Heilige Öle im Lederköfferchen
Jedes Jahr weiht Bischof Felix Gmür in der Karwoche die heiligen Öle. In der Luzerner Pfarrei St. Leodegar holen Sakristan:innen diese mit speziellen Gefässen ab.
Priska Rüegsegger von der Pfarrei Rothenburg füllt Chrisamöl für die Pfarrei Rothenburg ab. | Bild: Sylvia Stam
Mittwochnachmittag der Karwoche 2025. Im Pfarrhaus der Hofkirche St. Leodegar in Luzern herrscht ein reges Kommen und Gehen: Sakristan:innen aus dem ganzen Kanton reisen an, um die heiligen Öle abzuholen. Diese werden in den Pfarreien für Taufe, Firmung und Krankensalbung verwendet. Auf einem Tisch stehen drei tönerne Töpfe bereit, jeder hat ein Messingplättchen an einer Kette umgehängt. Darauf steht in lateinischer Sprache, welches Öl darin enthalten ist: das Chrisamöl für Taufe und Firmung, das Katechumenenöl für die Taufbewerber:innen und das Krankenöl für die Krankensalbung.
Fläschchen und Köfferchen
Die Sakristan:innen, die an diesem Tag aus Weggis, Adligenswil, Horw, Kriens, Littau und Rothenburg eintreffen, haben spezielle Gefässe dabei, um die Öle abzufüllen und
in ihre Pfarreien zu transportieren. Viele kommen mit drei gläsernen Fläschchen, die sich in einem ledernen Köfferchen befinden. Andere haben silber- oder goldfarbene kleine Döschen dabei. Es fällt auf, mit welcher Sorgfalt die Sakristan:innen die Gefässe behandeln.
Günter Dresselhaus aus Adligenswil etwa hat das Lederköfferchen zusätzlich mit einem weissen Tuch umwickelt. Er füllt je ungefähr einen halben Deziliter der Öle in kleine Fläschchen ab. «Man staunt, wie wenig es braucht», sagt er. Jetzt, wo die Firmung im Pastoralraum jeweils abwechselnd in einer anderen Pfarrei stattfinde, brauche es noch weniger.
Edle Lederköfferchen für den sicheren Transport. | BIld: Sylvia Stam
Wenig Krankensalbungen
Eine grosse 5-dl-Flasche mit rot-weissem Bügelverschluss bringt Priska Rüegsegger aus Rothenburg mit. Sie füllt sie zur Hälfte mit Chrisamöl. «Wir haben etwa 25 Täuflinge und 45 Firmlinge pro Jahr», erzählt sie. Für das Krankenöl hat sie ein kleineres Fläschchen dabei. «Am Krankensonntag kommen nicht mehr so viele Leute, um die Krankensalbung zu empfangen.» Nur vereinzelt werde ein Priester zu Menschen gerufen, um dieses Sakrament zu spenden.
Zwei Tage zuvor war das Öl in Frauenfeld in der sogenannten Chrisammesse von Bischof Felix Gmür geweiht worden. Von dort wurde es durch ein Pfarreimitglied in Kanistern nach Luzern geholt.
Im Osterfeuer verbrannt
«Seit Jahren bestellen wir von jedem Öl jeweils acht Liter», erklärt Pfarreileiterin Claudia Nuber. «Letztes Jahr hatten wir insgesamt rund acht Liter übrig. Daher habe ich dieses Jahr auf fünf Liter reduziert. Auch wenn es sich um ein geweihtes Öl handelt, muss es gerade in diesen Mengen ökologisch entsorgt werden. Wir bringen es daher laut Empfehlung des Bistums in die Entsorgungsstelle. » Die kleinen Mengen, die in den Pfarreien übrigbleiben, werden im Osterfeuer verbrannt, wie alle befragten Sakristan:innen bestätigen.
Duftendes Olivenöl
Die Basis der heiligen Öle ist Olivenöl. Ihnen beigemischt wird ein Balsam oder Duftöl.
Das Chrisamöl wird für die Taufe, die Firmung und diverse Weihen verwendet (Priester,
Bischöfe, Altäre, Glocken). Das Katechumenen-
öl ist für die Salbung der Taufbewerber:innen und das Krankenöl für die Krankensalbung.