Die 26 neuen Pastoralräume
Synoden-Sitzung
Synodalrat berät über die Konsequenzen
(v.l.n.r.):
Armin Betschart (Vizepräsident Synodalrat), Maria Graf-Huber (Synodalratspräsidentin), Joseph Durrer (Synodepräsident), Stefan Strässler (Vizepräsident Synode).
Atheismus-Plakate...
... als Reaktion auf und Förderer von christlicher Propaganda
Surah Al-Shawk
Luzern
Luzerner Pastoralräume stehen
Zangengeburten gibt es nicht nur in der Maternité und bei Harmos, sondern auch wenn Pfarreien und Kirchgemeinden zusammen gelegt werden sollen. Nach jahrelangen Gesprächen hatte das Bistum Basel vor einem Jahr einen Richtplan-Entwurf für die Bistumsregion St. Viktor (Kanton Luzern) präsentiert. Die 101 Pfarreien waren bisher in 85 politischen Kirchgemeinden organisiert. Vorgesehen war neu eine Reduktion auf 25 Pastoralräume. Die Gründe für diesen Pastoralen Entwicklungsplan (PEP) liegen in grösseren Möglichkeiten zu überpfarreilichen Diensten und Angeboten sowie in Sparmassnahmen. Nicht zu leugnen ist aber auch die Tatsache, dass das Kirchenrecht verlangt, dass einer pastoralen Einheit jeweils ein Priester vorzustehen hat. Folglich müssen diese Räume grösser werden, wenn die Zahl der Priester kleiner wird. Der Pastoralraum Stadt Luzern existiert bereits und beginnt die stärkere Kooperation der Pfarreien.
In den ländlichen Gegenden erfolgte das Zusammenlegen von Pfarreien und Kirchgemeinden nicht gemäss PEP-Entwurf. Vor allem in drei Regionen leistete die Basis dem bischöflichen Plan nicht Folge. Die Pfarrei und Kirchgemeinde Hildisrieden wollte nicht zusammen mit Rain und Rothenburg einen Pastoralraum bilden. Hildisrieden und Rain schliessen sich neu dem Pastoralraum "Oberer Sempachersee" (Eich, Hellbühl, Neuenkirch und Sempach) an. Rothenburg kommt neu zum Pastoralraum Emmen/Emmenbrücke. Ebenfalls quer stellte sich die Kirchgemeinde Horw, die nicht mit Kriens zusammen einen Pastoralraum bilden wollte, sondern autonom bleiben will. Weitere Änderungen ergaben sich im Seeland: Nottwil fühlte sich nicht dem Pastoralraum mit Sempach, Eich, Hellbühl und Neunkirch verbunden und schliesst sich in einem Pastoralraum mit Sursee, Geuensee und Oberkirch zusammen. Auch Knutwil, das mit Büron, Triengen und Winikon hätte fusionieren sollen, schliesst sich dem Pastoralraum Sursee an. Schliesslich wollten auch Dagmersellen und Uffikon-Buchs nicht mit Altishofen, Egolzwil-Wauwil, Nebikon und Schötz-Ohmstal fusionieren, sondern bilden neu einen separaten Pastoralraum.
Und so sehen die künftigen 26 Pastoralräume definitiv wie folgt aus:
1 Bramboden, Doppleschwand, Entlebuch, Finsterwald, Hasle, Romoos
2 Escholzmatt, Marbach, Wiggen
3 Flühli, Schüpfheim, Sörenberg
4 Werthenstein, Wolhusen, Ruswil
5 Ballwil, Eschenbach, Inwil
6 Beromünster (St. Michael und St. Stephan), Neudorf, Rickenbach,
Schwarzenbach
7 Aesch, Hitzkirch, Müswangen, Schongau
8 Hochdorf, Hohenrain, Kleinwangen, Römerswil
9 Adligenswil, Meggen, Udligenswil
10 Buchrain, Ebikon, Perlen, Root
11 Greppen, Vitznau, Weggis, (Rigi-Kaltbad)
12 Horw
13 Kriens (Br. Klaus, St. Franziskus, St. Gallus)
14 Littau, Reussbühl
15 Emmen (St. Mauritius, Br. Klaus), Emmenbrücke, Emmenbrücke
St. Maria, Gerliswil, Rothenburg
16 Malters, Schwarzenberg
17 Luzern (St. Anton, St. Karl, St. Johannes, St. Josef, St. Leodegar,
St. Maria, St. Michael, St. Paul)
18 Buttisholz, Grosswangen, Ettiswil
19 Eich, Hellbühl, Hildisrieden, Neuenkirch, Rain, Sempach
20 Büron, Triengen, Winikon
21 Sursee, Geuensee, Knutwil, Nottwil, Oberkirch
22 Dagmersellen, Uffikon-Buchs
23 Altishofen, Egolzwil-Wauwil, Nebikon, Schötz-Ohmstal
24 Langnau, Pfaffnau, St. Urban, Reiden-Wikon, Richenthal
25 Gettnau, Hergiswil, Willisau, Geiss, Menzberg, Menznau
26 Grossdietwil, Luthern, Ufhusen, Zell
Neue Synodenleitung
Die Synode, das Parlament der römisch-katholischen Landeskirche im Kanton Luzern, wählte ihr neues Präsidium und jenes des Synodalrats, behandelte den Voranschlag 2010 und befand über einen Kredit für ein Diakonie-Pilotprojekt.
Als Synodepräsident für die Jahre 2010 und 2011 wurde der 58-jährige Joseph Durrer aus Adligenswil gewählt. Er folgt dem Willisauer Hans Schüpfer nach. Als neuer Vizepräsident wirkt der 41-jährige Stefan Strässler aus Aesch.
Als neue Präsidentin des Synodalrats, der Exekutive der Landeskirche, wurde Maria Graf-Huber aus Oberkirch gewählt. Sie tritt in die Fussstapfen des Krienser Georg Fellmann. Als neuer Vizepräsident wirkt der 67-jährige Armin Betschart aus Dagmersellen.
Der Voranschlag 2010 der Landeskirche, der bei Einnahmen von rund 9,2 Millionen und Ausgaben von rund 9,4 Millionen Franken mit einem Minus von 200‘000 Franken rechnet, wurde angenommen. Schliesslich hat die Synode für das Pilotprojekt «Diakonie in ländlichen Pastoralräumen» einen Kredit von 200‘000 Franken gesprochen. In Zusammenarbeit mit der Caritas Luzern will die Kirche dem Land den sozialen Dienst in den neu zu schaffenden Pastoralräumen stärker wahrnehmen.
Zu viele theologische Fakultäten?
Rudolf Stichweh, Rektor der Universität Luzern, rüttelt an einem alten Tabu: Er findet drei theologische Fakultäten in der deutschsprachigen Schweiz (Luzern, Chur, Fribourg) angesichts der sinkenden Studierendenzahlen zu viel. Die Universität Luzern zählt 2.200 Studierende. Die rund 1100 Studierenden der Rechtswissenschaftlichen Fakultät werden von 20 Vollzeitprofessuren betreut (Verhältnis 1:57), die 800 Studierenden an der Kultur- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät von 18 Vollzeitprofessuren (Verhältnis 1:44)) und die rund 200 Studierenden an der Theologischen Fakultät von 12 Vollzeitprofessuren (Verhältnis 1:17).
Die Theologische Fakultät Luzern müsse laut Rektor Stichweh entweder mehr Studierende haben oder ihre Erträge durch mehr Drittmittel erhöhen. Zudem sollte sich seines Erachtens die katholische Kirche stärker an den Kosten der Theologischen Fakultät beteiligen. Dies könnte aber laut der Dekanin der Theologischen Fakultät, Monika Jakobs, die akademische Unabhängigkeit der Theologie gegenüber den Landeskirchen und Bistumsleitungen schmälern.
Herbert Haag-Preis für Kuschel, Hürlimann und Eichmann-Leutenegger
Der Tübinger Theologe und Vize-Präsident der Stiftung Weltethos Karl-Josef Kuschel erhält den Preis der Herbert-Haag-Stiftung für Freiheit in der Kirche 2010. Zudem werden der Schriftsteller Thomas Hürlimann und die Publizistin Beatrice Eichmann-Leutenegger ausgezeichnet. Die Preisverleihung findet am 21. März 2010 um 16.30 Uhr im Luzerner Hotel Schweizerhof mit einer Einführung von Hans Küng statt. Die drei Preisträger bezeugten „auf je eigene Weise, dass die Freiheit des Wortes auch dort gelten muss, wo es um Glaube und Kirche geht und wo entscheidende Fragen der Moderne zur Debatte stehen, um die keine Religion herumkommt“. Die Stiftung besteht seit 1985 und hat ihren Sitz in Luzern. Sie trägt den Namen ihres Gründers, des 2001 verstorbenen Bibelwissenschaftlers Herbert Haag.
Hickhack um Atheisten-Plakate
Dass in der Zentralschweiz zur Zeit ein Kampf um das Aufhängen von Atheismus-Plakaten vom Zaun gerissen wird, zeigt auf der Seite der Freidenker wie auch bei manchen Gemeinde- und Stadträten Rückständigkeit und Humorlosigkeit. Rückständigkeit deshalb, weil die Kontroverse um die Plakate im übrigen Europa schon längst über die Bühne ist. Und Humorlosigkeit, weil es doch viel spannender ist, auf Plakaten die Frage nach der Existenz Gottes zu provozieren als mit Werbung für immer schnellere Autos oder gegen Ausländer die Gegend zu verschandeln. Im Januar begannen die britischen Humanisten mit der Plakat-Aktion auf 800 roten Bussen und 1000 U-Bahn-Wänden der Stadt London. Es war eine Reaktion auf die unzähligen Plakate der christlichen Fundamentalisten mit biblischen Zitaten. Auf den Atheisten-Plakaten stehen die Worte: «Da ist wahrscheinlich kein Gott - also sorg dich nicht, geniess das Leben.» Die britische Werbeaufsichtsbehörde reagierte intelligent: Nach deren Vorgaben müssen Aussagen in Reklame-Anzeigen beweisbar oder dokumentiert sein. Dies sei bei dem atheistischen Slogan nicht der Fall. Evangelikale Kreise reagierten in England und Spanien mit einer halbwegs originellen Gegen-Aktion in Plakatform: «Gott existiert. Sorge dich nicht und geniesse das Leben». In der Schweiz kamen die Atheisten erst im Februar in die Gänge. Die Freidenker-Vereinigung der Schweiz (FVS) plante unter anderem eine Plakat-Aktion auf Luzerner Bussen. Doch evangelikale Kreise drohten den Luzerner Verkehrsbetrieben (VBL) mit dem Abfackeln von Bussen, falls dort die Atheisten-Plakate aufgehängt würden. Die VBL gab dem Druck der Fundamentalisten nach. Ein halbes Jahr später wärmen nun die Freidenker das Thema neu auf und wollen landesweit 250 Plakate aufhängen lassen. Die Stadt Luzern entschied sich Mitte September gegen das Aufhängen von fünf Plakaten. Doch nachdem die reformierten und katholischen Kirchenvertreter in den Plakat-Slogans keine Verletzung religiöser Gefühle und nichts Unsittliches wittern konnten, revidierte der Stadtrat sein Urteil und gab grünes Licht zur Plakatierung ab Ende Oktober. Was zeigt diese Aktion? Erstens scheinen die Freidenker in ihren Fragen noch nicht weiter gekommen zu sein als Nietzsche, Feuerbach, Marx, Freud und Darwin vor über 100 Jahren. Zweitens unterscheiden sich die Atheisten bezüglich geistiger Enge und fanatischer Sturheit kaum von den religiösen Fundamentalisten. Drittens giessen die Humanisten mit ihrem Kampf für Plakate religiösen Inhalts in der Öffentlichkeit lediglich Wasser auf die Mühlen der christlich-fundamentalistischen Gruppen (z.B. Agentur C), die unsere Strassen regelmässig mit biblischen Zitaten zupflastern. Und viertens wird niemand wegen der Plakate den Glauben an Gott verlieren, wohl aber werden Menschen aus der grossen Masse religiös Gleichgültiger durch so ein Plakat positiv zur Frage nach Gott herausgefordert. Die Stadt Zug hat das Aufhängen der Atheisten-Plakate zunächst verboten und nun auch zugelassen.
Basketball oder Allah
Der Nordostschweizer Basketballverband ProBasket verbot der 19-jährigen Muslimin Sura Al-Shawk aus Ebikon beim Basketballspiel STV Luzern das Tragen des Kopftuchs und würde ihrem Team automatisch Forfait geben, falls Al-Shawk mit ihrer Kopftuch antreten wollte. SVP-Nationalrat Hans Fehr äusserte gegenüber dem Tages-Anzeiger, dass die junge Frau das Kopftuch nicht freiwillig, sondern aus familiärem Zwang trägt. Doch stolperte er da über seine eigenen Vorurteile. Denn die gebürtige Irakerin, die seit neun Jahren in der Schweiz lebt, perfekt Luzerner Mundart spricht, die Kantonsschule besucht und vor kurzer Zeit eingebürgert wurde, trägt das Kopftuch erst seit zwei Jahren - sogar gegen den Rat ihrer Eltern. Die Entscheidung des Sportverbands wirft Fragen auf, gerade weil der Sport sich stark als Mittel zur Integration von Menschen verschiedener Kulturen versteht. Nun wehrt sich Sura Al-Shawk gegen das Kopftuch-Verbot des Basketball-Verbands. Ihr Anwalt, Nationalrat Daniel Vischer, strebt einen Musterprozess an. Laut Vischer ist das Kopftuchverbot «ein übermässiger Eingriff in die Persönlichkeitsrechte. Eine Verletzungsgefahr durch das Kopftuch kann man kaum ernsthaft behaupten.»
Bischof Dr. Kurt Koch
Christoph Darbellay
Schön neutral...
Norbert Brunner, der neue Präsident der Schweizerischen Bischofskonferenz
Der umstrittene SCR-Präsident Thomas Wipf
Der neue Weihbischof von Zürich, Benediktinerabt Marian Eleganti
Johan Vonlanthen
Eine neue "konstantinische Wende"?
Das geplante "Haus der Religionen" am Berner Europaplatz
Schweiz
Anti-Minarett-Initiative: 57,5% stimmten JA
Entgegen aller Prognosen wurde die Anti-Minarett-Initiative von EDU und SVP am 29. November mit 57,5% Ja-Stimmen angenommen. Mitte Oktober ergaben Umfragen noch eine Nein-Mehrheit von 53%.
Die christlichen Kirchen und die Mitte-Links-Parteien waren geschlossen gegen das Verbot, weil die Initiative gegen das verfassungsmässige Menschenrecht auf Glaubens- und Gewissensfreiheit sowie gegen den Religionsfrieden im In- und Ausland verstösst. Es wird nun vermutlich wie bei der Verwahrungs-Initiative am Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte liegen, die helvetische Abstimmung für legitim oder illegitim zu erklären.
Zu diesem klaren Resultat trug einerseits das einseitig negative Islam-Bild bei, das täglich durch die Medien über islamistische Fundamentalisten in aller Welt trasnportiert wird. Und andererseits mag auch das Kruzifix-Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte zu dieser Reaktion beigetragen haben. Das Urteil aus Brüssel wandte sich gegen das Obligatorium von Kruzifixen in italienischen Schulzimmern und Amtsstuben.
Minarett-Abstimmung als Zeichen von Identitatskrise
Das JA zum Minarettverbot zeigt für Bischof Kurt Koch eine tiefe Identitätskrise in der Bevölkerung auf. Für den scheidenden Präsidenten der Schweizer Bischofskonferenz ist das Wahlergebnis "ohne Sachverstand" ein Anzeichen für eine Krise christlicher Identität – und nicht nur in der Schweiz. In einem Radio-Interview sagte er: „Die ganze Gesellschaft in Europa ist derart im Umbruch, dass die Identität der europäischen Länder ins Flottieren geraten ist. Und jetzt hat man eine Bedrohung gesehen, hat Angst vor der Islamisierung, so dass man plötzlich die eigene Identität sichern will, die man aber in normalen Zeiten gar nicht so sehr lebt und zum Tragen bringt. Deshalb muss jetzt auch klar gesehen werden, zu unserer christlichen Identität auch in einem weltanschauungsneutralen Staat wie der Schweiz zurückfinden. Nur wenn wir eine positive Identität haben, können wir auf andere zugehen. Wenn wir nur eine negative Identität haben, steht jede Begegnung unter einem schlechten Vorzeichen.“ Zudem betonte Koch: „Erstens wird das unser Engagement für die verfolgten und bedrohten Christen in islamischen Ländern nicht erleichtern, sondern furchtbar erschweren. Und zweitens ist das Nein zu den Minaretten auch ein Nein zur Sichtbarkeit der Religion. Und das wird früher oder später Konsequenzen für unsere Kirche haben. Der Entscheid des europäischen Gerichtshofes in Brüssel [gegen ein Kruzifix-Obligatorium in Italiens Schulzimmern] war ja eine Vorwarnung, dass es nun auch mit den christlichen Zeichen in der Gesellschaft problematisch wird.“
CVP-Darbellay skandalisiert
Am Tag nach der Minarett-Abstimmung versuchte sich CVP-Chef Christophe Darbellay im Alleingang zu profilieren und Aufmerksamkeit zu erhalten. Nachdem er im Sommerloch ein Burka-Verbot vorschlug, plädierte er nun für ein Verbot von muslimischen und jüdischen Friedhöfen. Auch das Tragen von Kopftüchern wollte er verbieten, allerdings nur bei Musliminnen, nicht aber bei christlichen Nonnen, denn: «Das gehört zu unserer Kultur.» (bei Musliminnen offenbar nicht). Selbst seine Parteikollegen reagierten perplex. Dieser Versuch, die SVP rechts zu überholen, werden sich bei den Wahlen im kommenden Jahr wohl manche merken.
Neujahrs- statt Weihnachtswünsche
Die Schweizer Grossfirmen reagieren vorauseilend religionsneutral auf das Minarettverbot. Weihnachtswünsche sind tabu, statt dessen wünschen sie auf den Karten «schöne Festtage». Die ABB-Mitarbeiter haben dieses Jahr die Wahl zwischen Winterlandschaft und abstrakter Kunst. Das sind die beiden Kartenmotive, die der Konzern zur Verfügung stellt. Und darauf wünscht die weltweit tätige Industrieunternehmung «alles Gute und viel Erfolg im neuen Jahr». Kein Wort von Weihnachten oder Weihnachtszeit. Jegliche Hinweise auf den christlichen oder einen anderen Glauben sind beim Industriemulti tabu. «Wir verhalten uns religionsneutral», sagt ABB-Sprecherin Melanie Nyfeler. «Unsere Kunden stammen aus verschiedenen Kulturkreisen, das wollen wir mit unseren Festtagskarten berücksichtigen». Die Credit Suisse versieht ihre Kundenkarten und -geschenke in der Schweiz mit dem Wort «Festtage» und in den USA mit «happy holidays». Als weltweit tätiges Unternehmen will die CS überkonfessionell agieren. Auch Nestlé verschickt nur noch Grusskarten mit neutraler Aufschrift. Die holländische Bank ABN Amro hat Weihnachtskarten und -geschenke an Kunden und Mitarbeiter untersagt.
Schuldispensationen aus christlichen Kreisen
Christlich-fundamentalistische Gruppen lassen ihre Kinder häufiger von der Schule dispensieren als Angehörige anderer religiöser Gruppen. Sei es der Schwimmunterricht oder die Teilnahme an Klassenlagern: Es sind vor allem Angehörige von christlichen Freikirchen, die ihre Kinder von schulischen Lektionen dispensieren lassen und nicht Angehörige anderer Religionsgruppen. Die besorgten religiösen Eltern befürchteten, dass die Kinder Alkohol oder Drogen konsumieren oder den Kontakt zum anderen Geschlecht suchen könnten. Es gehe teilweise sogar so weit, dass stark evangelikale Kreise ihre Kinder gar nicht in die öffentliche Schule schicken möchten.
Schweizer Bischöfe für freiwilligen Zölibat
Der neu gewählte Präsident der Schweizer Bischofskonferenz, der Walliser Bischof Norbert Brunner, sagte gegenüber der "NZZ am Sonntag" am 29. November: Ich halte es für möglich, den Pflichtzölibat für Priester abzuschaffen. Ich glaube, dass die Bischofskonferenz ziemlich einhellig der Meinung ist, dass es in der Schweiz möglich sein sollte, verheiratete Männer zu Priestern zu weihen." Brunner kritisierte zudem in einem Interview mit der KIPA den Vatikan für die Art und Weise, wie Anfang 2009 die Exkommunikation der vier Bischöfe der Pius-Bruderschaft aufgehoben worden sei. Wörtlich sagte er: "Es wäre schon mein Wunsch gewesen, dass hier die direkt betroffenen Bischöfe oder Bischofskonferenzen ein bisschen stärker konsultiert worden wären", zumal die Pius-Brüder ab 1970 ihren Kreuzzug von Ecône im Wallis aus begonnen hatten. Zudem plädierte Brunner im Sinn des 2. Vatikanischen Konzils für mehr Subsidiarität in der Kirche: Sei eine untergeordnete Instanz in der Lage, Probleme und Aufgaben eigenständig zu lösen, so soll sie das auch tun können. "Es sollte doch möglich sein, dass in der Kirche wieder etwas mehr die Eigenverantwortung der Bischofskonferenz oder der Bischöfe zum Zuge kommt", meint Brunner. Als Beispiel nannte er die Taufspendung oder die Eheassistenz durch Laien. Gemäss Kirchenrecht sei es grundsätzlich möglich, wenn eine Beauftragung durch den zuständigen Bischof nach Absprache mit der betreffenden Bischofskonferenz erfolge. Dass diese Beauftragung dann aber noch von Rom bestätigt werden muss, hält der neue Präsident der Bischofskonferenz für unnötigen Zentralismus. "Wenn ich diese Kompetenz habe, dann soll die Kirchenleitung auch das Vertrauen haben, dass ich diese Verantwortung wirklich im Sinne der Einheit wahrnehmen kann!"
Rochade im "Rat der Religionen"
Der Bischof von Sitten, Norbert Brunner, wird als Präsident der Schweizer Bischofskonferenz (SBK) neu Mitglied im "Schweizerischen Rat der Religionen" (SCR) und ersetzt damit den abtretenden Präsidenten Kurt Koch. Als weiteres neues Mitglied kommt die Islam-Expertin und Religionspädagogin Aynur Akalin hinzu. Sie ist Vorstandsmitglied am Institut für Interkulturelle Zusammenarbeit in Zürich. Der SCR wurde 2006 gegründet und setzt sich zusammen aus leitenden Persönlichkeiten der drei Landeskirchen, der orthodoxen Kirchen der Schweiz, des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebundes und Islamischer Organisationen der Schweiz. Der Rat will einen Beitrag zur Vertrauensbildung unter den Religionsgemeinschaften und zur Förderung des religiösen Friedens leisten. Vorsitzender ist derzeit SEK-Ratspräsident Thomas Wipf.
Die kürzlich erfolgten Aussagen von Thomas Wipf in den Medien sollen seine Funktion als Präsident des SCR offenbar in Frage stellen. Vor der Minarett-Abstimmung wurde Wipf von Radio DRS4 gefragt, warum laut Prognose mehr Protestanten als Katholiken JA zum Minarett-Verbot stimmen würden. Wipf meinte: „Der Islam ist patriarchal und hierarchisch geprägt. Dadurch steht er der Katholischen Kirche näher als der Reformierten Kirche und löst bei den Reformierten die grössere Skepsis aus.“ Und nach der Abstimmung sagte Wipf im Interview mit dem Tagesanzeiger vom 1. Dezember: „Ich hoffe sehr, dass niemand den Weg nach Strassburg wählt. Es gehört zur Pragmatik schweizerischer Politik, solche Probleme zuerst einmal selber zu lösen.“
Abt Marian Eleganti wird Weihbischof in Zürich
Benediktinerabt Marian Eleganti vom Kloster St. Otmarsberg in Uznach wurde von Rom zum Weihbischof in Zürich bestimmt. Die Seelsorger und die Landeskirche von Zürich hatten gehofft und erwartet, dass Josef Annen, seit zwei Jahren im Amt des Bischofsvikars und seit kurzem Generalvikar ad interim, die Nachfolge von Weihbischof Paul Vollmar antreten würde. Eleganti trat im Februar dieses Jahres erstmals öffentlich auf, als er im «Club» von SF1 sich erfreut zeigte über die Versöhnung von Papst Benedikt mit den antisemitischen Piusbischöfen. Auch nahm Eleganti verschiedentlich zu Themen der Sexual- und Familienmoral Stellung. Zur Sterbehilfe meinte er neulich: «Der Unterschied zwischen direkter Tötung auf Verlangen und Beihilfe zur Selbsttötung ist ethisch unerheblich, denn das Ergebnis und die fatalen Folgen der Suizidhilfe setzt ein falsches Signal und eröffnet neue Möglichkeiten des Missbrauchs.» Eleganti begründete sein JA zum Minarett-Verbot damit, dass er auf die berechtigten Ängste in der Bevölkerung vor dem Islam Rücksicht genommen hätte. Eleganti ist auch regelmässiger Gast bei den reaktionären Sendern gloria.tv, Radio Gloria und Radio Horeb. Vor bald zwei Jahren intervenierte Bundesrat Couchepin im Vatikan, weil bekannt geworden war, dass der Churer Bischof den Theologen Martin Grichting zum Weihbischof machen wollte. Huonder ernannte Grichting nun aber zum "diözesanen Generalvikar", der das gesamte Bistum nach aussen vertreten soll. Die Zürcher Landeskirche reagierte umgehend auf diese Entscheide: "Der Diözesanbischof hat den Organen der Katholischen Kirche im Kanton Zürich immer wieder zugesichert, dass er bei der Auswahl von Weihbischof und Generalvikar stets das Wohl der Zürcher Kirche vor Augen habe. Diese Absicht hätte zwingend die Anhörung der Partner in Zürich erfordert. Das Gegenteil ist eingetroffen: Die betroffenen Kantone wurden weder in den Entscheidungsprozess mit einbezogen noch über diesen offen und transparent orientiert. Für die staatskirchenrechtlichen Organe des Kantons Zürich kommt das Vorgehen einer Provokation gleich."
Fussballer Johan Vonlanthen zu christlich?
Der 40-fache Nati-Stürmer und FC-Zürich-Kicker Johann Vonlanthen dementierte Gerüchte, dass er wegen seines Glauben und seiner Mitgliedschaft bei den Adventisten vom aktiven Fussball zurück treten würde. Der Samstag gilt bei Adventisten als unantastbar. Doch Vonlanthen denkt nicht an einen samstäglichen Fussballverzicht. Für ihn bedeute der Glaube jedoch eine zentrale Stütze: "Ich spiele befreit und ohne Druck. Ich komme auf den Platz, gebe alles, und egal ob es gut oder schlecht läuft, kann ich damit umgehen. Das ist mein Mentaltraining. Ich durfte in den letzten zwei Jahren erleben, dass die innere Zusammenarbeit mit Gott das beste Training ist, das es gibt.» Vonlanthen liess wie seine Kollegen Lucio, Kaka und andere in Kolumbien eine Kirche bauen.
EVP fordert christliche Kultur
Die Evangelische Volkspartei (EVP) plant eine Volksinitiative für einen neuen Religionsartikel. Das Christentum soll als Basiskultur der Schweiz in der Verfassung festgeschrieben werden. Der Verfassungsartikel soll auch die Gewährleistung der freien Wahl, der freien Ausübung, der freien Kommunikation und des freien Wechsels einer Religion beinhalten. Nötig macht einen solchen Verfassungsgrundsatz nach EVP-Ansicht das Nebeneinander von christlichen und nicht-christlichen Religionsgemeinschaften in der Schweiz.
Kommentar der Redaktion:
1. Der EVP ist offenbar entgangen, dass die Religionsfreiheit in der Schweizerischen Verfassung bereits seit Jahrzehnten garantiert ist.
2. Eine Religion als "Basiskultur eines Landes" verfassungsmässig festzuschreiben, ist gut gemeint, aber reduziert Religion auf Kultur, was verheerend ist.
3. Das Christentum zur helvetischen Basiskultur zu erklären, wäre ein Rückfall ins Jahr 313, wo der römische Kaiser Konstantin das Christentum zur Staatsreligion erhob.
4. Eine bestimmte Kultur verfassungsmässig festschreiben zu wollen, weist auf ein fragwürdiges Verständnis von dem, was Kultur ist und sein will.
Vandalismus an Moschee in Genf
Mitte November ist eine Moschee in der Nähe von Genf mit Steinen beworfen worden. Die Moschee-Verantwortlichen haben bei der Polizei eine Anzeige gegen Unbekannt eingereicht. Die Tat stand womöglich in Zusammenhang mit der Anti-Minarett-Initiative. Beschädigt wurden die Fenster, die Holztüre und eine Granitkuppel beim Eingang. Zum ersten Mal innerhalb von 30 Jahren sei die Moschee Opfer von Gewalt geworden, sagte der zuständige Imam. Die Genfer Moschee wurde 1978 gebaut und vom saudischen König eingeweiht. Sie gilt als bislang einzige repräsentative Moschee der Schweiz, da sie von aussen als solche wahrnehmbar ist.
"Haus der Religionen" sucht neue Unterkunft
Ab kommendem Sommer gehört das "Haus der Religionen" an der Berner Schwarztorstrasse 102 der Vergangenheit an. Das Grundstück wird mit 100 Wohnungen neu überbaut. Der seit langem geplante Bau des Hauses der Religionen am Europaplatz lässt auf sich warten. Längst haben die verschiedenen Religionsgemeinschaften ihre Bedürfnisse auf einen gemeinsamen Nenner gebracht. Längst liegen die Pläne für den Bau vor, in dem neben dem "Haus der Religionen" auch ein Hotel, Wohnungen, eine Bibliothek und einiges mehr untergebracht werden sollen. Längst ist der Bau bewilligt. Doch noch wird intensiv nach Nutzern und Investoren gesucht. Bis heute wurde kein Stein gesetzt für das einmalige Projekt. Der Verein "Haus der Religionen" muss für weitere Jahre neue Räumlichkeiten suchen, um seine Aktivitäten aufrechtzuerhalten. Der Verein sucht nun im Berner Zentrum leere Räume in Kirchen, Quartierzentren, Schulen und Läden.
"Frauenunterdrückung" im Islam
In der Debatte um die Minarettinitiative wird schon länger mit dem Schlagwort "Frauenunterdrückung" Stimmung gemacht. Leider ist auch die bekannte Autorin Julia Onken im Namen des Feminismus auf diesen Zug aufgesprungen. Der Interreligiöse Thinktank, ein Zusammenschluss von christlichen und muslimischen Fachfrauen des interreligiösen Dialogs, hat eine Stellungnahme dazu geschrieben.
Bischöfe gegen Suizidhilfe-Regelung
Die Schweizer Bischöfe halten fest an ihrem Nein zu organisierter und gewerblich betriebener Beihilfe zum Selbstmord. Ende Oktober hatte der Bundesrat angekündigt, organisierte Suizidhilfe gesetzlich regeln zu wollen. Der Bundesrat plant zwei Varianten zur Änderung des Strafrechts: Die erste Variante will Sorgfaltspflichten für Mitarbeiter von Suizidhilfeorganisationen einführen; so muss beispielsweise der Suizidhelfer Alternativen zum Selbstmord aufzeigen und mit der betroffenen Person prüfen. Die zweite Variante will die organisierte Suizidhilfe verbieten. Die Schweizer Bischofskonferenz bevorzugt diese zweite Lösung.
Medienpreis an André Marty
Der Fernsehjournalist André Marty erhält den Katholischen Medienpreis. In der Arbeit des Nahost-Korrespondenten spiegle sich die „Vielschichtigkeit der Probleme des Zusammenlebens der Völker und Religionsgemeinschaften im Heiligen Land“, heißt es zur Begründung. Marty mache deutlich, welche Bedeutung die „Präsenz der christlichen Minderheit für die Hoffnung auf Frieden für alle“ habe. Die Medienkommission der Schweizer Bischofskonferenz bezeichnet die Arbeit des Korrespondenten des Schweizer Fernsehens SF als „unparteilich und mutig“. Medienbischof Peter Henrici wird den Preis am 30. November übergeben.
Kirchen für Klimaschutz
In einem Brief an die Schweizer Delegation, die im Dezember zur Weltklimakonferenz nach Kopenhagen reiste, erinnern die Schweizer Kirchen das Land an seine Pflicht, sich ohne Aufschub für verbindliche Massnahmen und eine Klimagerechtigkeit einzusetzen. Klimapolitik müsse sowohl "sachgerecht" wie "menschengerecht" sein, schreiben die Schweizer Bischofskonferenz, der Schweizerische Evangelische Kirchenbund und die Christkatholische Kirche der Schweiz in ihrem Brief. Die Kirchen sprechen sich für den Zeitraum 1990-2020 im Inland für eine Treibhausgasreduktion um 40 Prozent aus. Zusätzlich soll die Schweiz einen Beitrag in der gleichen Grössenordnung für Reduktions- und Anpassungsmassnahmen im Ausland leisten. Die Kirchen richteten sich auch an die eidgenössischen Räte im Hinblick auf die Beratungen und Entscheidungen zur Revision des CO2-Gesetzes. Am dritten Adventsonntag, dem 13. Dezember, läuteten landesweit an über 600 Orten die Kirchenglocken, um auf den Klimawandel aufmerksam zu machen.
Keine Theologen in die SRG-Beschwerbestelle
Bei der unabhängigen Beschwerbestelle von Radio und Fernsehen (UBI) gehen regelmässig Reklamationen ein, dass Sendungen religiöse Gefühle verletzen. Der CVP-Nationalrat und Ex-Kommandant der Schweizergarde, Pius Segmüller, forderte, dass in der UBI VertreterInnen aus allen Bereichen der Gesellschaft vertreten sein sollten, etwa Hausfrauen, Arbeiter, Politiker und speziell auch ethisch kompetente TheologInnen. Diese Forderung wurde jedoch abgelehnt. TheologInnen bräuchte es nicht an der Beschwerdestelle.
Papst beim Besuch der Moschee von Omar
Putin und Papst Benedikt XVI.
Weibliche Muftis in Dubai
Demonstration von Chrsten gegen Gewalt in Orissa
Kardinal Cormac Murphy O'Connor
Bischofsweihe der Pius-Brüder
"Pope Innocent" von Francis Bacon
Patrick J. Kennedy (Mitte)
Prof. Dr. Walter Kirchschläger
International
30 000 Jugendliche am Taizé-Treffen erwartet
Zum Jahreswechsel findet im polnischen Posen das 32. internationalen Taizé-Jugendtreffen statt. Während des Treffens vom 29. Dezember bis 2. Januar werden die Jugendlichen an zahlreichen Gottesdiensten sowie Workshops zu sozialen Fragen und zu Themen des inneren Lebens teilnehmen. Seit 1978 organisieren die Brüder der Taizé-Gemeinschaft die fünftägigen Europäischen Treffen. Im Jahr der Wende 1989 fand bereits ein Treffen im polnischen Breslau statt. Bekannt geworden ist die Gemeinschaft von Taizé durch einprägsame, meditative Lieder, die unter Christen in aller Welt verbreitet sind. Gegründet wurde die ökumenische Gemeinschaft im Jahre 1940 vom reformierten Schweizer Pastor Roger Schütz, der 90-jährig im Jahr 2005 den Folgen eines Attentats erlag. Kurz vor seinem Tod empfing Frère Roger symbolträchtig anlässlich der Beerdigung von Papst Johannes Paul II. die Kommunion aus den Händen von Kardinal Ratzinger.
Kindsmissbrauch in Irlands Kirche
Vor einem Krisengipfel im Vatikan haben irische Bischöfe unweit von Dublin über den Umgang mit kirchlichen Missbrauchs-Fällen beraten. Hinter verschlossenen Türen ging es auch über mögliche Bischofs-Rücktritte als Reaktion auf einen neuen Missbrauchs-Bericht. Besonders der Bischof von Limerick, ein früherer Dubliner Weihbischof, scheint unter Druck zu stehen. Allein im Erzbistum Dublin sollen seit 1940 Dutzende von Kirchenverantwortlichen dafür gesorgt haben, dass während 30 Jahren keine Berichte über Kindesmissbrauch durch etwa 170 Priester nach aussen drangen. Der katholische Frauenorden der «Barmherzigen Schwestern» zahlt 128 Millionen Euro als Sühne für Misshandlungenan Kindern, die in ihrer Obhut standen. Vor den «Barmherzigen Schwestern» hatte im November der Orden der «Christlichen Brüder» eine Entschädigung misshandelter Kinder in Höhe von 161 Millionen Euro angekündigt. Dem Orden war vorgeworfen worden, sexuellen Missbrauch von Kindern in seinen Einrichtungen zugelassen zu haben. Die katholische Bevölkerung Irlands reagiert mit Wut und Empörung gegenüber der kirchlichen Hierarchie. Die Irische Kirche steht zudem unter Beschuss der Bevölkerung, weil die Kirchenleitung für die sehr restriktiven Abtreibungsgesetze in Irland gesorgt hatte, gegen die derzeit am Europäischen Menschenrechtsgerichtshof in Strassburg geklagt wird.
Past-Attentäter kommt frei
Am 18. Januar läuft die Gefängnisstrafe für den Papst-Attentäter Mehmet Ali Agca aus. Der 52-jährige will dann zunächst ein grosses Interview geben. Dem Bestseller-Autor Dan Brown hat er ein gemeinsames Buch vorgeschlagen haben. Und er plant einen Besuch am Grab von Johannes Paul II., auf den er am 13. Mai 1981 auf dem Petersplatz geschossen hatte. Bis heute sind die Hintergründe und die möglichen Auftraggeber des Attentats unbekannt. Einiges deutet darauf hin, dass der polnische Papst damals dem sowjetischen Zentralkomitee ein Dorn im Auge war.
Vatikan reagiert auf Minarettverbot
„Man sollte sich davor hüten, Religion zu instrumentalisieren“, sagte Gianmaria Vian, Chefredakteur der Vatikanzeitung „L´Osservatore Romano“. Solche Instrumentalisierung „bringt immer schlechte, giftige Früchte hervor“. Natürlich müsse die Entscheidung der Schweizer respektiert werden – „doch auch die Kultfreiheit in Europa steht ausserhalb jeder Diskussion!“ Der Leiter des Päpstlichen Migrantenrates, Erzbischof Antonio Maria Vegliò, ergänzte: „Ich verstehe nicht, wie man die Religionsfreiheit einer Minderheit antasten kann oder eine Gruppe daran hindern will, ihren Kultort zu bauen. Aversion und Angst sei vielerorts zu spüren, aber ein Christ muss das überwinden."
Türkei reagiert auf Minarettverbot
Der türkische Kulturminister Günay und der Europaminister Bagis reagierten selbstkritisch auf das helvetische Minarettverbot. Sie erklärten, die Entscheidung der Schweizer stünde im Gegensatz zu den europäischen Werten und sei nur möglich gewesen, weil die Schweiz kein EU-Mitglied sei. Die Türkei, die selbst EU-Mitglied werden will, stelle sich die Aufgabe, sich mehr an die „europäischen Werte“ anzunähern und die Diskriminierung der eigenen Minderheiten kritisch zu betrachten. Die Kolumnistin des türkischen Rechtsblatts "Tercüman", Nazli Ilcak, schreib, die Schweiz sei zwar kalt und ausländerfeindlich, die Türkei sei aber nicht besser. „Wenn wir ein Referendum gegen Kirchenglocken abhalten würden, dann würden wohl 90 Prozent für ein Verbot stimmen – und das ‚Land der Schande’ wären wir.“
Tiroler FPÖ will Minarettverbot
Die rechtspopulistische FPÖ will ein Minarettverbot in Tirol durchsetzen. Man wolle nach dem Vorbild Kärntens und Vorarlbergs mit „der Erhaltung des Ortsbildcharakters“ argumentieren. Zusätzlich werde die Partei eine Initiative zur Beibehaltung der Kreuze in den Klassenzimmern einbringen. Laut Meinungsforschungsinstitut Gallup sind 60 Prozent der Österreicher derzeit gegen ein Minarettverbot. Schweizer Umfragen waren vor der Abstimmung ähnlich ausgefallen.
Parlament der Weltreligionen tagte
Die Organisatoren der weltweit grössten interreligiösen Veranstaltung (8.000 VertreterInnen von 30 Glaubensrichtungen aus 80 Ländern) trafen sich Anfang Dezember in Melbourne. Der Dalai Lama, das religiöse Oberhaupt der tibetischen Buddhisten, benannte - passend zum Beginn des UN-Klimagipfels in Kopenhagen - eine gemeinsame Strategie gegen Umweltzerstörung als eines der wichtigsten Ziele. Der Dalai Lama wies darauf hin, dass der weltweite Klimawandel in Tibet am deutlichsten zu spüren sei - die Temperaturen steigen auf dem tibetischen Hochplateau mit doppelter Geschwindigkeit. Dort entspringen die vier größten Wasseradern Asiens - damit ist der Erhalt des tibetischen Ökosystems für den gesamten Kontinent von größter Bedeutung. Passend dazu lautet das diesjährige Motto der Tagung: «Einen himmelweiten Unterschied machen: einander zuhören, die Erde heilen.»
Zeitweises Eucharistiefasten
Der ehemalige Grazer Liturgieprofessor Philipp Harnoncourt empfiehlt katholischen Priestern, zeitweise auf die Zelebration der Eucharistie zu verzichten. Und den Laien schlägt er den Verzicht der Kommunion vor. Hintergrund der Forderung ist der gegenseitige Ausschluss von Schwesterkirchen zur Eucharistie, der Wesen und Sinn der Feier widerspreche. Die Kirchen sollten zu bestimmten Tagen auf die Eucharistie verzichten - aus Solidarität mit jenen Christen anderer Konfessionen, die nicht zur Kommunion zugelassen sind. Zudem sei es ein Zeichen der Busse dafür, dass die Christen die Einheit verraten haben. Der Verzicht wäre laut Harnoncourt auch ein solidarisches Zeichen für Ehepaare mit unterschiedlicher Konfession oder für geschiedene Wiederverheiratete.
Generalabsolutionen in Kanada
Martin Veillette, der Bischof des kanadischen Bistums Trois-Rivières, will weiterhin, wenn auch nur in Ausnahmen, Bussfeiern mit Sündenbekenntnis und kollektiver Lossprechung erlauben. Veillette glaubt, dass solche Ferien angesichts der Grösse seines Bistums und des Mangels an Priestern auch künftig notwendig seien. Vom Dekret über kollektive Absolutionen, das von der kanadischen Bischofskonferenz angenommen worden sei, hätte er sich „einen viel pastoraleren Ton“ gewünscht.
Diplomatische Beziehungen Moskau-Vatikan
Die Russische Föderation und der Heilige Stuhl kündigten nach dem Treffen zwischen dem russischen Präsidenten Medwedew und Papst Benedikt XVI. Anfang Dezember die Aufnahme voller diplomatischer Beziehungen an. Der russische Aussenminister wird die Verhandlungen führen. Seit 1990 pflegen der Vatikan und Russland bereits diplomatische Beziehungen, allerdings nur als Austausch von Repräsentanten, die nicht den Status von vollen Botschaftern haben.
Baut Architekt Botta vatikanischen Biennale-Pavillon?
Für den Entwurf eines Vatikan-Pavillons auf der Biennale 2011 in Venedig ist Mario Botta im Gespräch. "Man hat mich gefragt, und ich habe gesagt, ich bin interessiert", sagte der Schweizer Architekt. Erzbischof Gianfranco Ravasi, Leiter des päpstlichen Kulturrats, hat den Tessiner Architekten Botta als einen "langjährigen Freund" informell angefragt. Botta hat sich durch seine Sakralbauten international einen Namen gemacht, u.a. mit der Kathedrale von Evry bei Paris und der Synagoge in Tel Aviv.
Weibliche Muftis in den Emiraten
Die Vereinigten Arabischen Emirate haben beschlossen, dass Frauen auch Muftis (Richterinnen nach islamischem Recht) werden können und somit Fatwas und andere religiöse Rechtsgutachten geben dürfen. Die Ausbildung zum Mufti wollen im Januar zunächst sechs Frauen antreten, berichtet eine Tageszeitung in Dubai.
Christenverfolgungen in Indien
Im südlichen Bundesstaat Tamil Nadu haben neuerlich Hindu-Extremisten christliche Kirchen attackiert. Die Angreifer gingen teils mit Bomben, Steinen und gefüllten Benzinkanistern vor. In einem Fall zerstörten sie auch eine Statue des Indien-Missionars Franz Xaver bei einer Adventsprozession. „Diese Angriffe auf die christliche Minderheit sind eine Schande für die säkulare Seele der indischen Nation; sie müssen die Autoritäten dazu bringen, Sicherheit zu liefern und die Kulturfreiheit zu garantieren“, sagte ein Sprecher des indischen Christenrates. Vor gut einem Jahr hatten Dutzende Hindu-Attacken auf Christen und ihre Kirchen Tausende Menschenleben gefordert. Teils leben die Vertriebenen immer noch in Lagern.
Bischof gibt Queen einen Korb
Der ehemalige Erzbischof von Westminster, Kardinal Cormac Murphy-O'Connor, hat eine Aufnahme in den britischen Adel abgelehnt. Der pensionierte Primas der Katholiken in England und Wales will keinen Sitz im britischen Oberhaus einnehmen. Grund für die Ablehnung des Adelstitels sind innerkirchliche Bedenken. Einige Bischöfe in England und Wales sahen die politische Unabhängigkeit der katholischen Kirche in Gefahr. Andere argumentierten, das Kirchenrecht verbiete es Geistlichen, politische Ämter anzunehmen. Von der anglikanischen Kirche sind 26 Geistliche Mitglieder des britischen Oberhauses. Auch der britische Oberrabbiner Jonathan Sackes wurde dieses Jahr in den Adelsstand aufgenommen.
Tony Blair: vom Saulus zum Paulus ?
Der frühere britische Premierminister Tony Blair wird vom Irakkrieger zum Gottessucher. Der von der anglikanischen Kirche zum Katholizismus konvertierte Blair gründete eine Stiftung für Glaubensfragen und wirkt als Nahostgesandter der internationalen Gemeinschaft in Jerusalem. In einem Gespräch mit der ZEIT sagte er: "Der Glaube gibt innere Freiheit. Als ich Premierminister war, wurde mir immer gesagt: Niemand hört freiwillig auf, Premierminister zu sein. Ich gab das Amt mit 54 Jahren auf, in dem Alter werden die meisten erst Premierminister. Der Glaube gibt Ihnen die Stärke, den Werten treu zu bleiben, an die Sie glauben. Darüber hinaus kann er diese Werte auch formen und damit auch die Handlungen, die sich daraus ergeben. Wenn Sie als Politiker über Glauben reden, besteht das Risiko, dass die Leute sich falsche Vorstellungen machen: Was ist die richtige Gesundheitsreform – jetzt bete ich für ein paar Stunden, dann komme ich schon auf die Antwort. Was die Leute verstehen müssen: Als Politiker versuchen Sie Entscheidungen so zu treffen, wie Ihre Vernunft Ihnen das diktiert. Der Glaube zwingt Sie also nicht zu einer Entscheidung, er bestärkt Sie, sie durchzusetzen, auch wenn sie zum Beispiel unpopulär ist. Ich war zum Beispiel ein starker Befürworter von Stammzellforschung, weil ich glaube, sie gibt uns die Möglichkeit, schwer kranken Menschen ein Leben zu eröffnen, das sie bisher fast nicht oder gar nicht führen können. Darüber gab es auch in der katholischen Kirche wie in der Gesellschaft eine breite Diskussion. Ich kam am Ende zu der Schlussfolgerung, was das Richtige zu tun sei. Und dann ist es meine Pflicht, es auch zu tun. Das hat mich an diesem speziellen Punkt in Konflikt mit den Lehren der Kirche gebracht. Für Gläubige gibt es im Unterschied zu Atheisten oder zu religiös Gleichgültigen mit einem anderen Gläubigen einen unmittelbaren Berührungspunkt, auch wenn der einer anderen Religion angehört. Man ist interessierter an anderen Religionen, die Motivation ist grösser. Ich lese regelmässig den Koran, praktisch täglich.
Deutsche Bischöfe freuen sich über Sonntagsschutz
Katholische und evangelische Kirchenvertreter sind erleichtert nach dem richtungsweisenden Urteil des Bundesverfassungsgerichts zum Sonntagsschutz. Das Verfassungsgericht hatte die in Berlin geltende Ladenöffnung an allen vier Adventssonntagen für verfassungswidrig erklärt. Damit wurde den Verfassungsbeschwerden der evangelischen und katholischen Kirche der Hauptstadt stattgegeben.
Religion wächst im Internet
Immer mehr Menschen verbringen einen grossen Teil ihres Lebens im Internet. Jeder vierte Nutzer interaktiver Internet-Welten ist religiös interessiert. Die Nutzer religiöser Angebote im Internet sind meist zwischen 30 und 39 Jahre alt und gehören somit zu einer Klientel, die in Ortsgemeinden nicht sehr stark vertreten ist. Die Kirchen wollen in Deutschland Darum zunehmend im Internet präsent werden mit gefragten Angeboten wie Seelsorge per Chat oder Live-Gespräch sowie mit virtuellen Bibelkreisen. Weil die Gemeindebildung und das Spenden von Sakramenten im Internet nie möglich sein werden, kann das Internet die Angebote in Pfarreien nicht ersetzen, wohl aber ergänzen. Interessant sind die neuen virtuellen Möglichkeiten auch speziell für Menschen, die aufgrund räumlicher Distanz nicht am Leben einer Gemeinde teilhaben können. Für ältere oder behinderte Menschen könnten vermehrt virtuelle Andachten oder Internet-Gesprächskreise zu theologischen Themen entstehen. Angebote der Kirchen für die Nutzer von Internet-Umgebungen mit dreidimensionaler Anmutung ist bislang rar. Die erste evangelische Gemeinde in «Second Life» ist aus dem freikirchlichen Bereich heraus gegründet worden.
Papstreisen 2010
Benedikt XVI. beschränkt sich im nächsten Jahr auf Reisen in Europa. Im April wird der Papst Malta besuchen. Auch wird er im September anlässlich der Seligsprechung von Kardinal John Henry Newman in England (London, Birmingham, Oxford), Schottland (Edingburgh) und - eventuell auf einer separaten Reise - in Nordirland Station machen. Ebenfalls wird der Pontifex nach Portugal reisen. Voraussichtlich wird er am 13. Mai in Fatima einen Gottesdienst zelebrieren. An jenem Tag wird die erste Marienerscheinung gefeiert. Und es war auch der Tag des Attentats auf Johannes Paul II. im Jahre 1981. Als der Fatima-Verehrer Woytila seinen Täter Ali Agca zwei Jahre später im Gefängnis besuchte, meinte er ironisch: "Sie hätten nicht diesen Tag wählen dürfen.
Die für Juni 2010 geplante Reise von Papst Benedikt XVI. nach Zypern wird einen stark ökumenischen Charakter tragen. Zypern hat eine alte christliche Tradition. Benedikt XVI. wird dort neben der katholischen Minderheit vor allem wichtigen Vertretern der Orthodoxie begegnen.
Der Vatikan, die Pius-Brüder und Konzil
In der vatikanischen Glaubenskongregation haben am 26. Oktober die theologischen Gespräche mit der schismatisch orientierten Piusbruderschaft begonnen. Die Gespräche sollen voraussichtlich alle 14 Tage stattfinden. In den Verhandlungen der kommenden Monate soll es insbesondere um das Verständnis der Tradition in der Kirche, um die Messliturgie von Paul VI. (1963-78) und um das Verständnis des Zweiten Vatikanischen Konzils in Kontinuität mit der katholischen Glaubenstradition gehen. Dabei wird man Fragen der Einheit der Kirche und der katholischen Prinzipien der Ökumene, der Beziehungen zu den nichtchristlichen Religionen sowie der Religionsfreiheit erörtern. Die auf Erzbischof Marcel Lefebvre zurückgehende Pius-Bruderschaft mit ihrem Generalhaus in Menzingen (Kanton Zug) ist laut eigenen Angaben in 63 Ländern weltweit vertreten und zählt rund 600 000 Anhänger, vier Bischöfe, 500 Priester und 200 Seminaristen.
Die Jesuitenzeitschrift „Stimmen der Zeit“ sieht hinter der von Papst Benedikt XVI. gewünschten Aussöhnung mit den Traditionalisten einen innerkirchlichen Richtungsstreit. Die Piusbruderschaft habe „erklärtermassen nicht vor“, das Zweite Vatikanische Konzil uneingeschränkt anzuerkennen, schreibt Chefredakteur Andreas Batlogg. Mit der Bruderschaft „mögen jetzt auch andere Kreise ihre Stunde gekommen sehen, das Zweite Vatikanum kleinzureden“. Batlogg schreibt, gegen eine schleichende Aushöhlung und Demontage des Konzils sowie gegen spitzfindige Umdeutungen könne nur der Papst selbst einschreiten. Derweil appelliert die kritische Bewegung „Wir sind Kirche“ an die deutschen Bischöfe, die Kirche auf dem Kurs des Konzils zu halten. Die Bischöfe sollten sich „unmissverständlich in Rom zu Wort melden“, falls auch nur der Anschein von Zugeständnissen des Vatikans an die Piusbruderschaft bei der Auslegung der Konzilstexte entstünde.
EU gegen Christenverfolgungen
Der EU-Ministerrat will sich in einer seiner nächsten Zusammenkünfte dem Thema der Verfolgung von Christen und anderen religiösen Minderheiten widmen und sich für eine klare und deutliche Parteinahme Europas für die Religionsfreiheit einsetzen.
Vatikan begrüsst Nobelpreis für Obama
Der Vatikan begrüsst die Vergabe des Friedensnobelpreises 2009 an US-Präsident Barack Obama. Der Vatikan unterstreicht vor allem die internationalen Friedensbemühungen Obamas und seinen Einsatz zur atomaren Abrüstung. Die US-Bischöfe sind weniger begeistert. Sie haben den neuen US-Präsidenten in jüngster Zeit immer wieder heftig kritisiert für seine Stellung zu bioethischen Themen, darunter die Abtreibung. Der von Alfred Nobel gestiftete Preis wird seit 1901 jedes Jahr am Todestag Nobels, dem 10. Dezember, in Oslo verliehen.
Obama, der mit dem Krieg in Afghanistan und Irak auch Kritik aus aller Welt vernimmt, unterstrich in seiner Rede bei der Verleihung, dass die Erhaltung und Schaffung von Frieden den Krieg als "ultima ratio" zur Durchsetzung nicht generell ausschliessen könne. Als Beispiel brachte er u.a. die Vertreibung Hitlers durch die Alliierten.
Ringen um Seligsprechung von Johannes Paul II.
Im Herbst verkündeten kirchliche Medienagenturen, Papst Johannes Paul II. solle noch in diesem Jahr selig gesprochen werden. Nun ist die Rede vom Mai 2010. Doch im Moment wird noch darum gerungen, ob die Seligsprechung in Krakau oder im Vatikan durchgeführt werden soll. Ort und Datum soll nun Papst Benedikt bestimmen.
Papst traf Stars der internationalen Kunstszene
Grosse Namen der internationalen Kunstszene trafen am 21. November mit Papst Benedikt XVI. in der Sixtinischen Kapelle zusammen, unter ihnen der US-Videokünstler Bill Viola, der britische Künstler Anish Kapoor, der britische Filmemacher Peter Greenaway und der Schauspieler Terrence Hill, der Sänger Andrea Bocelli, der Dirigent Riccardo Muti, der Filmmusiker Ennio Morricone, der US-amerikanische Theaterregisseur Bob Wilson und seine deutschen Kollegen Peter Stein und Philpp Gröning sowie die Star-Architekt Daniel Libeskind und Zaha Hadid. Der päpstliche Kulturrat, der das Treffen ausrichtet, hat die Künstler nicht nach ihrer Religionszugehörigkeit ausgesucht. Der Vatikan sucht den Dialog mit der zeitgenössischen Kunst seit längerer Zeit und wird an der Biennale von Venedig im Jahr 2011 mit einem eigenen Pavillon vertreten sein. Ziel des tieferen Dialogs zwischen Kirche und Kunst sei, dass die zerbrochene Allianz zwischen Religion und Kunst wieder fruchtbar werde und gemeinsam nach Sprache und Bildern der Transzendenz gerungen werden könne. „Die Welt, in der wir leben, braucht Schönheit, um nicht in Verzweiflung zu versinken“, wandte sich der Papst an die versammelten Künstler. Als „Treuhänder des Schönen“ könnten sie gerade in Krisenzeiten wie heute neuen Mut und Hoffnung wecken.
Originalrede des Papstes (anklicken)
Begeistert haben sich viele Künstler über das Treffen geäussert. Der New Yorker Stararchitekt Daniel Libeskind lobte die Äusserungen des Papstes über die Schönheit: „Seine Botschaft ging weit über bloss ästhetische Konzepte von Schönheit und Hässlichkeit hinaus. Der Papst hat damit die Situation der Menschheit heute angesprochen, und ich habe seine Rede als sehr tiefgründig empfunden. Er hat vor allem den spirituellen Aspekt der Kunst hervorgehoben und klar gemacht, dass Kunst nicht irgendein kommerzielles Bestreben ist, die Welt zu dekorieren, sondern ein Schlüssel, um die Bedeutung des Lebens auszudrücken.“ Die Stararchitektin Zaha Hadid das Treffen lobte die interreligiöse Ausrichtung des Treffens: „Ich bin als Muslimin geboren und ging auf eine christliche Schule in Bagdad. Das Treffen heute macht deutlich, dass unterschiedliche Religionen nebeneinander existieren können und dass die Bereitschaft besteht, Unterschiede zu akzeptieren. Ich denke, die Tatsache, dass der Papst all diese Leute eingeladen hat, um sich mit ihnen über Kunst auszutauschen, ist eine sehr befreiende Idee.“
Kommunion für Geschiedene
Die französische Zeitschrift "Pèlerin" greift ein Streitthema auf, das unter dem Pontifikat von Benedikt XVI. kaum diskutiert wird, aber selbst 40% der engagierten, praktizierenden Katholikinnen und Katholiken angeht: die Behandlung der wiederverheirateten Geschiedenen durch die Amtskirche. Die Linie des Papstes ist klar: Keine Kommunion für geschiedene und wiederverheiratete Katholiken; lebenslanger Ausschluss von der Kommunion. Beim Treffen mit Frankreichs Bischöfen in Lourdes im Herbst 2008 schärfte Benedikt ferner zum wiederholten Male das Verbot von Segnungen für wiederverheiratete Geschiedene aus Anlass ihrer zweiten Hochzeit ein: »Initiativen, die die Segnung von illegitimen Verbindungen anstreben, können nicht zugelassen werden.« Manche der französischen Bischöfe halten sich nicht an die vom Papst geforderte Haltung.
Kennedy-Neffe von der Kommunion ausgeschlossen
In den USA spitzt sich der Konflikt zwischen der katholischen Kirche und dem demokratischen Politiker Patrick Joseph Kennedy, einem Neffen John F. Kennedys, weiter zu.
Thomas Tobin, Bischof von Providence im US-Bundesstaat Rhode Island, verfügte einen Ausschluss Kennedys vom Empfang der Eucharistie. Als Ursache nannte der demokratische Kongressabgeordnete seinen wiederholten Einsatz für das Recht auf Abtreibung. Bischof Tobin habe dies Kennedy schriftlich mitgeteilt und gleichzeitig auch alle Priester seiner Diözese angewiesen, diese Anordnung zu beachten.
Kirchschläger gegen kirchlichen Zentralismus
Der Luzerner Bibelwissenschaftler Prof. Walter Kirchschläger (Autor des Pfarreiblatt-Artikels über Weihnachten) ortete in Wien bei einem Treffen der "Laien-Initiative", der "Pfarrer-Initiative", der Gruppierung "Priester ohne Amt" (PoA) und der Initiative "Wir sind Kirche" Reformbedarf in der katholischen Kirche. In seinem Grundsatzreferat über eine "Kirche in der Nachfolge Jesu Christi" plädierte Kirchschläger für "Subsidiarität statt Zentralismus, 'kreative Theologie' statt Beharrlichkeit". Kirchschläger bedauerte, dass seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil ein "immer dichteres Netz an Reglementierungen" über die Kirche gespannt wurde. Auch Bischöfe seien "unter Kuratel gestellt" worden, Kollegialität werde bestenfalls "beschworen statt gelebt". Entscheidungen würden intransparent erfolgen, die Suche nach Begründungen erweise sich oft als "Jagd nach Indiskretionen", so Kirchschläger. Der Theologe unterstrich, dass Ortskirchen nach biblischem Zeugnis als vollwertige Gestalt der Kirche Christi zu sehen seien und nicht als "Zweigstellen einer Zentrale in Rom". Statt zentralistischer Bischofsbestellungen empfahl Kirchschläger den Usus in Ordensgemeinschaften, die den synodalen Modus einer Entscheidungsfindung seit jeher erfolgreich vorlebten.
Traditionalistische Anglikaner werden katholisch
Papst Benedikt XVI. wird demnächst ein Dokument veröffentlichen, das den Übertritt anglikanischer Priester und Laien in die katholische Kirche regelt. Diese sollen einem sogenannten Personal-Ordinariat (eheloser Bischof oder Priester) unterstellt sein. Die verheirateten anglikanischen Priester dürfen in der katolischen Kirche weiterhin als Priester wirken. Der Grund für den Übertritt von Anglikanern ist die Weihe von Frauen zu Priesterinnen und Bischöfinnen sowie von Homosexuellen zu Bischöfen und Priestern. Die erste Gruppe, die von den neuen Richtlinien profitiert, könnte die „Traditional Anglican Community“ (TAC) sein. Sie hatte sich 1991 von der übrigen anglikanischen Weltgemeinschaft getrennt und zählt rund 500.000 Mitglieder weltweit. Die konservative anglikanische Gruppierung „Forward in Faith“ geht davon aus, dass etwa ein Dutzend Bischöfe darüber nachdenkt, katholisch zu werden. Viele traditionelle Anglikaner leben in den Entwicklungs- oder Schwellenländern; ihre Bischöfe haben sich zu einer Gruppe namens „Global South“ zusammengeschlossen, die nach eigenen Angaben fast die Hälfte aller Anglikaner weltweit repräsentiert. Die „Global South“-Gruppe fordert die Anglikaner aber auf, ihre Kirche nicht zu verlassen, sondern sie von innen her von der Liberalisierung abzubringen.
Papst Benedikt hat sich am 21. November im Vatikan mit dem anglikanischen Primas und Erzbischof von Canterbury, Rowan Williams, getroffen. Der Vatikan sprach hinterher in einem kurzen Statement von einem „herzlichen Gespräch“: Beide Seiten hätten ihren Willen bekräftigt, „die ökumenischen Beziehungen zwischen Katholiken und Anglikanern fortzusetzen und zu stärken“. Sie seien auch „auf die jüngsten Vorkommnisse in den Beziehungen“ eingegangen, so das Vatikan-Statement wörtlich. Benedikt XVI. hatte unlängst eigene Kirchenstrukturen – so genannte „Pastoralordinariate“ – für Anglikaner geschaffen, die zur katholischen Kirche übertreten wollen. Dieser Schritt war in Teilen der anglikanischen Kirche auf Kritik gestoßen. Erzbischof Williams hatte die päpstliche Initiative in Rom als „phantasievoll“ bezeichnet; aus seiner Sicht werde sie nicht zu Massenübertritten führen.
Kardinal Martini über Zölibat und Geschiedene
Bereits vor einigen Monaten sorgte der 81-jährige ehemalige Mailänder Erzbischof und Jesuitenpater, Kardinal Carlo Maria Martini, für Schlagzeilen, als er im Buch "Nachtgespräche in Jerusalem" seine offene Haltung gegenüber verheirateten Priestern und wiederverheirateten Geschiedenen äusserte. In einem Buchinterview mit Don Luigi Verze, dem Gründer und Präsidenten des Mailänder San Raffaele-Krankenhauses, sagte Martini, dass sich unter den wiederverheirateten Geschiedenen immer wieder Personen befänden, die ohne eigene Schuld in einer unumkehrbaren Situation lebten und Verpflichtungen gegenüber den Kindern aus der zweiten Ehe hätten. Mit Freude habe er die Güte des Papstes gesehen, der die Exkommunikation der vier Lefebvre-Bischöfe zurückgezogen habe, führte Martini aus. Aber es gebe viele andere Gläubige, die heute ebenfalls leiden, weil sie sich ausgegrenzt fühlen. Man sollte auch an sie denken, so der Kardinal. Die ganze Kirche müsse, unter Leitung des Papstes, über diese Fragen nachdenken. Und zum Priesterzölibat meinte Martini, der bei der letzten Papstwahl vor Josef Ratzinger in einer ersten Wahl zum Nachfolger Petri gewählt worden sei, aber wegen seiner Parkinson'schen Krankheit einen zweiten Fall Woityla vermeiden wollte: "Ich glaube, dass der Zölibat ein sehr grosser Wert ist, der immer in der Kirche bewahrt werden wird. Man muss jedoch fragen, ob er notwendigerweise allen Priestern auferlegt werden muss. Die Praxis in den katholischen Ostkirchen, wo der Zölibat nicht von allen verlangt werde, hat sich bewährt. Und es gibt auch den Vorschlag der Weihe von 'viri probati', also von bewährten verheirateten Männern."