Was Frauen und Familien brauchen
Der Solidaritätsfonds des «Frauenbund Schweiz» hilft seit 50 Jahren Frauen und Familien in einer schwierigen Lebenslage. Luzern ist einer der Kantone, aus denen die meisten Gesuche kommen.
Wie die Ausstattung des Babys bezahlen? Wie die Betreuung? Die Geburt eines Kindes kann Frauen in finanzielle Not bringen. | Illustration: Adobe Stock
Zum Beispiel Frau L.: Sie ist alleinerziehend und arbeitet in einem 40-Prozent-Pensum. Nach der Geburt des zweiten Kindes wird es finanziell eng. Der Solidaritätsfonds übernimmt einen Teil der offenen Betreuungskosten. Oder Frau N.: Ihr Mann arbeitet Vollzeit, trotzdem überfordern die zusätzlichen Ausgaben rund um die Geburt des ersten Kindes das Paar. Der Fonds unterstützt die Familie mit einem Beitrag an die Babyausstattung.
Zwei von vielen Beispielen, wie der Solidaritätsfonds für Mutter und Kind hilft. Für Katharina Jost Graf ist dieser ein «kleines, aber effektives Hilfswerk, das da ist, wenn Kinder das schmale Familienbudget sprengen». Jost Graf ist Co-Präsidentin des «Frauenbund Schweiz» und Seelsorgerin im Pastoralraum Hürntal, wo eine Feier zum Fondsjubiläum stattfindet.
In Ergänzung des Staats
Der Schweizerische Katholische Frauenbund, wie er damals hiess, gründete das Werk 1976 als «Solidaritätsfonds für werdende Mütter in Bedrängnis». Die jährliche Kirchenkollekte und Spenden äufnen den Fonds. Seit der Gründung wurden über 30 000 Frauen und Familien unterstützt, die sich in einer schwierigen Lebenssituation befanden. Ein Gesuch einreichen können Frauen, die von einer Beratungsstelle begleitet werden. «Der Fonds greift dort, wo die staatliche Hilfe nicht ausreicht», erklärt Jost Graf. Zum Beispiel bei einer Mehrlingsgeburt. Oder wenn ein Zuschuss es einer jungen Mutter ermöglicht, die Ausbildung fortzusetzen. Die Hilfe ist jeweils als Überbrückung gedacht.
Im Jahr 2024 wurden nach Angaben des Frauenbunds 399 Gesuche bewilligt. Die meisten kamen aus den Kantonen Waadt, Luzern und Bern; jede vierte Mutter war alleinerziehend, viele waren jünger als 20 Jahre. In Luzern befindet sich zudem die Kontaktstelle des Fonds.
Jesus und die Kinder
Hinsehen und wahrnehmen, was Mütter und Kinder brauchen: Für Jost Graf ist dies eine biblisch verortete Aufgabe. Sie verweist auf den Text im Markus-Evangelium, in dem Jesus die gelehrten Männer um ihn zurechtweist, sie sollten doch die Kinder zu ihm kommen lassen. Jesus habe die Kinder und Mütter nicht fortgeschickt, sagt sie. «Er wollte sie sehen, mit ihnen Zeit verbringen, ihnen zuhören und Raum geben.» Dies sei für den Frauenbund ein Vorbild dafür, «dass auch wir in unserer Gesellschaft Kindern und Müttern und ihren Bedürfnissen, Sorgen und Freuden Raum geben».
Auf Spenden angewiesen
Der Frauenbund feiert das 50-jährige Bestehen des Solidaritätsfonds am 11. Januar 2026 mit einem Gottesdienst um 9.30 Uhr in der Pfarrkirche Dagmersellen. Am gleichen Wochenende wird – wie jedes Jahr – in den Gottesdiensten die Kollekte für den Fonds eingezogen.
Der Ertrag daraus ist rückläufig, es braucht deshalb auch Spenden. 2024 betrugen die Gesamteinnahmen gemäss Frauenbund rund 700 000 Franken, 70 000 Franken zu wenig, um alle Kosten zu decken.