiter der Vatikan-Delegation, Erzbischof Celestino Migliore, die zweiwöchigen Beratungen und monatelangen Vorbereitungen des Uno-Klimagipfels in Kopenhagen zusammen. „Ist das eine Frage des politischen Willens?“, hatte der Vatikan-Vertreter in seiner Wortmeldung am zweitletzten Verhandlungstag in Kopenhagen provokant gefragt. Sei die bisher fehlende Einigung in den für die Menschheit so wichtigen Fragen den nationalen Interessen geschuldet? Oder wirtschaftlichen Rechnungsschwierigkeiten? Oder der weiter bestehenden Dominanz der Energiewirtschaft über die Entwicklungshilfe? „Zweifellos, in Wahrheit sei es von allem ein bisschen“, so Migliore. Der Vatikan halte dagegen an der Forderung fest: Zwischen Klima- und Umweltschutz, Bildung, Lebensstil und ethischer Ausrichtung der Wirtschaft müsse ein enger Zusammenhang bestehen.
Papst spricht Kardinal John Henry Newman selig
Der Besuch von Papst Benedikt XVI. in England soll vom 16. bis 19. September dauern und mit der Seligsprechung von Kardinal John Henry Newman (1801-1890) in Coventry abschliessen. Eventuell wird der Papst auch eine Rede vor Abgeordneten in der Westminster Hall in London halten. An der gleichen Stätte war 1535 Thomas Morus zum Tode verurteilt worden, weil er sich weigerte, den kirchlichen Hoheitsanspruch von König Heinrich VIII. anzuerkennen. Wenn Benedikt XVI. persönlich den Vorsitz bei einer Seligsprechung von Kardinal Newman führte, wäre dies ungewöhnlich. Der Papst hatte zur Regel gemacht, dass solche Feiern in der Heimatdiözese des Seligsprechungskandidaten durch einen päpstlichen Gesandten vorgenommen werden. Allerdings hege Benedikt XVI. eine besondere Wertschätzung für den Intellektuellen und Kirchenmann Newman, der als anglikanischer Geistlicher zur katholischen Kirche übergetreten war.
Rücktritt von vier irischen Bischöfen
Etappenweise gab der Vatikan zwischen dem 17. und 24. Dezember die Rücktritte von vier irischen Bischöfen bekannt, die jahrzehntelang über 300 Fälle von Missbrauch an Kindern durch Priester und Nonnen verheimlicht hatten. Zuerst traf es den Bischof der Diözese Limerick, Donal Brendan Murray. Wenige Tage danach wurde der Rücktritt des Bischofs von Kildare und Leighlin, James Moriarty, mitgeteilt. Und kurz vor Weihnachten gab der Vatikan auch die Rücktritte der Bischöfe Eamonn Walsh und Ray Field bekannt. Vertreter der Opfer fordern, dass Papst Benedikt XVI. höchst persönlich Irland besuchen und dort stellvertretend für die katholische Kirche für die Missbrauchsfälle Busse tun soll.
Du sollst stehlen !
Pfarrer Tim Jones hat seiner anglikanischen Gemeinde St. Lorenz in der nordenglischen Stadt York dazu geraten, sich in Zeiten der Not mit Ladendiebstahl zu behelfen. Allerdings sollten grosse Kaufhausketten statt kleiner Familienbetriebe beklaut werden. Für in Armut geratene Menschen sei es in der Rezession besser, Ladendiebstahl zu begehen als sich auf Prostitution, Strassenraub oder Einbruch zu verlegen. Und die Bedürftigen sollten nicht mehr stehlen, als sie unbedingt brauchen. Die Polizei und mehrere Warenhausketten kritisierten die Äusserungen des Gottesmannes. Die Aufforderung des Pfarrers hat allerdings Tradition. Selbstverständlich kann ein Priester nicht zum Brechen des 7. Gebots und zum Stehlen auffordern. Das Kirchenrecht der Katholischen Kirche sowie der Katechismus differenzieren aber zwischen Diebstahl und Mundraub. Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg erteilte der Kölner Erzbischof Joseph Kardinal Frings den Bedürftigen eine Lizenz zum Stehlen. In der Silvestermesse 1946 sagte er wörtlich: "Wir leben in Zeiten, da in der Not auch der Einzelne das wird nehmen dürfen, was er zur Erhaltung seines Lebens und seiner Gesundheit notwendig hat, wenn er es auf andere Weise, durch seine Arbeit oder durch Bitten, nicht erlangen kann."
Papst vergibt Übergriff vor Mitternachtsmesse
Bei der Mitternachtsmesse am Heiligabend im Petersdom durchbrach die 25-jährige Italo-Schweizerin Susanna Maiolo aus Frauenfeld die Barrikaden, zog am Mantel von Papst Benedikt XVI., brachte ihn dadurch aus dem Gleichgewicht und zu Fall. Die junge Frau war von 2006-2008 in psychiatrischer Behandlung und hatte bereits vor einem Jahr versucht, den Papst zu berühren. Nach der Attacke wurde Maiolo in der Klinik Subiaco ausserhalb Rom behandelt.
Nachdem sich der päpstliche Privatsekretär ein Bild über den Zustand der geistig verwirrten 25-jährigen Italo-Schweizerin gemacht hatte, empfing der Papst nach der Generalaudienz vom 13. Januar die junge Frau, vergab ihr ihren Übergriff und wünschte ihr gute Gesundheit. Maiolo drückte dem Papst ihr Bedauern über das Vorgefallene aus. Beim Gespräch mit dem Papst wurde sie von zwei Angehörigen begleitet. Der Vatikan hat gegen Maiolo ein Strafverfahren eingeleitet, wird aber vermutlich gnädig sein und den Fall einstellen.
Vatikan verurteilt Homophobie
Der Sprecher des Ständigen Beobachters des Heiligen Stuhls bei den Vereinten Nationen verurteilte alle Formen von Gewalt und Diskriminierung gegenüber Homosexuellen. Besonders verurteile der Vatikan Folter, die Todesstrafe und andere grausame und unmenschliche Repressionen, denen Homosexuelle weltweit ausgesetzt seien. Der Vatikan rufe trotz seiner bekannten Haltung zur sexuellen Orientierung alle Staaten dazu auf, die Würde und den Wert aller Menschen anzuerkennen und die Menschenrechte Homosexueller zu achten.
Sozialsteuer für Ausgetretene
Die katholische Kirche reagiert in Deutschland auf die steigende Zahl von Kirchenaustritten. Der Wirtschaftswissenschaftler Ulrich Blum will mit einer Sozial- oder Ethiksteuer „nach italienischem Vorbild“ die Austrittswelle aus der Kirche bremsen. Wer aus der Kirche austrete und keine Kirchensteuer zahle, soll künftig eine andere Abgabe an eine soziale oder ethische Einrichtung wie das Rote Kreuz, an Greenpeace oder das WWF entrichten. Eine Mandatssteuer wurde in der Schweiz bisher erst für juristische Personen in mehreren Kantonen vorgeschlagen. In Spanien und Italien bezahlen alle Steuerpflichtigen 8 Promille ihres Einkommens an die Kirche oder an eine andere von ihnen gewählte soziale Institution. Eine Mandatssteuer würde zweifellos die Zahl von Kirchenaustritten aus finanziellen Gründen senken, aber die Steuereinnahmen für die Kirchen würden auch bei einer Mandatssteuer drastisch sinken.
Kreuze weg auf belgischen Friedhöfen
Laut einem Gesetzentwurf sollen religiöse Symbole aus öffentlichen Einrichtungen in Belgien verbannt werden. Kreuze sollen auf Friedhöfen an zentraler Stelle oder im Eingang, beispielsweise als Gedenkkreuz oder Friedhofssymbol, verboten werden. Weitere geplante Änderungen: Allen öffentlichen Bediensteten soll das Tragen von Kopftuch und anderer religiöser Abzeichen strikt untersagt werden. Marienbilder und Kruzifixe dürfen nicht mehr in öffentlichen Liegenschaften erscheinen. Ausserdem soll der Apostolische Nuntius nicht länger Dekan des diplomatischen Korps sein. Zudem soll das „Te Deum“ (Großer Gott wir loben Dich) in der Brüsseler Kathedrale zum Nationalfeiertag am 21. Juli abgeschafft werden. Der Vorstoss kommt von den französischsprachigen Sozialisten und wird von den flämischen Liberalen unterstützt.
Deutsche Bischöfe publizieren Finanz-Papier
Die Deutsche Bischofskonferenz hat an diesem Donnerstag ein Expertenpapier zur Wirtschafts- und Finanzkrise vorgelegt. Unter dem Titel „Auf dem Weg aus der Krise“ plädieren die Autoren der 24-seitigen Stellungnahme für eine ökologische Weiterentwicklung der sozialen Marktwirtschaft mit globalem Ordnungsrahmen. Der Vorsitzende der Kommission für gesellschaftliche und soziale Fragen, der Münchner Erzbischof Reinhard Marx, stellte den von ihm in Auftrag gegebenen Text vor. Als ein Kernproblem betrachten die kirchlichen Experten die rapide gestiegene Staatsverschuldung. Dafür gebe es keine einfache Lösung. Die Politik solle den Menschen deshalb „keine unrealistischen Szenarien und Versprechungen vorspielen“.
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Finanzkrise ist Folge moralischer Verlotterung
Der katholische Theologe Hans Küng (81) führt die Wirtschafts- und Finanzkrise des Jahres 2009 auf eine «verlotterte Moral» zurück. Vielerorts sei «ein neuer Typ von Banker, Unternehmer oder Manager am Ruder», der rein erfolgsorientiert agiere und «von ethischen Prinzipien nicht sehr bestimmt» sei, sagte Küng der Hamburger Wochenzeitung «Die Zeit». Erfolg als solcher aber rechtfertige gar nichts: «Dann wäre auch der Aufseher eines Konzentrationslagers erfolgreich.» Die Wirtschaft könne ohne Moral nicht funktionieren: «Die Moralität ist in der Wirtschaft nicht das Sahnehäubchen. Eine moralisch-ethische Rahmenordnung muss sowohl die wirtschaftliche wie auch die politische und staatliche Ordnung stützen.»
Protest baskischer Priester gegen Vatikan
Drei Viertel der baskischen Priester und Theologen protestieren in einem Manifest gegen die Entscheidung des Papstes, José Ignacio Munilla zum Bischof von San Sebastián zu ernennen. Darin heisst es: “Die Ernennung bedeutet eine klare Herabwürdigung des kirchlichen Lebens in unserer Diözese“. Ausserdem beteuerten die 131 Unterzeichnenden, dass Munilla „in keiner Weise die geeignete Person sei, die das Amt des Bischofs und Hirten unserer Diözese ausüben könnte.“ Der 48-jährige José Ignacio Munilla ist als Anhänger einer ultrakonservativen Kirchenlehre bekannt und beschuldigt Parlamentarier, die die Reform der Abtreibungsgesetze verabschieden wollen, der “Beihilfe zum Mord“.
Attentäter von Papst Johannes Paul II. kam frei
Am 18. Januar lief die Gefängnisstrafe für den Papst-Attentäter Mehmet Ali Agca aus. Um von der Militärpflicht in der Türkei befreit zu werden, führte sich Ali Agca bei seinen ersten öffentlichen Auftritten als geistig Verwirrter auf, der als ewiger Christus ein neues Evangelium verfassen wolle. Der 52-jährige hat dem Bestseller-Autor Dan Brown ein gemeinsames Buch vorgeschlagen und plant einen Besuch am Grab von Johannes Paul II., auf den er am 13. Mai 1981 auf dem Petersplatz geschossen hatte. Bis heute sind die Hintergründe und die möglichen Auftraggeber des Attentats unbekannt. Einiges deutet darauf hin, dass der polnische Papst damals dem sowjetischen Zentralkomitee ein Dorn im Auge war.
Zeitweises Eucharistiefasten
Der ehemalige Grazer Liturgieprofessor Philipp Harnoncourt empfiehlt katholischen Priestern, zeitweise auf die Zelebration der Eucharistie zu verzichten. Und den Laien schlägt er den Verzicht der Kommunion vor. Hintergrund der Forderung ist der gegenseitige Ausschluss von Schwesterkirchen zur Eucharistie, der Wesen und Sinn der Feier widerspreche. Die Kirchen sollten zu bestimmten Tagen auf die Eucharistie verzichten - aus Solidarität mit jenen Christen anderer Konfessionen, die nicht zur Kommunion zugelassen sind. Zudem sei es ein Zeichen der Busse dafür, dass die Christen die Einheit verraten haben. Der Verzicht wäre laut Harnoncourt auch ein solidarisches Zeichen für Ehepaare mit unterschiedlicher Konfession oder für geschiedene Wiederverheiratete.
Generalabsolutionen in Kanada
Martin Veillette, der Bischof des kanadischen Bistums Trois-Rivières, will weiterhin, wenn auch nur in Ausnahmen, Bussfeiern mit Sündenbekenntnis und kollektiver Lossprechung erlauben. Veillette glaubt, dass solche Ferien angesichts der Grösse seines Bistums und des Mangels an Priestern auch künftig notwendig seien. Vom Dekret über kollektive Absolutionen, das von der kanadischen Bischofskonferenz angenommen worden sei, hätte er sich „einen viel pastoraleren Ton“ gewünscht.
Tony Blair: vom Saulus zum Paulus ?
Der frühere britische Premierminister Tony Blair wird vom Irakkrieger zum Gottessucher. Der von der anglikanischen Kirche zum Katholizismus konvertierte Blair gründete eine Stiftung für Glaubensfragen und wirkt als Nahostgesandter der internationalen Gemeinschaft in Jerusalem. In einem Gespräch mit der ZEIT sagte er: "Der Glaube gibt innere Freiheit. Als ich Premierminister war, wurde mir immer gesagt: Niemand hört freiwillig auf, Premierminister zu sein. Ich gab das Amt mit 54 Jahren auf, in dem Alter werden die meisten erst Premierminister. Der Glaube gibt Ihnen die Stärke, den Werten treu zu bleiben, an die Sie glauben. Darüber hinaus kann er diese Werte auch formen und damit auch die Handlungen, die sich daraus ergeben. Wenn Sie als Politiker über Glauben reden, besteht das Risiko, dass die Leute sich falsche Vorstellungen machen: Was ist die richtige Gesundheitsreform – jetzt bete ich für ein paar Stunden, dann komme ich schon auf die Antwort. Was die Leute verstehen müssen: Als Politiker versuchen Sie Entscheidungen so zu treffen, wie Ihre Vernunft Ihnen das diktiert. Der Glaube zwingt Sie also nicht zu einer Entscheidung, er bestärkt Sie, sie durchzusetzen, auch wenn sie zum Beispiel unpopulär ist. Ich war zum Beispiel ein starker Befürworter von Stammzellforschung, weil ich glaube, sie gibt uns die Möglichkeit, schwer kranken Menschen ein Leben zu eröffnen, das sie bisher fast nicht oder gar nicht führen können. Darüber gab es auch in der katholischen Kirche wie in der Gesellschaft eine breite Diskussion. Ich kam am Ende zu der Schlussfolgerung, was das Richtige zu tun sei. Und dann ist es meine Pflicht, es auch zu tun. Das hat mich an diesem speziellen Punkt in Konflikt mit den Lehren der Kirche gebracht. Für Gläubige gibt es im Unterschied zu Atheisten oder zu religiös Gleichgültigen mit einem anderen Gläubigen einen unmittelbaren Berührungspunkt, auch wenn der einer anderen Religion angehört. Man ist interessierter an anderen Religionen, die Motivation ist grösser. Ich lese regelmässig den Koran, praktisch täglich.
Kommunion für Geschiedene
Die französische Zeitschrift "Pèlerin" greift ein Streitthema auf, das unter dem Pontifikat von Benedikt XVI. kaum diskutiert wird, aber selbst 40% der engagierten, praktizierenden Katholikinnen und Katholiken angeht: die Behandlung der wiederverheirateten Geschiedenen durch die Amtskirche. Die Linie des Papstes ist klar: Keine Kommunion für geschiedene und wiederverheiratete Katholiken; lebenslanger Ausschluss von der Kommunion. Beim Treffen mit Frankreichs Bischöfen in Lourdes im Herbst 2008 schärfte Benedikt ferner zum wiederholten Male das Verbot von Segnungen für wiederverheiratete Geschiedene aus Anlass ihrer zweiten Hochzeit ein: »Initiativen, die die Segnung von illegitimen Verbindungen anstreben, können nicht zugelassen werden.« Manche der französischen Bischöfe halten sich nicht an die vom Papst geforderte Haltung.
Kardinal Martini über Zölibat und Geschiedene
Bereits vor einigen Monaten sorgte der 81-jährige ehemalige Mailänder Erzbischof und Jesuitenpater, Kardinal Carlo Maria Martini, für Schlagzeilen, als er im Buch "Nachtgespräche in Jerusalem" seine offene Haltung gegenüber verheirateten Priestern und wiederverheirateten Geschiedenen äusserte. In einem Buchinterview mit Don Luigi Verze, dem Gründer und Präsidenten des Mailänder San Raffaele-Krankenhauses, sagte Martini, dass sich unter den wiederverheirateten Geschiedenen immer wieder Personen befänden, die ohne eigene Schuld in einer unumkehrbaren Situation lebten und Verpflichtungen gegenüber den Kindern aus der zweiten Ehe hätten. Mit Freude habe er die Güte des Papstes gesehen, der die Exkommunikation der vier Lefebvre-Bischöfe zurückgezogen habe, führte Martini aus. Aber es gebe viele andere Gläubige, die heute ebenfalls leiden, weil sie sich ausgegrenzt fühlen. Man sollte auch an sie denken, so der Kardinal. Die ganze Kirche müsse, unter Leitung des Papstes, über diese Fragen nachdenken. Und zum Priesterzölibat meinte Martini, der bei der letzten Papstwahl vor Josef Ratzinger in einer ersten Wahl zum Nachfolger Petri gewählt worden sei, aber wegen seiner Parkinson'schen Krankheit einen zweiten Fall Woityla vermeiden wollte: "Ich glaube, dass der Zölibat ein sehr grosser Wert ist, der immer in der Kirche bewahrt werden wird. Man muss jedoch fragen, ob er notwendigerweise allen Priestern auferlegt werden muss. Die Praxis in den katholischen Ostkirchen, wo der Zölibat nicht von allen verlangt werde, hat sich bewährt. Und es gibt auch den Vorschlag der Weihe von 'viri probati', also von bewährten verheirateten Männern."